Rente beginnt im Institut

18.08.2026
Rente beginnt im Institut

Irgendwann kommt bei jedem von uns der Moment, an dem wir feststellen: Auch wir werden wahrscheinlich einmal in Rente gehen. Leider beginnen viele Beauty-Profis erst dann, sich ernsthaft mit ihrer Altersvorsorge zu beschäftigen. Nicht selten wird dabei auch bewusst, dass die bisherigen Maßnahmen vielleicht doch nicht in dem Umfang ausreichen, wie es der freundliche Versicherungsvertreter vor vielen Jahren einmal versprochen hat.

Ein mir bekannter Profi für Altersvorsorge stellt seiner Kundschaft zunächst immer eine ganz einfache Frage: „Wovon möchten Sie später eigentlich leben? Von einer Versicherung oder von Vermögen, das Ihnen Monat für Monat ein Einkommen ermöglicht?“

Ein interessanter Denkansatz, dem viele Unternehmerinnen und Unternehmer seit langer Zeit bereits folgen.

Aus meiner Sicht beginnt Altersvorsorge nämlich nicht mit einem Versicherungsvertrag, sondern mit einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Ganz objektiv betrachtet erzielen die meisten Kosmetikerinnen und Kosmetiker die höchste Rendite zunächst nicht an der Börse, mit ETFs oder Rentenversicherungen, sondern im eigenen Institut. Wer seine Preise regelmäßig (mindestens einmal pro Jahr) anpasst, wirtschaftlich arbeitet und seine Rentabilität steigert, schafft überhaupt erst die Grundlage, Vermögen aufbauen zu können. Ich denke, hier sind wir uns einig. Erst im zweiten Schritt wird die steuerliche Gestaltung interessant.

Möglichkeiten der Altersvorsorge

Für Selbstständige bietet sich hier insbesondere die Basisrente (Rürup-Rente) an. Im Jahr 2026 können Ledige Beiträge von bis zu 30.826 Euro, Ehepaare sogar bis zum Doppelten dieses Betrages, als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Der eigentliche Vorteil liegt dabei aus meiner Sicht jedoch weniger in eventuellen staatlichen Förderungen, sondern vielmehr in der Reduzierung der aktuellen persönlichen Einkommensteuer pro Jahr.

Heute handeln: Setzen Sie sich mit Ihrer Altersvorsorge nicht zu spät auseinander – denn Zeit ist hier bares Geld!

Natürlich werden Rentenauszahlungen später dann einkommensteuerpflichtig, aber durch das dann meist niedrigere Einkommen ergibt sich eine effektive Ersparnis. Bis dahin kann das dadurch eingesparte Geld wiederum sinnvoll in den weiteren Vermögensaufbau fließen. Dennoch sollte die Basisrente immer nur ein Baustein bleiben. Schließlich ist das eingezahlte Kapital bis zum Rentenbeginn gebunden und steht für andere Investitionen schlicht nicht mehr zur Verfügung.

Parallel dazu empfiehlt sich der Aufbau eines frei verfügbaren Vermögens, beispielsweise über breit gestreute ETF- oder Fondsdepots und später auch über vermietete Immobilien. Eine weitere Möglichkeit ist der strategische Aufbau des eigenen Unternehmens in Richtung Team mit Institutsleitung. So können Sie praktisch im laufenden Geschäft die operativen Aufgaben schrittweise an Ihr Team übergeben, bis Sie „nur noch“ die organisatorischen und administrativen Aufgaben bewältigen müssen. Ab einer Teamgröße von etwa drei bis vier gut ausgelasteten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern kann es wirtschaftlich realistisch werden, dass Sie sich als Inhaberin oder als Inhaber schrittweise aus der Kabinenarbeit zurückziehen und das Institut überwiegend organisatorisch führen.

Der letzte Schritt wäre hier die Einarbeitung einer Institutsleitung, die mit Ihnen gemeinsam den strategischen Kurs des Unternehmens im Auge behält und aktiv verfolgt.

4 Profi-Tipps

  1. Versuchen Sie nicht zuerst, möglichst viele Steuern zu sparen. In meiner Beratung begegnet mir dieses Sicherheitsdenken erstaunlich häufig. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer versuchen jahrelang, Umsatz und Gewinn möglichst klein zu halten, um Steuern zu sparen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass nach der Umsatzsteuerstatistik nicht einmal die Hälfte der in der Handwerksrolle eingetragenen Betriebe überhaupt als umsatzsteuerpflichtig erfasst wird. Dieses „Sicherheitsdenken“ verhindert aber den Aufbau von Gewinnen und Rücklagen, die für ein gesundes Unternehmenswachstum und später eine nennenswerte Rente notwendig sind.
  2. Sorgen Sie stattdessen zunächst dafür, dass Ihr Unternehmen wächst und dauerhaft gute Gewinne erwirtschaftet.
  3. Nutzen Sie anschließend steuerliche Möglichkeiten wie die Basisrente oder den Erwerb von Immobilen mit Vermietungsabsicht gezielt und bauen Sie parallel freies Vermögen auf.
  4. Bauen Sie Ihr Institut während dieser Zeit immer weiter zu einem tragfähigen Unternehmen mit Personal aus, um es später möglichst nur noch organisatorisch führen zu müssen. Denn echte finanzielle Sicherheit entsteht nicht durch möglichst viele Versicherungsverträge, sondern durch Investitionen und Vermögenswerte, die Ihnen auch dann Monat für Monat Einkommen bringen, wenn Sie selber keine Kundin mehr behandeln.

Das muss übrigens nicht immer eine Vollblutkosmetikerin oder ein Vollblutkosmetiker sein – vielmehr jemand mit Organisationstalent und Führungsqualität. Dann wäre Ihre Tätigkeit im Institut während der Rentenzeit auf ein Minimum beschränkt und erwirtschaftet als Teil Ihrer Rentenstrategie dennoch einen erheblichen Anteil am Einkommen. Mein persönliches Ziel wäre demnach niemals, im Alter ausschließlich von einer Rentenzahlung aus einer Versicherung oder einem Aktiendepot abhängig zu sein. Vielmehr sollte Ihr Vermögen so aufgebaut sein, dass Ausschüttungen aus Kapitalanlagen, Erträgen aus Ihrem Unternehmen und Mieteinnahmen einen großen Teil Ihres monatlichen Einkommens finanzieren.

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