Ebenmäßigkeit der Hautoberfläche

07.01.2026
Ebenmäßigkeit der Hautoberfläche

Hautqualität ist ein allgegenwärtiger Begriff, doch was bedeutet er? Welche Merkmale bestimmen die Qualität der Haut, und woran erkennen wir, ob sie als „gut“ gilt? Wissenschaftliche Studien ­zeigen, dass schon kleine Veränderungen in der Hautqualität unsere Wahrnehmung von Jugendlichkeit, ­Attraktivität und Gesundheit maßgeblich beeinflussen. In dieser Serie nehmen wir vier Hautmerk­male, die entscheidend für unser Wohlbefinden und äußeres Erscheinungsbild sind, unter die Lupe. 

Die Ebenmäßigkeit der Hautober-
fläche (Skin Surface Evenness) beschreibt das Mikrorelief der Haut und beeinflusst, ob die Oberfläche als glatt und gleichmäßig wahrgenommen wird – oder ob Unebenheiten wie sichtbare Poren, Falten oder Narben das Erscheinungsbild prägen.

Definition und Relevanz

Goldie et al. definieren die Wahrnehmungskategorie (Emergent Per-ceptual Categories [EPCs]) Ebenmäßigkeit der Hautoberfläche anhand von sechs Parametern: Porengröße, Knitter-/Feinfältelung, Falten und Linien, (Akne-)Narben, sichtbare Haare sowie Hautklarheit.1 Schon kleine Veränderungen in diesen Dimensionen können den Alterseindruck beeinflussen. Studien belegen, dass Gesichter mit nur leicht verbesserter Oberflächenglätte (zum Beispiel 20 Prozent Verbesserung) jünger und attraktiver bewertet werden.2 Damit gehört Skin Surface Evenness zu einer wichtigen Determinante für Attraktivität und subjektive Jugendlichkeit.

Einflussfaktoren

Die Oberflächenstruktur wird von intrinsischen Prozessen wie genetischer Prädisposition, Fibroblastenaktivität, Kollagen- und Elastinabbau sowie hormonellen Veränderungen bestimmt.3, 4 Darüber hinaus können extrinsische Faktoren wie UV-Exposition, Luftverschmutzung, Rauchen oder eine unausgewogene Ernährung das Hautbild weiter negativ beeinflussen.5, 6 Entzündliche Hauterkrankungen wie die verschiedenen Formen der Acne vulgaris – mit Akne conglobata als schwerster Verlaufsform – können dauerhaft sichtbare Narben hinterlassen.7 Wiederholte mimische Bewegungen wiederum fördern im Laufe der Zeit die Entstehung feiner Linien und Fältchen.

Messmethoden und  Referenzwerte

Zur objektiven Erfassung der Hautoberflächenparameter eignet sich  eine spezielle hochauflösende UV-A-Videokamera.1 Das Messgerät erfasst mit einer UV-A-Kamera die Hautreliefs und berechnet unter anderem folgende Parameter. Die Parameter am besten stets im Kontext der anderen Berechnungen betrachten:

  • SEr (Roughness) – Rauigkeit: □  = rauere Haut
  • SEsc (Scaliness) – Schuppigkeit:  □ = mehr Schuppung/Trockenheitszeichen
  • SEsm (Smoothness) – Glätte: □ = geringere Glätte
  • SEw (Wrinkles) – Falten: □ = ausgeprägtere/ breitere Falten8

In einer Studie mit 300 Frauen im Alter von 20–69 Jahren arbeiten Roessle und Kerscher erstmals Referenzbereiche für altersrelevante Parameter heraus. Im Hals- und Dekolletébereich korrelieren die Werte für SEw und SEsm signifikant positiv mit dem Alter. Die Wertzunahme spricht für breitere bzw. ausgeprägtere Falten und eine geringere Hautglätte.9 Diese Referenzwerte können für die objektive Einordnung individueller Hautzustände und die Vergleichbarkeit von Behandlungsergebnissen genutzt werden.10
Eine aktuelle narrative Übersicht zeigt, dass neben visuellen Ratingskalen und biophysikalischen ­Messungen auch künstliche Intelligenz (KI) zur objektiven Beurteilung der Hautqualität eingesetzt werden kann. KI-gestützte Systeme können visuelle Merkmale wie Pigmentierung oder Erythem automatisiert analysieren und so die Beurteilung weiter objektivieren.11 Gleichwohl bleiben klassische Messmethoden mit Referenzwerten zentral, da sie validierte Standards für Forschung und Praxis darstellen. 

Behandlungsansätze

Der von Kerscher et al. vorgestellte Behandlungsalgorithmus für die vier Hautqualitätsmerkmale folgt einem klar strukturierten mehrstufigen Konzept. Im Mittelpunkt steht ein ganzheitlicher Ansatz, der individuelle Hautbedürfnisse berücksichtigt und verschiedene Maßnahmen systematisch kombiniert.12 
Zunächst erfolgt eine umfassende Analyse, um die vorrangigen Hautqualitätsdefizite zu identifizieren. Die Behandlung orientiert sich dann an einer festgelegten Reihenfolge: Zuerst wird idealerweise die Hautfestigkeit optimiert, da ein stabilisiertes dermales Fasernetzwerk die Grundlage für nachfolgende Therapien bildet. Darauf folgen die Ebenmäßigkeit der Hautoberfläche, die Ebenmäßigkeit des Hauttons und zuletzt das Merkmal „Skin Glow“.12
Für die Umsetzung betonen die Experten mehrere Grundprinzipien: Zunächst sollten Entzündungen oder Barrierefunktionsstörungen behandelt werden („pretreat“), um ein stabiles Fundament zu schaffen. Anschließend wird gezielt die Barriere gestärkt („reinforce“) und mit Behandlungen schrittweise begonnen („go slow“), um die Hautverträglichkeit – insbesondere bei empfindlicher Haut – zu gewährleisten. Der Ansatz ist stets multimodal: ­Tiefere Strukturen und oberflächliche Schichten werden komplementär adressiert, um ein harmonisches Ergebnis zu erzielen. Individuelle Faktoren wie Hauttyp, Komorbiditäten und Lebensstil werden dabei konsequent berücksichtigt. 
Ein strukturierter Erhaltungsplan mit topischer Pflege und regelmäßigen Auffrischungen sichert die erzielten Resultate langfristig ab.12
Einige Konsensempfehlungen speziell für das EPC Ebenmäßigkeit der Hautoberfläche sind folgende: 

  • Chemisches Peeling
  • (Nicht-)ablativer Laser
  • (Radiofrequenz-)Microneedling
  • Biostimulatoren (z. B. Kalziumhydroxylapatit)
  • Hyaluronsäure
  • (Micro-)Botulinumtoxin-Injektionen
  • Kombination tief und oberflächlich wirkender Verfahren für maximale Effektivität12

Mit dem Algorithmus werden Behandlungen zielgerichtet priorisiert: weg von unnötigen Eingriffen  hin zum führenden EPC.12

Literatur:
    1    Goldie K, Kerscher M, Fabi SG, Hirano C, Landau M, Lim TS, Woolery-Lloyd H, Mariwalla K, Park J-Y, Yutskovskaya Y. Skin Quality – A Holistic 360° View: Consensus Results. CCID 2021; Volume 14643–654.
    2    Samson N, Fink B, Matts PJ, Dawes NC, Weitz S. Visible changes of female facial skin surface topography in relation to age and attractiveness perception: Perception of facial skin surface topography. Journal of Cosmetic Dermatology 2010; 9(2): 79–88.
    3    Krutmann J, Diepgen TL, Billmann-Krutmann C. Hautalterung. Grundlagen, Prävention, Therapie. 2. Auflage, Springer Medizin, Heidelberg, 2008.
    4    Kerscher M, Williams S. Dermatokosmetik. 2. Auflage, Steinkopff Verlag, Heidelberg, 2009.
    5    Krutmann J, Bouloc A, Sore G, Bernard BA, Passeron T. The skin aging exposome. Journal of Dermatological Science 2017; 85(3): 152–161.
    6    Krutmann J. Vorzeitige Hautalterung durch ultraviolette Strahlung und andere Umweltnoxen. Der Hautarzt 2003; 54(9): 809–817.
    7    Hafsi W, Arnold DL, Kassardjian M. Acne Conglobata [Internet]. In: StatPearls. StatPearls Publishing, Treasure Island (FL), 2025, [cited 2025 Oct 17 ] Available from: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459219/
    8    Tronnier H, Wiebusch M, Heinrich U, Stute R. Surface evaluation of living skin. Adv Exp Med Biol 1999; 455507–516.
    9    Roessle A, Kerscher M. Objectification of Skin Surface Evenness: In Vivo Evaluation of 300 Women in Relation to Age. J of Cosmetic Dermatology 2025; 24(S4): e70383.
    10   Swift A, Liew S, Weinkle S, Garcia JK, Silberberg MB. The Facial Aging Process From the “Inside Out”. Aesthetic Surgery Journal 2021; 41(10): 1107–1119.
    11    Pooth R, Sattler S, Westerberg F, Pavicic T, Kerscher M. Transforming Skin Quality Evaluation With AI: From Subjective Grading to Data-Driven Precision. J of Cosmetic Dermatology 2025; 24(S4): e70371.
    12   Kerscher M, Goldie K, Hirano C, Lowe S, Mariwalla K, Moore M, Park J, Sajic D, Sattler S, Spada J, Vachiramon V, Viscomi B. How to Treat Skin Quality: A Consensus-Based Treatment Algorithm and Expert Guidance. J of Cosmetic Dermatology 2025; 24(S4): e70359.

 

Alena Franziska Rössle

Alena Franziska Rössle,  M. Sc. 
Die Heilpraktikerin und Kosmetikwissenschaftlerin forschte im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität Hamburg zur Hautqualität und deren objektiver Analyse. Im Arbeitskreis von Prof. Dr. med. Martina Kerscher gehörten zu ihren universitären Aufgaben die Koordination kosmetischer und klinischer Studien sowie die Lehre zu ihren Aufgaben.

Foto: BEAUTY FORUM

Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL

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