Eine solide Aus- und Weiterbildung ist immer die Grundlage, um erfolgreich zu werden. Im Kosmetikinstitut ist das nicht anders. Grund genug, um diesem Thema eine Serie zu widmen. Alles, was Sie von Hautaufbau bis Umgang mit Kunden wissen müssen, erfahren Sie hier.
Die Haut soll „besser“ werden, aber was bedeutet „besser“? Und wie ist überhaupt der Ausgangszustand? Eine Hautanalyse ist Schlüsselpunkt der Behandlungsführung, trotzdem wird das Ergebnis der Analyse in der Kosmetik häufig mit subjektiven Worten, statt mit objektiven Fakten dokumentiert. Was sind hier die Herausforderungen und wie kann dieser Schritt sicher und objektiv gelingen?
Wir kennen es alle: Wir stehen morgens auf, sehen in den Spiegel und den einen Tag sind wir freundlich zu uns, unserem Gesicht, den feinen Linien und kleinen Flecken und den nächsten Tag wirkt alles dunkler, fahler und faltiger. Ob es sich wirklich in der kurzen Zeit massiv geändert hat? Vermutlich nicht, aber unser Blick darauf verschiebt sich mit den Vergleichen, die wir in der Zeit davor gesehen haben, mit der Stimmung des Tages, dem Licht im Badezimmer und mit vielen anderen Einflussfaktoren. Genauso ergeht es unserer Kundschaft mit ihrer Haut und uns, wenn wir die Haut der Kundschaft unbedacht beurteilen.
Was hier hilft, sind klare Werte. Der erste Gedanke geht hierbei sofort an Zahlen, so geben etwaige Fotoanalyse Geräte ein geschätztes Alter der fotografierten Person oder berechnen Faltengrade in Prozenten. Eine Zahl ist ein nicht verhandelbarer Wert und eine Veränderung wird so zum Fakt, statt nur zu einem Gefühl.
Wie lassen sich in der Kosmetik „Zahlen“ in der Analyse erreichen?
Auf dem Markt sind verschiedene „biophysikalische Messgeräte“ für die kosmetische Praxis erhältlich. Die Messprinzipien unterscheiden sich, je nach gewünschtem Parameter.
So kann die Hautfeuchtigkeit über die Messungen eines elektrischen Feldes ermittelt werden, denn Wasser leitet Strom! Der Fettgehalt wird wie mit einem Löschpapier sichtbar gemacht und bildgebende Verfahren, wie ein Ultraschallgerät, können unsere Hautstruktur tatsächlich sichtbar machen, ganz ohne sie zu verletzen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und werden in der Forschung intensiv genutzt. In der kosmetischen Praxis stellen uns diese Messungen vor einige Herausforderungen, sie können nämlich auch falsche Ergebnisse liefern. Messungen müssen unter immer gleichen Bedingungen erfolgen. Der Raum muss zu jeder Zeit die gleiche Temperatur haben, die gleiche Luftfeuchtigkeit und auch die gemessene Person muss in der gleichen Verfassung sein.
Das bedeutet, sie darf nicht schwitzen, darf weder geschminkt noch eingecremt sein, nicht mal UV-Schutz darf sie tragen und die Haut darf nicht mal gewaschen worden sein am Tag der Messung. Das alles sind Voraussetzungen, die im Praxisalltag oft nicht umsetzbar sind, weshalb Messungen in diesem Sinne nur selten fachgerecht und sinnvoll eingesetzt werden können.
Andere Möglichkeiten, die Analyse mit festen Werten zu füllen: Skalen!
Für die verschiedensten Hautanliegen existieren Skalen. Sie werden in der Ästhetik und in der Forschung eingesetzt, um Ist-Zustand und auch den Verlauf genau benennen zu können.
Falten verschiedener Bereiche, bspw. der Glabella, werden in Intensitäten eingeordnet, das erfolgt mithilfe von Beispielbildern. Die Person selbst oder auch die behandelnde Person sucht auf der Skala so das Bild, das am ehesten mit der Intensität der zu beurteilenden Falte übereinstimmt.
Daraus ergibt sich dann zum Beispiel die Bezeichnung „moderat“, aber es ist eben keine subjektive Einschätzung, sondern ein Wort, das sich auf das in der Skala beschriebene Vergleichsbild bezieht. So werden Beschreibungen objektiv und können nachvollzogen werden. Gleichzeitig erkennt die Kundin oder der Kunde die Intensität des eigenen Hautbildes im Vergleich zu wissenschaftlich entstandenen Schweregrad-Einstufungen. Das kann den Blick auf die eigene Haut verändern. Der Vergleich zu einem standardisiert aufgenommenen Foto relativiert den Ist-Zustand besser als der Vergleich zum Bild aus der eigenen Jugend, aus dem perfekten Winkel, in dem das Licht grade wunderbar gefallen ist.
Solche Skalen gibt es zu verschiedenen Bereichen: Falten, Akne, Hautqualität etc. Es lohnt sich eine Google Suche, um für sich die geeigneten Skalen zu finden. Sie können ausgedruckt und in eine Mappe sortiert werden, so kann die jeweils für sinnvoll erachtete Skala herausgenommen und während der Hautanalyse besprochen werden.
Nun gibt es noch eine weitere Ebene ,die den Zustand unserer Haut einfängt wie keine andere, und das ist die emotionale Verbindung zwischen unserer Haut und unserem Leben.
Viele Hautveränderungen haben Einfluss darauf, wie wir uns in unserer Haut fühlen. Das Hautgefühl kann uns im Alltag einschränken, bspw durch Schmerzen beim Tragen von bestimmten Textilien, oder auch durch Einschränkungen beim Hobby durch hautbezogene Störpunkte (trockene Hände beim Töpfern, Akne nach dem Schwimmen).
Veränderungen, die Nicht-Betroffene häufig als „klein“ ansehen, summieren sich für Betroffene auf und können zum bestimmenden Faktor im Alltag werden. Ebenfalls spielen Scham und Unwohlsein eine große Rolle. Hauterkrankungen, wie Akne, oder Psoriasis an Gesicht, oder auch am Körper können verändern wie Menschen sich ihren Mitmenschen und Sexual-Partner zeigen möchten. Unbefangenheit im Umgang mit den Liebsten kann zum Fremdwort werden und soziale Interaktionen massiv leiden.
Der Dermatologische Lebensqualitäts-Index (DLQI) kann hier Aufschluss geben, wie stark die Lebensqualität durch die Haut beeinflusst ist. Ein Augenöffner, sowohl für Betroffene als auch für Angehörige (Bspw. Eltern von Akne-Betroffenen) aber auch ein Türöffner für Gespräche über die Haut und den Alltag, der bewältigt werden möchte.
Fazit
Die Haut ist ein komplexes Organ und eng mit den Ebenen unseres Lebens verbunden.
Eine Hautanalye, getragen von Fakten, Werten und Verständnis, kann der Kommunikation rund um die Behandlung Konsistenz geben, Ergebnisse klar einordnen und die Sicht der Kundschaft auf die eigene Haut greifbar machen. Es lohnt sich!
Kristina Carmen Bernhöft
ist Kosmetikwissenschaftlerin und Kosmetikerin und hat sich auf die Professionalisierung des Kosmetik-Handwerks spezialisiert. Aus- und Weiterbildung als Grundstein für sicheres Handeln liegen ihr besonders am Herzen.