Tücken und Tipps: Lippen

27.06.2024
Foto: Pixel-Shot/shutterstock.com

Die Nachfrage nach ästhetischen Eingriffen zur Lippenverschönerung ist in den letzten 
Jahren kontinuierlich gestiegen. Kosmetikerinnen bieten eine Vielzahl von Methoden an, um 
ihren Kundinnen den gewünschten Look zu verleihen. Zu den gängigsten Methoden gehören 
die Verwendung von Botox, Hyaluronsäure und Permanent Make-up. Doch inwieweit dürfen
Kosmetikerinnen solche Eingriffe durchführen, ohne gegen das Heilpraktikergesetz 
(HeilprG) zu verstoßen? Diese Frage wirft einen Blick auf die rechtliche Einordnung dieser 
Tätigkeiten im Rahmen des Gesetzes und der einschlägigen Rechtsprechung.

1. Rechtliche Grundlagen 

Das Heilpraktikergesetz (HeilprG) definiert in § 1 Abs. 2 die Ausübung der Heilkunde im Sinne des Gesetzes. Diese Auslegung besagt, dass eine Tätigkeit als Ausübung der Heilkunde anzusehen ist, wenn sie ärztliche oder medizinische Fachkenntnisse erfordert und potenziell gesundheitliche Schädigungen verursachen kann. Dabei ist zu beachten, dass nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ein nur geringfügiges Gefahrenmoment nicht ausreicht, um die Erlaubnispflicht gemäß § 1 Abs. 1 HeilprG auszulösen. Das Gefährdungspotenzial wird zudem geringer, je weiter sich die Tätigkeit von einer medizinischen Behandlung entfernt. Die rein kosmetische Zielsetzung eines Eingriffs schließt nicht aus, dass dieser der Ausübung der Heilkunde zumindest gleichzustellen ist. Insbesondere bei Eingriffen, die in den Körper erfolgen, muss eine genaue Bewertung vorgenommen werden.

2. Rechtliche Bewertung 

Die Durchführung von Lippenverschönerungen durch Kosmetikerinnen kann dem HeilprG unterfallen. Insbesondere bei Methoden wie dem Faltenunterspritzen birgt die Tätigkeit ein nicht unerhebliches Risiko gesundheitlicher Schädigungen. Die genaue Kenntnis der Anatomie, der Injektionstechniken und potenzieller Risiken ist unerlässlich. Von daher dürfen Lippenbehandlungen mittels Injektion nicht von Kosmetikerinnen ohne Heilkundeerlaubnis angewendet werden, unabhängig davon, welches Füllmaterial eingesetzt wird (zum Beispiel Botulinumtoxin oder Hyaluronsäure). Beim Permanent Make-up (Liplight) ist das in der Regel anders zu bewerten. Solche Behandlungen dürfen in der Regel auch von Kosmetikerinnen durchgeführt werden. Schwierig zu bewerten ist der Einsatz von Plasma Pens. Diese werden zuweilen von Behörden als erlaubnispflichtig eingestuft, zudem unterfallen die Geräte gegebenenfalls auch der Verordnung zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (NiSV). Hier hängt die richtige Einordnung aber sehr von der eingesetzten Technologie ab. Zudem sollte man sich gegebenenfalls behördlichen Anordnungen auch zur Wehr setzen.

3. Schlussfolgerung 

Die rechtliche Einordnung von Lippenverschönerungen durch Kosmetikerinnen ist komplex und erfordeine genaue Prüfung im Einzelfall. In Zweifelsfällen ist eine Abstimmung mit rechtlichen und medizinischen Fachexperten ratsam, um die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben sicherzustellen.

Foto: Dr. Florian Meyer

Dr. Florian Meyer 

Der Rechtsanwalt berät seit 2006 Kosmetikunternehmen zu verschiedenen Rechtsthemen, unter anderem zur Vertragsgestaltung und zu Haftungsfragen, zum Wettbewerbsrecht, zum Heilmittelwerberecht sowie zum Kosmetik- und Medizinprodukterecht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr aus der Rubrik Ratgeber & Wissen