Wechseljahre und Intimgesundheit

31.08.2026
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Die weibliche Intimgesundheit gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit - nicht nur im Zusammenhang mit den Wechseljahren, sondern in allen Lebensphasen. 

Wechseljahre

Die ästhetisch-funktionelle Gynäkologie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem rasch wachsenden Teilgebiet der Frauengesundheit entwickelt. Dabei stehen neben dem Wunsch nach einer Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes häufig funktionelle Beschwerden im Vordergrund, die das Selbstwertgefühl, die Sexualität und die Lebensqualität beeinträchtigen können.1 Heute ergänzen ambulante, minimalinvasive Verfahren ohne nennenswerte Ausfallzeit die klassischen Operationen.

Besonders in den Wechseljahren verstärken hormonelle Veränderungen viele dieser Symptome zusätzlich. Mit sinkendem Östrogenspiegel wird die Schleimhaut dünner, trockener und weniger elastisch. Die daraus resultierenden Beschwerden werden unter dem Begriff Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM) zusammengefasst und umfassen unter anderem vaginale Trockenheit, Brennen, Dyspareunie (= Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) sowie Beschwerden der unteren Harnwege.2

Die Ursachen funktioneller und ästhetischer Beschwerden im Intimbereich sind vielfältig. Neben hormonellen Veränderungen spielen genetische Faktoren, Schwangerschaften, Geburten, Alterungsprozesse, mechanische Reizung oder individuelle anatomische Gegebenheiten eine Rolle.

Zu den häufigsten Beschwerden zählen vaginale Trockenheit, Juckreiz oder Brennen, Dyspareunie, wiederkehrende Irritationen, leichte Harninkontinenz, Reibungsbeschwerden beim Sport oder im Alltag sowie eine Unzufriedenheit mit dem äußeren Erscheinungsbild. Auch vergrößerte innere Schamlippen können funktionelle Beschwerden verursachen und zu Irritationen, Druckgefühl oder Einschränkungen im Alltag führen. Gleichzeitig berichten viele Betroffene über Schamgefühle, Unsicherheit oder eine verminderte sexuelle Zufriedenheit.1, 2

Neben operativen Eingriffen stehen heute verschiedene minimalinvasive Verfahren zur Verfügung, die ambulant durchgeführt werden können und meist keine Ausfallzeiten erfordern. Hierzu zählen energiebasierte Verfahren sowie injizierbare Therapien mit Calciumhydroxylapatit (CaHA), Hyaluronsäure (HA), Botulinumtoxin oder Platelet-Rich Plasma (PRP).1

Die Ursachen funktioneller und ästhetischer Beschwerden im Intimbereich sind vielfältig.

Hybrid-Filler: Volumenaufbau und Biostimulation

Ein aktueller Trend innerhalb der Ästhetischen Medizin sind sogenannte Hybrid-Filler. Im Jahr 2026 definierte ein internationales Expertengremium erstmals eine standardisierte Nomenklatur und Anwendungsempfehlungen für diese Produktklasse. Hybrid-Filler kombinieren HA unterschiedlicher Konzentrationen mit CaHA und vereinen damit die Vorteile beider Substanzen. Während HA unmittelbar Volumen spendet und die Hydratation verbessert, wirkt CaHA als Biostimulator und fördert die körpereigene Kollagenbildung. Demnach können sie zur Volumenaugmentation, Konturierung sowie zur Verbesserung der Hautqualität eingesetzt werden. Je nach Indikation werden den Präparaten zusätzlich Lidocain zur Schmerzlinderung sowie Natriumchloridlösung zur Verdünnung beigemischt.3

Erste klinische Erfahrungen liegen auch für die Intimregion vor. Acevedo et al. beschrieben die Behandlung zweier Patientinnen mit Volumenverlust und Hautlaxität der Labia majora (= große Schamlippen) mittels einer Hybrid-Filler-Mischung aus 1,5 ml CaHA, 1 ml Hyaluronsäure und 0,5 ml Lidocain. Pro Seite wurden 1,5 ml mithilfe einer Kanüle retrograd injiziert. Bereits nach 60 Tagen zeigten sich deutliche Verbesserungen des Volumens und der Hautqualität. Gleichzeitig stieg die Zufriedenheit mit dem Erscheinungsbild des Genitalbereichs, gemessen mittels Genital Appearance Satisfaction Score (GAS), um durchschnittlich 41 Prozent.4

Hyaluronsäure und Calciumhydroxylapatit bei Atrophie der Labia majora

Auch klassische Filler werden zunehmend wissenschaftlich untersucht. Vilela et al. verglichen in einer randomisierten Studie die Behandlung atrophierter Labia majora mit HA und CaHA. Zehn Frauen mit Volumenverlust und Gewebeerschlaffung der großen Schamlippen wurden zufällig einer der beiden Behandlungen zugeteilt.

Nach 90 Tagen zeigten beide Verfahren eine deutliche Verbesserung von Volumen, Gewebespannung und der anatomischen Balance zwischen großen und kleinen Schamlippen. Die verblindeten Gutachter bewerteten die Ergebnisse in 80 Prozent der mit HA behandelten Fälle und in 50 Prozent der CaHA-behandelten Fälle als exzellent. Ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Verfahren konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.5

Botulinumtoxin bei chronischen Schmerzerkrankungen der Vulva

Minimalinvasive Verfahren werden nicht ausschließlich zur ästhetischen Optimierung eingesetzt. Ein Beispiel zur Behandlung funktioneller Beschwerden ist die Vestibulodynie - eine Form der Vulvodynie, die durch chronische Schmerzen im Bereich des Scheidenvorhofs gekennzeichnet ist. Betroffene Frauen leiden häufig unter Brennen, Stechen, Druckschmerzen und Dyspareunie.

In einer prospektiven Studie wurden 35 Patientinnen mit Vestibulodynie mittels gezielter submukosaler Injektionen von IncobotulinumtoxinA behandelt. Dabei wurde das Botulinumtoxin direkt in die individuell identifizierten schmerzhaften Areale des Vestibulums injiziert. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von 24 Wochen zeigte sich eine signifikante Reduktion der Schmerzen. Gleichzeitig verbesserten sich die sexuelle Funktion, das psychische Wohlbefinden sowie die Entspannung der Beckenbodenmuskulatur.6

Auf einen Blick

  • Minimalinvasive Verfahren dienen vor allem der Behandlung funktioneller Beschwerden und der Verbesserung von Lebensqualität, Sexualität und Wohlbefinden.
  • Häufige Indikationen: vaginale Trockenheit, Dyspareunie, vulvovaginale Atrophie (GSM), leichte Harninkontinenz, Volumenverlust der Labia majora sowie chronische Vulvaschmerzen.
  • Zum Einsatz kommen Hybrid-Filler, Hyaluronsäure (HA), Calciumhydroxylapatit (CaHA), Botulinumtoxin und Platelet-Rich Plasma (PRP) - meist ambulant und ohne längere Ausfallzeit.
  • Erste Studien zeigen Verbesserungen von Volumen, Gewebequalität, Schmerzsymptomatik, sexueller Funktion und Patientinnenzufriedenheit.
  • Hybrid-Filler: Die Kombination aus HA und CaHA verbindet sofortigen Volumenaufbau mit Biostimulation und Kollagenneubildung.
  • Bei Beschwerden des Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM) bleiben Lubrikanzien, Moisturizer und lokale Östrogene Standard; minimalinvasive Verfahren können diese sinnvoll ergänzen.
  • Trotz positiver Daten sind größere, hochwertige klinische Studien erforderlich, um Wirksamkeit, Sicherheit und standardisierte Behandlungsprotokolle zu etablieren.

Platelet-Rich Plasma - Regeneration mit körpereigenen Wachstumsfaktoren

Eine weitere Option ist die Behandlung mit PRP, also plättchenreiches Plasma aus dem Eigenblut. Dabei werden Wachstumsfaktoren aus dem Blut der Patientin konzentriert und anschließend gezielt in den Intimbereich injiziert. Ziel ist unter anderem die Förderung regenerativer Prozesse, die Verbesserung der Gewebequalität und die Stimulation der lokalen Durchblutung.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit analysierte 18 Studien mit insgesamt 480 Patientinnen, von denen 401 mit PRP behandelt wurden. Die häufigsten Anwendungsgebiete waren vulvärer Lichen sclerosus, sexuelle Funktionsstörungen sowie vulvovaginale Atrophie.

Über die verschiedenen Studien hinweg wurden Verbesserungen der Symptomatik, der sexuellen Funktion und der vaginalen Gesundheit beschrieben. Dennoch weisen die Autoren darauf hin, dass die bisherige Evidenz aufgrund unterschiedlicher Herstellungs- und Behandlungsprotokolle sowie meist kleiner Patientinnenzahlen noch begrenzt ist.7

Chancen und Grenzen minimalinvasiver Verfahren

Die bisherigen Studienergebnisse deuten darauf hin, dass minimalinvasive Verfahren funktionelle Beschwerden lindern, die Gewebequalität verbessern und das Wohlbefinden steigern können. Aufgrund der bislang heterogenen Datenlage ist jedoch eine kritische Einordnung der Evidenz erforderlich.

Während aktuelle Leitlinien bei Beschwerden im Rahmen des GSM weiterhin Lubrikanzien, Moisturizer und lokale Östrogene als Standardtherapien empfehlen,2 können minimalinvasive Verfahren eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Die Therapieentscheidung sollte dabei stets individuell und nach sorgfältiger Anamnese sowie ausführlicher ärztlicher Beratung getroffen werden.

Fazit

Die moderne Intimmedizin entwickelt sich zunehmend in Richtung eines integrativen Well-Aging-Konzepts. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die ästhetische Optimierung, sondern die Verbesserung von Funktion, Wohlbefinden und Lebensqualität. Minimalinvasive Verfahren wie die Injektion mit Hybrid-Fillern, HA, CaHA, Botulinumtoxin oder PRP eröffnen neue Möglichkeiten zur Behandlung altersbedingter Veränderungen und funktioneller Beschwerden im Intimbereich. Trotz vielversprechender Ergebnisse sind weitere hochwertige klinische Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Verfahren langfristig zu bestätigen und standardisierte Behandlungsprotokolle zu etablieren.

Literatur

  1. Department of Obstetrics & Gynecology, AIIMS, Bilaspur, H.P, India., Kaundal A, Kothiwala M, Founder Director of Institute of Interventional Dermatology and Aesthetic Gynecology, Rajasthan, India. Cosmetic Gynecology. J Clin Med Surgery. 13. Mai 2024; 4 (1). doi:10.52768/2833-5465/1153
  2. Kaufman MR, Ackerman AL, Amin KA, Coffey M, Danan E, Faubion SS, u. a. The AUA/SUFU/AUGS Guideline on Genitourinary Syndrome of Menopause. J Urol. September 2025; 214 (3): 242-50. doi:10.1097/JU.0000000000004589
  3. Kadouch J, Bartsch R, Fakih Gomez N, Haroon O, Kerscher M, Perez L, u. a. Real-World Usage of CAHA-CMC: CPM-HA Hybrid Dermal Fillers: Findings From a Delphi Panel. J of Cosmetic Dermatology. Februar 2026; 25 (2): e70688. doi:10.1111/jocd.70688
  4. Acevedo A, Parra AM, Amado AM, Dicker V, Castelanich D, Velasquez L, u. a. Labia Majora Rejuvenation With Hybrid Filler: A Narrative Review of the Literature and Report of Two Cases. J of Cosmetic Dermatology. März 2025; 24 (3): e70074. doi:10.1111/jocd.70074
  5. Vilela CL, De Lima Faria GE, Boggio RF. Treatment of Atrophy of the Labia Majora: Calcium Hydroxyapatite or Hyaluronic Acid? Aesth Plast Surg. Februar 2024; 48 (3): 472-7. doi:10.1007/s00266-023-03617-3
  6. Villa-Muñoz P, Albaladejo-Belmonte M, Nohales-Alfonso FJ, Alberola-Rubio J, Garcia-Casado J. Treatment of Vestibulodynia with Submucosal Injections of IncobotulinumtoxinA into Targeted Painful Points: An Open-Label Exploratory Study. Toxins. 25. Juli 2023; 15 (8): 476. doi:10.3390/toxins15080476
  7. De Ponte A, Cabrera S, Sparice SSB, Baulies S, Rodríguez I. Platelet-rich plasma in the management of vulvovaginal disorders: a systematic review. The Journal of Sexual Medicine. 5. Januar 2026; 23 (1): qdaf307. doi:10.1093/jsxmed/qdaf307
Dr. rer. nat. Alena Franziska Rößle
Die Autorin

Dr. rer. nat. Alena Franziska Rößle

Die Heilpraktikerin und Kosmetikwissenschaftlerin forschte im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität Hamburg zur Hautqualität und deren objektiver Analyse. Zu ihren universitären Aufgaben gehörten die Koordination klinischer Studien im Bereich der ästhetischen Forschung sowie die Lehre. Seit November 2025 arbeitet sie als Medical Science Liaison für ein international tätiges Unternehmen im Bereich der ästhetischen Medizin und teilt ihre Expertise regelmäßig als Referentin auf nationalen und internationalen Fachkongressen.

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