Vesikel als Zukunft

20.02.2026
Foto: Meletios Verras/Shutterstock.com

Regenerative Ansätze gewinnen in der kosmetischen Dermatologie an ­Bedeutung. Klassische Pflege zielt vor allem auf oberflächliche, kurz­fristige Effekte ab und behandelt oft nicht die biologischen Ursachen von Haut­alterung. Regenerative Kosmetik hingegen bewegt sich an der Schnitt­stelle zwischen Dermatologie und Biotechnologie. Sie fokussiert sich auf oxidativen Stress, Zellschäden, Entzündungen und Seneszenz, um zelluläre  Funktionen zu unterstützten und die Haut langfristig widerstandsfähiger zu machen. Extrazelluläre Vesikel rücken dabei in den Mittelpunkt. 

Biologische Nanostrukturen können körpereigene Signal­prozesse nachahmen und Regeneration, Entzündungsmodulation sowie die Stabilität der extrazellulären Matrix beeinflussen. Pflanzliche oder mikrobielle Vesikel zeigen hier vielversprechende Ansätze.

Unterschiede zwischen Vesikeltypen und Exosomen

Extrazelluläre Vesikel (EVs) sind nanoskalige, membranumhüllte Strukturen, die von fast allen Zelltypen freigesetzt werden. Sie transportieren Proteine, Lipide und verschiedene RNA-Moleküle und beeinflussen damit zentrale Prozesse wie Zellkommunikation, Entzündung, Proliferation und Reparatur.
Für die Kosmetik ist diese biologische Vielfalt relevant, da Herkunft und Bildungsweg die Wirkung der Vesikel entscheidend bestimmen.
Exosomen bilden eine Untergruppe dieser Vesikel: Sie entstehen im Inneren der Zelle – über einen endosomalen Reifungs­prozess, bei dem eingestülpte Membrananteile zu frühen Endosomen werden und anschließend über das endoplasma­­­tische Retikulum (ER) und den Golgi-­Apparat zu multivesikulären Struk­turen weiterreifen. 
Exosomen werden über das Endosomal Sorting Complex Required for Transport (ESCRT) freigesetzt. Das ist ein spezialisiertes Sortiersystem, das sowohl die Beladung als auch die Ausschleusung der Vesikel steuert. Die typische Größe von Exosomen ist 30 bis 150 Nanometer (nm). Ihre charakteristischen Markerproteine erlauben eine genauere Identifizierung als bei anderen EVs.
Mikrovesikel (100 bis 1000 nm) hingegen entstehen durch direkte Abschnürung der Zellmembran, sind
meist größer und funktionell he-terogener – ein Grund, weshalb kosmetische Rohstoffe häufig Mischpopulationen enthalten, was die Vergleichbarkeit von Studien zusätzlich erschwert.
Gemeinsam ist allen EVs ihre schützende Lipidmembran, ihre vielfältige biologische Fracht und die Fähigkeit, Signalwege zu modulieren. Für kosmetische Formulierungen gewinnen insbesondere pflanzenbasierte vesikuläre Systeme an Bedeutung, sogenannte plant-derived exosome-like nanovesicles (PENs). Sie können ähnliche Wirkmechanismen aufweisen, entstehen jedoch nicht über den klassischen ESCRT-Weg tierischer Zellen, variieren stärker in Größe und Zusammensetzung und bieten gleichzeitig praktische Vorteile wie gute Skalierbarkeit und regulatorische Einsetzbarkeit. 
Die International Society for Extracellular Vesicles empfiehlt deshalb, im Zweifelsfall den Oberbegriff „extrazelluläre Vesikel“ zu verwenden, da die Biogenese vieler Rohstoffe nicht eindeutig bestimmbar ist – eine wichtige Grundlage, um wissenschaftlich korrekte Kommunikation sicherzustellen.

Wirkmechanismen von Exosomen

Exosomen unterstützen die Hautregeneration, indem sie natürliche Kommunikationsprozesse zwischen Hautzellen nachahmen und biologische Signale in Form von Proteinen, Lipiden und RNA-Molekülen übertragen. Dadurch werden Reparatur-mechanismen aktiviert: Sie fördern die Neubildung und Migration von Kera­tinozyten und ­Fibroblasten und unterstützen den Aufbau neuer ­Matrixbestandteile wie Kollagen. Das trägt entscheidend zur strukturellen Erneuerung der Haut bei. 
Gleichzeitig wirken sie entzündungsregulierend. Sie können übermäßige oder lang anhaltende Entzündungsreaktionen abmildern, was besonders bei gestresster oder geschädigter Haut relevant ist. Ein wichtiger Faktor für eine geordnete Wundheilung und die Rückkehr der Haut in einen stabilen Regenerationszustand. Zudem erhöhen Exosomen die Widerstandsfähigkeit der Zellen gegenüber oxidativem Stress, etwa durch ­UV-Strahlung oder Umweltfaktoren. 
Ein weiterer Mechanismus betrifft die Pigmentregulation: Bestimmte exosomale Bestandteile können Prozesse beeinflussen, die an der Bildung oder Verteilung von Melanin beteiligt sind. Je nach Ursprung der Exosomen kann dies pigmentausgleichende oder pigmentsteigernde Effekte begünstigen.
Insgesamt koordinieren Exosomen mehrere regenerative Mechanismen parallel, was sie zu vielversprechenden Werkzeugen in der Haut­regeneration macht – auch wenn ihre Anwendung in kosmetischen Formulierungen weiterhin sorgfältig bewertet werden muss.

Regenerative Ansätze im Vergleich

Zu den wichtigsten Strategien, um altersbedingte Hautveränderungen zu adressieren, gehört die Stimulation der Kollagenneubildung. Wachs­tums­faktoren wie TGF, IGF oder EGF aktivieren spezifische Rezep­toren, die die Zellproliferation und Matrixaufbau fördern. 
Epidermal Growth Factor (EGF) ist ein körpereigenes Polypeptid, das Wundheilung, Re-Epithelisierung und Kollagensynthese unterstützt.
Peptide, etwa Palmitoylpentapeptid-4, greifen selektiv in einzelne biologische Prozesse ein und stimulieren die Bildung von Kollagen und Elastin. Durch ihre klar definierte Struktur lassen sie sich zielgerichtet einsetzen, wirken jedoch innerhalb eines begrenzten mechanistischen Rahmens.

Microneedling erzeugt kontrollierte Mikroverletzungen und löst dadurch eine natürliche Wundheilungsreaktion mit verstärkter Kollagenneubildung aus. Die Kombination mit biotechnologischen Wirkstoffen wie Exosomen kann diese Effekte verstärken, da die Haut während der aktiven Regenerationsphase besonders aufnahmefähig ist. Erste klinische Beobachtungen berichten von schnellerer Erholung und einer Verstärkung der Effekte, etwa bei Texturun­regelmäßigkeiten oder Acne vulgaris.
Exosomen unterscheiden sich grundlegend von diesen Ansätzen: Sie transportieren komplexe „Signalpakete“ aus RNAs, Proteinen und Lipiden und aktivieren mehrere regenerative Prozesse gleichzeitig – von Entzündungsregulation über antioxidative Mechanismen bis zum Matrixaufbau.
Exosome-based Cosmetics werden derzeit vor allem im Kontext der Faltenreduktion eingesetzt – etwa zur Förderung der Kollagensynthese und Verbesserung der Hautelastizität über parakrine Effekte. 
Die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen reichen jedoch weit darüber hinaus. Regeneration, Reparatur und Entzündungsmodulation eröffnen ein deutlich breiteres Potenzial, als bisher in kosmetischen Anwendungen genutzt wird.

Chancen und Limitationen

Regenerative Kosmetik konzentriert sich auf biologische Prozesse, die der Hautalterung zugrunde liegen – etwa oxidativen Stress, Zellschäden, Entzündungsreaktionen oder zunehmende Seneszenz. Damit rückt sie näher an dermatologische Konzepte heran. 
Besonders an dieser Schnittstelle zwischen Dermatologie, Biotech-nologie und Kosmetikwissenschaft entstehen aktuell spannende Innovationsfelder.
Exosomen und andere EVs stehen exemplarisch für den Longevity-Trend, weil sie mehrere regenerative Mechanismen gleichzeitig adressieren und damit an den biologischen Grundlagen der Hautalterung ansetzen. Vor allem pflanzenbasierte Vesikel bieten derzeit regulatorisch zugängliche Optionen für kosmetische Anwendungen. 
Gleichzeitig befindet sich das Feld noch in einer frühen Entwicklungsphase: Unterschiedliche Vesikel-typen, fehlende Standards und eine uneinheitliche Nomenklatur erschweren klare ­Wirkaussagen. Viele Effekte stammen bisher aus Labor- oder präklinischen Modellen und lassen sich nicht unmittelbar auf fertige Formulierungen übertragen. 
Der Trend bleibt vielversprechend, aber erfordert wissenschaftliche Zurückhaltung: Vesikel­basierte Wirkstoffe können langfristig eine wichtige Rolle in regenerativer Hautpflege spielen, doch ihr tatsächlicher Nutzen hängt davon ab, wie gut Herkunft, Stabilität und Funktion künftig belegt und standardisiert werden.

Quellen: 

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Foto: Kathrin Ludwig

Kathrin Ludwig
Die Kosmetikwissenschaftlerin (M. Sc.) hat Erfahrung in der klinischen Forschung und arbeitet in der Produktentwicklung mit dem Schwerpunkt Claim Support & Science Communication.

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