Die Wissenschaft hinter hydrasierter Haut

26.01.2026
Foto: VALUA VITALY/Shutterstock.com

Was tun, wenn die Haut durstig ist? Warum trockene und dehydrierte Haut nicht immer dasselbe sind und wie Pflege mit NMFs und Lipiden helfen kann, lesen Sie hier.

Trockene Haut kann jeden treffen. Sie zeigt sich durch Spannungsgefühl, Rauigkeit, Schuppung oder Juckreiz und entsteht, wenn der Wassergehalt im Stratum corneum, der äußersten Hautschicht, unter etwa zehn Prozent fällt. 
In der Dermatologie spricht man von Xerosis cutis. Dabei fehlt der Haut nicht nur Feuchtigkeit, sondern vor allem Lipide, die die Hornzellen zusammenhalten und den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) begrenzen.
Wird dieses Gleichgewicht gestört, verliert die Haut ihre Schutzfunktion – sie wird durchlässiger, anfälliger und reagiert empfindlicher auf Reize.
Lange galt trockene Haut als rein mechanisches Problem: Man ging davon aus, dass ein ausgetrocknetes Stratum corneum einfach „aufreißt“ und seine Elastizität verliert. Heute weiß man, dass der Prozess weitaus komplexer ist. Die Trockenheit beruht auf biochemischen Veränderungen – insbesondere auf einer verminderten Aktivität jener Enzyme, die für die geregelte Abschuppung (Desquamation) verantwortlich sind. Diese benötigen ausreichend Wasser, um die Verbindungen zwischen den Hornzellen (Corneodesmosomen) zu lösen. Fehlt Feuchtigkeit, verlangsamt sich dieser Prozess, abgestorbene Zellen bleiben haften, und die Haut wirkt schuppig und stumpf. 
Typisch für trockene Haut ist zudem ein Mangel an Ceramiden, freien Fettsäuren und natürlichen Feuchthaltefaktoren (NMFs). Diese Substanzen binden Wasser und stabilisieren die Hautbarriere. Ein Mangel führt zu einem Teufelskreis aus Trockenheit, Entzündung und Barriereabbau – in der Forschung als „Inflamm’dryness“ beschrieben. Eine wirksame Basistherapie sollte daher immer sowohl rückfeuchtende als auch rückfettende Komponenten enthalten. Je ausgeprägter die Trockenheit, desto lipidhaltiger sollte die Pflege gewählt werden – bevorzugt in Wasser-in-Öl-Formulierungen.

Der Unterschied zu dehydrierter Haut

Davon zu unterscheiden ist die sogenannte dehydrierte Haut. Sie beschreibt keinen Hauttyp, sondern einen temporären Zustand, bei dem der Haut Wasser fehlt. Dehydrierte Haut kann daher auch bei Mischhaut oder öliger Haut auftreten. 
Äußere Faktoren wie Heizungsluft, UV-Strahlung, Stress oder ungeeignete Pflege entziehen der Haut Feuchtigkeit, obwohl die Lipidbarriere intakt bleibt. Die Haut wirkt dann fahl, gespannt, verliert an Elastizität und kann sich gleichzeitig ölig anfühlen. Häufig wird dieser Zustand fälschlicherweise für trockene Haut gehalten.
Ob trocken oder dehydriert – in beiden Fällen ist die Barrierefunktion beeinträchtigt. Eine ausgewogene Hydratation ist daher entscheidend für Regeneration, Elastizität und Widerstandskraft. Denn die Enzyme, die abgestorbene Hornzellen lösen, benötigen Wasser, um zu funktionieren. Fehlt es daran, gerät der Erneuerungsprozess aus dem Gleichgewicht.

Natürliche Feuchtigkeitsspender - das Geheimnis der NMF

Damit die Haut weich, glatt und geschmeidig bleibt, ist sie auf ein fein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Wasser, Lipiden und hygroskopischen Molekülen angewiesen: die sogenannten Natural Moisturizing Factors (NMFs). 
Diese natürlichen Feuchthaltefaktoren entstehen aus dem Abbau des Strukturproteins Filaggrin und bestehen aus freien Aminosäuren, Urea, Laktaten und Salzen. Sie binden Wasser im Inneren der Hornzellen und sorgen so für Elastizität und Enzymaktivität. Sinkt ihr Gehalt – etwa durch häufiges Waschen, UV-Strahlung oder Alterungsprozesse – verliert die Haut ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu halten. Die Forschung zeigt, dass NMFs weit mehr leisten, als nur Wasser zu binden. Sie stabilisieren das Lipidnetzwerk der Hornschicht und regulieren die Beweglichkeit der Membranen, was die Barrierefunktion zusätzlich stärkt. Besonders spannend: Moleküle wie Glycerin oder Urocaninsäure können die Fluidität der Hautlipide erhöhen und verhindern so, dass die Barriere bei hoher Feuchtigkeit instabil wird. Diese Erkenntnisse erklären, warum Pflegeprodukte mit Glycerin, Urea oder Aminosäuren so effektiv sind: Sie ahmen die natürlichen Mechanismen der Haut nach und gleichen Defizite direkt dort aus, wo sie entstehen.
Neben den NMFs tragen auch strukturelle Komponenten wie Ceramide, Cholesterin und Fettsäuren dazu bei, Wasser zu speichern und die Barriere zu festigen. Sie bilden den „Mörtel“ zwischen den Hornzellen und verhindern übermäßigen Wasserverlust. Eine zentrale Rolle spielt zudem Aquaporin-3 (AQP3) – ein Kanalprotein in den Keratinozyten, das Wasser und Glycerin transportiert und so die Feuchtigkeitsverteilung in der Epidermis reguliert. Gemeinsam mit Hyaluronsäure, die Wasser im Gewebe bindet, sorgt AQP3 für eine stabile, hydratisierte Hautstruktur.
Das Verständnis dieser natürlichen Mechanismen ist die Grundlage moderner Feuchtigkeitspflege – entscheidend ist jedoch, wie diese Prinzipien in kosmetischen Formulierungen umgesetzt werden.

Feuchtigkeit mit System: Richtige Kombination zählt

Die beste Feuchtigkeitspflege für trockene Haut kombiniert drei Strategien: Feuchtigkeit anziehen, speichern und bewahren. Dafür werden meist drei Wirkstoffgruppen eingesetzt:

  • Humectants (Feuchthaltemittel) wie Glycerin, Urea (Harnstoff) oder Hyaluronsäure ziehen Feuchtigkeit aus tieferen Hautschichten und der Umgebung an und binden sie im Stratum corneum.
     
  • Emollients (Rückfettende Substanzen) wie Ceramide oder Squalan füllen Lücken in der Lipidstruktur der Hornschicht, verbessern die Geschmeidigkeit der Haut und unterstützen die Barrierefunktion.
     
  • Occlusives (Filmbildende Substanzen) wie Fettalkohole, Silikonöle oder Wachse bilden einen okklusiven Film, der den TEWL reduziert und die gespeicherte Feuchtigkeit länger in der Haut hält. 

Studien zeigen, dass Formulierungen, die alle drei Mechanismen kombinieren, die Hautfeuchtigkeit um bis zu 60 Prozent erhöhen können. Besonders bei trockener Haut haben sich Kombinationen aus Humectants und Okklusives bewährt, während leichtere, humectantreiche Formulierungen bei Mischhaut oder öliger Haut angenehmer sind. Auch der pH-Wert spielt eine Rolle: Liegt er im leicht sauren Bereich (4,5–5,5), unterstützt er die Barrierefunktion und das mikrobiologische Gleichgewicht.

Fazit: Mehr als nur Feuchtigkeit

Feuchtigkeit ist die Grundlage einer gesunden, widerstandsfähigen Haut. Doch trockene Haut braucht nicht einfach „mehr Wasser“, sondern eine Kombination von Mechanismen, die Feuchtigkeit anziehen, speichern und bewahren. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Humectants, die Wasser binden, Emollients, die Lücken in der Lipidmatrix schließen, und Occlusives, die den TEWL begrenzen.
Die dermatologische Forschung zeigt: Eine wirksame Basistherapie kombiniert Feuchtigkeitszufuhr mit der Stärkung der natürlichen Barrierefunktion. Je stärker die Trockenheit ausgeprägt ist, desto lipidreicher sollte die Formulierung sein. Evidenzbasierte Wirkstoffe wie Urea entfalten ihr volles Potenzial insbesondere dann, wenn sie mit NMFs und Barrierelipiden kombiniert werden.
Moderne Feuchtigkeitspflege denkt daher in Synergien statt in Einzelstoffen. Formulierungen, die NMFs, Lipide und funktionelle Inhaltsstoffe intelligent kombinieren, unterstützen die Hautbiologie ganzheitlich – und ermöglichen eine Hydratation, die nicht nur spürbar, sondern auch messbar wirksam ist.

Kurz erklärt:

  • Trockene Haut (Xerosis cutis) = hydrolipidarm, strukturell gestört, oft chronisch; benötigt reichhaltige, barrierestärkende Pflege (zum Beispiel Ceramide, Fettsäuren, Urea, Dexpanthenol).
  • Dehydrierte Haut (engl.: dehydrated skin) = wasserarm, meist temporär; profitiert von Feuchtigkeitsspendern wie Glycerin oder Hyaluronsäure.

Quellen:

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Baldwin, H., & Del Rosso, J. (2024). Going beyond ceramides in moisturizers: The role of natural moisturizing factors. Journal of Drugs in Dermatology, 23(6), 466–471.
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Fluhr, J. W., Muguet, V., & Christen-Zaech, S. (2025). Restoring skin hydration and barrier function: Mechanistic
insights into basic emollients for xerosis cutis. International Journal of Dermatology, 64(Suppl. 1), 5–12.
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Martin, M., Chantemargue, B., & Trouillas, P. (2025). Skin hydration by natural moisturizing factors: A story of Hbond networking. The Journal of Physical Chemistry B, 129(3), 844–852.

Foto: Kathrin Ludwig

Kathrin Ludwig
Die Kosmetikwissenschaftlerin (M.Sc.) hat Erfahrung in der klinischen Forschung und arbeitet in der Produktentwicklung mit dem Schwerpunkt Claim Support und Science Communication.

Foto: BEAUTY FORUM

Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin BEAUTY FORUM

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