Serie: Alles, was Recht ist: Ein "fruchtloser" Hype

27.05.2024
Foto: Peakstock/Shutterstock.com

Wenn man das Oxford Dictionary bemüht, finden sich zum Wort „Hype“ zwei Bedeutungen. In der einen wird der Hype als besonders spektakuläre, mitreißende Werbung (die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt) beschrieben. In der anderen eine aus Gründen der Publicity inszenierte Täuschung. 

Wenn man sich den jüngsten Produktskandal im Bereich der Ästhetischen Medizin ansieht, trifft beides zu. In den letzten circa 12 Monaten kam man dem Produkt „Lemonbottle“ kaum aus. Eine lipolytische Lösung in knallgelber Farbe, die auf gefühlt jeder zweiten Instagram-Seite und in zahllosen einschlägigen Online-Shops zu finden war und immer noch  ist. Das Produkt kommt aus Korea und wurde nicht nur wegen seiner schicken Aufmachung, sondern auch wegen seiner natürlichen Inhaltsstoffe über den grünen Klee gelobt. Als neue Generation der Fett-Weg-Spritze, die nicht schwillt, nicht wehtut und trotzdem wirkt. Fast nicht zu glauben? Es kommt noch besser! Als aktive Bestandteile stellt der Hersteller Sid Medikos Vitamin B2 (Riboflavin), Bromelain und Lecithin in den Vordergrund. Sie erledigen laut Werbung den „Job“. Leider gibt es dazu keinerlei Studiendaten. Was außerdem fehlt, ist eine probate Zulassung. Per se sind lipolytisch wirkende Produkte als Arzneimittel einzustufen. Das Produkt wurde aber als Kosmetikprodukt auf dem europäischen Markt eingeführt. Deshalb fand man in UK, aber inzwischen auch auf vielen anderen europäischen Märkten eine Welle an Laienanwendungen, die, wen wundert’s, nicht immer gut ausgingen. Aber wer wird so kleinlich sein? Insgesamt gesehen läuft es ja gut. Das allein war der obersten Schweizer Instanz in Sachen Marktaufsicht, Swiss Medic, jedoch nicht genug. Die Gesundheitsbehörde hat aus verschiedenen Quellen Lemonbottle-Produkte bestellt und die Zusammensetzung in den eigenen Laboren analysiert.
Das Ergebnis: Das, was beworben wurde, war, wenn überhaupt, nur in kleinen Spuren enthalten. Eine Konsistenz über die verschiedenen Produkte im Hinblick auf die Zusammensetzung und die Menge der Inhaltsstoffe war nicht festzustellen. Konsequent haben die Schweizer das Produkt damit verboten. Der Kosmetikstatus wurde aberkannt. 
Wie es nun in Deutschland weitergeht, bleibt abzuwarten. Aus Erfahrung haben solche Verkehrsverbote jedoch einen europaweiten Dominoeffekt. Insgesamt also ein zitronensaures Ende des Hypes?

Foto: Astrid Tomczak

Die Expertin

Astrid Tomczak LL. M.

Die studierte Betriebswirtin ist seit 2006 in der Ästhetischen Medizin tätig und berät Unternehmen zu Market-Access-Strategien. Sie verfasst regelmäßig Artikel zu betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Themen der Branche.

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