Der Hals gilt als einer der elegantesten, aber auch verräterischsten Bereiche des Körpers. Während das Gesicht oft gut gepflegt und mit modernen Behandlungsmethoden jugendlich gehalten wird, wird der Hals häufig „vergessen“ – bis er die ersten deutlichen Zeichen der Hautalterung zeigt. Dabei lässt sich gerade der Hals heute mit gezielten kosmetischen und apparativen Verfahren sichtbar verjüngen und straffen – ganz ohne chirurgischen Eingriff.
Da die Haut am Hals dünner ist als im Gesicht und weniger Talgdrüsen besitzt, neigt sie stärker zur Trockenheit und verliert früher an Elastizität. Hinzu kommt, dass die Muskulatur – vor allem der Platysma-Muskel – mit zunehmendem Alter erschlafft. Auch Umwelteinflüsse, UV-Strahlung und der ständige Blick auf das Smartphone („Tech Neck“) beschleunigen den Alterungsprozess.
Im Verlauf der Jahre nimmt zudem die Produktion von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure deutlich ab. Die dermale Matrix verliert an Dichte, die Mikrozirkulation wird schwächer, und die Fibroblastenaktivität verlangsamt sich. Dadurch kommt es nicht nur zu Falten, sondern auch zu einem generellen Volumenverlust und einer verringerten Spannkraft.
Das Ergebnis: feine Querfalten, schlaffe Konturen und eine ungleichmäßige Hautstruktur.
Eine erfolgreiche Arbeit, den Hals wieder zu straffen, muss daher tiefer ansetzen als eine einfache Pflege von außen – sie sollte die Haut auf Zellebene stimulieren, um Regeneration und Neubildung von Strukturproteinen anzuregen. Daher empfehle ich neben apparativen Behandlungen auch immer die Einnahme von spezifischen Nahrungsergänzungsmitteln, die dies unterstützen. Allen voran Kollagen, Hyaluron und Vitamin C.
Vorsicht bei sensiblen Stellen
Wenn wir die Behandlung des Halses in den Fokus nehmen, müssen wir ein besonderes Augenmerk auf einen besonders sensiblen Bereich des Halses haben, den Bereich der oberen Halsmitte, wo sich die Schilddrüse befindet. Hier verlaufen empfindliche Strukturen wie Blutgefäße, Lymphbahnen und Hormondrüsen.
Kosmetische Behandlungen müssen in diesem Bereich stets mit besonderer Vorsicht und reduzierter Intensität durchgeführt werden. Bei apparativen Behandlungen gilt in der Regel, dass dieser Bereich auszusparen ist.
Vor allem bei Kundinnen und Kunden mit bekannten Schilddrüsenproblemen (zum Beispiel Über- oder Unterfunktion, Hashimoto-Thyreoiditis oder Knotenbildung) sollte die Behandlung individuell angepasst werden.
Massagetechniken
Neben apparativen Technologien spielen gezielte Massagetechniken eine zentrale Rolle in der Halsstraffung. Apparative Vakuummassagen, bei denen durch rhythmischen Unterdruck das Gewebe sanft angehoben und wieder gelöst wird, verbessern die Mikrozirkulation, aktivieren den Lymphfluss und regen die Sauerstoffversorgung der Haut an – ein entscheidender Faktor für die Zellregeneration und Spannkraft.
Ergänzend hierzu kann die manuelle Gua-Sha-Massage mit glatten Steinen aus Rosenquarz oder Jade eine wohltuende modellierende Wirkung haben. Durch gezielte Ausstreichbewegungen entlang der Lymphbahnen werden der Gewebestoffwechsel angeregt, Stauungen gelöst und die Kontur sichtbar verfeinert. Wichtig ist auch hier, im Bereich der Schilddrüse mit sehr sanftem Druck und gleitenden Bewegungen zu arbeiten. Mein Tipp: Zeigen Sie Ihrer Kundin oder Ihrem Kunden diese Massage, damit sie für ein optimales Ergebnis täglich zu Hause durchgeführt werden kann.
Radiofrequenz
Radiofrequenzbehandlungen gehören zu den effektivsten Methoden, um die Haut am Hals zu straffen. Die kontrollierte Wärmeenergie dringt tief in die Dermis ein und stimuliert dort die Kollagen- und Elastinproduktion. Schon nach wenigen Behandlungen wirkt die Haut fester und definierter. Besonders in Kombination mit Microneedling kann die Radiofrequenz-behandlung beeindruckende Ergebnisse erzielen.
Bitte beachten
- Radiofrequenz- und Ultraschallbehandlungen fallen unter die Vorgaben der NiSV.
- Bei der Halsbehandlung muss der Bereich der Schilddrüse großräumig ausgespart werden. Beim Mi-croneedling können Sie diesen Bereich aber mitbehandeln.
Microneedling
Mit ultrafeinen Nadeln werden Mikrokanäle in der Haut geöffnet. Diese Mikroverletzungen regen die natürliche Wundheilungsreaktion an – der Körper produziert vermehrt Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure. Es entsteht ein kraftvoller Straffungseffekt bis in die tiefen Hautschichten der Dermis. Im Vergleich zur Behandlung im Gesichtsbereich, sollten Sie am Hals mit einer etwas geringeren Nadeltiefe arbeiten.
Ultraschallbehandlungen
Ultraschall transportiert Wirkstoffe in die Tiefe und regt die Zellaktivität an. Durch die mikromechanische Stimulation werden die Fibroblasten aktiviert – das Gewebe gewinnt an Dichte und Spannkraft. Zudem wird die Hautdurchblutung verbessert, was die Aufnahme von Nährstoffen optimiert.
Jet-Geräte oder Aquafacials
Diese nichtinvasiven Verfahren reinigen, exfolieren und versorgen die Haut intensiv mit Wirkstoffen. Besonders im Hals- und Dekolletébereich führen sie zu einer sofortigen Glättung und einem sichtbar frischeren Hautbild. Besonders gute Ergebnisse konnte ich in Kombination mit Radiofrequenz- oder Microneedling-Behandlungen erzielen.
Kombination ist der Schlüssel
Ein straffer Hals entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein individuell abgestimmtes Konzept. Die Kombination aus apparativer Behandlung, professioneller Pflege und Heimpflege bildet das Fundament nachhaltiger Ergebnisse.
Gerätebehandlungen stimulieren die Hautstruktur, während speziell formulierte Pflegeprodukte mit Peptiden, Retinol oder Vitamin C den Effekt erhalten und vertiefen.
In der Kabine setzte ich gerne auf spezielle Hals- und Dekolleté-Masken. Auch die altbewährte okklusive Maskenanwendung am Hals ist sehr wirkungsvoll, sofern sie toleriert wird.
Behandlungsintervalle und Hautpflege
Für ein optimales Ergebnis empfiehlt sich eine Serie von mindestens sechs Behandlungen im Abstand von zwei Wochen. Je nach Hautzustand können auch bis zu zehn Behandlungen erforderlich sein. Danach reichen meist Erhaltungstermine alle ein bis zwei Monate, um die Stimulation aufrechtzuerhalten. Für die begleitende Heimpflege können Sie häufig auf speziell für den Halsbereich formulierte Cremes setzen. Ideal sind leichte Seren mit straffenden Wirkstoffen und vor allem UV-Schutz.
Ranina Janz
Die Autorin ist gelernte Dipl.-Verwaltungswirtin. Seit über 30 Jahren arbeitet sie als Heilpraktikerin, Spa & Wellnessmanagerin sowie Kosmetikerin. Sie hat ein eigenes Institut auf der Königsallee in Düsseldorf.
www.kosmetik-koegalerie.de
Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL
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