Exosomen in der Dermokosmetik

21.05.2026
Foto: Kotin/Shutterstock.com

Exosomen gelten aktuell als einer der spannendsten Ansätze in der modernen Dermokosmetik. ­
Aus der medizinischen Forschung kommend, halten sie zunehmend Einzug in kosmetische  Behandlungskonzepte. Vor allem die Fähigkeit, zelluläre Kommunikationsprozesse zu modulieren, macht Exosomen zu einem vielversprechenden Ansatz in der Unterstützung der Hautregeneration und im Umgang mit unterschiedlichen Narbenformen. 

Exosomen können aus menschlichen, tierischen und pflanzlichen Quellen gewonnen werden. In Deutschland (oder der EU) werden Im medizinischen Bereich Exosomen vor allem aus körpereigenem Material (autolog) oder aus pflanzlichen Quellen eingesetzt. Für kosmetische An-wendungen dürfen in der EU ausschließlich pflanzliche Exosomen eingesetzt werden, die ebenfalls antioxidative, entzündungshemmende und regenerative Eigenschaften aufweisen.

Was sind Exosomen genau?

Exosomen (oder auch Small Extracellular Vesicle – SEVs) sind per Definition winzig kleine Vesikel (circa 30–150 Nanometer große Bläschen), die im Vergleich deutlich kleiner sind als eine Hautpore. Sie werden von den Zellen freigesetzt und dienen der Signalübertragung zwischen den Zellen, also der Zellkommunikation. Über diese Kommunikation können Exosomen biologische Informationen übertragen, die wiederum Regenerationsprozesse aktivieren oder modulieren können. Sie enthalten zudem bioaktive Moleküle wie Proteine, Lipide, RNA und Wachstumsfaktoren und unterstützen so Reparatur-mechanismen, Entzündungshemmung und Hauterneuerung. Zudem können sie Wirkstoffe effizienter in die Haut transportieren (natürliche bioaktive Transporter).
Stammzellen aus bestimmten Pflanzen haben eine sehr hohe Konzen-tration an Exosomen: bis zu 1011 Exosomen pro Milliliter. Und interessanterweise sind pflanzliche Exosomen stark biokompatibel: Sie können auch von menschlichen Zellen aufgenommen werden und mit ihnen kommunizieren, was ein großes Potenzial für kosmetische Anwendungen birgt. Verfügbar sind exosomale Wirkstoffe aus unterschiedlichen Pflanzen (unter anderem Goji, Weintraube, Granatapfel) und auch mikroalgenbasiert. Exosomen aus Mikroalgen zeichnen sich durch ihren hohen Gehalt an antioxidativen und regenerativen Molekülen sowie ihre nachhaltige, reproduzierbare Gewinnung aus.

Neue Möglichkeiten in Dermatologie und Kosmetik 

Für die Dermatologie, aber auch für die professionelle Kosmetik eröffnen Exosomen eine neue Dimension wirksamer, hoch entwickelter Re-generationsbehandlungen, die schonend, sicher und zugleich wissenschaftlich fundiert sind. Kosmetische Anwendungen mit Exosomen können die Haut auf mehreren Ebenen beeinflussen:

  • bei der Haarregeneration: Exosomen aus der Curcuma-Pflanze zielen beispielsweise auf die Aktivierung der Haarfollikel und die Förderung des Haarwachstums ab. Sie helfen, die Zellen in der Kopfhaut zu aktivieren und die Haarwurzel zu stärken.
  • für eine verbesserte Barrierefunktion: Goji-Exosomen können unter anderem die Produktion von Schutzgenen (zum Beispiel Loricrin) hochregulieren, die für die Barrierefunktion der Haut wichtig sind und somit Feuchtigkeitsverlust mindern.
  • bei Hyperpigmentierungen: Erste wissenschaftliche Ergebnisse deuten darauf hin, dass Exosomen die Melaninbildung auf verschiedenen Ebenen beeinflussen können. So zeigen frühe Studien, dass sie entzündungsbedingte Signalkas-kaden modulieren, mit Melanozyten kommunizieren und Prozesse steuern, die an der Pigmentproduktion beteiligt sind. Die Forschung steht hier noch am Anfang, doch die  bisherigen Erkenntnisse machen Exosomen zu einem vielversprechenden Ansatz bei pigmentbedingten Hautzuständen.

Großes Potenzial bei der
Narbenbehandlung

Allem voraus jedoch zeigt sich ein großes Potenzial der exosomalen Wirkstoffe in der Narbenbehandlung sowie bei der dermatologischen und kosmetischen Hautregeneration (Anti-Aging).
Narbenbehandlung: Exosomen haben sich in der dermatologischen Forschung vor allem im Bereich der Wundheilung und Narbenbildung als vielversprechend erwiesen. Narben entstehen, wenn Hautverletzungen bis in die Dermis reichen, sie stellen eine Art „faserreiches Ersatzgewebe“ dar. Exosomen können im Narbenprozess auf verschiedenen Ebenen unterstützend wirken. 
Nach einer Hautverletzung laufen komplexe Reparaturmechanismen ab: Unter anderem wird der Wachstumsfaktor VEGF-A vermehrt aus-geschüttet. Dieser zieht Repara­-
turzellen an, fördert die Neubil-
dung von Blutgefäßen sowie Gewebe und unterstützt das Schließen der Wunde.
Exosomen können diese natürlichen Abläufe begleiten, indem sie die Kommunikation zwischen Reparaturzellen verbessern und die Aktivität der Fibroblasten unterstützen. Dadurch kann die extrazelluläre Ma-trix – mit ihren Kollagen- und Elastinfasern – geordneter aufgebaut werden, was die Narbenentwicklung positiv beeinflussen kann.

Natürliche Booster für die Hautregeneration

Mit zunehmendem Alter nimmt die Anzahl und Qualität der kollage-
nen und elastischen Fasern ab, gleichzeitig verlangsamt sich die Zellkommunikation, und entzündliche Mikroprozesse („Inflammaging“) nehmen zu. Die Folgen sind Faltenbildung sowie Veränderungen in Festigkeit, Glätte und Textur der Haut.
Exosomen können hier an unterschiedlichen Punkten ansetzen: Sie verbessern die Kommunikation zwischen den Hautzellen, modulieren Entzündungsreaktionen und unterstützen die Regenerationsfähigkeit der Fibroblasten. Dadurch können Reparaturprozesse angestoßen und sichtbare Zeichen der Hautalterung positiv beeinflusst werden.
Pflanzliche Exosomen – etwa aus Goji oder Weintraube – transportieren bioaktive Moleküle, die die Hautzellen gezielt erreichen können. Sie stimulieren die Bildung wichtiger Matrixkomponenten wie Kollagen und Elastin und stärken die Hautbarriere, was zu einer festeren, glatteren und widerstandsfähigeren Haut beiträgt.
Auch mikroalgenbasierte Exosomen zeigen in ersten Untersuchungen ein breites regeneratives Potenzial. Sie können Signalwege beeinflussen, die mit zentralen Regenerationsfaktoren wie FGF-2 (Fibroblast Growth Factor 2) verbunden sind – einem Wachstumsfaktor, der für die Vitalität der Fibroblasten und den strukturellen Aufbau der Haut essenziell ist. Solche Mechanismen helfen, oxidativen Stress zu reduzieren und die Haut in ihren natürlichen Erneuerungsprozessen zu unterstützen.
Exosomen gelten als natürliche Regenerations-Booster, die Prozesse der Wundheilung und Hauterneuerung auf verschiedenen Ebenen gezielt unterstützen können.

Einsatz in der Dermatologie

In dermatologischen Praxen kommen sie vor allem dort zum Einsatz, wo die Regeneration der Haut gestärkt werden soll. Insbesondere nach Laser-behandlungen oder medizinischem Microneedling können Exosomen die natürlichen Reparaturprozesse begleiten, Entzündungsreaktionen modulieren und sogar die Ausfallzeit reduzieren.

Einsatz in der Kosmetik

Auch in der Kosmetik werden Exo-somen zunehmend genutzt. Häufig kommen sie im Rahmen professioneller Behandlungen zum Einsatz – etwa in Kombination mit kosme-
tischem Microneedling oder, je nach Konzept, auch Ultraschall. 
Besonders im Rahmen von Microneedling-Kurbehandlungen zeigen Exosomen in der kosmetischen Praxis großes Potenzial. Wie bei allen regenerativen Anwendungen benötigen auch exosomenunterstützte Behandlungen Zeit, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Häufig werden drei bis sechs Sitzungen im Abstand von drei bis vier Wochen empfohlen. 
Erste Verbesserungen wie ein verfeinertes Hautbild oder mehr Ausstrahlung können bereits nach ein bis zwei Wochen sichtbar sein; tiefere regenerative Effekte wie gesteigerte Festigkeit oder eine glattere Hautstruktur entwickeln sich hingegen über mehrere Wochen hinweg.
Für die Heimpflege stehen exosomenhaltige Seren und Cremes zur Verfügung, die die professionelle Behandlung ergänzen. Topisch angewendet können Exosomen die epidermale Regeneration unterstützen, oxidativen Stress reduzieren und die Hautbarriere stärken.
Beobachtungen aus Praxis und Forschung zeigen, dass die Effekte besonders ausgeprägt sind, wenn Exosomen als Teil eines umfassenden Behandlungskonzeptes eingesetzt werden – also in Kombination aus professioneller Therapie (dermatologisch oder kosmetisch) und einer begleitenden Heimpflege.
Die stärksten Effekte wurden jedoch beobachtet, wenn Exosomen im Zusammenspiel mit professionellen Treatments eingesetzt werden – etwa in Kombination mit kosme-tischem oder medizinischem Microneedling. Besonders überzeugend sind die Ergebnisse dabei im Rahmen einer Behandlungskur.

Foto: Dr. med. Christine Schrammek-Drusio

Dr. med. Christine ­Schrammek-Drusio 
Die Geschäftsführerin der Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik GmbH & Co. KG ist Dermatologin und Allergologin. Als Anti-Aging-Expertin entwickelt sie Behandlungsmethoden, unter anderem die Kräuter-schälkur „Green Peel“, und dermatologische -Pflegeprodukte. 

Christina Drusio

Christina Drusio 
Die Autorin ist Teil der Inhaberfamilie und Mitglied der Geschäftsführung der Dr. med. Christine Schrammek Kosmetik GmbH. Sie ist Fachärztin für Dermatologie und als Expertin zum Thema Haut eine geschätzte Referentin bei internationalen Vorträgen und Seminaren.

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