Wenn die Haut sich in den Wechseljahren verändert, braucht sie neue Aufmerksamkeit, da sie an Spannkraft verliert, trockener wird und empfindlicher reagiert. Peelings können helfen, aber nur, wenn sie richtig eingesetzt werden. In unserem Interview verrät Claudia Oelrich, Leitung der medizinischen Kosmetikabteilung im Dermatologikum, was es bei den Peeling-Strategien zu beachten gilt.
Claudia Oelrich
gehört seit März 1999 zum Team der medizinischen Kosmetik und leitet die medizinische Kosmetik-
abteilung im Dermatologikum Hamburg seit vielen Jahren. www.dermatologikum.de
MEDICAL: Wie sollten Peeling-Strategien für die geänderte Hautbeschaffenheit in den Wechseljahren aussehen?
Claudia Oelrich: Peeling-Strategien in den Wechseljahren sollten nicht allein auf eine Hornschichtabtragung abzielen, sondern die Regeneration, Kollagenneubildung und Barrierebalance unterstützen.
Durch Hormonschwankungen in den Wechseljahren, besonders durch den Abfall des Östrogens, kommt es zu einer Reduktion von Kollagen und Elastin: Etwa 30 Prozent weniger Kollagen werden in den ersten fünf Jahren nach der Menopause produziert. Das hat zur Folge, dass die Haut dünner und trockener wird. Die Barrierefunktion der Haut wird schwächer. Die Zellteilung verlangsamt sich. Die Haut ist also in den meisten Fällen nicht stark verhornt, sondern bringt einen Volumenverlust, erhöhte Sensitivität und eine veränderte Textur mit.
MEDICAL: Welche Unterschiede sehen Sie zwischen chemischen und mechanischen Peelings bei wechseljahrsbedingter Hautsensitivität, und wann empfehlen Sie welches Verfahren?
Claudia Oelrich: Mechanische Peelings arbeiten durch Reibung bzw. durch abrasive Partikel und entfernen abgestorbene Hautzellen manuell. Das kann für die empfindliche Haut, wie sie in den Wechseljahren vorkommt, zu Reizungen und Mikroverletzungen oder zu Schäden der Hautbarriere kommen.
Außerdem nimmt die Gefäßlabilität im Alter zu und abrasive mechanische Verfahren können durch ihre Reibungswirkung die Entstehung erweiterter Gefäße begünstigen.
Wenn die Haut noch nicht zu dünn oder stark empfindlich ist, das heißt die Barrierefunktion noch intakt ist, sichtbare und fühlbare Verhornung/Unterlagerung oder Verstopfungen vorhanden sind, dann kann ein mechanisches Peeling die richtige Wahl sein – für ein sofort sichtbares und fühlbares Ergebnis. Chemische Peelings arbeiten zum Beispiel über Säure – oder enzymgestützte Ablösung abgestorbener Zellen bzw. über Veränderung der Zelladhäsion und Beschleunigung der Zellerneuerung, also ideal bei der Haut mit Elastizitätsverlust. Somit können sie gezielter auf Alterungsprozesse wirken. Die Zellteilung wird angeregt und die Kollagen- und Elastinbildung wird somit stimuliert. Gerade in der Menopause steigt der pH-Wert messbar an, was den Säu-reschutzmantel schwächt und die Barriere anfälliger werden lässt. Trockenheit und Irritation sind die Folge. Fruchtsäure-Peelings wirken hier durch ihren sauren pH-Wert regulierend.
MEDICAL: Welche Behandlungsfrequenz empfehlen Sie, um Irritationen zu minimieren und die Hautbarriere zu schützen?
Claudia Oelrich: Je nach Peeling-Verfahren und -intensität können professionelle oberflächliche chemische Peelings alle vier bis sechs Wochen durchgeführt werden; Medium Peelings, zum Beispiel stärkere TCA-Peelings, empfehle ich alle drei bis sechs Monate. Mechanische Peelings sollten bei entsprechender Indikation in größeren Abständen – etwa alle zwei bis vier Wochen – angewandt werden. Milde enzymatische Peelings können ein- bis zweimal pro Woche angewandt werden, wenn die Haut reizfrei bleibt.
In der Regel gilt, dass menopausale Haut oberflächliche bis maximal mittelstarke Peelings verträgt.
Tiefe Peelings sind seltener indiziert und riskanter bei dünnerer Haut; immer abhängig vom aktuellen Hautzustand.
MEDICAL: Was gilt es hinsichtlich der Peeling-Konzentrationen zu beachten?
Claudia Oelrich: Die Tiefe eines chemischen Peelings hängt nicht nur von der Konzentration ab , sondern auch vom pH-Wert, der Einwirkzeit, und ggf. von den aufgetragenen Schichten und der Vorbereitung. Bei der empfindlichen hormonveränderten Haut gilt: Weniger ist mehr – kürzere Einwirkzeit, mildere Verfahren zur Schonung der Hautbarriere. Die Empfehlung ist mit moderaten Konzentrationen zu starten und bei guter Verträglichkeit zu steigern.
Sehr tiefe Peelings wie hochdosiertes TCA oder Phenolpeeling sind ärztlichen Behandlungen vorbehalten.
In der kosmetischen Praxis liegt der Fokus auf oberflächlichen bis maximal mitteltiefen Verfahren zur Unterstützung der Hautgesundheit und Barrierefunktion der Haut.
MEDICAL: Wie integrieren Sie Hautpflegeroutinen in den Peeling-Plan für Frauen in den Wechseljahren, um beispielsweise Hautelastizität und Feuchtigkeit zu unterstützen?
Claudia Oelrich: Vitamin A/Retinoide am Abend fördert den Kollagenaufbau und verdickt die Epidermis. Retinoide sollten grundsätzlich einschleichend eingesetzt werden – anfangs ein- bis zwei-
mal pro Woche, dann langsam steigernd. Auch höhere zulässige OTC-Konzentrationen – zum Beispiel Retinol bis ein Prozent – müssen zunächst vorsichtig aufgebaut werden.
Fruchtsäuren in niedriger Konzentration unterstützen die Zellerneuerung, wirken feuchtigkeitsbindend und regulieren den pH-Wert in der Menopause.
Ein Niacinamid-Serum kann täglich angewendet werden, da es die Barriere stärkt, die Feuchtigkeitsbalance verbessert und die Haut beruhigt.
Für Feuchtigkeit können zum Beispiel Hyaluronsäure und Glycerin direkt nach milden Peelings anwendet werden.
Ceramide, Cholesterin und essenzielle Fettsäuren – zum Beispiel Linolsäure – sind Schlüsselbausteine der Hautbarriere.
Antioxidantien am Morgen wie Vitamin C unter Lichtschutzfaktor bieten sich auch an.
Optional sind Peptide rund um den Peeling-Tag. Am Vortag und am Peeling-Tag auf fruchtsäurehaltige und retinolhaltige Cremes verzichten.
Im Anschluss benötigt die Haut Feuchtigkeit und Lipide. Und ein täglicher breitbandiger Sonnenschutz ist unverzichtbar, da Peelings die UV-Empfindlichkeit zusätzlich erhöhen.
Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL
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