Der Feind in meinem Bett

30.01.2024
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Hausstaubmilben sind zwar ungefährlich für den Menschen, sie können aber zu heftigen allergischen Reaktionen an Haut und Schleimhäuten führen. Wie Diagnose und Therapie von Hauterkrankungen, die durch Hausstaubmilbenallergene verursacht werden, aussehen, erfahren Sie hier.

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Hausstaubmilben sind winzige Spinnentiere, die in jedem Haushalt vorkommen. Sie ernähren sich gern von unseren Hautschuppen. Sie sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Die unsichtbaren Mitbewohner können erhebliche allergische Reaktionen an Haut und Schleimhäuten auslösen. Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und Quaddeln sind häufige Symptome, die durch Hausstaubmilbenallergene ausgelöst werden. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und führen häufig zum Arztbesuch. 

Hausstaubmilben und Haut 

Hausstaubmilben sind für Allergien verantwortlich, da ihr Kot sowie ihr Körper potente Allergene enthalten. Neben der Auslösung von allergischem Dauerschnupfen und allergischem Asthma können sie auch zu Hautveränderungen führen. Kontaktreaktionen auf diese Allergene können sich in verschiedenen Formen auf der Haut manifestieren: 

Ekzeme und Urtikaria 

Vor allem bei Menschen mit Neurodermitis und Hausstaubmilbenallergie kann der Kontakt zu Hausstaubmilbenallergenen dazu führen, dass vermehrt entzündliche, juckende Hautrötungen (Ekzeme) auftreten. Ein Ekzemschub kann sehr belastend für den Patienten sein, zuhäufig direkt sichtbare Areale wie die Augenlider betroffen sind. Urtikaria ist eine seltene Hautreaktion bei Hausstaubmilbenallergie, die sich in plötzlichen, juckenden Quaddeln und Rötungen auf der Haut zeigt. Die Quaddeln können in Größe und Form variieren und sind oft von einem starken Juckreiz begleitet.

Diagnose der Hausstaubmilbenallergie

Die Diagnose der Hausstaubmilbenallergie erfordert eine gründliche Untersuchung durch einen Facharzt für Dermatologie und Allergologie. Hier sind die gängigen diagnostischen Methoden: 

| Anamnese: Der Arzt erhebt eine ausführliche Krankengeschichte, einschließlich der Symptome und ihrer Entwicklung im Laufe der (Jahres-/Tages-)Zeit. 

| Hauttest: Ein sogenannter Prick-Test kann eine Sensibilisierung gegenüber Hausstaubmilbenallergenen bestätigen. Dabei werden kleine Mengen des Allergens oberflächlich in die Haut eingebracht. Eine juckende Quaddel und Rötung zeigt eine positive Testreaktion an. 

| Bluttests: Ein spezifischer Bluttest kann ebenfalls durchgeführt werden, um die Menge an allergenspezifischen Immunglobulin-E-Antikörpern im Serum zu bestimmen. In Zusammenschau der Befunde der Blutuntersuchung und der Hauttestung kann die Diagnose der Hausstaubmilbenallergie zumeist sichergestellt oder widerlegt werden.

| Ausschluss anderer Erkrankungen: Der Arzt wird andere mögliche Hauterkrankungen und Allergien ausschließen, insbesondere allergische Kontaktekzeme.

 

Beratung zur Hautpflege:

Erklären Sie Ihren Patienten oder Kunden, wie sie ihre Haut am besten pflegen und irritierende Faktoren vermeiden können. 

| Betroffene sollten täglich rückfettende Pflege mit einem möglichst duft- und konservierungsmittelfreien Produkt verwenden. 

| Ein häufiges und heißes Duschen oder Baden sollte möglichst vermieden werden. Die Anwendung eines Duschöls anstelle eines Duschgels kann die Haut schon beim Reinigen rückfetten.

 

Therapie von Hausstaubmilbenallergie 

Die Behandlung von Hausstaubmilbenallergie mit Hautsymptomen zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, die Hautgesundheit zu verbessern und Rückfälle zu verhindern. Hier sind die wichtigsten therapeutischen Ansätze: 

| Allergenvermeidung: Die Reduzierung der Belastung durch Hausstaubmilbenallergene in der Wohnumgebung ist entscheidend. Das beinhaltet zum Beispiel regelmäßiges Staubsaugen und feucht Wischen sowie mindestens alle zwei Wochen das Waschen der Bettwäsche bei hohen Temperaturen (60 Grad Celsius). Auch zum Beispiel Kuscheltiere sollten heiß gewaschen oder bei -18 Grad Celsius für 48 Stunden eingefroren werden. Zudem ist die Nutzung von allergendichten Bezügen für Matratzen, Bettdecken und Kissen zu empfehlen. Dessen Fasern sind so fein verwoben, dass die Milbenallergene sie nicht durchdringen können und somit ein Haut- und Schleimhautkontakt vermieden werden kann. Zudem sollte die Nutzung alter Matratzen möglichst unterbleiben. Auch die Anwendung eines Staubsaugers mit sogenanntem HEPA-Filter kann die Staub- und dadurch Milbenallergenbelastung deutlich senken. Regelmäßiges Stoßlüften hilft, durch Reduzierung der Luftfeuchtigkeit die Lebensbedingungen der Milben zu erschweren. 

| Topische Behandlung: Zur Linderung von Hautsymptomen können lokal Kortisoncremes oder -salben kurzzeitig zum Einsatz kommen. Diese helfen, Juckreiz, Rötungen und Schwellungen zu reduzieren. Bei dauerhafter und langfristiger Nutzung, ohne ausreichende Pausen, können Nebenwirkungen wie Hautatrophie und damit einhergehend vermehrte Sichtbarkeit von Gefäßzeichnungen/Teleangiektasien auftreten. Die Anwendung sollte daher nur auf Rat oder nach Rücksprache mit einem Facharzt für Dermatologie erfolgen und zeitlich begrenzt sein.

| Emollientien: Das regelmäßige Auftragen von Emollientien oder Feuchtigkeitscremes kann die Hautbarriere stärken, wodurch die Haut weniger anfällig für externe Einflüsse wie zum Beispiel Hausstaubmilbenallergene wird. Eine regelmäßige Pflege kann somit die Hautgesundheit verbessern und Ekzeme vorbeugen. 

| Antihistaminika: Antihistaminika in Form von Tabletten können Juckreiz effektiv lindern. Bei dieser Therapie sollte auf die Anwendung von Antihistaminika der sogenannten „neueren Immuntherapie mindestens drei Jahre konsequent durchgeführt werden.

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Beim Prick-Test werden die entsprechenden Allergene auf die Haut des Patienten gegeben. 

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Ein spezifischer Bluttest kann helfen, um die Menge an allergenspezifischen Immunglobulin-E-Antikörpern im Serum zu bestimmen.

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Kortisioncremes reduzieren Juckreiz, Rötungen und Schwellungen; ­Emollientien oder Feuchtigkeitscremes stärken die Hautbarriere.

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Antihistaminika in Form von Tabletten können den Juckreiz effektiv lindern.

Rechtzeitige Diagnose und umfassende Therapie wichtig 

Die unsichtbaren Mitbewohner können in Form einer Hausstaubmilbenallergie erhebliche Beschwerden verursachen, die die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Eine rechtzeitige Diagnose und eine umfassende Therapie, die auf Generation“ geachtet werden, um Müdigkeit als Nebenwirkung zu minimieren.

| Immuntherapie: In Fällen, in denen auch ein allergischer Dauerschnupfen oder ein Asthma bronchiale bedingt durch die Hausstaubmilbenallergie vorliegt und andere Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine allergenspezifische Immuntherapie („Hyposensibilisierung“) in Erwägung gezogen werden. Dies beinhaltet die schrittweise Gewöhnung des Immunsystems an die Hausstaubmilbenallergene. Nach Indikationsstellung durch einen allergologisch tätigen Arzt kann die Hyposensibilisierung im Verlauf selbstständig zu Hause durchgeführt werden. Hierbei nimmt der Patient jeden Tag eine kleine Schmelztablette ein. Alternativ ist auch weiterhin die Gabe in Form von Spritzen unter die Haut in der Praxis möglich. Um eine möglichst hohe Symptomverbesserung zur erreichen, sollte die spezifische die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist, sind entscheidend, um die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern. Zur erfolgreichen Behandlung von Hausstaubmilbenallergien und der daraus resultierenden Symptome an Haut und Schleimhäuten ist die Zusammenarbeit mit einem Facharzt für Dermatologie und Allergologie zu empfehlen.

Foto: Priv.-Doz. Dr. med. Dieter Vieluf

Priv.-Doz. Dr. med. Dieter Vieluf, Facharzt für Dermatologie, Leitung Zentrum für Allergologie, Dermatologikum Hamburg, www.dermatologikum.de

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Dr. med. Philine Sophie Steffen, Fachärztin für Dermatologie, Dermatologikum Hamburg, www.dermatologikum.de

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