Beauty-Mythen: Fruchtsäure

19.06.2024
Fruchtsäurenkleckse

Mythos 1: Fruchtsäure ist nur für die unreine, zu Akne neigende Haut.

Die Wirkung von Fruchtsäure auf die Haut ist einfach zu erklären: Fruchtsäure dringt tiefer in die Haut ein als herkömmliche Peelings. Sie lockert den Zusammenhalt der abgestorbenen Hautschüppchen des Stratum corneum auf und sorgt so für eine schnellere Abtragung der abgestorbenen Hautzellen. Dies hat zur Folge, dass sich die Hautstruktur verbessert, die Hautfeuchtigkeits-Speicherkapazität erhöht wird und kommende Wirkstoffe viel besser von der Haut aufgenommen werden können. In der Dermis regt Fruchtsäure außerdem die Kollagenbildung der Haut an, was zu mehr Elastizität und einer Reduktion von Falten und Narben führt. Daher ist Fruchtsäure für jede Haut gut geeignet. Besonders in den Wintermonaten kann Fruchtsäure aufgrund der Erhöhung der Feuchtigkeits-Speicherkapazität hilfreich sein. Einzig bei Neurodermitis, sehr empfindlicher Haut, Ekzemen und Neigung zu Herpes simplex sollte kein Fruchtsäurepeeling durchgeführt werden.

Mythos 2: Danach bin ich krebsrot!

Fruchtsäurepeelings gibt es in unterschiedlichen Konzentrationen. Kosmetikerinnen dürfen mit Konzentrationen bis zu 60 Prozent arbeiten, Dermatologen sogar noch höher. Ausschlaggebend, ob eine Fruchtsäure wirkt beziehungsweise die Haut rötet, ist aber nicht nur die Konzentration, sondern auch der pH-Wert der Säure. Je mehr sie im sauren Bereich ist, desto intensiver ist ihre Wirkung, desto wahrscheinlicher sind aber auch Nebenwirkungen wie Hautreizungen. Ein Fruchtsäurepeeling wird niemals gleich mit höchster Konzentration durchgeführt. Diese wird von Behandlung zu Behandlung gesteigert, sodass sich die Haut an die Säure gewöhnen kann. Bei vielen Fruchtsäurepeelings kommt zum Stoppen der Wirkung eine so genannte Pufferlösung zum Einsatz. Diese wirkt wie ein pH-Wert-Neutralisator, sodass die Fruchtsäure mit Wasser abgenommen werden kann. Bei der Reaktion von Fruchtsäure und der Pufferlösung kommt es zu Wärme. Diese Wärme kann eine kurzfristige Rötung auf der Haut auslösen, die aber innerhalb von ein paar Minuten wieder verschwindet. Richtig angewendet wirkt das Hautbild nach einer Fruchtsäurebehandlung ebenmäßig, gut durchfeuchtet und nicht gerötet.

Mythos 3: Fruchtsäure = Zitronensäure

Alphahydroxysäuren (AHAs) umfassen eine Vielzahl von Säuren, die natürlichen Ursprungs sind. Zu den bekanntesten und meist verwendeten AHAs zählt Glycolsäure aus dem Zuckerrohr, Milchsäure, Apfel- und Zitronensäure. Aber auch Mandel- und Weinsäure wird verwendet. Je nach Hautbild und Behandlungsziel wird die passende Säure ausgewählt. Zitronensäure besitzt eine aufhellende Wirkung, welche bei Hyperpigmentierung gewünscht ist. Mandel- und Milchsäure sind für empfindlichere Häute gut geeignet, da sie sanfter wirken. Glycolsäure hat sich im Bereich Anti-Aging als sehr effektiv bewehrt.

Mythos 4: Fruchtsäure ist nur etwas für das Gesicht.

Diese positiven Ergebnisse lassen sich auch auf den gesamten Körper anwenden. Oft findet man mittlerweile Körpercremes, die einen Fruchtsäureanteil enthalten. Diese sind sehr gut geeignet für Körperregionen, die besonders verhornt sind, wie zum Beispiel Ellenbogen, Knie aber auch der Rückenbereich. Gut einzusetzen sind sie auch bei Männern, die oftmals an Brust und Rücken mit Pickeln zu kämpfen haben. Aber auch in der Fußpflege finden sich Cremes mit einem kleinen Anteil Fruchtsäure wieder. Sowohl bei Körper- als auch bei der Fußpflegecreme ist eine Kombination besonders gut geeignet: Fruchtsäure und Urea. Die Fruchtsäure sorgt für eine bessere Feuchtigkeits-Speicherkapazität, Urea ist wiederum ein natürlicher Feuchtigkeitsfaktor der Haut und kann so gut aufgenommen und langfristig gespeichert werden. Auch in der Kabine kann Fruchtsäure vielseitig angeboten werden. Ein besonderes Anti-Aging-Treatment wäre ein Fruchtsäurepeeling für die Hände. Eventuelle Altersflecken/Hyperpigmentierungen auf dem Handrücken können so gut behandelt werden. Die kollagenanregende Wirkung hat auch einen positiven Effekt auf die Elastizität der Haut.

Mythos 5: Nach ­einem Fruchtsäurepeeling ist die Haut offen.

Wie nach einer Mikrodermabrasion auch, ist die Haut nach einem Fruchtsäurepeeling nicht offen, sondern nur sehr stark gepeelt. Abgestorbene Hautzellen wurden gründlich entfernt und die „neue“ Haut wird sichtbar. Diese hat einen deutlich rosigeren Teint als die „alte“. Da die abgestorbenen Hautzellen einen gewissen Schutz aus Hornzellen gebildet haben, ist der Hauteigenschutz nach einer Fruchtsäure deutlich gesenkt. Deshalb sollte nach einem Fruchtsäurepeeling auch kein Sonnenbad oder Solariumbesuch durchgeführt werden. Nach einem Fruchtsäurepeeling sollte für die nächsten Tage auf einen ausreichenden Lichtschutzfaktor geachtet werden. Auch auf Wirkstoffe wie Retinol ist dringend zu verzichten. Bei einer Therapie mit dem Retinoid Tretinoin darf kein Fruchtsäurepeeling durchgeführt werden. Tretinoin wirkt stark keratolytisch, was zu starken Hautirritationen führen kann. In Kombination mit Fruchtsäure würde die schon geschwächte Haut noch stärker beansprucht und es würde zu einem verbrennungsähnlichen Zustand kommen. 

Foto: Julia Fessner

Julia Fessner

Die ausgebildete Kosmetikerin ist Inhaberin von "Beauty Atelier", Nidderau, www.beautyatelier-nidderau.de

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