Zahlen bitte! Teil 5: Deckungsbeitragsrechnungen

25.08.2026
Deckungsbeitragsrechnung

Unsere Serie „Zahlen bitte“ soll helfen, Beauty-Professionals wirtschaftlich weiterzubringen. Wir reden über Umsatz, Kosten und den wahren Wert Ihrer Arbeit, damit Sie Ihre Dienstleistung wirtschaftlich tragfähig anbieten. Wir rechnen, vergleichen und wachsen gemeinsam – für mehr finanzielle Klarheit in Ihrem Institut.

Zahlen bitte! Teil 5: Deckungsbeitragsrechnungen

Geld einzunehmen ist etwas Wunderbares – keine Frage. Die Betriebswirtschaft hilft unter anderem dabei, bereits im Voraus mit der Deckungsbeitragsrechnung erkennen zu können, ab welcher Größenordnung von Einnahmen unter Berücksichtigung der variablen Kosten sich ein Produkt oder eine Dienstleistung rechnen wird – oder eben nicht.

Variable Kosten sind Ausgaben, die direkt von der Produktions- oder Verkaufsmenge abhängen.

Umsatz (netto) – variable Kosten = Deckungsbeitrag (DB).

Aber Achtung: Erst wenn vom Gesamtdeckungsbeitrag die gesamten Fixkosten abgezogen werden, erhält man das Betriebsergebnis (Gewinn oder Verlust).

Der Deckungsbeitrag bzw. die Berechnung hierzu ist erst einmal nur ein Planungs- und Kontrollinstrument für die Unternehmerin oder den Unternehmer. Ob ein Unternehmen tatsächlich erfolgreich in einem Zeitintervall gearbeitet hat, ermittelt die sogenannte Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Eine GuV stellt alle Erträge (Umsatzerlöse, sonstige betriebliche Erträge) allen Aufwendungen (Materialaufwand, Personalkosten, Fixkosten, Abschreibungen, Steuern) gegenüber.

Ermittlung eines Deckungsbeitrags am Beispiel MD

Am Beispiel einer Mikrodermabrasion (MD) ermitteln wir einen DB (siehe Tabelle 1). Wesentlich ist in dieser Tabelle, dass das Verbrauchsmaterial mit den Netto-Einkaufspreisen, den Füllmengen und dem Verbrauch pro Behandlung erfasst wird. Diese Parameter reichen aus, um die Netto-Kosten für jedes Verbrauchsmaterial (variable Kosten) zu ermitteln und abschließend in Summe vom Netto-Behandlungspreis in Abzug zu bringen.

In unserem Beispiel zahlt die Kundin 90 Euro (brutto, inkl. MwSt.), und es wird ein Deckungsbeitrag in Höhe von 65,75 Euro ermittelt. So weit, so einfach. Wir haben in dieser Serie bereits einen notwendigen Unternehmerlohn und beispielhaft auch die monatlichen Fixkosten ermittelt. Erweitern wir die DB-Berechnung um die uns bekannten Lohn- und Fixkosten, so ermitteln wir den Deckungsbeitrag 2 (siehe Tabelle 2).

Da eine Berechnung des Deckungsbeitrages primär immer nur für den internen Gebrauch wie Planung von Strategien und Controlling gedacht ist, können wir nach Belieben unsere Berechnungen erweitern. Je genauer wir die Zahlen ermitteln, desto besser werden unsere Entscheidungen! Das Buchungsintervall ist die Behandlungszeit plus die Zeiten für Vor- und Nachbereitung.

Dieses Intervall verkaufen Sie als Dienstleistungszeit an Ihre Kundinnen und Kunden. Die Materialkosten bzw. der Anteil der Materialkosten am Behandlungspreis werden in der Regel mit 15 Prozent angenommen. In unserem Beispiel konnten wir mit der ersten Tabelle genau diesen Anteil ermitteln und haben ihn der Vergleichbarkeit wegen mit 13,1 Prozent übernommen.

Tabelle 1: Variable Kosten- und Deckungsbeitragsermittlung am Beispiel MD
Bruttopreis der Behandlung90,00 €MwSt.-Satz19 %Nettopreis75,63 €
VerbrauchsmaterialNetto-EinkaufVolumen in mlVerbrauch pro Beh. in mlReichweite in BehandlungenNettokosten pro Behandlung
Kristalle für MD15,70 €10002005,03,14 €
Reinigungslösung19,60 €5001050,00,39 €
Serum8,50 €100520,00,43 €
Tagescreme48,00 €1506251,92 €
div. Verbrauchsmaterial4,00 €1114,00 €
Gesamter Warenkostenanteil (Variable Kosten)-13,1 %Anteil in %Netto-9,88 €
DeckungsbeitragDeckungsbeitrag 165,75 €

Das Ergebnis fällt wesentlich genauer aus. Wenn wir die Summe der Behandlungskosten zzgl. 19 Prozent MwSt. berechnen, so erhalten wir den „Break-even-Preis“. Das ist die Preisgrenze, unterhalb derer Sie Verluste erwirtschaften würden.

Tabelle 2: Deckunsgbeitragsrechnung am Beispiel Gesichtspflege für 60 Minuten
Mein Preis (brutto)90,00 €
Behandlungsdauer in Minuten50
Buchungsintervall60
Umsatz netto pro Behandlung75,63 €
Umsatz pro Stunde75,63 €
Fixkosten pro Monat2.875,00 €
Personalkosten/Unternehmerlohn pro Monat3.808,36 €
effektive Arbeitszeit (in Std.) pro Monat140,00 €
./. Fixkosten pro Stunde20,54 €20,54 €
./. Personalkosten pro Std.27,20 €27,20 €
./. Materialkosten (variable Kosten)13,1 %9,88 €
Kosten netto-57,62 €
Deckungsbeitrag 2 (netto)18,01 €
Break-even-Preis (Verkaufspreis inkl. MwSt.)19 %68,56 €

Verlängern wir in dieser Berechnung das Zeitintervall von 60 auf 90 Minuten (siehe Tabelle 3), so erzielen wir einen Verlust für die ansonsten gleiche Behandlung von – 5,86 Euro.

Tabelle 3: Deckunsgbeitragsrechnung am Beispiel Gesichtspflege für 90 Minuten
Deckunsgbeitragsrechnung am Beispiel Gesichtspflege
Mein Preis (brutto)90,00 €
Behandlungsdauer in Minuten80
Buchungsintervall90
Umsatz netto pro Behandlung75,63 €
Umsatz pro Stunde50,42 €
Fixkosten pro Monat2.875,00 €
Personalkosten/Unternehmerlohn pro Monat3.808,36 €
effektive Arbeitszeit (in Std.) pro Monat140,00 €
./. Fixkosten pro Stunde20,54 €30,80 €
./. Personalkosten pro Std.27,20 €40,80 €
./. Materialkosten (variable Kosten)13,1 %9,88 €
Kosten netto-81,49 €
Deckungsbeitrag 2 (netto)5,86 €
Break-even-Preis (Verkaufspreis inkl. MwSt.)19 %96,98 €

Kostendeckend, aber ohne Gewinn

Es ist wichtig, die richtigen Zahlen zu kennen. Ein Beispiel: Ein Umsatz von 50 Euro für eine 45-minütige Fußpflegebehandlung ist zwar kostendeckend, aber ohne Gewinn. Sie dürfen als Unternehmerin oder Unternehmer beinahe jeden Preis anbieten, den Sie für angemessen halten.

So ist es denkbar, dass Sie für langjährige Stammkundschaft einen Behandlungspreis ansetzen, der nicht kostendeckend ist. Ob das eine kluge Strategie ist oder nicht, entscheiden Sie allein. Wichtig ist, dass Sie wissen, was Sie (finanziell) tun.

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