Trend Intimchirurgie: Nachfrage steigt, Offenheit wächst

27.04.2026
Foto: Dr. med. Pirkko Schuppan

Interview mit Dr. med. Pirkko Schuppan

Foto: Dr. med Pirkko Schuppan

Dr. med. Pirkko Schuppan

Die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie leitet ihre eigene Praxis in Köln. www.plastischechirurgie-koeln.com

 

Die Intimchirurgie zeigt laut der aktuellen DGÄPC-Statistik für 2025 einen deutlichen Zuwachs. Nehmen Sie das auch so wahr?
Dr. med. Pirko Schuppan: Ja, absolut – wobei unsere Intimsprechstunden schon seit vielen Jahren sehr gut besucht sind, da ich mich seit Langem auf dieses Gebiet spezialisiert habe. Unabhängig davon beobachten wir jedoch innerhalb der letzten Jahre einen spürbaren zusätzlichen Anstieg der Anfragen und Terminwünsche.
Das zeigt, dass die Intimchirurgie insgesamt weiter an Bedeutung gewinnt. Neben meiner langjährigen Expertise spielt sicher auch eine zunehmende Offenheit der Patientinnen eine Rolle: Themen wie Intimgesundheit, Funktionalität und Wohlbefinden werden heute selbstverständlicher angesprochen. Dabei geht es den Patientinnen nicht nur um ästhetische Aspekte, sondern sehr häufig auch um funktionelle Beschwerden wie Schmerzen beim Sport, beim Geschlechtsverkehr oder wiederkehrende Entzündungen.

Gerade bei Patientinnen unter 30 Jahren ist der prozentuale Anteil von 7,7 im Jahr 2024 auf 11,8 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Wieso ist die Zahl bei den jüngeren Frauen so gewachsen?
Der Anstieg bei jüngeren Patientinnen hat meiner Meinung nach mehrere Gründe. Zum einen hat sich das gesellschaftliche Bewusstsein für den eigenen Körper stark verändert. Themen wie Intimgesundheit, Körperwahrnehmung und Selbstbestimmung werden heute offener diskutiert als noch vor einigen Jahren. 
Zum anderen spielen soziale Medien und digitale Bildwelten eine Rolle: Junge Frauen werden sehr früh mit stark idealisierten Körperbildern konfrontiert, auch im Intimbereich. Das kann Unsicherheiten auslösen oder verstärken.

In meiner Praxis stehen immer die medizinische Indikation und das individuelle Leidensgefühl im Vordergrund. Viele junge Patientinnen kommen nicht aus ästhetischen Gründen, sondern wegen funktioneller Beschwerden wie Schmerzen beim Sport, beim Geschlechtsverkehr oder durch wiederkehrende Entzündungen. Es ist mir jedoch wichtig zu betonen, dass es völlig legitim ist, sich auch aus ästhetischer Sicht unwohl oder unzufrieden zu fühlen. In meiner Praxis begegnen wir diesen Themen ohne Bewertung. 
In ausführlichen Gesprächen erkläre ich den Patientinnen, was medizinisch möglich ist, welche Ergebnisse realistisch sind und wo Erwartungen möglicherweise von falschen oder verzerrten Vorstellungen geprägt sind. Ein zentraler Punkt der Aufklärung ist dabei: Jede Vulva ist anatomisch unterschiedlich – und diese Vielfalt ist vollkommen normal und gesund. Ziel einer Beratung ist nicht, einem Ideal zu entsprechen, sondern eine individuelle, informierte und selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen.

Welche Maßnahmen halten Sie für besonders wichtig, um Risiken bei intimchirurgischen Eingriffen zu minimieren, insbesondere bei jüngeren Patientinnen?
Der wichtigste Faktor ist eine ausführliche, ehrliche und verantwortungsvolle Beratung. Gerade bei jungen Patientinnen nehmen wir uns viel Zeit, um Motive, Erwartungen und mögliche Alternativen zu besprechen. Dazu gehört auch, klar zu sagen, wann ein Eingriff nicht sinnvoll oder nicht notwendig ist. In einigen Fällen empfehlen wir ausdrücklich, abzuwarten oder zunächst konservative Maßnahmen zu prüfen. 
Medizinisch entscheidend sind außerdem eine exakte Indikationsstellung, eine schonende OP-Technik, langjährige chirurgische Erfahrung im Intimbereich sowie eine strukturierte Nachsorge. Intimchirurgie ist kein Trendthema, sondern ein hochsensibler medizinischer Bereich, der besondere Expertise erfordert.

Wie viel muss eine Patientin für einen der häufigsten Eingriffe – die Schamlippenverkleinerung – bezahlen? Beteiligt sich die Krankenkasse?
Je nach Indikation liegen die Kosten für eine Schamlippenverkleinerung in der Regel zwischen etwa 3.300 bis 3.900 Euro, abhängig vom individuellen Befund, dem operativen Aufwand und der Narkoseform. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in seltenen Ausnahmefällen, etwa bei eindeutig nachweisbaren medizinischen Beschwerden und nach vorheriger Antragstellung. In meiner Praxis handelt es sich meist um eine Selbstzahlerleistung. Transparenz ist uns hier sehr wichtig: Jede Patientin erhält vor dem Eingriff eine klare und nachvollziehbare Kostenaufstellung.

Und wie sieht es mit intimchirurgischen Eingriffen bei männlichen Patienten aus? Was ist hier besonders gefragt?
Auch bei Männern gibt es ein wachsendes Interesse an Intimchirurgie. Durch den regelmäßigen Austausch mit Fachkolleginnen und -kollegen, die in diesem Bereich tätig sind, kann ich bestätigen, dass die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen ist. In meiner Praxis liegt der Fokus jedoch ausschließlich auf weiblicher Intimchirurgie. Daher kann ich zu einzelnen Eingriffen oder genauen Trends bei Männern keine detaillierten Aussagen treffen.

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