Nach Hochrechnungen sind etwa 16 Millionen Menschen in Deutschland tätowiert.1 Schätzungen gehen davon aus, dass im Schnitt rund jeder Zehnte mindestens ein Tattoo wieder entfernen lassen möchte. Das entspricht ungefähr 1,6 Millionen potenziellen Kundinnen und Kunden für Tattooentfernungen und das funktioniert dank moderner Technik immer besser. Neben dem Goldstandard Laser können auch andere Technologien zum Einsatz kommen. Aber Vorsicht: Die Tattooentfernung mit dem Laser fällt seit dem 1. Januar 2021 unter die NiSV. Das bedeutet, dass nur noch approbierte Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Fort- oder Weiterbildung Tattoos mit dem Laser entfernen dürfen.
Früher wurden Tätowierungen auch per Dermabrasion abgeschliffen oder mit ätzenden Substanzen behandelt, dem sogenannten Bleaching. Heute gelten diese Methoden als veraltet und werden nicht mehr empfohlen. Zu groß ist bei den oft blutigen Prozeduren das Risiko von Narben, mal abgesehen von den Schmerzen. Gleiches gilt für die chirurgische Entfernung, bei der das pigmentierte Hautareal ausgeschnitten und die Wunde vernäht wird.
Heute ist das Mittel der Wahl der Laser. Er kann mit vergleichbar wenig Risiken eine vollständige und sichere Entfernung von klassischen Tattoos ermöglichen. Der Laser schont die oberste Hautschicht und hinterlässt nach abgeschlossener Behandlung in der Regel keinerlei Spuren. Wer also dauerhaft und narbenarm ein Tattoo loswerden will, sollte sich an erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte und zertifizierte Laserzentren wen-den – und zwar ausschließlich an die.
Die Verwendung von Lasergeräten zur Tattoo- oder Permanent-Make-up-Entfernung ist approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Mit Lichtenergie gegen Farbe
Das Prinzip ist bei allen Laserarten das gleiche: Hochkonzentrierte Lichtimpulse in extrem kurzen Intervallen treffen auf die Farbmoleküle in der Haut und zersprengen sie absolut präzise, ohne das umliegenden Gewebe anzugreifen. Die winzig kleinen Reste der Pigmentpartikel werden dann in den nächsten Wochen durch das körpereigene Immunsystem abtransportiert und entsorgt.
Diese Behandlung eignet sich in der Regel für alle Fototypen von I bis VI, und dank individueller Anpassungen der Geräte an Hauttyp, Tiefe und Intensität des Tattoos können auch komplexe Fälle erfolgreich und schonend behandelt werden, während das Risiko für Fehlpigmentierungen und Narben minimiert wird. Dabei hängt die Anzahl der Sitzungen von Faktoren wie Farbintensität, Größe und Alter des Tattoos ab. In der Praxis werden meist bis etwa 300 cm² auf einmal behandelt, das entspricht ungefähr zwei Handflächen. Zwischen den Sitzungen braucht die Haut Zeit zur Heilung und zur Entfernung der abgebauten Pigmentreste.
Zu Risiken und Nebenwirkungen aufklären
Ein individuelles Beratungsgespräch vor der Behandlung ist unerlässlich, um die Risiken abwägen zu können und die Erwartungen realistisch zu halten. Nicht bei jedem Tattoo gelingt die vollständige Auflösung aller Pigmente. Insbesondere sehr tief liegende, helle, grüne, gelbe oder pastellfarbene Teilchen sind schwierig. Sie können ungleichmäßig verblassen oder Rückstände bilden. Möglicherweise – wenn auch selten – können bei der Zerstörung der Pigmente allergene Substanzen freigesetzt werden, auf die der Körper reagiert.
Theoretisch kann es auch ohne allergische Reaktion zu einer Überlastung des Immunsystems und damit zu einer verzögerten oder ineffizienten Entfernung der Farbe kommen, was Entzündungen oder vorübergehende Hautreaktionen fördern kann. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem oder Lymphabflussstörungen sollten daher von der Behandlung ausgeschlossen werden. Direkt nach dem Lasern sind Rötungen, Schwellungen, Krusten- oder Blasenbildung und nach der Abheilung vorübergehende oder dauerhafte Pigmentstörungen möglich. Wir beobachten sowohl Hyper- als auch Hypopigmentierungen. Bei dunkleren Hauttypen kann es sogar zu einer vorübergehenden Depigmentierung kommen. Die Haut nimmt jedoch meist nach etwa zwei Monaten ihre ursprüngliche Farbe wieder an.
Das Narbenrisiko ist bei moderner Laseranwendung gering. Es kann aber bei unsachgemäßer Behandlung, zu hoher Energie oder falscher Nachsorge durchaus Narben geben. Grundsätzlich kann die Behandlung als schmerzhaft empfunden werden, vergleichbar mit dem Schnalzen eines Gummibands auf der Haut. Größere Flächen oder niedrigere Schmerzgrenzen kann man mit einer Betäubungscreme oder -injektion anästhetisieren, völlig schmerzfrei werden die Sitzungen aber auch damit nicht.
Nachbehandlung: Sanfte Pflege empfohlen
Direkt nach dem Lasern empfiehlt sich eine Kühlung mit Umschlägen oder Coolpacks, um Schwellungen und Rötungen zu lindern.
In den ersten Tagen danach bilden sich meist kleine Krusten auf der behandelten Hautstelle. Diese verschwinden innerhalb von etwa zehn Tagen von selbst, ohne Narben zu hinterlassen – eine normale Hautreaktion.
Um den Heilungsprozess zu unterstützen, empfiehlt sich ebenfalls die Verwendung einer Wundheilungscreme. Sie hilft der beanspruchten Haut außerdem, sich wieder zu beruhigen. Auch Aloe-vera-Gele unterstützen die Regeneration und halten die Haut geschmeidig.
Direkte Sonneneinstrahlung ist unbedingt zu vermeiden, die Haut ist nach der Lasertherapie besonders lichtempfindlich. Ein hoher Lichtschutzfaktor SPF 50 ist ein Muss, um Pigmentstörungen vorzubeugen. Die Reinigung sollte vorsichtig mit lauwarmem Wasser erfolgen, ohne aggressive Seifen oder Reibung. Und für einige Tage nach der Behandlung sollten langes Baden, Schwimmen und Sauna vermieden werden, um Infektionen und Verzögerungen im Heilungsprozess zu verhindern.
Zwei Laserarten haben sich bewährt
Bei der Tattooentfernung kommen meist Q-Switched- oder Pikosekundenlaser zum Einsatz. Beide gehören zum Standard moderner Tattooentfernung, wobei der Pikosekundenlaser oft bei schwierigen oder hartnäckigen Tattoos bevorzugt wird.
Der Q-Switched-Laser arbeitet mit der sogenannten Quality-switching-Technik, bei der die Laserenergie in ultrakurzen, hochintensiven Pulsen im Nanosekundenbereich freigesetzt wird. Diese hochenergetischen kurzen Pulse zerstören Tattoofarbpartikel durch fotothermische (mit Wärme) und fotoakustische (mit Schall/Druck) Effekte.
Der Pikosekundenlaser ist eine Weiterentwicklung und sendet deutlich kürzere Lichtimpulse als der Q-Switched-Laser im Pikosekundenbereich (eine Pikosekunde = eine Billionstel Sekunde), was ihn präziser, effektiver und schonender macht.
Quellen:
1 Statista, Zahlen von 2021
Dr. med. Omar Habbaba
Der Arzt mit Schwerpunkt im Bereich der Ästhetischen Medizin hat bereits zahlreiche Tattoos erfolgreich entfernt und fungiert neben seiner Tätigkeit in eigener Praxis als Behandler für Injektions- und Laserbehandlungen bei Cleanskin Berlin. www.cleanskin.de
Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL
Lust in Ruhe durchzublättern?
Dann hol dir jetzt die Zeitschrift nach Hause!