Der unsichtbare Umsatzfaktor

24.03.2026
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Viele Kosmetikinstitute investieren Zeit, Mühe und Geld in Werbung, Social Media oder Aktionen, um Neukundinnen und -Kunden zu gewinnen. Gleichzeitig wird aber ein Instrument oft völlig unterschätzt, das täglich und dauerhaft wirkt – ganz ohne laufende Kosten: Die Rede ist von Bewertungen und Testimonials zufriedener Kundschaft. 

Bewertungen und Testimonials werden häufig in einen Topf geworfen. Dabei erfüllen Bewertungen und Testimonials unterschiedliche Aufgaben – und genau deshalb sollte keines von beiden vernachlässigt werden.

Der Unterschied zwischen Bewertung und Testimonial

Bewertungen sind öffentliche, meist kurze Einschätzungen von Kundinnen, zum Beispiel bei Google oder auf Buchungsplattformen. Sie entstehen häufig direkt nach einem Termin und dienen vor allem der Orientierung für neue Interessentinnen und Interessenten.
Testimonials hingegen sind gezielte, ausgewählte Kundenaussagen, die aktiv vom Institut genutzt werden – etwa auf der Website, in Social Media oder in Beratungsgesprächen.
Man könnte sagen, dass Bewertungen die Frage beantworten: „Ist dieses Institut vertrauenswürdig?“ Während Testimonials eine andere, ebenso wichtige Frage beantworten: „Ist dieses Institut genau richtig für mich und mein Problem?“

Warum Bewertungen wirtschaftlich so wirksam sind

Kosmetische Behandlungen sind Vertrauensleistungen mit Hautkontakt. Neue Kundinnen und Kunden können das Ergebnis vor dem ersten Termin nicht prüfen, sie verspüren also ein „empfundenes Kaufrisiko“. Stattdessen suchen sie nach Sicherheit, denn wer will schon Geld zum Fenster rauswerfen? 
Bewertungen liefern diese Sicherheit schnell, glaubwürdig und unabhängig von Ihrer eigenen Kommunikation.
Institute mit vielen aktuellen, authentischen Bewertungen werden häufiger angefragt, besser gefunden und eher gebucht. Gleichzeitig sinkt der Erklärungsaufwand beim Erstkontakt. Kundinnen und Kunden kommen informierter, entschlossener und oft mit höherer Zahlungsbereitschaft. Fehlen Bewertungen oder sind sie veraltet, entsteht Unsicherheit.
Interessierte Personen vergleichen weiter oder entscheiden sich für ein anderes Institut – oft ohne dass Sie es überhaupt bemerken. Testimonials machen Ihre Leistungen greifbar. Während Bewertungen vor allem Vertrauen schaffen, helfen Testimonials bei der Entscheidung. Sie zeigen konkret, was Kundinnen und Kunden erwartet: Ergebnisse, Abläufe, Veränderungen. Besonders wirksam sind Testimonials, die nicht nur loben, sondern ihren eigenen Weg nachvollziehbar beschreiben. Im Kern beantwortet ein gutes Testimonial drei Fragen:

  • Welches Problem hatte die Kundin oder der Kunde?
  • Was hat sich durch die Behandlung verändert?
  • Warum empfiehlt sie oder er das Institut weiter?

Solche Aussagen wirken stärker als jede Beschreibung von Leistungen. Sie ersetzen natürlich kein Fachwissen, aber sie übersetzen Ihr Angebot in echte Kundenerfahrungen und sorgen so für einen „Das-will-ich-auch “-Effekt. 

Warum Sie keines von beiden vernachlässigen sollten

Ein Institut mit vielen Bewertungen, aber ohne Testimonials wirkt zwar vertrauenswürdig, bleibt aber austauschbar. Man verfällt gern in eine Bewertungsschlacht, um mehr davon zu haben als das Studio um die Ecke. Umgekehrt wirken schöne Testimonials ohne aktuelle Bewertungen schnell konstruiert oder unglaubwürdig. Das heißt also: Die Mischung macht’s!
Bewertungen sorgen für Sichtbarkeit und Grundvertrauen. Testimonials sorgen für Profil, Positionierung und Entscheidungssicherheit. Erst das Zusammenspiel beider Elemente entfaltet die volle Marketing-Wirkung. 

Wie Sie schnell zu Bewertungen kommen

Viele Kundinnen und Kunden geben gern eine Bewertung ab – sie werden nur nicht gefragt. Der einfachste Weg ist daher, Bewertungen bewusst in den Ablauf des Kundentermins zu integrieren. Nach erfolgreichen Behandlungen, sichtbaren Ergebnissen und/oder positiven Rückmeldungen im Gespräch bietet sich eine kurze, freundliche Bitte an.
Wichtig ist dabei: einfach, konkret und ohne Druck. Je leichter Sie es machen, desto höher die Bereitschaft. Ein direkter Link oder ein klarer Hinweis reichen oft aus. Nutzen Sie dafür auch gern den Benjamin-Franklin-Effekt: „Darf ich Sie um einen Gefallen bitten?“ – Ihre Kundin wird froh sein, Ihnen helfen zu können. Gerade nach einem so tollen Behandlungserlebnis.

Wie Sie gezielt Testimonials aufbauen

Testimonials entstehen nicht zufällig, sie werden gezielt ausgewählt. Besonders geeignet sind langjährige Stammkundinnen und -kunden, Kundschaft mit sichtbaren Ergebnissen oder solche, die bereits von sich aus begeistert berichten. Statt um ein allgemeines Lob zu bitten, helfen konkrete Leitfragen. So entstehen authentische Aussagen mit echtem Nutzen – für zukünftige Kundschaft und für Ihre Positionierung.
Wir können zusammenfassend also festhalten, dass Bewertungen und Testimonials kein Zusatz zum Marketing sind, sondern ein absolutes MUSS und essenzieller Bestandteil für jedes Institut mit Wachstumswunsch. Praktisch ein stilles, aber äußerst wirksames Verkaufsteam. Sie schaffen Vertrauen, reduzieren Preisvergleiche und erhöhen die Abschlussquote neuer Kundschaft. Wer beide Instrumente bewusst einsetzt, gewinnt nicht nur mehr Anfragen, sondern auch bessere Kundschaft – und stärkt langfristig die wirtschaftliche Stabilität des Instituts.
Oder anders ausgedrückt: Kundinnen und Kunden, die für Sie sprechen, übernehmen einen Teil Ihres Marketings – dauerhaft, glaubwürdig und sehr kostengünstig.

Gut zu wissen

  • Das „empfundene Kaufrisiko“ (auch wahrgenommenes Kaufrisiko) bezeichnet in der Marketingpsychologie die Unsicherheit oder Angst eines Konsumenten, dass ein gekauftes Produkt oder eine Dienstleistung nicht die Erwartungen erfüllt oder negative Konsequenzen nach sich zieht.
  • Der Benjamin-Franklin-Effekt ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Personen andere sympathischer finden, nachdem sie ihnen einen Gefallen getan haben.
  • Ein „Das-will-ich-auch“-Effekt beschreibt das psychologische Phänomen, bei dem Menschen dazu neigen, Verhaltensweisen, Kaufentscheidungen oder Lebensstile zu übernehmen, die sie bei anderen (Nachbarn, Freunden, Influencern) beobachten. 
Foto: Thomas Pretschner

Thomas Pretschner

Der Betriebswirt und Fachkaufmann für Marketing arbeitet seit 2005 als Unternehmensberater, Dozent und Beauty Business Coach. www.thomas-pretschner.de

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