Was macht ein harmonisches Kinn aus, wann ist eine Kinnkorrektur oder eine OP sinnvoll und welche typischen Vorstellungen haben Patientinnen und Patienten von einem „Wunschkinn“? Die Antworten auf diese Fragen gibt Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila hier im Interview.
Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila
ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Direktor der „Medical Inn“-Klinik in Düsseldorf.
www.medical-inn.com
MEDICAL: Welche ästhetischen Merkmale definieren für Sie ein „harmonisches Kinn“?
Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila: Ein harmonisches Kinn sollte in erster Linie zu den jeweiligen Gesichtsproportionen passen. Je nach Herkunft und Geschlecht variieren selbstverständlich die Proportionen. So gibt es Gesichter, die eher rund geformt sind, und andere mit einer leicht dreieckigen Silhouette – die V-Form. Dadurch wirken bestimmte Gesichter sehr markant, und andere definieren sich über weichere Züge. In der Regel gelten Proportionen aber als harmonisch, wenn sie dem Goldenen Schnitt nach da Vinci entsprechen. Dieser wird als Richtlinie für Symmetrie und Balance genutzt und beschreibt ein ideales Teilungsverhältnis von etwa 1:1,618.
In der Schönheitschirurgie teilt der Goldene Schnitt das Gesicht in Drittel auf – sodass die Nase in diesem Verhältnis zum Kinn passt. Ein zu kurzes oder fliehendes Kinn wird deshalb meist als unattraktiv wahrgenommen. Ebenso wie ein zu langes Kinn bei zu kleiner Nase.
MEDICAL: Wie stark variieren diese je nach Geschlecht oder Kultur?
Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila: Je nach Kultur und Geschlecht variiert das ästhetische Empfinden. Es gibt beispielsweise Kulturen, in denen ein Grübchen als sehr schön empfunden wird. Bei anderen Kulturen wiederum nicht, sodass Patientinnen und Patienten dieses entfernen lassen wollen.
MEDICAL: Wie verändert ein neu modelliertes Kinn die Wirkung des Gesichts?
Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila: Bei Neumodellierungen gilt es stets darauf zu achten, dass die Gesichtspartien zueinanderpassen – Kinn und Nasenspitze vertikal eine Linie bilden. Zudem sollte das Kinn nicht breiter als die Kieferknochen sein. Und natürlich muss immer das gesamte Gesicht betrachtet werden: Wünschen sich Patienten zum Beispiel ein kantiges Kinn, rate ich auch zur Unterspritzung der Jawline. Falls diese bisher weichere Züge hatte, passt es andernfalls nicht zusammen.
MEDICAL: Wann ist eine Kinnkorrektur durch Unterspritzung sinnvoll und wann empfiehlt sich eher eine OP?
Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila:Eine Unterspritzung mit Fillern wie Hyaluronsäure ist sinnvoll für dezente Korrekturen, beispielsweise die leichte Vergrößerung eines fliehenden Kinns, die Abrundung kantiger Formen oder die Harmonisierung leichter Asymmetrien. Eine OP wird bei ausgeprägten Knochenfehlstellungen, etwa bei starkem Rück- oder Überbiss oder einer deutlichen Vergrößerung oder Verkleinerung des Kinns, empfohlen. Der Aufbau erfolgt in der Regel mit einem Implantat. Ein störendes Doppelkinn wiederum lässt sich mit einer Fettabsaugung entfernen
MEDICAL: Kommen Patientinnen und Patienten mit typischen Vorstellungen zur Kinnkorrektur, und wie begegnen Sie ihnen im Beratungsgespräch?
Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila: Patientinnen und Patienten kommen oft mit konkreten Vorstellungen zu uns. Einige Patientinnen und Patienten kommen mit falschen Vorstellungen zu uns, die weder zu ihrer Herkunft noch zu den Gesichtsproportionen passen. In den Beratungsgesprächen gehen wir deshalb immer detailliert auf das Thema Proportionen ein. Wenn das „Wunschkinn“ nicht zu den restlichen Gesichtszügen passt, wäre der Patient oder die Patientin mit dem Endergebnis schließlich nicht zufrieden. Gegebenenfalls lassen sich aber auch noch andere Gesichtspartien anpassen, etwa die Jawline. Mithilfe von KI-gestützter Software können wir Patientinnen und Patienten schon vorher zeigen, wie sie nach dem Eingriff aussehen würden. Anhand dieser Bilder lassen sich die Proportionen auch sehr schön darstellen.
MEDICAL: Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Kosmetik in der Nachsorge aus?
Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila: Ob nach operativen Eingriffen oder minimalinvasiven Unterspritzungen: Die Nachsorge ist natürlich immer wichtig. Da anschließend auch das Hautbild betrachtet werden sollte, hilft die Zusammenarbeit mit Kosmetikerinnen und Kosmetikern. Gegebenenfalls kommen wir auch an Grenzen, zum Beispiel im Bereich der Lippenpartie, wo Asymmetrien bestehen. Diese können wiederum durch Pigmentierung ausgeglichen werden.
Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL
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