Existenzbedrohung

24.01.2024
Überraschte Frau am Laptop

Wer ein eigenes Unternehmen führt, ist es gewohnt, mit Unsicherheiten und Risiken umzugehen. Selbstständige haben eine Vision und richten ihr Handeln danach aus, aus Träumen Realität werden zu lassen. Es ist eine beachtliche Leistung, ein Business aufzubauen, zu vergrößern und „am Leben zu halten”. 

Selten hast du einen geregelten Feierabend, weil nach dem Tagesgeschäft noch die Buchführung oder der Jahresabschluss erledigt werden muss. du kennst das sicher, oder? Aber dein unternehmerisches Talent hilft dir, unkonventionelle Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens zu treffen. Schließlich hast du alles selbst in der Hand und kannst auf viele Situationen Einfluss nehmen. Manches liegt jedoch liegt außerhalb deines Einflussbereichs. 

Inhaltsverzeichnis:

  • Wer ist die Gen Z und was macht sie aus?
  • Wo hält sich diese Zielgruppe auf?
  • Wie spreche ich die junge Generation als Arbeitgeber an?
  • Worauf ist in der Kommunikation mit der Generation Z zu achten?
  • Was ist für die junge Generation besonders wichtig?

Krisenrückblick

Schauen wir nur einmal auf die vergangenen drei Jahre zurück: Eine Pandemie, die vor allen Dingen Kleinunternehmen im körpernahen Dienstleistungssektor in den Grundfesten erschüttert hat. Geschäfte blieben monatelang geschlossen und der Umsatz brach komplett weg. Die vom Staat gezahlten Überbrückungshilfen kamen oft zu spät und sind teilweise in der Rückforderung. Viele Kleinstbetriebe können, nach dem anfänglichen Hype der Wiederöffnung, noch immer nicht an die Umsätze vor der Pandemie anknüpfen, da Kunden sich Alternativen zu ihrem früheren Konsumverhalten angewöhnt haben. Das verschärft die Lage zusätzlich. 

Es ist daher verständlich, dass Unternehmen in eine mächtige Schieflage geraten können. Selbst große Firmen haben Mühe, sich von dieser Krise zu erholen. 

Aber stopp! 

Kein Jammermodus, sondern hilfreiche Gedanken und eine Neuausrichtung sind jetzt gefragt. Analysiere die Ursachen der unternehmerischen Existenzbedrohung und finde Wege aus der misslichen Lage.

Kämpfen ist besser als aufgeben

Dieses Mantra kennt jeder Selbstständige, stimmts? Kämpfen und nicht aufgeben! Ärmel hoch und los gehts! Erfahrungsgemäß ist eine scheinbar ausweglose Situation doch noch lösbar. Du hast dein Unternehmen bisher gut geführt und viele Situationen meisterhaft geklärt. Jetzt hast du das Gefühl, dass deine Bemühungen „ins Leere” laufen? OK. 

Dann ist der erste Schritt: die Realität erkennen und absolute Ehrlichkeit gegenüber Geldgebern. Wir Menschen haben manchmal die Angewohnheit, bei Problemen eine Weile wegzuschauen. Die Angst, den Berg, der sich vor uns auftut, nicht bewältigen zu können, ist manchmal sehr groß. Die einzige Möglichkeit jedoch, die Herausforderung zu lösen, besteht darin, sich eine gute Ausrüstung zu beschaffen und den Willen zum Aufstieg nicht zu verlieren. Motiviere dich unbedingt, diesen Weg zu verfolgen. Das Zauberwort ist Restrukturierung

Fokussiere dich auf folgende 2 Punkte:

Bestandsaufnahme

Jetzt ist es für Dich wichtig, zu schauen, wo du finanziell stehst. Das bestimmt auch die weiteren Handlungsoptionen. Schau dir zunächst folgende 2 Punkte genauer an.

1. Liquidität

Eine zentrale Frage gilt der aktuellen und langfristigen Zahlungsfähigkeit. Wenn das Kind noch nicht komplett in den Brunnen gefallen ist, gibt es durchaus noch Möglichkeiten, das herumzureißen. Verschaffe dir einen genauen Überblick über deine finanzielle Lage. Wie hoch sind die Verbindlichkeiten? Du brauchst ganz genaue Zahlen. Sorge für ein vertrauensvolles Verhältnis zu Lieferanten und vor allem zu deiner Hausbank. Der Weg dorthin muss jedoch zwingend mit einem guten Rekonstruktions-Plan erfolgen. Darauf gehe ich später noch gesondert ein.

2. Analyse

Es ist sehr wichtig, die Gründe für die “Schlingerpartie” zu analysieren. Wie kam es dazu, dass dein Unternehmen jetzt in dieser misslichen Lage ist? Es gibt nicht die allgemeinen Ursachen, da jedes Unternehmen anders ist. Aber es schadet nichts, wenn du folgende Bereiche genauer unter die Lupe nimmst.

Die Umsatzverluste

In den meisten Fällen beginnt es mit Umsatzeinbußen. Einnahmen und Ausgaben geraten in ein gefährliches Ungleichgewicht. Plötzlich kommen nicht mehr so viele Kunden. Oder sie sind nicht mehr bereit, soviel Geld auszugeben. Hier musst Du jetzt schleunigst ansetzen. Sind deine Angebote noch interessant? Hast du dich zu sehr auf deine Stammkunden verlassen und zu wenig für deine Neukundenakquise getan? 

Stell dir diese unbequemen Fragen! Nur sie bringen dich auf den richtigen Weg. Jetzt muss Umsatz her. Auch wenn es gerade im Moment sehr schwer ist. Dennoch und gerade jetzt! Umsatzsteigerung ist das Ziel.

Mann steht am Abgrund aber wird gehalten

Das gebundene Kapital

Jetzt hat Deine Zahlungsfähigkeit die erste Priorität. Schau dir deinen Lagerbestand an. Hast du immer sehr gut eingekauft? Eine effiziente Lagerpolitik hilft, weniger Kapital in teure Produkte zu binden. Es ist jedoch nicht die Lösung, jetzt per Räumungsverkauf zusätzliche finanzielle Verluste zu generieren. 

Die gleiche Systematik gilt im Fall von Investitionen in teure Geräte. Hast du im Vorfeld eine Nutzenanalyse erstellt? Ich empfehle, zunächst zu schauen, ob mit einer neuen Werbestrategie neue Interessenten für apparative Angebote begeistert werden können, ehe du über die Veräußerung der preisintensiven Geräte nachdenkst.

Das Personal

Überprüfe deine Personalkosten. Es ist ein schwerer Schritt, Mitarbeiter zu entlassen. Vielleicht besteht die Möglichkeit, mit flexibleren Arbeitszeitmodellen, die Krise zu überwinden. Kommuniziere mit deinem Team offen über die Situation.

Die Kosten

Alle unnötigen Kosten müssen jetzt vermieden werden. Für Ausgaben, die notwendig sind, um dein Unternehmen “am Laufen” zu halten, müssen Einsparungs-Strategien her!

Deine Handlungsansätze

Anhand solcher Beispiele kannst du nun Handlungsansätze erarbeiten. Wenn die erwähnten Beispiele auf dein Unternehmen nicht zutreffen, übertrage die Systematik auf deine speziellen Herausforderungen.

Gehe wie folgt vor

Benenne das Problem und biete eine Lösung an. Anhand einiger Beispiele möchte ich dir verdeutlichen, worauf es ankommt. Hast du die Suche nach neuen Kunden aus den Augen verloren? Dann ist die Neukundenakquise jetzt dein Handlungsansatz. Formuliere, welche Kunden zu deinen Angeboten passen. Wo findest du deine neuen Kunden? Betreibst du dein Online-Business professionell? Was kannst du tun, um in den Social Networks noch erfolgreicher zu sein?

Wenn du das Gefühl hast, dass die Unterstützung eines Steuerberaters oder Rechtsanwaltes nötig ist, zögere nicht, diese Hilfe anzunehmen. Im Übrigen kann die IHK in solchen Fällen ebenfalls eine Anlaufstelle sein. Du hast eine Menge Optionen. Da deine Liquidität möglicherweise zunächst im Fokus steht, ist ein Termin bei deiner Hausbank nötig. Und die erwartet zu Recht, dass du einen Plan zur Lösung deines Problems entwickelt hast. Mit einem guten Konzept stehen die Chancen für eine Finanzspritze nicht schlecht. 

Unternehmerische Investitionen

Ein weiteres Beispiel sind unternehmerische Investitionen. Grundsätzlich sind sie ein wichtiger Faktor, wenn es um Wachstum und Umsatzsteigerung geht. Bevor jedoch preisintensive Apparate angeschafft werden, geht dem im besten Fall eine gründliche Analyse voraus. Es ist unumgänglich, zu wissen, ob genügend Kunden ein solches Angebot in deinem Institut nutzen werden. Ein Handlungsansatz in diesem Fall wäre die Entscheidung, die teuren Maschinen jetzt zu veräußern oder mit einem straffen Marketingneukunden für dein Angebot zu begeistern.

Restrukturierungsplan und Kommunikation

Der Gesetzgeber hat seit dem 1. Januar 2021 ein zusätzliches Sanierungsinstrument ( StaRUG ) für Firmen geschaffen, sodass nicht jedes Unternehmen in einer Schieflage, sofort in die Insolvenz gehen muss. Hintergrund für das Gesetz waren die Auswirkungen der Pandemie auf Unternehmen. Das ist sehr hilfreich für Dich. Wenn Du zunächst versuchst, ohne professionelle Begleitung aus der Krise zu kommen, kann Dir die Erstellung eines Restrukturierungsplanes helfen. Im Internet kannst Du dazu jede Menge Tipps zur Handhabung eines solchen Plans finden. 

Wenn du das Gefühl hast, dass die Unterstützung eines Steuerberaters oder Rechtsanwaltes nötig ist, zögere nicht, diese Hilfe anzunehmen. Bereite dich auf deinen Banktermin also sehr gut vor. Eine transparente Kommunikation gegenüber Gläubigern, Lieferanten und Geldgebern ist ganz wichtig. Denn auf einer vertrauensvollen Ebene kannst du jetzt den Versuch starten, Zahlungsaufschub oder Teilzahlungen zu vereinbaren. Das verschafft dir etwas Luft.

Was muss ein Restrukturierungsplan beinhalten?

Es geht im Grunde darum, dass Du ein Konzept erarbeitest, welches Wege aus Deiner Situation aufzeigt. Es ist wichtig, die Probleme aufzuzeigen und gleichzeitig die Strategien zur Lösung zu präsentieren. Sinnvoll ist eine Einteilung in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen zur Behebung der existenziellen Bedrohung deines Unternehmens. 

Vergiss nicht, die Potenziale deines Unternehmens herauszustellen. Wie setzt du sie ein, um wieder auf einen Erfolgskurs zu kommen? Je detaillierter du dich mit der Neuausrichtung deines Business beschäftigst, desto klarer wird dein Weg aus der Krise. Ich empfehle ein lückenloses Reporting. Auch dann, wenn alles gut läuft. Zahlen, Daten und Fakten geben Deinen Ideen ein realistisches Fundament. Dein langfristiges Ziel muss es sein, dein Unternehmen so auszurichten, dass es in Krisenzeiten resistenter wird.

Frau trägt Glühbirne

Im Übrigen kann die IHK in solchen Fällen ebenfalls eine Anlaufstelle sein. Du hast eine Menge Optionen. Da deine Liquidität möglicherweise zunächst im Fokus steht, ist ein Termin bei deiner Hausbank nötig. Und die erwartet zu Recht, dass du einen Plan zur Lösung deines Problems entwickelt hast. Mit einem guten Konzept stehen die Chancen für eine Finanzspritze nicht schlecht. 

Ab wann wird es ernst?

Ich habe überlegt, auf die Handlungsbeschreibung eines Ernstfalls, der Insolvenz, zu verzichten. Es soll in erster Linie darum gehen, dein Unternehmen zu retten. Deshalb erwähne ich es auch nur kurz am Rande. Der Gesetzgeber beschreibt bei ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten ein klares Vorgehen. Wenn sich eine Insolvenz nicht mehr abwenden lässt, dann muss das Verfahren so schnell wie möglich eröffnet werden. In solch einem Fall kann ich dir nur zu anwaltlicher Unterstützung raten.

Und deshalb mein Appell: Sei realistisch in der Einschätzung der Situation deines Unternehmens. Es ist ein bisschen so wie mit Krankheiten. Rechtzeitig erkannt, ist der Patient noch zu behandeln und erfreut sich danach meist bester Gesundheit.

Mein Fazit

Jeder kann in eine Situation kommen, die die Existenz bedroht. Aber Unternehmergeist bedeutet auch, schwierige Situationen zu meistern. Es geht nicht nur um das Problem selbst, sondern vielmehr darum, Lösungen zu finden. Das macht den Unterschied. Natürlich setzt das voraus, ehrlich zu sich selbst zu sein. Unangenehme Fragen nach Fehlentscheidungen und Versäumnissen inbegriffen. 

Es ist wichtig, klar und lösungsorientiert zu denken. In schwierigen finanziellen Momenten brauchst du Disziplin und Rationalität. Du hast dich entschieden, im Dienstleistungs-Markt erfolgreich zu sein. Das ist bekanntermaßen ein heiß umkämpftes Terrain. Gleichzeitig jedoch sehr Erfolg versprechend, wenn du dich gut aufstellst. Mach dich beispielsweise online auf die Suche nach den jungen Kunden. Geh neue Wege. Es klingt vielleicht etwas seltsam, aber eine Krise ist immer die Chance für einen besseren Neubeginn. 

Es gehört mehr Mut dazu, seine Sichtweise zu ändern, als ihr treu zu bleiben. In manchen Unternehmen hängt leider eine Überzeugung wie Beton in den Köpfen der Mitarbeiter. Und dann kommen Sätze wie: „Aber das haben wir doch immer so gemacht!” Meines Erachtens ist so eine Denkweise schwierig, weil sie notwendige Veränderungen behindert. Und gerade dann, wenn die Existenz bedroht ist, müssen viele unternehmerische Entscheidungen auf den Prüfstand gestellt und verändert werden. 

Du als Dienstleisterin, musst ständig den Markt und deine Mitbewerber im Auge behalten. Zusätzlich musst du stets auf dem neuesten Stand bleiben, innovative Behandlungen anbieten und dabei die Kosten nicht aus den Augen verlieren. Weiterhin motivierst du deine Mitarbeiter, du kümmerst dich um die Kundenbindung und die Neukundenakquise. Und zuletzt trägst du auch noch die komplette finanzielle Verantwortung. 

Wow! Das ist so, als würdest du täglich mit zwanzig Kugeln gleichzeitig jonglieren, oder? Lass dich trotz allem nicht von deinem Ziel abbringen. Stell dich neu auf und behalte einen kühlen Kopf. Es gibt immer Lösungen. Du schaffst das!

Autorin Ulrike Förster


Ulrike Förster

Die Autorin besitzt langjährige ­Erfahrung als Marketingleiterin im Tourismus- und Hotelgewerbe. Seit 2020 arbeitet sie zudem als Beauty-Coach. Aktuell ist sie als medizinische Kosmetikerin in der Praxisklinik für Dermatologie ­Aachen angestellt.

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