Die Ästhetik des Halses

14.01.2026
Die Ästhetik des Halses

Der Hals ist ein zentrales Element der menschlichen Erscheinung, da er Kopf und Körper verbindet und sowohl funktionale als auch ästhetische Bedeutung hat. In Kunst, Mode und Kultur wird der Hals häufig mit Anmut, Stärke oder Eleganz assoziiert. Während bei Frauen vor allem Eleganz, Zartheit und weiche Linien betont werden, stehen bei Männern eher die Kraft, Definition und markante Kontur im Vordergrund. Dennoch bleibt die Wahrnehmung kulturell geprägt und subjektiv. 

Die Wirkung des Halses hängt stark von Proportionen, Haltung und Hautbeschaffenheit ab. Geschlechtsunabhängig sollte ein Hals unauffällig sein, ohne Falten, Pigmentflecken und störende Bänder, und einen harmonischen Übergang vom Körper zum Gesicht darstellen. 

Der weibliche Hals

Bei Frauen gilt der Hals traditionell als Symbol für Feinheit und Zartheit. Ein etwas längerer, schlanker Hals wird oft als besonders elegant und anmutig empfunden. Weiche Konturen und sanfte Übergänge zwischen Schlüsselbein und Kieferlinie betonen eine grazile Wirkung. Durch seine Form und Ebenmäßigkeit bietet er eine ideale Fläche für Schmuck, wodurch seine Eleganz noch betont wird.

Der männliche Hals

Beim Mann ist der Hals eher ein Symbol für Kraft und Männlichkeit. Ein kräftiger, gut definierter Hals, eine klare, markante Kieferlinie in Verbindung mit einem sichtbaren Adamsapfel gelten als Zeichen maskuliner Ausstrahlung. Sichtbare Muskeln – etwa der Musculus sternocleidomastoideus – unterstreichen eine athletische Ausstrahlung.
Im Laufe des Alterungsprozesses neigt auch die Haut des Halses zu Erschlaffung, feinen Knitterfalten und Elastizitätsverlust. Durch das Absinken des SMAS (superfizielles muskulo-aponeurotisches System), eine Gewebeschicht, die über den gesamten Kopf und Hals gespannt ist, zusammenhängt und mit dem Altern nach unten absinkt und an bestimmten Strukturen (retaining ligaments) festhängt, kommt es zu den typischen Zeichen des alternden Gesichts. Dazu zählen abgesunkene Bäckchen (jowls) mit verstrichener Unterkieferkontur, stumpfem submentalem Winkel mit Fettansammlungen und am Hals vom leichten platysma banding bis hin zur schweren Form des Truthahnhalses. Je nach Ausprägung, individuellem Befund und dessen Schweregrad kommen folgende Operationsmethoden infrage: 

(Laserassistierte) Liposuktion

Die Liposuktion stellt ein etabliertes Standardverfahren bei jüngeren Patienten mit vorwiegend submentalen Fettansammlungen und suffizienter Hautelastizität (wenig Hautüberschuss) dar. Durch die Entfernung des submentalen Fettgewebes kann der Kinn-Hals-Winkel wieder deutlicher konturiert werden. 
Die laserassistierte Liposuktion kombiniert die mechanische Fettabsaugung mit einem energiebasierten Verfahren, das durch thermische Koagulation der dermalen Kollagenfasern zusätzlich eine moderate Hautstraffung induziert.

Anteriore Platysmaplastik

Liegt ein geringer Hautüberschuss mit einem platysma banding (muskuläre Bandbildung in der Mitte des Halses) vor, ist eine anteriore Platysmaplastik über einen Schnitt in der Unterkinnfalte indiziert, über den die beiden Muskelbänder wie ein Korsett in der Mitte zusammengenäht werden. Ein kleiner Hautüberschuss kann über eine zusätzliche Hautspindel, die entfernt wird, exzidiert werden. Auch kann hier eine Fettabsaugung oder direkte Entfernung von Fett kombiniert werden.

Facenecklift

Wenn zu viel Haut- und Muskelüberschuss vorhanden ist, empfiehlt sich ein Facenecklift über die typische Schnittführung vor und hinter dem Ohr mit Präparation der SMAS-Schicht im Gesicht und am Hals und Straffung dieser Schicht entsprechend bestimmten Vektoren nach oben und hinten, damit die Kontur am Unterkiefer wieder perfekt ist, ohne dass sich die Position der Mundwinkel verändert, ein schöner Halswinkel entsteht und die überschüssige Haut entfernt wird. 
Da die Schnittführung und auch der Wundverschluss sehr subtil sind, entstehen absolut unauffällige Narben, ein natürliches, nicht operiertes Aussehen mit einem Langzeiteffekt von circa zehn Jahren. In der klinischen Praxis werden diese Verfahren häufig kombiniert, um sowohl subkutane als auch muskuläre und kutane Alterungszeichen simultan zu behandeln und ein ästhetisch ausgewogenes Ergebnis zu erreichen.

Deep-Plane-Facelift oder SMAS- bzw. Sub-SMAS-Lift

Um ein lang anhaltendes Ergebnis zu erzielen, muss auf jeden Fall das SMAS in die Straffung miteinbezogen werden; alleinige Hautstraffungen als sogenannte Minilifts haben keinen dauerhaften Effekt. Ob die retaining ligaments (Haltebänder) mit abgetrennt werden müssen, wie es beim Deep-Plane-Facelift erfolgt, muss der jeweilige Operateur entscheiden und mit der Patientin oder dem Patienten besprechen, da das Risiko einer Nervschädigung  erhöht wird bei fraglichem zusätzlichen Benefit. 
Fakt ist, dass das „herkömmliche“ SMAS- bzw. Sub-SMAS-Lift eine standardisierte, seit Jahrzehnten bewährte OP-Technik ist, die sehr gute, lang anhaltende und natürliche Ergebnisse liefert. 
Und in meinen Augen müssen Dinge, die funktionieren, nicht unbedingt durch Neues ersetzt werden. Hier ist eine kritische Abwägung für jeden Operateur angezeigt.

Wahl des Narkoseverfahrens

Je nach Ausmaß des Eingriffs kann er in örtlicher Betäubung mit Dämmerschlaf (Sedierung) oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Kleinere Fettabsaugungen lassen sich meist ambulant und in Lokalanästhesie vornehmen, während umfangreichere Halsstraffungen in der Regel eine Vollnarkose erfordern. Der behandelnde Facharzt bespricht mit jeder Patientin und jedem Patienten individuell, welches Verfahren am sichersten und angenehmsten ist.
Auch ist bei größeren Eingriffen ein stationärer Aufenthalt von circa zwei Tagen empfehlenswert.

Risiken und mögliche ­Komplikationen

Wie bei allen operativen Eingriffen bestehen auch bei der Halsstraffung Risiken. Dazu gehören:

  • Allgemeine Risiken: Schwellungen, Blutergüsse, Wundheilungsstörungen oder Infektionen
  • Speziell am Hals: vorübergehende Gefühlsstörungen, kleine Asymmetrien, sichtbare Narben oder ein ungleichmäßiges Ergebnis, Rezidiv des platysma bandings (Platysma-Bänderung)
  • Sehr selten: Verletzung von Nervenästen, die die mimische Mus-kulatur versorgen, oder Nach-
blutungen, die eine Nachbehandlung erforderlich machen

Dauer der Ausfallzeiten

Die Ausfallzeit richtet sich nach Art und Umfang des Eingriffs: Nach einer reinen Fettabsaugung sind Patientinnen und Patienten meist schon nach wenigen Tagen wieder gesellschaftsfähig. Bei einem Necklift mit Hautexzision und Platysmaplastik sollte man mit etwa zwei Wochen Schonzeit rechnen, in denen Schwellungen und Blutergüsse noch sichtbar sein können. Sport, Sauna und körperliche Belastungen sollten in der Regel für vier bis sechs Wochen vermieden werden, um eine optimale Heilung zu gewährleisten.

Zusammenarbeit mit der Kosmetikerin

Eine Vor- und Nachbehandlung in Form einer Lymphdrainage ist sehr empfehlenswert und verbessert das Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten. Auch bauen sich Schwellungen schneller ab. Wir empfehlen durchaus circa zwei bis drei Vorbehandlungen zwei Wochen vor der Operation beginnend und drei bis fünf Nachbehandlungen, die bereits am dritten Tag nach der Operation, je nach Erfahrung des Kosmetikers oder der Kosmetikerin, beginnen können.

 

Auf einen Blick

  • Bedeutung und Ästhetik des Halses: verbindet Kopf und Körper, beeinflusst durch Proportionen, Haltung und Hautstruktur; bei Frauen eher Eleganz/Zartheit, bei Männern Kraft/Definition; kulturell subjektiv
  • Typische Altersveränderungen und Ursachen: Hauterschlaffung, Feinstrukturen wie SMAS sinken ab; führt zu Bäckchen-Absenkung, Platysma-Bänderung, ggf. „Truthahnhals“
  • Operationsoptionen je nach Befund: Liposuktion (submentales Fettgewebe), laserassistierte Liposuktion (zusätzliche Hautstraffung), anteriore Platysmaplastik (Bändchen kuppeln), Facenecklift (SMAS-Expansion inklusive Hautstraffung), Deep-Plane-Facelift/SMAS-Lift (lang anhaltendes Ergebnis/Risiko einer Nervschädigung)
  • Narkose- und Erholungsaspekte: je nach Eingriff örtliche Betäubung/Sedierung oder Vollnarkose; kleinere Eingriffe oft ambulant, größere Eingriffe stationär circa zwei Tage; Ausfallzeiten variieren (Fettabsaugung wenige Tage, Necklift circa zwei Wochen)
  • Risiken, Nachsorge und Zusammenarbeit: allgemeine Komplikationen (Schwellung, Blutergüsse, Infektionen); halsspezifisch Gefühlsstörungen, Narben, asymmetrische Ergebnisse; Vor-/Nachbehandlung mit Lymphdrainage empfohlen; enge Abstimmung zwischen Kosmetikerin/Kosmetiker und Ärztin/Arzt

 

Quellen:
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Dr. Dr. med. dent. Susanne Herrmann-Frühwald

Dr. Dr. med. dent. Susanne Herrmann-Frühwald
Die Autorin ist Fachärztin für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, plastische Operationen, ärztliche Leitung der Sophien-klinik in Stuttgart. Seit 25 Jahren ist sie spezialisiert auf plastisch-ästhetische Gesichtschirurgie mit dem Schwerpunkt „Facenecklift“. www.sophienklinik-stuttgart.de 

Foto: BEAUTY FORUM

Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL

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