In dieser Serie sprechen wir über die sozialen Medien und welchen relevanten Themen man als Kosmetikinstitut gegenübersteht. Unsere Expertin Tanja M. Copertino weiß, wie die einzelnen Plattformen funktionieren und worauf es zu achten gilt.
Sie posten regelmäßig, geben sich Mühe mit den Texten, achten auf schöne Bilder und trotzdem passiert … nichts? Willkommen im Club. Das erleben viele Kosmetikerinnen. Der Grund liegt meist nicht daran, dass sie es „falsch machen“, sondern dass sie unbewusst in Reichweitenfallen tappen, die ihre Sichtbarkeit blockieren.
Denn Social Media ist kein Werbemedium – zumindest nicht, solange kein Werbebudget dahintersteht. Und genau hier liegt der häufigste Denkfehler: Es wird gepostet wie in einer Anzeige. Produktbilder, neutrale Texte, allgemeine Aussagen, vielleicht noch der Satz „Jetzt buchen“. Das klingt nach Werbung – und das fühlt sich wie Werbung an. Und genau das führt dazu, dass Beiträge untergehen.
Social Media lebt nicht von Marketingtexten, sondern von Mensch-zu-Mensch-Kommunikation. Es geht nicht darum, zu erklären, was Sie anbieten – sondern warum es jemanden interessieren sollte. Sobald das fehlt, springt der Algorithmus ab – und die Kundschaft auch.
Reichweitenkiller
Was auf Instagram die Reichweite bremst? Ganz klar: Hashtags, die keiner sucht (#beautyqueen), Reels ohne Aussage oder ohne Untertitel (denn viele schauen ohne Ton), Storys ohne Interaktion, künstlich wirkende Bilder – oder reine Produktfotos ohne Zusammenhang. All das rauscht einfach durch den Feed. Weil es niemanden wirklich berührt.
Und auf Facebook? Dort wirken Linkposts ohne eigene Worte wie Spam, geteilte Beiträge ohne Kontext wie Copy-Paste-Werbung. Wer auf Kommentare nicht reagiert, wird vom System als „inaktiv“ eingestuft. Seiten ohne Impressum, Profile ohne persönliche Note oder Inhalte, die ausschließlich verkaufen wollen – all das wird abgestraft. Und die Folge ist: Ihre Beiträge erreichen kaum noch jemanden.
Doch der größte Reichweitenkiller ist oft nicht die Technik – sondern der fehlende emotionale Zugang. Viele Postings sprechen das Herz der Follower nicht an. Sie erklären kein Problem. Sie geben keine Lösung. Sie klingen wie aus dem Katalog kopiert. Aber Social Media ist kein Katalog. Es ist ein Gespräch.
Storytelling ist wichtig
Stellen Sie sich vor, Ihre beste Freundin fragt Sie um Rat: „Meine Haut ist im Winter immer so trocken – was kann ich tun?“ Sie würden nicht antworten: „Unsere neue Hyaluroncreme mit 24-Stunden-Formel spendet Feuchtigkeit und schützt die Hautbarriere.“ Sondern vielleicht so: „Ich hatte gestern eine Kundin, die genau das Gleiche erzählt hat. Ich hab ihr eine leichte Pflege mit Hyaluron empfohlen, die sofort einzieht und keinen Fettfilm hinterlässt – heute hat sie mir geschrieben, wie weich sich ihre Haut anfühlt.“ Das ist Storytelling. Das ist echt. Und das funktioniert.
Wer Social Media versteht, stellt sich nicht mehr die Frage: „Was will ich posten?“, sondern: „Was beschäftigt meine Kundin gerade – und wie kann ich ihr helfen?“ Und wenn Sie dann auch noch eine klare Hook nutzen– einen Einstieg, der ein echtes Problem benennt – dann bleiben Menschen stehen. Und wenn sie stehen bleiben, lesen sie. Und wenn sie lesen, vertrauen sie. Und genau das bringt Reichweite.
Tanja M. Copertino
ist Social-Media-Profi für die Beauty-
Branche, Kosmetikerin, Make-up- Profi, Keynote Speakerin, Buchautorin. Facebook und Instagram: Tanja Copertino. www.tanjacopertino.de