Hals und Kinn – eine ästhetische Einheit

02.01.2026
Hals und Kinn - eine ästhetische Einheit

Der Fokus ästhetischer und kosmetischer Behandlungen liegt häufig begrenzt auf den Gesichtsbereich, während der Hals schnell vernachlässigt wird. Trotz straffer, jugendlicher Gesichtshaut gilt das Halsareal als ein Indikator für die Wahrnehmung des Lebensalters. Daher ist es sinnvoll, das Gesicht und den Hals als eine ästhetische Einheit zu betrachten. Die Kinn-Kieferlinie des unteren Gesichtsdrittels ist nicht nur anatomisch, sondern auch in ihrer ästhetischen Wirkung eng verbunden mit dem Hals.

Anatomisch bedingt altert der Hals schnell durch die dünne Hautschicht und eine geringe Sebumproduktion. Die Veränderungen der Hautstruk-turen im Alter, im Besonderen der dermalen extrazellulären Matrixbestandteile, wirken sich negativ auf die Spannkraft und Elastizität aus und führen zur Hauterschlaffung. Externe Faktoren wie die UV-Strahlung oder der Lebensstil fördern die Faltenbildung zusätzlich. 
Typisch sind die horizontalen Halsfalten, welche durch eine ungünstige Körper- und Kopfhaltung beispielsweise während der Bildschirmzeit oder in der Schlafposition noch verstärkt werden können. Das Fettgewebe im vorderen Halsdreieck, ausgeprägt im submentalen Bereich, kann sich akkumulieren und führt zu einer Doppelkinnbildung. 
Das Platysma ist ein großes, breites Muskelgewebe und reicht vom Unterkieferrand bis über das Schlüsselbein, es kann sich strangartig im Alter verdicken und führt zu einem nach unten gerichtetem Zug der Haut. Dadurch treten die Platysmastränge deutlich sichtbar am Hals hervor. Zusätzliche Anzeichen eines gealterten Halses und einer Kinn-Kieferlinie sind ein absinkendes Wangenfettgewebe mit einer undefinierten Kieferpartie und Veränderungen in der Hautqualität wie in der Hautfarbe und der Hautrauheit.1
Die Merkmale eines ästhetisch jugendlichen Halses definierte eine Studie wie folgt: eine definierte Kieferpartie, eine Vertiefung unterhalb des Zungenbeins (subhyoid) mit einem sternocleidomastoid-submentalen Winkel von 90 Grad und einem zervikomentalen Winkel von 105 bis 120 Grad. Der Sternocleidomastoid-Muskel soll definiert sein und eine sichtbare Ausstülpung des Schilddrüsenknorpels existieren.2 
Zudem sind in der Forschung Skalen entwickelt worden, welche visuell die altersbedingten Veränderungen der Hals- und Kinn-Kieferlinie darstellen und somit messen können.3–5

Vielzahl an Methoden 

Die Ästhetische Medizin bietet eine Vielzahl an invasiven und minimalinvasiven Behandlungsmethoden und Kombinationsbehandlungen zur Verjüngung der Hals- und der Kinn-
Kieferlinie an. Mittels invasiver chirurgischer Behandlungen kann die Haut am Hals und im unteren Gesichtsdrittel geliftet werden und die muskulären Platysmabänder können fixiert als auch entspannt werden.
Durch eine Liposuktion kann das Fettgewebe im submandibulären Doppelkinn-Bereich reduziert werden. Bei den minimalinvasiven Behandlungen werden zahlreiche Wirkstoffe und Verfahren eingesetzt, um die Haut zu straffen, die Falten und das Fettgewebe zu reduzieren, die Platysmabänder zu entspannen und die Kinn-Kieferlinie zu definieren.6, 7
Für die Faltenbehandlung stehen noch weitere zahlreiche Behand­lungs­ansätze und Materialien zur Verfügung, die nicht alle aufgeführt werden können. 

Injektionslipolyse

Für eine Reduzierung des Fettgewebes im Doppelkinnbereich kann eine Injektionslipolyse angewendet werden. In Deutschland sind derzeit nur ein Arzneimittel und ein Medizinprodukt für diese Indikation zugelassen, welche den Wirkstoff Desoxycholsäure oder sein Derivat enthalten und dadurch eine adipozytolytische (fettzellauflösende) Wirkung haben.
Andere Produkte und Wirkstoffe sind für die Anwendung zur Injektions-lipolyse nicht zugelassen, es handelt sich somit um eine „Off-Label“- Behandlung. 
Beliebt ist weiterhin der Wirkstoff Phosphatidylcholin, der zur Emulgierung von Fetten und Wasser zum besseren Abtransport der Fettzellen angewendet wird. Die flüssige Injektionslösung wird mit feinen Nadeln und mehrfachen Mikroinjektionen subkutan direkt in das Fettpolster injiziert. Der adipozytolytische Effekt kann mit Rötung, Hitzegefühl, Schwellung und Brennen einhergehen. Je nach Befund können zwei bis fünf Sitzungen im Abstand von vier Wochen notwendig sein. 

Kryolipolyse

Eine alternative nichtinvasive Behandlungsmethode ist die Kryolipolyse, die durch gezielte Kälteeinwirkung die Fettzellen abtötet.8–10

Botulinum-toxin A

Die Platysmabänder können durch das Arzneimittel Botulinumtoxin A entspannt werden. Das Toxin wird als flüssige Lösung in den Muskeln injiziert, wodurch die Muskelaktivität vorübergehend durch komplexe Wirkmechanismen in der neuromuskulären Übertragung innerhalb von 12 bis 48 Stunden gehemmt wird. Der Effekt kann zwischen drei bis fünf Monate andauern. 

Nefertiti Lift 

Durch einen sogenannten Nefertiti Lift werden die Platysmabänder am Hals und entlang der Kinn-Kieferlinie mit Botulinumtoxin A behandelt, wodurch die herabziehenden Muskeln entspannen und die anhebenden Muskeln einen verjüngenden straffenden Effekt ausüben können.11, 12

Hyaluronsäure

Für eine unzureichende Kinnprojektion nach vorne (fliehendes Kinn) kann quervernetzte Hyaluronsäure (HA) als Volumengeber in Form eines Hydrogels eingesetzt werden. Weiterhin können auch die Kinnform (eckig, rund, spitz) und Kinnweite modelliert werden. Eine optimale Kinnprojektion verbessert den mentozervikalen Winkel und die Riketts-Linie, wodurch nicht nur ein ästhetischer Hals, sondern auch das Gesicht und besonders das seitliche Profil harmonisiert werden. 
Die Kinn-Kieferlinie, auch Jawline genannt, kann zusätzlich mit HA-Injektionen weiter definiert werden.13 Der Volumen-Effekt ist unmittelbar sichtbar und kann je nach Produkt zwischen ein bis zwei Jahre anhalten. Zudem können mittels HA als Volumengeber auch die tiefen horizontalen Halsfalten behandelt werden, hierfür wird das Produkt direkt in die Falte injiziert.14 Leichte bis moderate horizontale Falten und feinere Linien können mit HA als Hautqualität-Booster, auch Skinbooster genannt, behandelt werden. Es werden multiple Mikroinjektionen angewendet, die gezielt in die Falte als auch in das großflächige Halsareal appliziert werden.

Biostimulatoren 

Zur Faltenbehandlung und Hautstraffung können weitere Wirkstoffe injiziert werden. Beliebt sind sogenannte Biostimulatoren, die die körpereigene Kollagenproduktion anregen. Beispielhaft ist hier im Halsbereich das Calciumhydroxylapatit-Mikropartikel-Gel zu nennen. Dieses wird mit wässriger Kochsalzlösung stark verdünnt und mittels Fächertechnik mit stumpfer Kanüle injiziert oder alternativ mit einer spitzen Nadel über den Hals verteilt injiziert. Der maximale Effekt ist erst nach einigen Wochen sichtbar.15

Energiebasierte Methoden 

Zur Hautstraffung im Halsbereich werden auch energiebasierte Methoden wie Laser, Radiofrequenz oder hochintensiv fokussierter Ultraschall (HIFU) eingesetzt, als eigenständige Behandlung oder als Kombinationsbehandlung mit anderen Injektionsmaterialien.7, 16 Durch die beiden genannten Verfahren entstehende Hitze wird die Haut kontrolliert geschädigt, wodurch Wundheilungsmechanismen aktiviert werden, die unter anderem die neue Kollagenproduktion anregen.
Neben dem klassischen fraktionierten CO2-Laser zur Hautstraffung ist für das untere Gesichtsdrittel mit einem zusätzlichen fettreduzierenden und somit modellierenden Effekt der Diodenlaser mit 1470 nm geeignet, der die Lichtenergie minimalinvasiv mittels einer Faser in die Haut bringt.17 Straffende Effekte können auch mit einer fraktionierten Radiofrequenz- Microneedling-Behandlung erreicht werden.18 Der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) arbeitet nicht invasiv, wodurch die Hautoberfläche intakt bleibt, und trotzdem kann ein stimulierender Effekt in tieferen Hautschichten erreicht werden.

Fadenlifting und Chemical Peels

Ebenfalls werden auch andere Methoden wie Fadenliftings oder chemische Peelings eingesetzt.Wichtig ist ein ganzheitlicher Therapieansatz mit Kombinationsbe­handlungen. Dieser sollte die unterschiedlichen anatomischen Strukturen des Halses und des Kinn-Kieferbereichs sowie deren Grad der Veränderungen im Alter individuell berücksichtigen.

Prävention durch Hautpflege

Ein weiterer wichtiger Meilenstein zum Erhalt eines jugendlichen, attraktiven Halses ist die Prävention mit einer täglichen Hautpflegeroutine.7 Um die dünne Haut am Hals gegen den alterungsfördernden extrinsischen Faktor UV-Strahlung zu schützen, wird per se zum Schutz vor UV-Strahlung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ein Lichtschutzfaktor ab einem tagesaktuellen UV-Index von drei im Freien empfohlen.
Zur Faltenreduktion und Hautstraffung bewähren sich auch am Hals die beliebten Wirkstoffklassen wie Antioxidantien (Vitamin C, Niacinamid), Peptide (Kupfer- und Signalpeptide, Wachstumsfaktoren), Vitamin- A-Derivate (Retinal, Retinol) oder Alpha-Hydroxysäuren (Glykolsäure, Milchsäure). Um den Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu steigern und damit auch einen glatten prallen Eindruck zu erzielen, eignet sich besonders die Hyaluronsäure. 
Bei den topischen Kosmetika ist auf die richtige Auswahl der Wirkstoffkonzentration, der richtigen Galenik und einer geeigneten schützenden Verpackung zu achten. Da dünne Haut empfindlicher reagieren kann, sollten Alpha-Hydroxysäuren, Retinol und Vitamin C zunächst vorsichtig mit einer geringen und langsam steigenden Anwendungshäufigkeit in die Pflegeroutine eingebaut werden, um die Haut an die Wirkstoffe zu gewöhnen.19–21
Eine aktuelle Studie konnte für altersbedingte Veränderungen in der Hautqualität am Hals mehr Korrelationen feststellen als an der Gesichtshaut von Frauen. Speziell geht es um die Wahrnehmungskategorie der Hautfestigkeit.22 Ein wichtiges Argument, um auch den Hals mit in die Pflegeroutine und in die Behandlungen zu integrieren.

Literatur: 
    1    Mulholland RS. Nonexcisional, Minimally Invasive Rejuvenation of the Neck. Clin Plast Surg. 2014; 41 (1): 11–31.
    2    Ellenbogen R, Karlin JV. Visual criteria for success in restoring the youthful neck. Plast Reconstr Surg. 1980; 66 (6): 826–837.
    3    Sattler G, Carruthers A, Carruthers J, Flynn TC, Geister TL, Görtelmeyer R, Hardas B, Himmrich S, Jones D, Kerscher M, Mohrmann C, Narins RS, Pooth R, Rzany B, Buchner L, Benter U, Breitscheidel L, de Maio M. Validated Assessment Scale for Neck Volume. Dermatol Surg. 2012; 38: 343–350.
    4    Geister TL, Bleßmann-Gurk B, Rzany B, Harrington L, Görtelmeyer R, Pooth R. Validated Assessment Scale for Platysmal Bands. Dermatol Surg. 2013; 39(8): 1217–1225.
    5    Kerscher M, Green J, Day D, Ogilvie A, Pavicic T, Lim T, Hayano W, Lorenc ZP, Hernandez C, Frank K, Moellhoff N, Prinz V, Cajkovsky M, Pooth R. Novel, Validated 5-Point Photonumeric Scales for Assessment of the Neck and Décolleté. Aesthet Surg J. 2023; 43(7): 560–572.
    6    Rohrich RJ, Rios JL, Smith PD, Gutowski KA. Neck Rejuvenation Revisited. Plast Reconstr Surg. 2006; 118 (5): 1251–1263.
    7    Roberts WE, Cheng T. Neck Aging and Rejuvenation: A Balanced Approach to Assessment and Treatment. Dermatol Rev. 2024; 5(3): 1-11.
    8    Farina GA, Cherubini K, de Figueiredo MAZ, Salum FG. Deoxycholic acid in the submental fat reduction: A review of properties, adverse effects, and complications. J Cosmet Dermatol. 2020; 19 (10): 2497–2504.
    9    Rotunda AM, Weiss SR, Rivkin LS. Randomized double-blind clinical trial of subcutaneously injected deoxycholate versus a phosphatidylcholine-deoxycholate combination for the reduction of submental fat. Dermatol Surg. 2009; 35 (5): 792–803.
    10   Lipner SR. Cryolipolysis for the treatment of submental fat: Review of the literature. J Cosmet Dermatol. 2018; 17 (2): 145–151.
    11   Levy PM. The ‘Nefertiti lift’: A new technique for specific re-contouring of the jawline. J Cosmet Laser Ther. 2007; 9 (4): 249–252.
    12   Imhof M, Podda M, Sommer B. S1-Leitlinie Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie. JDDG. 2013; 11 (10): 1–13.
    13   Hong G-W, Wan J, Yoon S-E, Yi K-H. Anatomic-Based Diagnosis and Filler Injection Techniques: Chin Augmentation and Jawline Contouring. J Craniofac Surg. 2025; 36(2): 688–694.
    14   Tseng F, Yu H. Treatment of Horizontal Neck Wrinkles with Hyaluronic Acid Filler: A Retrospective Case Series. Plast Reconstr Surg Glob Open. 2019; 7(8): 1–8.
    15   de Almeida AT, Figueredo V, da Cunha ALG, Casabona G, Costa de Faria JR, Alves EV, Sato M, Branco A, Guarnieri C, Palermo E. Consensus Recommendations for the Use of Hyperdiluted Calcium Hydroxyapatite (Radiesse) as a Face and Body Biostimulatory Agent. Plast Reconstr Surg Glob Open. 2019; 7 (3): 1–9
    16   Casabona G, Nogueira Teixeira D. Microfocused ultrasound in combination with diluted calcium hydroxylapatite for improving skin laxity and the appearance of lines in the neck and décolletage. J Cosmet Dermatol. 2018; 17 (1): 66–72.
    17    Nilforoushzadeh MA, Heidari-Kharaji M, Nobari NN, Torkamaniha E, Rafiee S, Shahverdi M, Tehrani S, Fakhim T. Treatment of horizontal neck wrinkles by Endolift laser: Biometric measurement. Skin Res Technol. 2024; 30 (4): 1–8.
    18    Nguyen L, Blessmann M, Schneider SW, Herberger K. Radiofrequency Microneedling for Skin Tightening of the Lower Face, Jawline, and Neck Region. Dermatol Surg. 2022; 48 (12): 1299–1305.
    19    Bayerl C. Topisches Anti-Aging – Evidenz und Wirkprinzip. Aktuelle Dermatol. 2018; 44 (6): 277–291.
    20   Draelos Z, Bogdanowicz P, Saurat J-H. Top weapons in skin aging and actives to target the consequences of skin cell senescence. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2024; 38 (4): 15–22.
    21    Karwal K, Mukovozov I. Topical AHA in Dermatology: Formulations, Mechanisms of Action, Efficacy, and Future Perspectives. Cosmetics 2023; 10 (5): 1–12.
    22    Roessle A, Kerscher M. Objectification of Skin Firmness: In Vivo Evaluation of 300 Women in Relation to Age. J Cosmet Dermatol 2025; 24 (1): 1–9.

Linda Kleine-Börger

Dr. rer. nat. Linda Kleine-Börger
Die Kosmetikwissenschaftlerin forscht und lehrt an der Universität Hamburg. Als Heilpraktikerin ist sie spezialisiert auf ästhetische Behandlungen, funktionelle und optimierende Medizin. 

Foto: BEAUTY FORUM

Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin MEDICAL

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