Laser- und EMS-Technologien setzen neue Trends in der Wechseljahresmedizin. Denn wo in der öffentlichen Debatte beim Thema Wechseljahre meist Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen im Mittelpunkt stehen, rückt ein weiterer wichtiger Beschwerdekomplex in den ärztlichen Fokus: das Genitourinäre Syndrom der Menopause (GSM).
Hinter dem Genitourinären Syndrom der Menopause (GSM) verbergen sich Symptome wie vaginale Trockenheit, Brennen, Juckreiz, wiederkehrende Infektionen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Hinzu kommen häufig Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz. Diese Beschwerden beeinflussen die körperliche Aktivität, die Sexualität und das Selbstwertgefühl von Millionen Frauen. Schätzungen zufolge sind rund neun Millionen Frauen in Deutschland von Harninkontinenz betroffen, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Viele Patientinnen sprechen das Thema aus Scham nicht aktiv an. Nicht selten ändern sie stattdessen ihr Verhalten: Sportarten werden aufgegeben, Reisen eingeschränkt und soziale Aktivitäten sowie Intimität reduziert. „Dann gehe ich eben nicht mehr Joggen“ oder „Das war bei meiner Mutter auch so“ - solche Aussagen hört man in der gynäkologischen Praxis oft.
Wenn Beschwerden den Alltag bestimmen
Wie groß die Auswirkungen menopausaler Beschwerden sein können, zeigt die deutsche MenoSupport-Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Die Untersuchung verdeutlicht, dass Wechseljahresbeschwerden nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Thema sind. Ein Teil der befragten Frauen berichtete etwa, aufgrund ihrer Beschwerden berufliche Chancen nicht wahrgenommen oder Karriereentscheidungen angepasst zu haben. Rund jede zehnte befragte Frau gab an, früher in Rente gehen zu wollen oder bereits gegangen zu sein; bei den über 55-Jährigen lag dieser Anteil sogar bei knapp 20 Prozent. Damit wird deutlich: Wechseljahresbeschwerden sind keineswegs ein reines Komfortproblem, sondern können erhebliche Auswirkungen auf Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe haben. Ihre Therapie ist nicht nur symptomatisch, sondern auch funktionell und psychosozial relevant und fußt wesentlich auf modernen apparativen Lösungen.
Nichthormonelle Therapien
Die klassische Behandlung des GSM umfasst lokale Östrogentherapien, pflegende Präparate und Beckenbodentraining. Dennoch wünschen viele Frauen heute alternative Behandlungsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an nachhaltig wirksamen apparativen Technologien. Sie bieten die Möglichkeit, bestimmte Beschwerden gezielt und lokal zu behandeln, ohne systemisch in den Hormonhaushalt einzugreifen. Besonders im Fokus stehen dabei vaginale Lasertherapien sowie elektromagnetische Verfahren zur Beckenbodenstimulation.
CO2-Laser zur Regeneration
Fraktionierte CO2-Laser werden vor allem bei GSM-assoziierten Beschwerden wie vaginaler Trockenheit, atrophischer Kolpitis, Dyspareunie oder wiederkehrenden Infektionen eingesetzt. Durch gezielte ablative und thermische Mikroimpulse wird die Schleimhaut zur Regeneration angeregt. Es kommt zur Neubildung von Kollagen, einer verbesserten Gefäßversorgung sowie zu strukturellen Umbauprozessen im Gewebe. Ziel ist eine bessere Durchblutung, Feuchtigkeitsversorgung und Elastizität der vaginalen Schleimhaut. Typischerweise erfolgen drei Behandlungen im Abstand von vier bis sechs Wochen. Die Sitzungen dauern meist nur wenige Minuten und lassen sich gut in den Alltag integrieren. Im Vergleich zu anderen energiebasierten Verfahren nimmt der CO2-Laser eine besondere Stellung ein. Während Radiofrequenzsysteme überwiegend thermisch wirken und Erbium-Laser primär ablative Effekte haben, kombiniert der fraktionierte CO2-Laser beide Wirkmechanismen und stößt damit unterschiedliche Regenerationsprozesse gleichzeitig an.
Magnetfeld zur Kräftigung
Während Laser primär die Schleimhaut und das Bindegewebe adressieren, setzen elektromagnetische Verfahren an der Beckenbodenmuskulatur an: EMS-, also hochintensive elektromagnetische Beckenbodenstühle, erzeugen starke Magnetfelder, die supramaximale Muskelkontraktionen auslösen. Dadurch kann die Beckenbodenmuskulatur trainiert werden, ohne dass die Patientin aktiv Übungen durchführen muss.
Gerade bei Belastungsinkontinenz oder Beckenbodenschwäche gewinnen diese Verfahren stark an Aufmerksamkeit. Sie bieten eine nichtinvasive Ergänzung zu klassischen Trainingsprogrammen und können insbesondere Frauen unterstützen, die Schwierigkeiten haben, Beckenbodenübungen konsequent durchzuführen und eine Operation (noch) ablehnen. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der hohen Alltagstauglichkeit: Die Patientin sitzt während der Behandlung vollständig bekleidet auf dem Therapiesystem. Ausfallzeiten entstehen in der Regel nicht.
Wer darf behandeln?
Während vaginale Laserbehandlungen ärztlichen Fachpersonen vorbehalten sind, werden elektromagnetische Beckenbodensysteme zunehmend auch außerhalb von Arztpraxen angeboten. Da Harninkontinenz und Beckenbodenfunktionsstörungen medizinische Diagnosen sind, sollten Diagnosestellung, Indikationsstellung, Therapieentscheidung und Verlaufskontrolle jedoch in ärztlicher Hand liegen.
Multimodaler Therapieansatz
Beide Technologien - Laser und EMS - verfolgen unterschiedliche therapeutische Ziele, adressieren verschiedene anatomische Strukturen und können sich in der Praxis sinnvoll ergänzen: Lasertherapien wirken vor allem auf Schleimhaut, Bindegewebe und lokale Regenerationsprozesse. Sie kommen insbesondere bei GSM, vaginaler Atrophie, Trockenheit, Dyspareunie oder wiederkehrenden Infektionen zum Einsatz sowie unterstützend bei einer Harninkontinenz. EMS-Verfahren hingegen zielen auf funktionelle Defizite der Beckenbodenmuskulatur und damit vor allem auf Inkontinenzbeschwerden und Beckenbodenschwäche - übrigens auch beim Mann. Gemeinsam entsteht ein multimodaler Therapieansatz, der unterschiedliche Beschwerdeebenen gleichzeitig adressiert.
Alltagstaugliche Therapien
Patientinnen erwarten heute nicht nur wirksame, sondern auch alltagstaugliche Therapien. Kurze Behandlungs- und Ausfallzeiten sowie eine unkomplizierte Integration in Beruf und Familie sind besonders für Frauen in den Wechseljahren entscheidend. Apparative Verfahren erfüllen diese Anforderungen häufig, da sie ambulant, mit wenigen Sitzungen und schneller Rückkehr in den Alltag durchgeführt werden können.
Individualisierte Konzepte
Die Wechseljahresmedizin entwickelt sich hin zu kombinierten, individuellen Behandlungskonzepten. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von Lebensstilmedizin, Beckenbodentherapie, hormonellen und hormonfreien Therapien sowie energiebasierten Verfahren, um Lebensqualität, Sexualfunktion und Beckenbodengesundheit langfristig zu erhalten. Moderne apparative Verfahren erweitern die therapeutischen Möglichkeiten - vorausgesetzt, sie werden evidenzbasiert, indikationsgerecht und als Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts eingesetzt.
Dr. med. Neslişah Yilmaz-Terzioğlu
Die Autorin ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Nürnberg. www.frauenaerztin-yilmaz-terzioglu.de