Die apparative Behandlung von Kinn und Hals über das Gesicht hinaus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Neben operativen Eingriffen und ablativen minimalinvasiven Lasern können auch Radiofrequenz- und Ultraschallbehandlungen die Hauterschlaffung und Faltenbildung im Halsbereich verbessern, Fettdepots reduzieren und die Kinnlinie straffen und formen.
Bei vielen Patientinnen und Patienten zeigen sich im Bereich Kinn und Hals früh Zeichen der Hauterschlaffung, Konturverlust, Doppelkinn oder eine Abnahme der Jawline-Definition. Dabei stellt der Kinn- und Halsbereich ein besonders sensibles Behandlungsareal dar, das aufgrund seiner anatomischen und funktionellen Eigenschaften spezifische Anpassungen erfordert. Die Haut ist hier deutlich dünner, weniger talgdrüsenreich und neigt stärker zu Elastizitätsverlust. Unterhalb des Kinns verlaufen zudem wichtige Strukturen wie die zur Mimikmuskulatur gehörende Platysma, große Halsgefäße, Schilddrüse und wichtige Nerven – Bereiche, die bei der Energieabgabe ausgespart oder nur mit niedriger Leistung behandelt werden dürfen.
Zudem ist die Anatomie komplex durch die gekrümmte knöcherne Kinnlinie sowie die Halsneigung – hier sind ergonomische, schlanke Applikatoren für einen gleichmäßigen Hautkontakt essenziell, um Hotspots zu vermeiden. Das Handstück sollte stets in Bewegung bleiben, mit ausreichendem Kontaktgel geführt werden und die Haut dabei leicht gespannt sein. Eine segmentierte Behandlung nach Zonen wie Jawline, submentales Dreieck, Halsseiten ermöglicht eine präzise Parameteranpassung gerade bei dünner, empfindlicher Haut. Nach der Behandlung sind Kühlung, milde Pflege und konsequenter UV-Schutz entscheidend, um die Hautbarriere zu stabilisieren und optimale Ergebnisse zu sichern.
Tech Neck
Ein Grund dafür, dass sich immer mehr Menschen für eine Behandlung des Halses entscheiden, ist das Phänomen des „Tech Neck“: Durch anhaltende Beugung des Kopfes hinunter zu Smartphone und Co. wird die Haut am Hals dauerhaft geknickt und so mechanisch belastet. Diese chronische Fehlhaltung fördert die Entstehung horizontaler Falten und beschleunigt den Elastizitätsverlust und macht sich immer häufiger im Spiegelbild störend bemerkbar.
Kombinierte Behandlung
Radiofrequenz (RF) und Ultraschall (US) als nichtinvasive apparative Verfahren ermöglichen durch gezielte thermische bzw. Schallwellen-Stimulation der tiefen Haut- und Unterhautstrukturen eine Verbesserung von Hautfestigkeit, Kontur und Textur.
RF erzeugt dabei durch Hochfrequenzstrom eine Erwärmung des Gewebes mit dem Ziel der Kollagen-Kontraktion und dadurch Stimulation der Neubildung von Kollagen und Elastin. Kalter Ultraschall erzeugt thermische und mechanische Effekte, öffnet so unerwünschte Fettzellen und erleichtert ihre Entleerung.
Step by Step
Beachten Sie die folgenden Schritte:
1. Vorbereitung und Dokumentation: Aufklärung und Anamnese (zum Beispiel Schilddrüsenerkrankung, Schwangerschaft, Hauterkrankungen am Hals, Medikamenteneinnahme), Hautanalyse und Fotodokumentation. Vor der Behandlung gründliche Reinigung des Behandlungsbereichs, Entfernung von Make-up, Pflege-produkten, Schmuck und Piercings, Ausschluss von Hautinfektionen, Entzündungen oder auffälligen Narben.
2. Markierung: ggf. Segmentierung des Areals in submentales Dreieck, Jawline, laterale Halsseiten und zen-trale Halsregion (Schilddrüsenbereich unbedingt aussparen) zur besseren Anpassung der Parameter.
3. Behandlung mit Radiofrequenz: Auftragen von ausreichend Kopplungsmittel wie wasser- und duftstofffreiem Babyöl für optimalen Hautkontakt. Langsames, gleitendes Bewegen des Applikators flächig über die Haut, diese ggf. leicht spannen (Bild 1 links).
Die Temperatur sollte konstant zwischen 39 und 42 Grad Celsius gehalten werden, um die zur Straffung benötigte Wärme im Gewebe aufzubauen, dabei jedoch Verbrennungen zu vermeiden. Moderne Systeme messen dies automatisch. Jeder Bereich wird mehrfach überlappt behandelt, ohne das Handstück länger als fünf Sekunden auf einer Stelle zu halten.
Ergänzt werden kann dieser Schritt durch fraktioniertes Plasma auf RF-Basis zur noch intensiveren thermischen Straffung (Bild 2).
4. Ultraschallbehandlung zur Fettreduktion (optional): Kombiniert wird die Behandlung optional vor und nach RF mit kaltem Ultraschall. Er unterstützt die Definition der Jawline und verbessert die straffende Wirkung der RF. Spezielle Vorsicht bei tiefen anatomischen Strukturen, insbesondere Kehlkopf und Schilddrüse, ist auch hier geboten (Bild 3).
5. Ultraschallbehandlung zur Wirkstoff-Einbringung (optional): Ergänzend kann per Druck-Ultraschall- Modul eine topische, die Behandlungserfolge unterstützende Pflege eingebracht werden (Bild 4).
6. Abschluss und Nachsorge: Reinigung und leichtes Abkühlen der Haut falls nötig, jedoch keine zu starke Kühlung, um den Regenerationsprozess nicht zu stören. Auftragen von milden, feuchtigkeitsspendenden Produkten wie Panthenol oder Hyaluron sowie ausführliche Nachsorgeanweisungen wie das Vermeiden von intensiver Sonnenexposition sowie Sport oder Sauna für 24–48 Stunden; wichtig sind ein konsequenter Sonnenschutz mit LSF 50 und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Erneute Fotodokumentation direkt danach sowie Vereinbaren der Folgetermine – je nach Befund circa drei bis sechs – sind empfohlen. Sichtbare Effekte sind häufig nach zwei bis drei Monaten zu erkennen, wenn der Kollagenumbau abgeschlossen ist.
Dos and Don'ts bei der Behandlung von Kinn und Hals
Dos
- Dosieren der RF- und Ultraschallenergie konservativ, speziell im Halsbereich
- Gleichmäßige, flächige Bewegung des Handstücks mit ausreichend Kontaktgel
- Segmentierung des Areals zur gezielten Parameteranpassung
- Haut vor der Behandlung sorgfältig reinigen und Schmuck entfernen
- Regelmäßige Temperaturkontrolle (idealerweise automatisch)
Don'ts
- Hohe Energie und lange Verweildauer des Handstücks an einer Stelle vermeiden
- Handstück nicht auf der Haut "stehen lassen" oder ruckartig bewegen
- Behandlung über dem Kehlkopf oder der Schilddrüse mit hohen Energien
- Unkontrollierte Behandlung bei Hautinfektionen, Narben oder implantierten Materialien
- Ignorieren von Patientenrückmeldungen
Dörte Boße
Kosmetikerin und Schulungs-
leiterin bei Alma Beauty, Nürnberg, www.alma-lasers.de
Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL
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