Unter der Lupe: Wie nachhaltig bin ich wirklich?

19.01.2026
Foto: Daineko Natalia/Shutterstock.com

Nachhaltigkeit – ein großes Wort. Und eine Haltung, die heute fast schon erwartet wird. Unsere Autorin hat sich die Frage gestellt: Kann ein medizinisch-ästhetisch arbeitendes  Kosmetikinstitut überhaupt nachhaltig sein – oder ist das nur eine gut gemeinte Illusion?  Sie wollte es wissen – und hat angefangen, genauer hinzuschauen. Eine kritische  Selbstbetrachtung.

Ich biete Behandlungen wie Microneedling, Microblading, apparative Kosmetik und medizinisch orientierte Hauttherapien an. All das verlangt höchste hygienische Standards. Und die bedeuten vor allem eines: Einwegmaterialien. Handschuhe, Spatel, Vlies, Kleenex, steril verpackte Microneedling-Aufsätze, steril verpackte Microblading-Klingen – vieles davon darf nur einmal verwendet werden. 

Hygiene first

Und aus gutem Grund: Ich arbeite direkt an der Hautbarriere, mit minimalinvasiven Methoden, bei denen jede Verunreinigung ein Gesundheitsrisiko darstellt. Hier kann ich nicht einfach auf „nachhaltige Alternativen“ umstellen, ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen. Und die kommen für mich nicht infrage. Auch beim Thema Reinigung stehe ich vor Zielkonflikten: Alkohollösungen, Flächendesinfektionsmittel, Instrumentendesinfektion – all das ist nötig, um verantwortungsvoll zu arbeiten. Aber es ist eben nicht umweltfreundlich. Was also tun?

Alternativen suchen

Ich habe begonnen, genauer hinzusehen. Beim Schreiben dieses Artikels wurde mir bewusst: Ich weiß zu wenig über echte Alternativen. Also habe ich angefangen zu recherchieren. Gibt es für mich – mit meinem hohen hygienischen Anspruch – tatsächlich nachhaltigere Lösungen, die auch praktikabel sind?
Sind Alternativen besser?

Die Erkenntnis

Es gibt Alternativen, aber sie sind nicht automatisch besser, günstiger oder nachhaltiger. Und sie sind selten für den medizinisch-ästhetischen Bereich validiert. Einweg hat hygienische Vorteile, wiederverwendbare Produkte haben ökologische Vorteile – und dazwischen liegt ein wirtschaftlicher Graubereich, in dem viele Entscheidungen auch pragmatisch getroffen werden müssen.

Und was ist mit Naturkosmetik?

Ich frage mich ebenso oft, ob Naturkosmetik eine nachhaltige „Ausgleichslösung“ ist. Aber auch das ist komplizierter, als es klingt. Viele Naturprodukte sind in Glas verpackt, was schwerer zu recyceln ist. Oder sie enthalten Inhaltsstoffe, deren Anbau ökologisch problematisch ist. Naturkosmetik ist nicht automatisch nachhaltig – und längst nicht immer für empfindliche oder behandelte Haut geeignet. In meinen medizinisch-ästhetischen Anwendungen kann ich sie oft schlicht nicht einsetzen.

Die Frage des Geldes

Und dann kommt die wirtschaftliche Seite: Nachhaltige Produkte, Geräte mit besserer Energiebilanz, ökologisch faire Hersteller – das alles kostet. Und ja, ich frage mich auch: Wäre meine Klientel bereit, 10 bis 15 Prozent mehr zu zahlen, wenn ich alles konsequent umstelle? Ich spreche es offen an – viele schätzen mein Engagement, aber nicht alle wollen oder können dafür mehr zahlen.

Nachhaltigkeit als Marketing Zugpferd?

Bleibt am Ende noch der Marketingaspekt. Natürlich könnte ich „Nachhaltigkeit“ groß auf meine Website schreiben. Aber wäre das ehrlich? Ich finde: Nur dann, wenn ich bereit bin, auch die unbequemen Wahrheiten zu zeigen. Nachhaltigkeit ist für mich kein Status, sondern ein Prozess – und einer, der im medizinisch-ästhetischen Bereich voller Zielkonflikte steckt.

Mein Fazit

Ich werde nachhaltiger – aber ich bin nicht „nachhaltig“. Noch nicht. Vielleicht nie ganz. Aber ich bin bereit, jeden einzelnen Schritt zu hinterfragen – im Behandlungsraum, im Einkauf, im Umgang mit Ressourcen. Denn echte Nachhaltigkeit beginnt für mich nicht beim Etikett, sondern bei der Verantwortung, die ich für meine Arbeit übernehme.

Foto: Stephanie Seng

Stephanie Seng
Die Autorin ist ausgebildete Kosmetikerin, Aesthetic Therapeutin und Ernährungsberaterin mit eigenem Institut, das ein ganzheitliches Konzept der medizinisch-ästhetischen Behandlungen anbietet. www.schoonheid-cosmetics.de

Foto: BEAUTY FORUM

Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin BEAUTY FORUM

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