Detox vom Stress

17.06.2024
Foto: Butsaya/Shutterstock.com

Kennen Sie das? Erst einmal die beiden Vormittagskundinnen abarbeiten, dann die Kinder von der Schule abholen, schnell ein Mittagessen zaubern, die Nachmittagskundinnen behandeln, dann für das Abendbrot sorgen und nur ja nicht die Buchführung und die Reinigung der schmutzigen  Hand­tücher vergessen. Unser Alltag hat entweder zu wenig Stunden oder wir zu viel zu tun. Jetzt ist es höchste Zeit, etwas zu ändern. Wie Sie das angehen, verrät Kosmetikerin und Heilpraktikerin  für Psycho­therapie Claudia Gesang. 

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Unser Leben ist hektisch, zunehmend unsicher und viele von uns sind mehr mit der Bewältigung des Alltags beschäftigt als mit sich selbst. Wir alle wissen genau, dass Stress sich – auf Dauer – negativ auf unsere Gesundheit auswirken kann. Doch warum ist das so?


Wie sich Stress auswirkt


In einer Stresssituation wechselt unser Körper in eine Art Alarmbereitschaft. Diese Alarmbereitschaft ermöglicht es uns, schneller zu reagieren und noch leistungsfähiger zu sein als zu „normalen“ Zeiten. An sich ist das ja eine gute und wünschenswerte Sache – wenn der Anspannungszustand bald wieder vorüber ist. Beim Angriff eines Säbelzahntigers lässt uns die Alarmbereitschaft innerhalb von Nanosekunden entscheiden, ob wir uns wehren, fliehen oder uns tot stellen. Und in ebenso kurzer Zeit können wir diese Entscheidung auch ausführen. Ist das Tier verschwunden, entspannt sich unser Körper wieder.


Dauerstress macht krank
 

Leider verschwinden die Stresssituationen unseres modernen Daseins weniger schnell. Meinem Gefühl nach ist Stress (latent zumindest) immer vorhanden. Ich kann mich kaum noch an eine längere Phase von Ruhe oder „Normalität“ erinnern. Und genau dieses Phänomen des Dauerstresses macht krank. Wir fühlen uns nervös, hektisch, angespannt, überreizt – und sehen meist keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Unsere Lebensqualität wird massiv beeinträchtigt und letztendlich sowohl unser Körper als auch unsere Seele krank.

 

Stress-Auslöser

Das sind die am häufigsten in Umfragen genannten Stress-Auslöser: 
 

  • Job/Selbstständigkeit
  • Termindruck
  • hohe Ansprüche an sich selbst
  • ständige Erreichbarkeit


Stress bei Mann und Frau


Dabei gibt es für Männer und Frauen oft unterschiedliche Faktoren: ­Männer fühlen sich häufiger durch fehlende Anerkennung oder Konkurrenzdruck gestresst, bei Frauen finden sich eher Mehrfachbelastungen (Beruf, Familie, soziales Engagement) oder Konflikte und Diskussionen. Fest steht, dass das Phänomen Stress meist aus vielen unterschiedlichen Komponenten besteht. 
Nicht zu unterschätzen ist die völlig subjektive Bewertung von Lebenssituationen. Was ich schon als Belastung empfinde, können Sie als normal und in Ordnung ansehen. Auch die Resilienz, also die Fähigkeit, Stress und Belastung zu meistern, ist bei jedem einzelnen Menschen unterschiedlich, genauso wie die Bewältigungsstrategien. Diese reichen von Verleugnen über sozialen Rückzug, Angst bis hin zu aggressivem Verhalten oder erhöhtem Alkoholkonsum. Sie sehen – dauerhafte Anspannung sollte nicht als Bagatelle angesehen werden!


Die drei Phasen von Stress
 

In der ersten Phase schüttet unser Körper vermehrt Stresshormone aus, die uns in die schon erwähnte Alarmbereitschaft versetzen und schnell handlungsfähig machen. Bei der zweiten Phase, bei der die Stresssituation schon etwas länger andauert, versucht unser Organismus, der Dauerbelastung entgegenzuwirken. Dadurch treten häufig Bluthochdruck oder Muskelverspannungen auf. Hält die Belastungssituation weiter an, wird unser Körper zunehmend überfordert. Unsere Leistungsfähigkeit sinkt rapide, das Immunsystem kann seine Aufgaben nicht mehr adäquat wahrnehmen und die Gefahr, in eine Depression zu rutschen, steigt rasch an.

 

Hinweise auf Stress

Folgende Symptome können als  Orientierungshilfe dienen: 
 

  • Magenprobleme
  • Verdauungsprobleme
  • Hautprobleme
  • Verspannungen
  • Zähneknirschen
  • Kopfschmerzen
  • Atemnot

 

Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, Körper und Seele wieder in Balance zu führen, die Harmonie wiederherzustellen und zur Ruhe zu kommen. Ja, ich weiß – eine bewusste Entgiftung vom Stress kostet Zeit. Und Zeit ist ein Gut, das viele von uns nicht zu haben glauben. Nein, das ist keine abstruse Formulierung – denn Zeit haben wir! Wir nutzen sie eben nur für andere Dinge. 
Sie planen wie selbstverständlich Zeit für die Behandlungen der Kundinnen ein, für Marketingaktionen, für die Geburtstagsparty der Tochter – warum also nicht auch Zeit für Sie  selbst? Wenn Sie in Ihrem Kalender in digitaler- oder Papierform gewisse Zeiten blocken, dann haben  Sie die Möglichkeit, etwas Gutes für sich selbst zu tun. Und glauben Sie mir: Ohne Kalendereintrag wird Ihnen das Detox vom Stress nur schwer gelingen. 


7 Tools für Detox vom Stress
 

Der Begriff „Detox“ bezieht sich nicht nur auf die Ernährung – auch und gerade unsere (in all der Hektik nicht reflektierten) Gewohnheiten sollten wir unter die Lupe nehmen. Deshalb habe ich Ihnen hier eine kleine Auswahl von Tools zusammengestellt, die Ihnen mit wenig Aufwand helfen, wieder zu Ihnen selbst zu finden. Die sieben Übungen können Sie – mit ein klein wenig Planung – bequem in  Ihren Tagesrhythmus aufnehmen:
 

1. Affirmation 

An jedem Morgen sollten Sie sich Ihre größte Sorge oder Herausforderung des Tages bewusst machen. Stellen Sie sich sie visuell, auditiv oder in einem anderen Sinneskanal vor, den Sie bevorzugen. Nun überlegen Sie sich eine starke, positive Aussage dazu und sprechen Sie sie laut aus, während Sie dazu mit drei Fingern sanft auf Ihre Thymusdrüse klopfen. Diese Stelle wird auch oft „Gorillapunkt“ genannt, weil Gorillas sich hier auf die Brust „trommeln“, um stark zu wirken. Wiederholen Sie diese Affirmation einige Male – vielleicht sogar vor dem Spiegel. Dann wird sie Sie den ganzen Tag über begleiten und stärken.


2. Heilsteine

Als kleine Helfer können Sie Heilsteine wie Rosenquarz, Bergkristall oder Amethyst einsetzen. Sie sollen helfen, den Energiehaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Tragen Sie Ihren Heilstein um den Hals oder in der Jacken- oder Hosentasche immer bei sich. Neben Energiegaben sollen diese Steine unterstützen, positive Denkweisen zu haben oder zumindest negative abzufangen.

Foto: Maria Marganingsih/Shutterstock.com

Affirmationen am Morgen wie „Du kannst das!“ können uns für den Tag stärken. 

3. Harmonieklänge


Kennen Sie „Ihr“ Lied? Das Lied, bei dem Ihr Herz so richtig aufgeht?  Wenn Ihnen der Alltag wieder einmal alles abverlangen will, gönnen Sie sich die drei Minuten, um „Ihr“ Lied in Ihrem Inneren anzuhören. Dazu können Sie sich – unbemerkt von anderen – in Ihre ganz persönliche „Oase der Ruhe“ zurückziehen (das ist ein innerer Ort, den Sie nach Ihren eigenen Wünschen ausgestattet haben und der Ihnen immer offen steht).


4. Ausflug in die Natur
 

Planen Sie möglichst täglich einen Mini-Ausflug in die Natur ein, um sich zu „erden“. Das kann im nahe gelegenen Stadtpark, im Garten oder auch im Außenbereich des Kindergartens sein. Wichtig dabei ist, dass Sie hier ein paar Minuten Verbundenheit mit der Erde herstellen – fühlen Sie den festen Boden unter Ihren Füßen (vielleicht sogar kurz ohne Schuhe). 
 

5. Sinneswahrnehmung
 

Wann haben Sie das letzte Mal bewusst etwas „sinnlich“ wahrgenommen? Einen Duft beispielsweise, der Sie an sorgenfreie Tage in der Jugend erinnert (vielleicht eine Sonnencreme?) oder einen Stoff, den Sie mit Urlaub und Freiheit verbinden? Suchen Sie hier eine starke Sinnesempfindung aus und tragen Sie den Gegenstand, der sie Ihnen vermittelt, bei sich. So können Sie schnell das entsprechende Glücksgefühl wieder „hochkommen“ lassen.
 

6. Mini-Meditation
 

Beim Schlafengehen überfallen uns oft die Sorgen und Ängste des Tages und lassen uns grübeln. Stopp – dieses (negative) Grübeln können wir in (positives) „Nachspüren“ umwidmen. Denken Sie an (mindestens) ein positives Erlebnis des Tages. Das kann etwas ganz Kleines wie zum Beispiel das Lächeln eines Passanten, die Dankbarkeit einer Kundin oder der Jubel des kleinen Sohnes sein. Erinnern Sie sich bewusst an dieses Ereignis und an das Glücksgefühl, das Sie dabei empfunden haben. Und wenn Sie diese Minuten dann noch zu ein paar Dehnungsübungen nutzen, dann haben Sie auch Ihren verspannten Körperregionen etwas Gutes getan.
 

7. Selbstentfaltung
 

An einem Tag in der Woche (das wird wohl meist am Wochenende sein) sollten Sie sich Zeit für sich selbst nehmen. Die geht nämlich viel zu häufig in unseren Sorgen um unsere Liebsten unter. Suchen Sie sich einen wirklich ruhigen Ort ohne Handy, ohne andere Menschen, möglichst ohne äußere Reize. Lassen Sie alles los und konzentrieren Sie sich auf Ihre ganz eigene Positivität.
Alle diese Übungen zusammen sollten Sie am Tag im Durchschnitt nicht mehr als 15 bis 20 Minuten kosten. Ja – es ist etwas Zeit, die investiert werden muss. Aber glauben Sie mir, sowohl Ihr Körper als auch Ihre Seele werden es Ihnen danken!

Foto: Claudia Gesang

Claudia Gesang 

Die gelernte Industriekauffrau, Kosmetikerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet freiberuflich als Autorin im Kosmetik- und Wellnessbereich.

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