Es gibt kaum einen Beruf mit einem so negativen Image wie den der Kosmetikerin oder des Kosmetikers, gefördert durch stereotype Darstellungen in Talkshows, Realityshows und sozialen Medien. Der GLORIA AWARD – Deutscher Kosmetikpreis by BEAUTY FORUM hat zur Verbesserung des Berufsimages beigetragen, doch er wirkt als Tropfen auf dem heißen Stein. Es bedarf weiterer Anstrengungen, um dem Beruf die Anerkennung zu verschaffen, die ihm zusteht.
Warum ist der soziale Status dieses Berufs so schlecht? Zuerst einmal ist die Bezeichnung dieses Berufs nicht geschützt. Es gibt keine verbindlichen Ausbildungsrichtlinien. Klar haben die meisten staatlich anerkannten Kosmetikschulen meist einen ähnlichen Lehrplan. Um sich Kosmetikerin/Kosmetiker nennen zu dürfen, reicht allerdings schon eine Wochenendschulung per Fernkurs. Mit welchem Wissen geht man aus so einer Schulung? Meines Erachtens dürfte diese Bezeichnung nur getragen werden dürfen nach einer mindestens einjährigen Ausbildung an einer anerkannten Kosmetikschule mit entsprechender Abschlussprüfung. Mittlerweile kann man immerhin im zweiten Jahr eine „Meisterausbildung“ anhängen. Oft wird das Berufsbild in der Öffentlichkeit aus Unkenntnis nur auf das „Anmalen“ respektive Auftragen eines Make-ups reduziert.
Warum gibt es keine einheitlichen Ausbildungswege?
Die ein- oder zweijährige Ausbildung muss man in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlen. Allerdings gibt es Ausnahmen: Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Kosmetikausbildung bis zu 100 Prozent förderbar. Wobei „Ausbildung“ in dieser Branche ein dehnbarer Begriff ist.
Eine Fachkosmetikausbildung kann durch die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, das BAföG-Amt oder die Rentenversicherung bis zu 100 Prozent gefördert werden. Das bedeutet, dass unter bestimmten Voraussetzungen nichts bzw. nur wenig selbst gezahlt werden muss und die Kosten komplett bzw. teilweise übernommen werden.
Auch gibt es die Möglichkeit einer Lehre in einem Kosmetikinstitut. Es besteht das Risiko, dass diese Lehrlinge dann in der Berufsschule bei den Friseurlehrlingen sitzen, da es in der Regel keine eigene Abteilung für Kosmetik gibt.
Und last but not least ist es in der Tat so, dass so manche tatsächlich leicht zu einer Ausbildung kommen können und in 10 Tagen auf dem Papier einen abgeschlossenen Beruf haben, sich Fachkosmetikerin/Fachkosmetiker nennen dürfen, sofern die Förderbedingungen stimmen oder die Eltern das entsprechende Kleingeld haben. Billig sind diese „Schulungen“ nämlich nicht. Und man kann sich danach einfach selbstständig machen. Oft überleben solche Studios das erste Jahr nicht, und das Berufsbild wird leider noch mehr beschädigt und Vorurteile werden bestätigt.
Was bedeutet Kosmetik?
Das Wort Kosmetik ist griechischen
Ursprungs: „kosméo“ bedeutet etwa „ordnen“ oder „schmücken“. Auch „Kosmos“ – übrigens das Gegenteil von „Chaos“ – entstammt dem altgriechischen kosméo. Kosmetik in diesem Wortsinn gibt es tatsächlich schon immer. Man nimmt an, dass die Wiege der Kosmetik im Alten Ägypten (4000 v. Chr.) stand. Die Ägypter stellten aus Ölen und Wachsen Salben her, die das Austrocknen der Haut verhindern sollten. Sie verwendeten auch Honig und Milch, Heilerde und Kleie. Das Bedürfnis, sich zu schmücken und optisch aufzuwerten, ist sicher so alt wie die Menschheit. Das sollen beispielsweise Funde von Muschelschalen in der spanischen Provinz Murcia bezeugen, die dem Neandertaler schon vor 50.000 Jahren als „Anrührbecher“ für Farbpigmente dienten.
Oft wird der Beruf sehr vereinfacht so beschrieben: „Kosmetikerinnen/Kosmetiker beraten und behandeln im Bereich der Schönheitspflege. Sie analysieren Hauttypen, sind für die Reinigung und Pflege der Haut zuständig, führen beruhigende Massagen durch, machen Maniküren und Pediküren und tragen Make-up auf.“
Der Beruf der Kosmetikerin oder des Kosmetikers ist so viel mehr. Für die Besten der Branche ist es eine Berufung. Und nur so funktioniert Erfolg.
Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
Gute Voraussetzungen sind ein umfangreiches Fachwissen in der Dermatologie, Allgemeinwissen, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Teamfähigkeit, Grundkenntnisse der Betriebswirtschaft und Teamführung bei Selbstständigkeit, ein gutes Gespür für effektive Pflegeserien und Behandlungen. Hohe Hygienestandards, Verantwortungsbewusstsein und ein Auge für Ambiente. Und ganz wichtig: Persönlichkeit. Damit meine ich ein verbindliches, aber unaufdringliches freundliches Auftreten und Authentizität. Besonders Kunden mit Hautproblemen möchten Kompetenz und Sicherheit und sich aufgehoben fühlen. Dafür sind die Neugier und die Lust, sich stets weiterzubilden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben, unerlässlich.
Das alles sind Erfolgsgarantien, die teilweise erlernbar sind, teilweise nicht. Die Bereitschaft zur Dienstleistung, ohne zu Kreuze zu kriechen, kann man meines Erachtens nicht lernen, wenn es authentisch sein soll. Ebenso wenig wie einen natürlichen, freundlichen Umgang mit Menschen. Das sind Soft Skills, die den Umgang in einem Team und der Gesellschaft allgemein enorm erleichtern, aber nur wenn sie natürlicherweise zur Persönlichkeit gehören. Gefakte, manipulative, kalkulierte Freundlichkeit wird meist schnell von Menschen entlarvt. Der Beruf erfordert auch einiges an Wissen aus anderen Bereichen, beispielsweise der Psychologie, Lebens- und Beziehungsberatung, Kindererziehung, Tierhaltung, Musik, Kultur und anderem. Wer nicht gern über die Belange des Lebens kommuniziert, ist für mich in dieser Branche fehl am Platz.
Ich beobachte, dass auch viele Hautärzte in den vergangenen Jahren den Nutzen von Kooperationen mit der Kosmetik erkannt haben, und diese Kom-
bination gibt es erfreulicherweise inzwischen öfter. Vor 20 Jahren war es noch eine Seltenheit. Mein Team und ich haben das Glück, mit den Ärzten einer der größten Hautarztpraxen in Deutschland im gleichen Haus zu arbeiten. Der Nutzen für die Patientinnen und Patienten/Kundschaft durch diese Synergie ist immens groß: Diagnose/Medikation/medizinische und kosmetische Behandlungen und ergänzende Beratung plus Hautpflege. Die berufssrechtlichen Vorschriften für Ärzte müssen dabei selbstverständich beachtet werden. Diesen Rundumservice kann es aber nur geben, wenn die dermatologische Praxis und Kosmetikerinnen und Kosmetiker auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Dazu gehören auch regelmäßige gegenseitige
Fortbildungen und Informationsaustausch.
Was spricht für standardisierte Ausbildungswege?
Der Beruf der Kosmetikerin/des Kosmetikers ist somit alles andere als anspruchslos und sollte eine Berufung sein, der man sich mit dem Herzen verschrieben hat. Es ist meiner Meinung nach einer der Berufe, der ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein für die Menschen, die sich uns mit ihren Hautproblemen anvertrauen, voraussetzt und sehr ernst genommen werden sollte. Genau aus diesem Grund ist es meiner Ansicht nach unbedingt notwendig, die Ausbildungskriterien zu standardisieren. Warum das immer noch nicht passiert ist und es keiner auf die Reihe bekommt, ist mir, lapidar gesagt, schleierhaft. Dazu bedarf es einer intensiven Extrarecherche.
Hinweis
Dieser Artikel spiegelt eine persönliche Meinung aus jahrelanger Berufserfahrung wider und erhebt keinen Anspruch auf Lückenlosigkeit und/
oder wissenschaftliche/rechtliche
Grundlagen.
Christine Koeth
Die Autorin hat 1981 ihren Abschluss als staatlich anerkannte Kosmetikerin gemacht und war sechs Jahre als Kosmetikerin und Arzthelferin in einer dermatologischen Facharztpraxis tätig. Seit 2007 arbeitet sie bei der Procutis Kosmetik GmbH und übernahm 2011 die Leitung des Instituts mit einem Team aus mittlerweile elf Kosmetikerinnen. Zudem wurde sie mit dem Preis als „Beste Kosmetikerin Deutschlands 2013“ in der Kategorie „Spezialisierte Institute“ ausgezeichnet.