Ebenmäßigkeit des Hauttons

12.03.2026
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Hautqualität ist ein allgegenwärtiger Begriff, doch was bedeutet er? Welche Merkmale bestimmen die Qualität der Haut, und woran erkennen wir, ob sie als „gut“ gilt? Wissenschaftliche Studien ­zeigen, dass schon kleine Veränderungen in der Hautqualität unsere Wahrnehmung von Jugendlichkeit, ­Attraktivität und Gesundheit maßgeblich beeinflussen. In dieser Serie nehmen wir vier Hautmerk­male, die entscheidend für unser Wohlbefinden und äußeres Erscheinungsbild sind, unter die Lupe. 

Ungleichmäßigkeiten im Hautton sind weit mehr als ein rein ästhetisches Problem. Sichtbare Pigmentstörungen können die psychosoziale Gesundheit und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.1 Zu den häufigsten Veränderungen zählen Melasma, solare Lentigines und postinflammatorische Hyperpigmentierungen (PIH).1, 2 
Besonders das Melasma betrifft überwiegend Frauen und Personen mit dunkleren Fitzpatrick-Hautfototypen (FSTs).3 Sie treten meist im Gesicht auf, sind für Betroffene sehr präsent und führen häufig zu emo-tionalem Stress.4, 5 
Studien, die Lebensqualitätsinstrumente wie den Dermatology Life Quality Index (DLQI) oder – bei Melasma – die Melasma Quality of Life Scale (MELASQOL) einsetzen, zeigen deutlich: Pigmentveränderungen beeinflussen Alltag, Selbstwahrnehmung und soziale Interaktionen erheblich.4, 6 Die Belastung bewegt sich dabei in einer Größenordnung, wie man sie auch von chronisch-entzündlichen Dermatosen wie Rosacea kennt.7 
Während Hyperpigmentierungen bei dunkleren FSTs häufiger auftreten, werden Rötungen und vaskuläre Veränderungen vor allem bei helleren Hauttypen leichter erkannt.3, 8 Gleichzeitig zeigte eine US-amerikanische Umfrage aus dem Jahr 2023 unter Personen mit Skin of Color, dass fast alle Befragten der Meinung waren, Dermatologinnen und Dermatologen seien nicht ausreichend dafür ausgebildet, dunklere FSTs zu behandeln – ein Vertrauensdefizit, das viele von der Inanspruchnahme professioneller Hilfe abhält.9

Was ist Skin Tone Evenness?

Die Hauttonhomogenität – Skin Tone Evenness – ist eines der vier inter­national definierten Hautqualitätsmerkmale (Emergent Perceptual Categories, EPCs): die Hautfestigkeit, die Ebenmäßigkeit der Hautoberfläche, der Glow (Hautglanz) und die Ebenmäßigkeit des Hauttons. Sie beschreibt die visuelle Gleichmä­ßigkeit der Pigmentierung und der vaskulären Färbung – also wie harmonisch die Haut in ihrer Farbgebung erscheint. Die Definition aus der  Konsensusarbeit benennt drei relevante chromatische Komponenten: Pigmentierung, Erythem und (Ver-)Färbungen.10

Wie entsteht ein ungleichmäßiger Hautton?

Die Mechanismen, die zu Farbunregelmäßigkeiten führen, sind vielfältig und wirken meist zusammen:
UV-Strahlung als wichtigster Trigger für Hyperpigmentierungen und Sonnenschäden; fördert Melaninbildung und lichtbedingte Pigmentflecken.11
Hormone spielen eine zentrale Rolle beim Melasma (zum Beispiel steigen während der Schwangerschaft unter anderem das Melanozyten-stimulierende Hormon [MSH] sowie Östrogen und Progesteron an, was die Pigmentbildung fördert; in diesem Zusammenhang wird es auch als Chloasma bezeichnet).12–14
Entzündungen, zum Beispiel Akne und mechanische Reize, können PIH auslösen – vermittelt über proinflammatorische Zytokine, die die Melanogenese stimulieren.15
Alterung: Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der Melanozyten ab, ihre Aktivität wird aber ungleichmäßiger.16, 17 Das begünstigt fleckige Pigmentablagerungen und eine unruhige Lichtreflexion der Hautoberfläche.
Oxidativer Stress: Innere und äußere Faktoren (UV-Strahlung, Umwelt, Lifestyle) erzeugen reaktive Sauerstoffspezies, die sowohl Pigmentbildung als auch Gefäßreaktionen beeinflussen und den Teint fahl wirken lassen können.18 So entsteht über die Jahre ein komplexes Bild aus Pigmentierungen, Rötungen und (Ver-)Färbungen (EPC-Parameter)10 – die optische Manifestation einer gestörten Farbbalance.

Was ist messbar, was folgt?

Einzelne Parameter lassen sich mit biophysikalischen Messgeräten wie dem „Mexameter“ oder digitalen Bildsystemen erfassen.10 Beispielsweise misst dieses Gerät Indices für Melanin- und Erythem-Werte - die beiden Hauptfarbgebungskomponenten der Haut.19 Dies ermöglicht standardisierte Verlaufsbeurteilungen, etwa im Rahmen von Behandlungen oder klinischen Studien.
Die objektive Quantifizierung dieses vierten Hautqualitätsmerkmals ist der nächste geplante Schritt in der EPC-Forschungsreihe von Roessle und Kerscher. Ziel ist es, Alterskorrelationen zu ermitteln und – wie bereits bei den anderen drei EPCs – Referenzbereiche in unterdurchschnittlich, durchschnittlich und überdurchschnittlich zu definieren.20–22 

 

Praktische Bedeutung

Für die Gesamtbetrachtung der Hautqualität gilt in der Praxis: Zuerst das dominante EPC erkennen – dann gezielt behandeln. Speziell für die Hauttonhomogenität bedeutet das:
1. EPC-Parameter identifizieren: Liegt der Fokus eher auf Pigment, Rötung oder (Ver-)Färbungen?
2. Gezielt behandeln: Jede Ursache erfordert andere Maßnahmen. Genauere Empfehlungen können in der Konsensusarbeit von Kerscher et al. nachgelesen werden. Die Leitlinie beschreibt, welche Behandlungsansätze für jedes EPC verfolgt werden sollen.23 
3. Schutz nicht vergessen: Konsequenter Sonnenschutz (UV-A/-B) und antioxidative Pflege bilden die Grundlage jeder nachhaltigen Verbesserung. 
Ein gleichmäßiger Hautton entsteht selten durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein strukturiertes, individuell angepasstes Vorgehen.

Alena Franziska Rössle

Dr. rer. nat. Alena Franziska Rössle
Die Heilpraktikerin und Kosmetikwissenschaftlerin forschte im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität Hamburg zur Hautqualität und deren objektiver Analyse.

Literatur: 
    1    Taylor A, Pawaskar M, Taylor SL, Balkrishnan R, Feldman SR. Prevalence of pigmentary disorders and their impact on quality of life: a prospective cohort study. J Cosmet Dermatol. 2008; 7 (3): 164–168. 
    2    Cestari TF, Dantas LP, Boza JC. Acquired hyperpigmentations. An Bras Dermatol. 2014; 89 (1): 11–25. 
    3    Sharma AN, Kincaid CM, Mesinkovska NA. The Burden of Melasma: Race, Ethnicity, and Comorbidities. J Drugs Dermatol. 2024; 23 (8): 691–693. 
    4    Zhu Y, Zeng X, Ying J, Cai Y, Qiu Y, Xiang W. Evaluating the quality of life among melasma patients using the MELASQoL scale: A systematic review and meta-analysis. Kaliyadan F, ed. PLOS ONE. 2022; 17 (1): e0262833. 
    5    Platsidaki E, Efstathiou V, Markantoni V, et al. Self-Esteem, Depression, Anxiety and Quality of Life in Patients with Melasma Living in a Sunny Mediterranean Area: Results from a Prospective Cross-Sectional Study. Dermatol Ther. 2023;  13 (5): 1127–1136. 
    6    Finlay AY, Khan GK. Dermatology Life Quality Index (DLQI)-a simple practical measure for routine clinical use. Clin Exp Dermatol. 1994; 19 (3): 210–216. 
    7    Chiu CW, Tsai J, Huang YC. Health-related Quality of Life of Patients with Rosacea: A Systematic Review and Meta-analysis of Real-world Data. Acta Derm Venereol. 2024; 104: adv40053. 
    8    Kim T, Lee YE, Han Y, et al. Analysis of facial vascular pattern characteristics in the Korean population. Skin Res Technol. 2023; 29 (6): e13344. 
    9    Cartwright MM, Kamen T, Desai SR. The Psychosocial Burden of Skin Disease and Dermatology Care Insights Among Skin of Color Consumers. J Drugs Dermatol. 2023; 22 (10):1027–1033. 
    10    Goldie K, Kerscher M, Fabi SG, et al. Skin Quality – A Holistic 360° View: Consensus Results. Clin Cosmet Investig Dermatol. 2021; Volume 14: 643–654. 
    11    Coelho SG, Choi W, Brenner M, et al. Short- and long-term effects of UV radiation on the pigmentation of human skin. J Investig Dermatol Symp Proc. 2009; 14 (1): 32–35.
    12    Jang Y, Lee J, Kang H, Lee E, Kim Y. Oestrogen and progesterone receptor expression in melasma: an immunohistochemical analysis. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2010; 24 (11): 1312–1316. 
    13    Zhang J, Wang T, Li Z, et al. Hormonal Crosstalk in Melasma: Unraveling the Dual Roles of Estrogen and Progesterone in Melanogenesis. Int J Mol Sci. 2025;  26 (22): 10856. 
    14    Filoni A, Mariano M, Cameli N. Melasma: How hormones can modulate skin pigmentation. J Cosmet Dermatol. 2019; 18 (2): 458–463. 
    15    Markiewicz E, Karaman-Jurukovska N, Mammone T, Idowu OC. Post-Inflammatory Hyperpigmentation in Dark Skin: Molecular Mechanism and Skincare Implications. Clin Cosmet Investig Dermatol. 2022; Volume 15: 2555–2565
    16    Chen J, Lei L, Jiang L, Hu Y, Huang J, Zeng Q. Skin Pigmentation Gradually Decreases with Age Under Non-Ultraviolet Exposure Conditions. Skin Health Dis. 2023; 3 (3): ski2.193. 
    17    Haddad MM, Xu W, Medrano EE. Aging in epidermal melanocytes: cell cycle genes and melanins. J Investig Dermatol Symp Proc. 1998; 3 (1): 36–40.
    18    Krutmann J, Grether-Beck S, Makrantonaki E, Schikowski T. Hautalterungsexposom. Dermatol. 2023; 74 (9): 657–662. 
19        Clarys P, Alewaeters K, Lambrecht R, Barel AO. Skin color measurements: comparison between three instruments: the Chromameter® , the DermaSpectrometer® and the Mexameter®. Skin Res Technol. 2000;6(4):230–238. 004230.x
20    Roessle A, Kerscher M. Objectification of Skin Firmness: In Vivo Evaluation of 300 Women in Relation to Age. J Cosmet Dermatol. 2025; 24 (1): e16773. 
    21    Roessle A, Kerscher M. Objectification of Skin Glow: In Vivo Evaluation of 300 Women in Relation to Age. J Cosmet Dermatol. 2025; 24 (S4): e70373. 
    22    Roessle A, Kerscher M. Objectification of Skin Surface Evenness: In Vivo Evaluation of 300 Women in Relation to Age. J Cosmet Dermatol. 2025; 24 (S4): e70383. 
23    Kerscher M, Goldie K, Hirano C, et al. How to Treat Skin Quality: A Consensus-Based Treatment Algorithm and Expert Guidance. J Cosmet Dermatol. 2025; 24 (S4):e70359. 

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