Alarmstufe Braun

16.09.2026
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Vorzeitige Hautalterung, langfristige Zellschäden und Sonnenbrand - die UV-A- und UV-B-Strahlung der Sonne kann die Hautgesundheit nachhaltig beeinträchtigen.

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Vorzeitige Hautalterung, langfristige Zellschäden und Sonnenbrand - die UV-A- und UV-B-Strahlung der Sonne kann die Hautgesundheit nachhaltig beeinträchtigen. Trotzdem gilt gebräunte Haut als Schönheitsideal. Warum es keine gesunde Bräune gibt und Sonnentattoos mehr über Hautschäden als über Schönheit erzählen, lesen Sie hier.

Lange schien die Botschaft angekommen zu sein. Dermatologinnen und Dermatologen, Kosmetikerinnen und Kosmetiker, Hautkrebsorganisationen und Gesundheitsbehörden haben über Jahrzehnte hinweg darauf hingewiesen, dass ultraviolette Strahlung einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für die Entstehung von Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung ist.1 Dennoch erlebt gebräunte Haut derzeit ein bemerkenswertes Comeback.

Sommerbräune ist in

In sozialen Medien werden sommerlich gebräunte Körper millionenfach inszeniert. Unter Hashtags wie „sun-kissed“ oder „golden glow“ wird Bräune erneut mit Attraktivität, Vitalität und Gesundheit verknüpft. Dass es sich nicht nur um einen digitalen Nischentrend handelt, zeigt auch die mediale Berichterstattung: Im Sommer 2026 titelte die Journalistin Hannah Piontek „Tan Lines sind wieder in“ und griff damit ein Phänomen auf, das sich aktuell in sozialen Netzwerken und im Alltag beobachten lässt.2

Sichtbare Bräunungslinien, die lange als unerwünschte Folge intensiver Sonnenexposition galten, werden zunehmend als modisches Statement inszeniert. Was früher als Sonnenfehler betrachtet wurde, gilt heute für manche wieder als Ausdruck von Lifestyle und Attraktivität.

Motiv hinter dem Bräunen

Dass dieses Schönheitsideal tief in unserer Gesellschaft verankert ist, zeigt auch eine repräsentative deutschlandweite Befragung aus dem Jahr 2019 von Görig et al.3 Die Forschenden konnten nachweisen, dass Attraktivität einer der wichtigsten Beweggründe für bewusstes Bräunen ist. Viele Menschen verbinden gebräunte Haut mit einem attraktiveren Erscheinungsbild und nehmen dafür gesundheitliche Risiken in Kauf. Die Entscheidung für intensive Sonnenexposition erfolgt damit häufig nicht aus Unwissenheit, sondern aus dem Wunsch heraus, einem gesellschaftlich geprägten Schönheitsideal zu entsprechen.

Tückische Sonnentattoos

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend in einem Phänomen, das Dermatologinnen und Dermatologen zunehmend Sorge bereitet. Gemeint sind sogenannte Sonnentattoos.4 Dabei werden Aufkleber, Schablonen oder Schmuckstücke gezielt auf der Haut platziert, um nach intensiver Sonnenexposition helle Muster auf gebräunter Haut zu erzeugen. Was auf den ersten Blick kreativ oder harmlos erscheint, ist aus medizinischer Sicht problematisch. Denn das sichtbare Muster entsteht nur deshalb, weil die umgebende Haut einer ausreichend hohen Dosis ultravioletter Strahlung ausgesetzt wurde, um eine Pigmentierungsreaktion auszulösen.

Braun sein ist ungesund

Dabei ist Bräune keineswegs Ausdruck von Gesundheit. Im Gegenteil: Sie stellt eine biologische Schutzreaktion der Haut auf eine Schädigung ihrer Erbsubstanz dar. Treffen ultraviolette Strahlen auf die Haut, entstehen Schäden an der DNA der Hautzellen. Als Antwort darauf wird die Melaninproduktion angeregt.5 Das Pigment soll die Zellkerne vor weiteren Schäden schützen und wirkt damit wie ein körpereigener Notfallmechanismus. Die sichtbare Bräune ist somit der Beleg dafür, dass die Haut bereits auf eine Belastung reagiert hat.

In der Dermatologie gilt daher seit vielen Jahren ein Satz, der wissenschaftlich unverändert korrekt ist: Es gibt keine gesunde Bräune. Dennoch zeigt sich insbesondere bei jüngeren Menschen eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Wissen und Verhalten. Eine Befragung der American Academy of Dermatology im Jahr 2017 ergab, dass lediglich ein Viertel der Angehörigen der Generation Z Hautkrebs als relevantes persönliches Gesundheitsrisiko betrachtet. Gleichzeitig gaben 20 Prozent der Befragten an, dass ihnen gebräunte Haut wichtiger sei als Maßnahmen zur Hautkrebsprävention.6 Gesundheitliche Risiken werden damit bewusst in Kauf genommen, um ein gesellschaftlich attraktives Schönheitsideal zu erreichen.

In der Dermatologie gilt seit vielen Jahren ein Satz, der wissenschaftlich unverändert korrekt ist: Es gibt keine gesunde Bräune.

Soziale Medien vermitteln ein falsches Bild

Warum fällt es Menschen so schwer, die Risiken ultravioletter Strahlung ernst zu nehmen? Ein wesentlicher Grund liegt in der Psychologie des Sehens. Hautkrebs entwickelt sich meist erst Jahre oder Jahrzehnte nach der eigentlichen Schädigung. Die positiven Effekte einer Bräunung hingegen sind unmittelbar sichtbar. Die Haut erscheint dunkler. Der Teint wirkt gleichmäßiger. Kleine Unregelmäßigkeiten werden optisch kaschiert. Unser Gehirn belohnt kurzfristige sichtbare Ergebnisse deutlich stärker als die Vermeidung langfristiger Risiken. Genau diese Mechanismen machen Prävention so schwierig.7

Hinzu kommt die enorme Wirkung sozialer Medien. Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat prägen heute Schönheitsideale und gesellschaftliche Normen in einem bislang unbekannten Ausmaß. Bilder gebräunter Haut werden häufig mit Attraktivität, Urlaub, Fitness und Lebensfreude verknüpft und vermitteln den Eindruck, Bräune sei Teil eines gesunden Lebensstils. Bereits 2017 konnte in einer Untersuchung aufgezeigt werden, dass digitale Plattformen Einstellungen und Verhaltensweisen rund um Sonnenexposition und künstliche Bräunung erheblich beeinflussen können und klassische Präventionsbotschaften junge Menschen oft nicht mehr erreichen.8 Die wiederholte Konfrontation mit gebräunten Vorbildern trägt dazu bei, Bräune als gesellschaftlich erwünscht und normal wahrzunehmen, wodurch gesundheitliche Risiken zunehmend in den Hintergrund treten.

Gefahr wird unterschätzt

Genau an diesem Punkt setzt auch die aktuelle Publikation von Haykal, Dréno und Passeron an.9 Die Autoren analysieren das Phänomen der Sonnentattoos aus Sicht der Verhaltensdermatologie. Sie beschreiben, wie soziale Medien dazu beitragen, potenziell schädliche Verhaltensweisen zu ästhetisieren und als kreative Trends zu verbreiten. Sonnentattoos werden nicht als Warnsignal wahrgenommen, sondern als Ausdruck von Individualität und Schönheit.

Die eigentliche Ursache, nämlich eine gezielte UV-Exposition mit dem Ziel einer sichtbaren Hautreaktion, gerät in den Hintergrund. Die Autoren sprechen von einer besorgniserregenden Entwicklung. Denn jeder Trend, der intensive Sonnenexposition als erstrebenswert darstellt, kann die Bemühungen der Hautkrebsprävention untergraben. Besonders problematisch ist die visuelle Logik sozialer Medien. Auffällige Bilder erzielen hohe Aufmerksamkeit. Sonnentattoos erzeugen genau diesen Effekt. Sie sind kreativ, überraschend und leicht reproduzierbar. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie geteilt und nachgeahmt werden.

Sonnenbaden hinterlässt bleibende Spuren

Aus dermatologischer Sicht bleibt die biologische Realität jedoch unverändert. Jede intensive UV-Belastung trägt zur kumulativen Schädigung der Haut bei. Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fasst die biologischen Auswirkungen der Sonnenstrahlung auf die Haut umfassend zusammen.10 Das Review resümiert die vielfältigen biologischen Folgen der Sonnenexposition und zeigt, dass die Schutzmechanismen der Haut untrennbar mit Prozessen verbunden sind, die langfristig zur Hautalterung und Hautschädigung beitragen können. Gerade darin liegt der Widerspruch unseres Schönheitsideals. Was biologisch als Schutzreaktion entsteht, wird gesellschaftlich bis heute häufig als Ausdruck von Gesundheit, Attraktivität und Vitalität interpretiert.

Umdenken erforderlich

Die Herausforderung besteht daher nicht allein darin, Wissen zu vermitteln. Die meisten Menschen haben bereits gehört, dass Sonne die Haut schädigen kann. Entscheidend ist vielmehr, die gesellschaftliche Bedeutung von Bräune neu zu bewerten. Solange gebräunte Haut als Symbol für Attraktivität und Gesundheit gilt, werden viele Menschen bereit sein, gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen. Gerade deshalb brauchen wir eine moderne Gesundheitskommunikation, die nicht nur informiert, sondern auch kulturelle Schönheitsideale hinterfragt. Denn echte Hautgesundheit erkennt man nicht an der Intensität einer Bräune. Man erkennt sie an einer Haut, die ihre Funktionen erfüllen kann. Eine Haut, die intakt, widerstandsfähig und langfristig gesund bleibt.

Literatur

  1. Ananthaswamy HN. Sunlight and Skin Cancer. J Biomed Biotechnol. 2001;1(2):49. doi: 10.1155/S1110724301000122. PMID: 12488608; PMCID: PMC113773.
  2. Piontek H. Tan Lines sind wieder in: Was dahinter steckt und warum man nicht jeden Trend mitmachen sollte. Grazia Magazin. Stand: Juni 2026.
  3. Görig T, Schneider S, Schilling L, Diehl K. Attractiveness as a motive for tanning: Results of representative nationwide survey in Germany. Photodermatol Photoimmunol Photomed. 2020 Mar;36(2):145-152. doi: 10.1111/phpp.12525. Epub 2019 Nov 21. PMID: 31701568.
  4. Sonnentattoos: Gefährlicher UV-Trend in Social Media. MGO Medizin. Stand: Juni 2026.
  5. Brenner M, Hearing VJ. The protective role of melanin against UV damage in human skin. Photochem Photobiol. 2008 May-Jun;84(3):539-49. doi: 10.1111/j.1751-1097.2007.00226.x. PMID: 18435612; PMCID: PMC2671032.
  6. Stapleton JL, Manne SL, Greene K, Darabos K, Carpenter A, Hudson SV, Coups EJ. Sociocultural experiences, body image, and indoor tanning among young adult women. J Health Psychol. 2017 Oct;22(12):1582-1590. doi: 10.1177/1359105316631198. Epub 2016 Feb 29. PMID: 26929174; PMCID: PMC5083226.
  7. Dennis LK, Lowe JB, Snetselaar LG. Tanning behavior among young frequent tanners is related to attitudes and not lack of knowledge about the dangers. Health Educ J. 2009 Sep;68(3):232-243. doi: 10.1177/0017896909345195. PMID: 22707763; PMCID: PMC3374486.
  8. Falzone AE, Brindis CD, Chren MM, Junn A, Pagoto S, Wehner M, Linos E. Teens, Tweets, and Tanning Beds: Rethinking the Use of Social Media for Skin Cancer Prevention. Am J Prev Med. 2017 Sep;53(3S1):S86-S94. doi: 10.1016/j.amepre.2017.04.027. PMID: 28818251; PMCID: PMC5886032.
  9. Haykal D, Dréno B, Passeron T. Sun Tattoos and Social Media: A Behavioral Dermatology Perspective on Emerging Photodamage Trends. Dermatol Ther (Heidelb). 2026 Mar;16(3):1451-1454. doi: 10.1007/s13555-026-01686-1. Epub 2026 Feb 21. PMID: 41722005; PMCID: PMC13013848.
  10. Razzaghi Z, Ahmadzadeh A. Examination of the biological effects of sunlight on the skin: a review. J Lasers Med Sci. 2025 Nov 8;16:e52. doi: 10.34172/jlms.2025.52. PMID: 41789281; PMCID: PMC12958273.
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