Sonnenflecken oder PIH?

31.08.2026
Aufmacher-Image-SONNENFLECKEN

Sonnenflecken und postinflammatorische Hyperpigmentierungen (PIH) sind sich auf den ersten Blick ähnlich, unterscheiden sich jedoch in der Entstehung, ihrem Risiko und in der Therapie deutlich.

Dermatologie

Im Interview erläutern die Dermatologinnen Dr. med. Christine Schrammek-Drusio und Christina Drusio, worauf es bei der Diagnose ankommt, welche Präventions- und Behandlungsmaßnahmen es gibt und wo Grenzen in der kosmetischen und ärztlichen Therapie liegen.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Sonnenflecken und PIH und welche aktuellen diagnostischen Kriterien wenden Sie an?

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio: Sonnenflecken entstehen durch chronische UV-Belastung. Sie sind meist scharf begrenzt, hell- bis dunkelbraun und typischerweise an sonnenexponierten Stellen wie Gesicht, Dekolleté und Handrücken zu finden. Postinflammatorische Hyperpigmentierungen (PIH) hingegen entstehen nach Entzündungen, zum Beispiel nach Akne, Ekzemen, Verbrennungen, aggressiven Peelings, Laser/IPL oder Manipulationen. Die Form der PIH folgt hier dem vorausgegangenen Muster der Entzündung.

Diagnostische Kriterien sind Anamnese, Verteilung, Farbe, Verlauf und Dermatoskopie. Bei unklaren oder atypischen Läsionen erfolgt die dermatologische Abklärung, um pigmentierte (melanozytäre) Läsionen wie beispielsweise eine frühe, nichtinvasive Form des schwarzen Hautkrebses (Lentigo maligna) auszuschließen.

Welche Hauttypen sind am stärksten betroffen, und wie verändert sich das Risiko mit dem Alter?

Christina Drusio: PIH kann alle Hauttypen betreffen, ist aber bei stärker pigmentierter Haut, etwa Fitzpatrick III-VI, häufiger, ausgeprägter und hartnäckiger, da die Melanozyten stärker auf Entzündungsreize reagieren.

Sonnenflecken nehmen vor allem durch langjährige UV-Exposition und ab dem 40. Lebensjahr zu. Bei hellen Hauttypen (Fitzpatrick I und II) werden sie zudem früher und deutlich sichtbarer wahrgenommen.

Welche evidenzbasierten Behandlungsansätze empfehlen Sie als Dermatologinnen? Was gilt es bei der Behandlung zu beachten und was dürfen Kosmetikerinnen und Kosmetiker nicht?

Für den bestmöglichen Erfolg sind kombinierte (multimodale) Therapieoptionen sinnvoll: konsequenter Lichtschutz, topische Wirkstoffe, gegebenenfalls ärztliche Peelings, Laser oder IPL - abhängig von Diagnose, Hauttyp, Tiefe des Pigments und Entzündungsneigung. Im ärztlichen Bereich gewinnen dabei Pikosekundenlaser und der Thulium-Laser an Bedeutung. Während Pikosekundenlaser Pigmentpartikel gezielt fragmentieren, ermöglicht der Thulium-Laser winzige Mikrokanäle in der Haut, durch die topische Wirkstoffe wie Tranexamsäure tiefer eindringen können, mit guten Ergebnissen bei Melasma.

Bei PIH steht zunächst die Kontrolle der Ursache im Vordergrund, zum Beispiel Akne oder Ekzem. Medizinische Lasertherapie und spezifische Wirkstoffe - zum Beispiel Retinoide oder Hydrochinon - gehören in ärztliche Verantwortung. Kosmetikerinnen und Kosmetiker dürfen keine medizinische Diagnose stellen, keine krankhaften Hautveränderungen behandeln und keine verschreibungspflichtigen Arzneimittel einsetzen. Vor jeder Behandlung muss der Ausschluss melanozytärer Veränderungen sichergestellt sein.

Für den bestmöglichen Erfolg sind kombinierte (multimodale) Therapieoptionen sinnvoll.

Welche topischen Wirkstoffe gelten derzeit als besonders effektiv bei der Minderung von Sonnenflecken und PIH, und in welchen Kombinationen setzen Sie sie ein?

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio: Kosmetisch bewährt sind zum Beispiel Niacinamid, Vitamin C, Azelainsäurederivate, Glabridin oder Arbutin. Entscheidend ist, dass an mehreren Schritten der Pigmentbildung gleichzeitig angesetzt wird, von der Melanozytenstimulation über die Melaninsynthese bis zum Melanintransfer, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Zudem sollten antiinflammatorische und antioxidative Komponenten eingebunden werden.

In der Dermatologie werden klassisch Hydrochinon, Retinoide, Azelainsäure und ärztlich geführte Kombinationspräparate eingesetzt.

Welche Präventionsstrategien empfehlen Sie, um Sonnenflecken und PIH nach Behandlungen zu minimieren? Was kann die Kosmetik-Fachkraft ihrer Kundschaft empfehlen?

Christina Drusio: Höchste Priorität hat bei beidem täglicher Breitband-UV-Schutz mit SPF 50+. Dieser sollte in ausreichender Menge verwendet und mit weiteren Schutzmaßnahmen kombiniert werden: zum Beispiel Hut und Sonnenbrille tragen, Schatten wählen und die Mittagssonne meiden.

Nach Peelings, Microneedling oder apparativen Behandlungen gilt je nach Behandlungsintensität für mehrere Wochen: keine Sonne, keine Hitze, keine Sauna, keine irritierenden Wirkstoffe, bis die Hautbarriere wieder stabil ist. Produkte mit Ceramiden, Panthenol oder antioxidative Seren ergänzen die Pflege in dieser Zeit sinnvoll. Kosmetikerinnen und Kosmetiker können vor allem nach intensiven Behandlungen gute Anleitung durch diese Verhaltensregeln geben.

Bei PIH ist Vorbeugung entscheidend: Entzündungsreize so gering wie möglich halten, Hautmanipulationen vermeiden und auf erste Reaktionen nach Behandlungen frühzeitig reagieren.

Bei PIH ist Vorbeugung entscheidend.

Wie gehen Sie mit Hautreaktionen oder Verschlechterungen nach ästhetischen Behandlungen um, die Pigmentveränderungen verursachen könnten?

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio: Bei starker Rötung oder Brennen während der Behandlung sollte diese sofort abgebrochen werden. Anschließend durch sanfte Kühlung und Barrierepflege beruhigen und vor allem keine weiteren Reize setzen.

Zeigen sich in den Tagen danach erste Anzeichen einer PIH, gilt: konsequenter Lichtschutz, reizarme Pflege zur Stabilisierung der Hautbarriere, zum Beispiel mit Ceramiden oder Panthenol, und sanft nachbehandeln, statt aggressiv mit stärkeren Peelings oder irritierenden Wirkstoffen gegenzusteuern.

In Fällen von Blasenbildung, Krusten, Schmerzen, anhaltender starker Rötung, Nässe oder Infektionszeichen immer Dermatologinnen oder Dermatologen hinzuziehen. Diese können bei Bedarf kurzzeitig topische Steroide einsetzen, um die Entzündung zu mindern und weiterer Pigmentüberproduktion vorzubeugen.

Wie lässt sich der Erfolg einer Pigmentbehandlung objektiv messen und dokumentieren?

Für eine aussagekräftige Verlaufsdokumentation ist bei der allgemeinen Fotodokumentation auf gleichbleibende Bedingungen zu achten: Kamera, Beleuchtung, Abstand, Winkel und Tageszeit sollten bei jeder Aufnahme identisch sein. Etabliert hat sich darüber hinaus die standardisierte Systemfotografie, zum Beispiel mit Visia, die diese Parameter bereits vorgibt und damit eine höhere Reproduzierbarkeit bietet.

Messgeräte mit Mexameter oder Chromameter können den Melanin- oder Erythemgehalt zusätzlich objektiv quantifizieren. In der dermatologischen Praxis erlauben validierte Scores wie MASI/mMASI (Melasma) und PIH-Severity-Indizes einen strukturierten Verlaufsvergleich. Die Dokumentation sollte in klar definierten Abständen erfolgen, zum Beispiel vier, acht und zwölf Wochen, und unter Berücksichtigung saisonaler Schwankungen.

Welche häufigen Fehler sehen Sie bei der Behandlung von Pigmentstörungen?

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio: Häufige Fehler in der Behandlung von Pigmentstörungen können durch zu aggressive Erstbehandlungen ohne ausreichende Gewöhnungsphase und konsequenten UV-Schutz entstehen. Weitere Risiken sind die gleichzeitige Anwendung zu vieler Wirkstoffe, Behandlungen bei entzündeter Haut sowie Laser-/IPL-Anwendungen bei gebräunter oder ungeeigneter Haut.

Im Institut spielt zudem eine unvollständige Kundenbefragung vor der Behandlung eine Rolle, etwa ob die Kundin schwanger ist, bestimmte Medikamente einnimmt, die die Haut lichtempfindlicher machen - zum Beispiel Antibiotika, Johanniskraut oder Vitamin-A-Präparate -, oder ob kürzlich eine Akne-Therapie mit beispielsweise Isotretinoin stattgefunden hat. Ebenfalls kritisch: die Behandlung nicht ärztlich abgeklärter Pigmentierungen und zu kurze Abstände zwischen den Behandlungen.

Zu Hause führen insbesondere übermäßige Peelings, das Mischen unverträglicher Wirkstoffe - zum Beispiel Retinol kombiniert mit starken Säuren -, unregelmäßiger Sonnenschutz, vorzeitiger Therapieabbruch und Manipulationen der Haut zu Problemen. Auch unrealistische Erwartungen fördern Übertherapie - ein schrittweises Vorgehen und Geduld sind meist der bessere Weg.

Welche neuesten Entwicklungen oder Studien zu Sonnenflecken und PIH halten Sie für besonders relevant für die Praxis von Kosmetikerinnen und Kosmetikern?

Christina Drusio: Pigmenttherapien entwickeln sich hin zu barriereschonenden, entzündungsarmen Konzepten mit stärkerem Fokus auf Hautvorbereitung, Nachsorge und die Kombination milder Wirkstoffe statt maximaler Reizung. Neu ist dabei auch der Blick auf das Hautmikrobiom: Ein ausgeglichenes Mikrobiom kann über immunologische Signalwege direkt zur Begrenzung von PIH beitragen - ein Ansatz, der die Bedeutung sanfter, mikrobiomschonender Pflege auch in der Nachsorge unterstreicht.

Beim Lichtschutz zeigt aktuelle Evidenz, dass nicht nur UV-Strahlung, sondern auch sichtbares Licht und Blaulicht die Melanogenese aktivieren können - getönte Sonnenschutzmittel mit Eisenoxiden bieten hier einen breiteren Schutz als klassische UV-Filter allein.

Welche Rolle spielen Nachsorge und Pflege zu Hause im Langzeiterfolg von Pigmentbehandlungen?

Christina Drusio: Der Langzeiterfolg von Pigmentbehandlungen steht und fällt mit der Heimpflege. Der Erfolg hängt weniger von einzelnen Behandlungen als von einer konsequenten Heimpflege ab. Sichtbare Verbesserungen brauchen Zeit, meist 12-16 Wochen, und erfordern Durchhaltevermögen.

Entscheidend sind täglicher, sehr hoher Lichtschutz, eine stabile Hautbarriere, antientzündliche Wirkstoffe und realistische Erwartungen. Kosmetikerinnen und Kosmetiker spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie begleiten die Anwendung, erkennen Überreizungen frühzeitig und können bei Auffälligkeiten rechtzeitig an Dermatologinnen und Dermatologen verweisen.

Der Langzeiterfolg von Pigmentbehandlungen steht und fällt mit der Heimpflege.

Quellen

  • Auffret N, Leccia MT, Ballanger F, Claudel JP, Dahan S, Dréno B. Acne-induced Post-inflammatory Hyperpigmentation: From Grading to Treatment. Acta Derm Venereol. 2025; 105: adv42925.
  • Minasyan M, Hogan S, Lal K. Oral Tranexamic Acid for Prevention and Treatment of Postinflammatory Hyperpigmentation. Dermatol Surg. 2024; 50 (12S): S219-S224.

Die Expertinnen

Christina Drusio
Die Expertin

Christina Drusio

Die Autorin ist Teil der Inhaberfamilie und Mitglied der Geschäftsführung der Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik GmbH. Sie ist Fachärztin für Dermatologie und als Expertin zum Thema Haut eine geschätzte Referentin bei internationalen Vorträgen und Seminaren.

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio
Die Expertin

Dr. med. Christine Schrammek-Drusio

Die Geschäftsführerin der Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik GmbH ist Dermatologin und Allergologin. Als Anti-Aging-Expertin entwickelt sie Behandlungsmethoden, unter anderem die Kräuterschälkur „Green Peel“, sowie dermatologische Pflegeprodukte.

Mehr zu den Themen:

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr aus der Rubrik Medical Beauty