Unreine Haut ist ein Thema, das alle Altersschichten betreffen kann. Hormone, Ernährung, falsche Pflege und Umweltfaktoren spielen eine Rolle - aber auch Stress ist ein Faktor, der nicht unterschätzt werden sollte. Wir geben Tipps, wie Sie Stress und stressbedingter Haut entgegenwirken können.
Geht es der mentalen Gesundheit schlecht, spiegelt sich dies oft auf der Haut wider und umgekehrt. Im Falle einer zu Unreinheiten neigenden Haut kann Stress eine deutliche Verschlechterung des Hautbilds auslösen. Dies hat den Hintergrund, dass Stress die Ausschüttung des Hormons Kortisol zur Folge hat. Kortisol, auch bekannt als Stresshormon, erhöht die Talgproduktion, was zu verstopften Poren, Entzündungen und Pusteln führen kann. Stress wiederum hat auch Auswirkungen auf die Ernährung und den Schlaf. In Stresssituationen greifen wir automatisch eher zu zuckerhaltigen oder fertig verarbeiteten Essen, da es Dopamin (das Glückshormon) stimuliert. Gleichzeitig steigt der Insulinspiegel; dieser erhöht den Wachstumsfaktor IGF-1 (Insulin- Like Growth Factor 1), der die Talgdrüsen aktiviert und verantwortlich für Entzündungsprozesse ist. Zuckerreiche Nahrungsmittel verändern auch das Haut- und Darmmikrobiom, sodass entzündliche Bakterien entstehen, die Pusteln verschlimmern. So entsteht eine Art Teufelskreis.
Auch bei Schlafmangel wird Kortisol ausgeschüttet, und die Wahrscheinlichkeit einer Verschlimmerung der Haut steigt. Oft ist genau dieser Prozess zum Beispiel bei Teenagern in Prüfungsphasen oder Erwachsenen in stressigen Berufsphasen zu beobachten. Im umgekehrten Fall kann sich die Haut in „Ruhephasen“ wie beispielsweise in den Ferien oder im Urlaub deutlich verbessern.
„Stresspickel“ sind atypisch zu den normalen Pusteln. Sie sind rötlich und geschwollen, mehr als punktuelle Papeln sichtbar und äußern sich durch Juckreiz oder Spannen. Sehr oft treten sie am Kinn und der Stirn auf. Dies ist oft auch dem geschuldet, dass man sich unbewusst in Stresssituationen an Kinn und Stirn mit den (unsauberen) Händen fasst. Auch das Dekolleté und der Rücken können betroffen sein. Bei Teenagern sind die Schläfen und oberen Wangen häufig betroffen. Dies kann auch durch Kopf abstützen mit der Hand in der Schule begünstigt werden.
Abhilfe im Institut
Abhilfe können hier talgregulierende/talghemmende Wirkstoffe wie Zink oder Mönchspfeffer sein. Auch Produkte mit Niacinamid eignen sich sehr gut, da sie zum einen die Talgproduktion senken, entzündungshemmend sind und zum anderen die Hautbarriere stärken.
Im Akutfall eignen sich auch Produkte mit Salicylsäure (BHA), da sie eine porenklärende Wirkung besitzt. Verstopfte Poren werden so gereinigt, und der überschüssige Talg kann wieder besser abfließen. Zeitgleich sollte auf stressabbauende Maßnahmen wie Sport, Meditation oder Yoga gesetzt werde.
Ernährungstipps
Eine gesunde Ernährung mit wenig Zucker und Weißmehlprodukten kann unreine Haut ebenfalls positiv beeinflussen. Der Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel, ebenso auf Milch/Milchprodukte wirkt Entzündungsprozessen entgegen und fördert eine gesunde Haut.
Obst und Gemüse ist reich an wichtigen Antioxidantien und Vitaminen, so werden oxidative Schäden und die damit verbundenen Entzündungsprozesse reduziert.
Vollkornprodukte regulieren den Blutzuckerspiegel und damit auch die IGF-1-Bildung. Ebenso wichtig ist, dass die Darmflora intakt ist. Probiotische Lebensmittel wie Joghurt oder Kefir stabilisieren diese.
Auf Kaffee, Energy-Drinks oder koffeinhaltige Limonaden ist in zweier-
lei Hinsicht zu verzichten. Zum einen sind diese meist sehr zuckerreich und zum anderen fördern sie die Schlafproblematik, da sie die Müdigkeit unterdrücken.
Tipps für gesunden Schlaf
Spezielle Abendrituale können zu einem gesunden Schlaf führen und die Ein- und Durchschlafphase fördern. Der Verzicht auf Blue-Light -Strahlung (PC, Handy, Tablet) circa zwei Stunden vor dem Schlafengehen ist auch sehr wichtig.
Blue-Light-Strahlung hemmt die Melatoninproduktion und erschwert so das Einschlafen durch fehlende Müdigkeit. Auch das abendliche Scrollen im Bett mit dem Handy durch soziale Netzwerke kann geistige Wachheit fördern und den Körper indirekt unter Stress setzen. Alternativ können spezielle Podcasts oder Hörbücher zum Einschlafen genutzt werden.
Begleiterscheinungen gestresster Haut
Eine gestresste Haut kann auch weitere Begleiterscheinungen haben. So können mangelnde Leuchtkraft (fahler Teint), Feuchtigkeitsdefizite und vermehrte Faltenbildung vorkommen.
Bewährte Behandlungsmöglichkeiten im Institut sind unter anderem Fruchtsäurepeelings. Sie wirken hautbildverfeinernd, talgregulierend und erhöhen die Aufnahme von Feuchtigkeit in der Haut. Die Hautregeneration wird aktiv angeregt, und eine deutliche Verbesserung der Haut ist die Folge.
In Kombination mit Ultraschall oder Mesoporation lassen sich Wirkstoffe in tiefere Hautschichten einschleusen, was eine intensivere Wirkung mit sich bringt. Behandlungen mit kaltem Plasma kön-
nen den Lymphfluss anregen, wirken antimikrobiell und stimulieren die Fibroplasten zur Hautneubildung, was einen schnelleren Hautregenerationsprozess zur Folge hat. Durch die Anregung des Lymphflusses werden Schlackenstoffe der Haut, die Entzündungen fördern können, schneller abtransportiert. Es empfiehlt sich pro Woche eine Behandlung mit kaltem Plasma und alle vier Wochen ein Fruchtstäurepeeling.
Julia Fessner
Die Autorin ist ausgebildete Kosmetikerin und Inhaberin von „Beauty Atelier“ in Nidderau. www.beautyatelier-nidderau.de