Organe und Haut: Die Lunge im Fokus

06.05.2026
Foto: SewCreamStudio/Shutterstock.com

Viele Hautfragen hängen eng mit Organfunktionen zusammen. Diese Serie bietet einen ­professionellen, kompakten Einstieg in die wichtigsten Organsysteme des Menschen und ihre Relevanz für Hautgesundheit, Hautpflege und ästhetische Anwendungen. Vertiefen Sie Ihr ­Wissen über den menschlichen Körper und nutzen Sie es in der Kabine.

Die Lunge ist ein zentrales Organ für die Sauerstoffversorgung des Körpers. Sie besteht aus zwei Lungenflügeln, die von feinen Bronchien durchzogen sind, an deren Enden sich die Lungenbläschen befinden. In diesen findet der Gasaustausch statt. So gelangt Sauerstoff ins Blut, Kohlendioxid wird abgeatmet. Eine gesunde Lungenfunktion sorgt für eine gute Sauerstoffversorgung – entscheidend für den Zellstoffwechsel, die Hautregeneration und die Durchblutung. Bei eingeschränkter Lungenfunktion zeigen sich oft deutliche Hautveränderungen.

Hautveränderungen bei Lungenerkrankungen

COPD: fahle Haut, Blaufärbung an Lippen und Nägeln durch Sauerstoffmangel
Asthma bronchiale: häufig trockene, empfindliche Haut, neurodermitisähnliche Erscheinungen
Lungenfibrose: verdickte Fingerkuppen („Trommelschlägelfinger“), bläuliche Hautpartien
Lungenkrebs: paraneoplastische Hautzeichen wie Acanthosis nigricans oder Juckreiz

Medikamente und ihre Hautauswirkungen

Kortison: dünne Haut, Neigung zu Einrissen, Akne
Beta-2-Sympathomimetika: Hautausschläge, Juckreiz
Antibiotika: allergische Reaktionen, Urtikaria, Lichtempfindlichkeit
Immunsuppressiva: Infektanfälligkeit, verzögerte Wundheilung

Wichtige Hinweise für die kosmetische Behandlung

Anamnese: Lungenkrankheiten und Medikamente vor Behandlungsbeginn dokumentieren. Bei unklaren Hautveränderungen ärztliche Abklärung empfehlen.
Behandlungsauswahl: auf ätherische Öle/reizende Dämpfe verzichten, keine einengenden festen Masken etc. 
Hygiene: Bei akutem Infekt keine Behandlung durchführen.
Individuelle Pflege: Hautpflege auf Trockenheit, Juckreiz oder Hautdünnung abstimmen.
Allergene vermeiden: Duftstoffe, Konservierungsmittel oder reizende Substanzen können Reaktionen auslösen.

Besonders wichtig: die richtige Lagerung

Falsche Lagerung kann Atemnot auslösen. Der Kopf darf nicht zu tief liegen, da das die Atmung einschränkt. Ideal ist eine halb aufrechte Position mit erhöhtem Oberkörper. Auch der Brustbereich sollte nicht eingeschnürt sein – keine engen Decken oder Tücher verwenden. 
Behandlungen sollten nicht zu lange dauern; regelmäßige Pausen sind sinnvoll. Die Kundin oder der Kunde sollte jederzeit äußern dürfen, wenn sie oder er sich unwohl fühlt. 

Bei Hustenanfällen: aufrichten, ruhig sprechen, ggf. Spray bereitstellen lassen 

Im Notfall

Kundin oder Kunden fragen, ob sie oder er ein Asthmaspray oder Notfallmedikament bei sich trägt.
Im Notfall darf die Kundschaft dieses selbstständig anwenden – die Kosmetikerin oder der Kosmetiker darf es nicht verabreichen, aber darauf hinweisen.

Bei Atemnot 

  • Behandlung sofort unterbrechen
  • Oberkörper aufrichten, Kleidung lockern
  • Frischluft zuführen, Fenster öffnen
  • ruhig mit der Kundschaft sprechen, keine Panik übertragen
  • 112 rufen

Quellen:
Braun-Falco‘s Dermatologie, Venerologie und Allergologie – Springer Verlag
COPD-Leitlinie DGP – https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-003
Deutsche Atemwegsliga e. V. – www.atemwegsliga.de https://www.atemwegsliga.de/
Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) – www.derma.de
Lungeninformationsdienst Helmholtz München – www.lungeninformationsdienst.de
Rote Liste Arzneimittel – www.rote-liste.de

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Rose Steffen
Die Kosmetikerin und Heilpraktikerin ist Education Manager bei der Baga Bildungsakademie für Gesundheit & Aesthetik. www.baga-bildungsakademie.de 

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