Das innere Team stärken

17.02.2026
Foto: Asier Romero/Shutterstock.com

Haben Sie schon gelernt, auf Ihre Intuition zu vertrauen?  Wussten Sie schon, dass Sie mit sich nicht allein sind? Wir alle besitzen eine Art „inneres Team“, auf das wir in ruhigen wie in hektischen Zeiten und bei aller Art von Entscheidungen zurückgreifen können!

Sie kennen das sicher auch: Immer wieder klingelt das Telefon, WhatsApp- und E-Mail-Nachrichten werden mit Tönen angekündigt, die Kinder rufen nach uns, der Ehemann muss uns unbedingt etwas berichten, und ganz nebenbei werden wir täglich von allerlei Sinnesreizen wie Licht, Duft  und Co. überflutet.
Wenn wir ehrlich sind, dann fühlen wir uns doch oft ziemlich einsam. Die meisten Kolleginnen arbeiten (mehr oder weniger) allein im Institut, wir treffen unsere Business-Entscheidungen allein, wir managen Haushalt und Familie (oft) single-handed und sollen auch in der Öffentlichkeitswahrnehmung immer eine gute Figur machen. Das sind richtig hohe Ansprüche, die da an uns gestellt werden (meist sogar von uns selbst!). Um „alles richtig“ zu machen (was per se schon nicht geht), sollten wir immer einmal in uns hineinhören und uns selbst fragen, wie wir entscheiden und was wir tun wollen.

In-Sich-Hineinhören

Unser Alltag ist hektisch, laut und fordernd, da wird das In-sich -Hineinhören zur echten Herausforderung. Vielleicht haben Sie es aber schon bemerkt: In uns gibt es Stimmen, die sich immer wieder „einmischen“, wenn es um Planung, Entscheidung oder Tun geht. 
Diese Stimmen (ja, auch und gerade die, die jetzt unbedingt eine Pause fordert) sind zunächst recht leise, passen sich aber nach und nach an die Reizüberflutung an und werden ebenfalls lauter. Eine Anekdote besagt, dass Otto von Bismarck, der frühere Reichskanzler, sich sogar einmal über die heftigen Streitereien seiner inneren Stimmen beklagt haben soll – es gehe in seinem Inneren zu wie in einer Republik, meinte er.
Ja – das tut es wirklich und das ist auch gut so! In uns sind Stimmen, die uns auffordern,

  • spontan eine Auszeit zu nehmen,
  • endlich von anderen unabhängig zu werden,
  • nicht eher aufzuhören, bis endlich alle Arbeit erledigt ist,
  • alles zu tun, um Zank und Streit zu vermeiden.
     

Die vier Stimmen der Facetten

Diese vier Stimmen repräsentieren die wichtigsten Facetten unserer Persönlichkeit:

  • die Spontane,
  • die Unabhängige,
  • die Pflichtbewusste,
  • die Harmonische.

Diese vier „Extreme“ sind es, die sich immer wieder „streiten“, häufig ist es die Spontane, die mit der Pflichtbewussten ringt, und die Unabhängige, die mit der Harmonischen argumentiert. Jede dieser vier Säulen unserer Persönlichkeit hat ihre Berechtigung, und wenn (was leider selten vorkommt) alle vier mit der aktuellen Situation oder Entscheidung einverstanden sind, dann sind wir in einem Zustand des perfekten Einklangs.
Aber Vorsicht – dieser Zustand würde auf die Dauer langweilig werden. Deshalb ist es so wichtig, alle vier Stimmen immer wieder zu Wort kommen zu lassen und gut zuzuhören. Denn die Pflichtbewusste, Zielstrebige kann auch anders – hier können auch Geiz, Sturheit und Pedanterie zum Vorschein kommen. 
Dagegen kann uns die Spontane, Unternehmungslustige, Risikofreudige bewahren – die allerdings auch zu Leichtsinn und Inkonsequenz neigt. Die Harmonische, Einfühlsame, Friedfertige kann uns überfordern – wir dürfen uns auf uns selbst besinnen und Freiraum einfordern. Dabei unterstützt uns die Unabhängige, Realistische, Selbstständige.

Die eigene Persönlichkeit

Sie sehen: In uns arbeitet ein ganzes Team! Jetzt wissen wir, wofür die vier Facetten unserer Persönlichkeit stehen. Wobei, Vorsicht: Stehen, also standhaft sein, ist nicht ganz das richtige Verb, denn unsere Persönlichkeit hat mit einer Statue, einem Standbild wenig zu tun. Wir sind nicht durch unsere Kindheit unabänderlich auf eine Persönlichkeit festgelegt. Nein, wir können unser inneres Team jederzeit verändern und neu aufstellen. Und das ist eine wunderbare Möglichkeit, uns aus „Sackgassen“ herauszumanövrieren  und wieder in besseres „Fahrwasser“ zu gelangen. Sie werden bestimmt auch schon das eine oder andere Mal im Leben bemerkt haben, dass Sie an einem Punkt auf der Stelle treten und nicht vorwärtskommen. Oder dass Sie bestimmte Tätigkeiten oder Situationen vermeiden oder umgehen. Dann hilft es, sich zu fragen, welche der vier Facetten vielleicht gerade zu dominant ist. Wenn wir das herausgefunden haben, können wir eine Taktik anwenden, die uns hilft, wieder mehr in Balance, in unser inneres Gleichgewicht zu kommen.

Welche Facette ist am stärksten ausgeprägt?

Auf einer Skala von eins bis zehn sollten Sie die vier Säulen Ihrer Persönlichkeit einordnen (eins = sehr wenig ausgeprägt – zehn = sehr hoch ausgeprägt). Nun können Sie ganz gezielt versuchen, der Facette mit der höchsten Punktzahl nicht mehr ganz so viel Raum in Ihrem Leben einzuräumen. Sind Sie beispielsweise sehr pflichtbewusst, dann darf die Spontane gerne etwas präsenter werden.

Welche Facette meldet sich wann?

Wir haben ja schon festgestellt, dass jede Facette Eigenschaften besitzt, die sich für Sie zum Vor-, aber auch zum Nachteil auswirken können (Pflichtbewusstsein, zum Beispiel in Perfektionismus). Fragen Sie sich deshalb, wann sich welche Facette besonders in den Vordergrund drängt oder wann eine andere sich auffällig zurückhält. Wann würden Sie sich von welcher Facette mehr (oder auch weniger) lautstarken Einsatz wünschen? Sie können nun für jede der vier Säulen eine jeweils typische „Zu-viel“-  beziehungsweise „Zu-wenig“-Situation notieren und sich dabei fragen, wie es dazu kommt und welche Gedanken und Gefühle Sie dann bei sich feststellen. Stellen Sie Ihr inneres Team nach dieser Analyse gerne einmal ganz anders auf – probieren Sie sich aus.

Mit Facetten gut und richitg umgehen

Vielleicht bemerken Sie ja nun, dass Sie Ihr inneres Team gerade nicht optimal aufstellen können. Dazu eine Bitte: Verurteilen Sie sich dafür nicht! Gedanken wie: „Warum kann ich nicht auch mal spontan sein?“, oder: „Wieso kann ich nicht einfach mal nur den Moment genießen?“, sind kontraproduktiv, denn die vier Facetten Ihrer Persönlichkeit sind nicht Ihre Gegner! Alle vier sind gut und wichtig und haben ihre Existenzberechtigung – keine davon soll gemobbt werden. Nur – Sie bemerken es sicher – die vier Facetten brauchen eine Trainerin … Sie! Denn Sie sind die Einzige, die in jeder Situation richtig einschätzen kann, welche der vier Facetten gerade benötigt wird. Auf diese Weise gehen Sie mit Ihren Facetten und dann auch diese mit Ihnen wertschätzend um. Sollte die Pflichtbewusste also gerade mal zu sehr kritisieren, dürfen Sie, die Trainerin, sie gerne freundlich begrenzen.

Facetten in unangenehmen Situationen einsetzen

Oh weh, die Steuererklärung muss fristgerecht eingereicht werden! Und die Kabinettware geht dramatisch zur Neige! Welche Ihrer Facetten wäre jetzt die geeignetste, um Ihnen aus Situationen wie diesen herauszuhelfen? Klar, die Pflichtbewusste! Wenn Sie es schaffen, die Pflichtbewusste zu aktivieren, dann werden Sie unangenehme Aufgaben viel schneller und leichter erledigen können. Es ist immer viel „gesünder“, solche Situationen nicht aufzuschieben, sondern sie direkt in Angriff zu nehmen.

Wie helfen Facetten, ungeliebte Verhaltensmuster abzulegen?

Eines voraus: Die Umstellung Ihres inneren Teams wird nicht von jetzt auf gleich erfolgreich sein! Alte Verhaltensmuster und Glaubenssätze abzulegen, ist harte Arbeit. Aber dabei sind Sie nicht allein – es geht vielen Menschen so. Und das zu wissen, kann allein schon tröstlich sein. Beobachten Sie deshalb nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen: In welchen Situationen kommen welche Facetten zu dominant zum Vorschein? Wenn Sie bewusst wahrnehmen, wie Sie nicht (mehr) sein wollen oder dass Sie nicht so sein wollen wie XY gegenüber, dann sind Sie einen großen Schritt weitergekommen. Denn jetzt wissen Sie auch genau, welche Facette Sie gerade aktivieren oder deaktivieren können, um Ihr Veränderungsziel zu erreichen.
Sie sehen: Wir sind auf keinen Fall allein mit uns selbst! Wir haben im Grunde alle Voraussetzungen, die wir zur erfolgreichen Alltagsbewältigung und für mehr Lebensqualität brauchen, schon in uns. Ich wünsche Ihnen und uns allen viel Erfolg und auch viel Spaß beim Ausprobieren und Verändern!
Und ganz nebenbei: Unser inneres Team hat nichts mit einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung zu tun.

Foto: Claudia Gesang

Claudia Gesang
Die gelernte Kosmetikerin und ­Heilpraktikerin für Psycho­therapie arbeitet freiberuflich als Autorin im Kosmetik- und Wellnessbereich.  www.claudia-gesang-balance.de

Foto: BEAUTY FORUM

Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin BEAUTY FORUM

Lust in Ruhe durchzublättern?
Dann hol dir jetzt die Zeitschrift nach Hause!
 

JETZT BESTELLEN

Mehr zu den Themen:

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr aus der Rubrik Mindset & Personality

Artikel Wenn der Herbst in den Winter übergeht, zeigt sich die dunklere Seite der Jahreszeit: Nebel, Regen und frühe Dunkelheit...