Abnehmspritze und Ästhetik: 
Wann Gewichtsverlust Konturen fordert

12.06.2026
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Interview mit Dr. med. Michaela Montanari

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Dr. med Michaela Montanari

Fachärztin für Plstische und Ästhetische Chirurgie mit Privatpraxis in Bochum und Präsidenrin der DGÄPC, www.dgaepc.de

Wie hoch ist der Anteil von Patientinnen und Patienten mit GLP-1-Therapie?
Dr. med. Michaela Montanari: Wir sehen zunehmend Patientinnen und Patienten nach medikamentös unterstütztem Gewichtsverlust. Die DGÄPC-Statistik 2025 bestätigt diesen Trend: Körperstraffende Operationen sind gestiegen, auch Faceliftings nahmen von 2024 auf 2025 deutlich zu. Zudem zeigt eine interne Umfrage unter unseren Mitgliedern ebenfalls die steigende Nachfrage nach Straffungs- und Kontureingriffen nach GLP-1. 

Welche ästhetischen Veränderungen beobachten Sie?
Die Veränderungen resultieren vor allem aus dem stark beschleunigten Gewichtsverlust: Volumenreduktion im Gesicht, verminderte Gewebespannung und Hautüberschüsse am Körper. Gerne werden hier auch Begrifflichkeiten wie „Ozempic Face“ oder Ozempic Body“ erwähnt. Minimalinvasive Verfahren reichen hier nicht immer aus, vor allem bei Gewichtsreduktionen von 20 Kilogramm und deutlich mehr. Besonders betroffen sind Gesicht, Abdomen und Oberarme – klassische Regionen, in denen Straffungs- oder Rekonstruktionsmaßnahmen erwogen werden.

Wie beeinflusst die Therapie ästhetische Eingriffe?
Die zentrale Variable ist die Gewichtsstabilität. Chirurgische Korrekturen während einer aktiven Gewichtsabnahme bergen das Risiko nachträglicher Gewebeveränderungen, die das Ergebnis verändern können. Aus chirurgischer Sicht ist daher eine stabile Phase essenziell, um verlässliche Konturen zu planen. Grenzen ergeben sich vor allem bei stark reduzierter Hautelastizität. Minimalinvasive Verfahren stoßen hier häufig an ihre physiologischen Limits. In diesen Fällen ist eine chirurgische Straffung die einzige Methode, um funktionell und ästhetisch zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. 

Welche medizinischen Aspekte sind zu beachten?
Nach raschem Gewichtsverlust beobachten wir Veränderungen der Fettkompartimente, verminderte Gewebestabilität sowie potenziell reduzierte regenerative Reserven. Für operative Eingriffe sind daher Ernährungsstatus, Proteinversorgung und Mikronährstofflage auch entscheidend. Und es sollte der Patientin oder dem Patienten immer klar sein, dass ein Jo-Jo-Effekt unbedingt vermieden werden sollte.

Welche Empfehlungen geben Sie Patientinnen und Patienten?
Zunächst ist vollständige Transparenz im ärztlichen Gespräch essenziell. Dosierung, Einnahmedauer und Nebenwirkungen müssen bekannt sein, um eine sichere Planung zu ermöglichen. 
Darüber hinaus empfehle ich, operative Eingriffe idealerweise in einer Phase stabilen Gewichts durchzuführen. Gleichzeitig sollte die Behandlungsstrategie individualisiert erfolgen: Nicht jeder Volumenverlust erfordert Filler, nicht jeder Hautüberschuss sofort eine Operation. Häufig ist ein stufenweises Konzept sinnvoll, das Gewebequalität, Kontur und Langzeitstabilität berücksichtigt.

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