Drei Expertinnen, drei Perspektiven, ein Ziel: Haut ganzheitlich verstehen. Eine Kosmetikwissenschaftlerin, eine plastisch-ästhetische Chirurgin und eine Fachapothekerin beleuchten aktuelle Themen rund um Haut und Frauengesundheit.
Skin & Bodycare Classics · Pflege
Die Hautkonferenz
Die Expertin
Dr. phil. Meike Streker
Die Autorin ist Kosmetikwissenschaftlerin und Expertin für Hautgesundheit und Skingevity. Sie vermittelt wissenschaftlich fundierte Hautpflege verständlich und praxisnah. Als Speakerin und Beraterin begleitet sie Fachkräfte und Unternehmen. www.meikestreker.de
1. Kosmetisch
Die Hautalterung in den Wechseljahren wurde lange Zeit vor allem als Folge des sinkenden Östrogenspiegels betrachtet. Tatsächlich gehen die hormonellen Veränderungen mit einem Verlust an Kollagen, Elastizität und Feuchtigkeit einher. Aus kosmetikwissenschaftlicher Sicht greift diese Erklärung jedoch zu kurz. Die aktuelle Forschung zeigt, dass die Alterung der Haut das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels hormoneller, immunologischer und systemischer Prozesse ist.1, 2
Besonders im Fokus stehen dabei altersbedingte Veränderungen des Immunsystems. Mit zunehmendem Alter kommt es zu chronischen niedriggradigen Entzündungsprozessen, die unter dem Begriff Inflammaging zusammengefasst werden. Diese fördern den Abbau dermaler Strukturen, beeinträchtigen die Hautbarriere und tragen wesentlich zur Entstehung sichtbarer Alterungszeichen bei.3
Die alternde Haut wird daher heute zunehmend als dynamisches immunologisches Organ verstanden. Darüber hinaus rückt die Bedeutung der Darm-Hirn-Haut-Achse in den Mittelpunkt der Forschung. So konnten genetische Zusammenhänge zwischen bestimmten Darmbakterien und dem Risiko einer beschleunigten Gesichtshautalterung nachgewiesen werden.4 Gleichzeitig zeigen aktuelle Arbeiten, dass Veränderungen des Mikrobioms und entzündliche Prozesse an typischen perimenopausalen Beschwerden beteiligt sein können.5
Die Haut erscheint damit immer stärker als Teil eines vernetzten Systems aus Hormonen, Immunsystem, Nervensystem und Mikrobiom. Diese Erkenntnisse verändern auch die Bewertung von Hautalterung. Statt ausschließlich Falten, Pigmentflecken oder den Kollagenverlust zu betrachten, gewinnen Konzepte der „Skin Longevity“ an Bedeutung. Ziel ist es, die Funktionalität, Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Haut möglichst lange zu erhalten.6
Dass dieser Ansatz bereits praktische Relevanz besitzt, zeigt eine Studie an peri- und postmenopausalen Frauen. Mithilfe KI-gestützter Hautanalysen konnten individuelle dermokosmetische Pflegestrategien entwickelt werden, die sowohl das Hautbild als auch die Lebensqualität verbesserten.7
Die Wechseljahre markieren somit weniger den Beginn eines unvermeidlichen Verfalls als vielmehr einen biologischen Wendepunkt. Für die moderne Kosmetikwissenschaft eröffnet sich die Chance, Hautalterung neu zu denken: nicht als isolierte Folge hormoneller Veränderungen, sondern als Ausdruck der Fähigkeit der Haut, sich an innere und äußere Herausforderungen anzupassen. Resilienz könnte damit zu einem zentralen Merkmal gesunder Hautalterung werden.
Die Alterung der Haut ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels.
Literatur – kosmetische Perspektive
- Thornton MJ. Estrogens and aging skin. Dermatoendocrinol. 2013 Apr 1;5(2):264-70. doi: 10.4161/derm.23872. PMID: 24194966; PMCID: PMC3772914.
- Hussein RS, Bin Dayel S, Abahussein O, El-Sherbiny AA. Influences on Skin and Intrinsic Aging: Biological, Environmental, and Therapeutic Insights. J Cosmet Dermatol. 2025 Feb;24(2):e16688. doi: 10.1111/jocd.16688. PMID: 39604792; PMCID: PMC11845971.
- He X, Gao X, Xie W. Research Progress in Skin Aging and Immunity. Int J Mol Sci. 2024 Apr 7;25(7):4101. doi: 10.3390/ijms25074101. PMID: 38612909; PMCID: PMC11012511.
- Chen M, Che Y, Liu M, Xiao X, Zhong L, Zhao S, Zhang X, Chen A, Guo J. Genetic insights into the gut microbiota and risk of facial skin aging: A Mendelian randomization study. Skin Res Technol. 2024 Mar;30(3):e13636. doi: 10.1111/srt.13636. PMID: 38424726; PMCID: PMC10904881.
- Yu X, Zuo Y, Yang Y, Cheng W, Shi M, Cheng L, Shao Q, Xu Y, Chen L. Mechanism of Microbiota-Gut-Brain in Perimenopausal Depression: An Inflammatory Perspective. Expert Rev Mol Med. 2025 Sep 4;27:e28. doi: 10.1017/erm.2025.10011. PMID: 40905280; PMCID: PMC12558631.
Die Expertin
Dr. med. Britta Kuehlmann
Die Autorin ist Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie und hat eine holistische Praxis für Plastische Chirurgie, Longevity, Hormon- und Mikronährstoffanalyse in Düsseldorf. www.drkuehlmann.de
2. Ästhetisch
Mit den Wechseljahren verändert sich die Haut nicht nur chronologisch, sondern auch biologisch, sie verändert also ihre Biologie. Der Rückgang der Östrogene führt zu einer verminderten Kollagen- und Hyaluronsäurebildung, einer reduzierten Hautdicke sowie einer geschwächten Hautbarriere. Bereits in den ersten fünf Jahren nach der Menopause können bis zu 30 Prozent des Kollagens verloren gehen.1, 2
Die Folge sind Trockenheit, Elastizitätsverlust, Falten und eine erhöhte Empfindlichkeit.
Doch Östrogen ist nicht das einzige relevante Hormon. Progesteron unterstützt Regeneration und Hautbarriere, während Androgene wie Testosteron die Talgproduktion, Hautdichte und Muskelmasse beeinflussen. Gleichzeitig sinken auch die DHEA-Spiegel, wodurch wichtige Reparatur- und Regenerationsprozesse zusätzlich nachlassen.1, 3
Diese Veränderungen gehen über die normale chronologische Hautalterung hinaus. Die Wundheilung verläuft langsamer, die Regenerationsfähigkeit nimmt ab und die Haut reagiert häufig sensibler auf operative und ästhetische Eingriffe.
Die Haut ist dabei kein isoliertes Organ, sondern Ausdruck unseres hormonellen und metabolischen Milieus. Genau deshalb sollte moderne ästhetische Medizin immer auch die biologischen Ursachen berücksichtigen.4
Vor jeder Behandlung lohnt sich daher der Blick nach innen. Hormonelle Dysbalancen, chronische niedriggradige Entzündungen (Inflammaging) sowie Mikronährstoffdefizite können das Behandlungsergebnis wesentlich beeinflussen.
Vitamin C, Vitamin D, Zink, Eisen, Omega-3-Fettsäuren und eine ausreichende Proteinzufuhr sind entscheidend für Kollagenbildung, antioxidativen Schutz und Wundheilung.5, 6
Nicht jede hormonelle Hautveränderung ist behandlungsbedürftig. Führen die Beschwerden jedoch zu einer deutlich eingeschränkten Hautqualität, wiederkehrenden Entzündungen oder verzögerten Regeneration, reicht eine rein ästhetische Therapie häufig nicht aus. Eine individuell ärztlich begleitete bioidentische Hormontherapie kann, bei entsprechender Indikation, auch die Hautqualität positiv beeinflussen und ästhetische Maßnahmen sinnvoll ergänzen.1, 2
Die Zukunft der ästhetischen Medizin liegt deshalb nicht allein im Ausgleichen von Falten, sondern in einem integrativen Verständnis von Haut, Hormonen und gesundem Altern.
Die Zukunft der ästhetischen Medizin liegt in einem integrativen Verständnis von Haut, Hormonen und gesundem Altern.
Literatur – ästhetische Perspektive
- Lephart ED, Draelos ZD. Overview of Aging, Skin Health, Estrogen, Menopause and Hormone Replacement Therapy. Life. 2026;16:401.
- Viscomi B et al. Managing Menopausal Skin Changes. J Cosmet Dermatol. 2025;24:e70393.
- Thornton MJ. The biological actions of androgens on the skin. Clin Biochem. 2002;35:1-7.
- Ramot Y, Böhm M, Paus R. Translational Neuroendocrinology of Human Skin. Trends Mol Med. 2021;27:60-74.
- Franceschi C et al. Inflammaging. Nat Rev Endocrinol. 2018;14:576-590.
- Ames BN. Prolonging Healthy Aging: Longevity Vitamins and Proteins. PNAS. 2018;115:10836-10844.
Die Expertin
Petra Liefeld
Mit jahrzehntelanger Erfahrung in Offizin und Öffentlichkeitsarbeit sowie zahlreichen Fachvorträgen im Bereich Dermokosmetik verbindet sie praxisnahes Wissen mit fundierter Expertise, um die Qualität in der pharmazeutischen und dermokosmetischen Beratung zu fördern. Seit 2015 ist sie Fachgruppenleiterin der Fachgruppe Dermokosmetik in der Gesellschaft für Dermopharmazie.
3. Pharmazeutisch
Trockene, dünner werdende und empfindliche Haut zählt zu den typischen Veränderungen in den Wechseljahren. Häufig zeigen sich zunächst Spannungsgefühle, eine raue Oberfläche, erhöhte Empfindlichkeit und eine verstärkte Sichtbarkeit feiner Linien. Mit dem Rückgang des Östrogenspiegels verändern sich die Barrierefunktion, die Lipidzusammensetzung und die Feuchtigkeitsbindung der Haut.
Die Hornschicht (Stratum corneum) lässt sich gut als Ziegel-Mörtel-Struktur beschreiben: Die Hornzellen bilden die Ziegel, interzelluläre Lipide wie Ceramide, Cholesterin und freie Fettsäuren bilden den Mörtel. Bröckelt dieser Lipidmörtel, nimmt der transepidermale Wasserverlust zu und die Haut wird anfälliger für externe Reize. Nach der Menopause zeigen sich zudem Veränderungen im Ceramidprofil der Hornschicht, die die Barriere weiter schwächen können.3
An dieser Stelle greifen Barrieremimetika: Lipidbausteine, die der natürlichen Hautbarriere ähneln und helfen, die gestörte Struktur zu stabilisieren – etwa in Formulierungen mit Ceramiden, Phospholipiden, Cholesterin und freien Fettsäuren.
Für die Pflege reifer, trockener Haut empfiehlt sich eine geeignete Grundlage: reichhaltige Wasser-in-Öl-Emulsionen oder lamellare Cremegrundlagen, deren Aufbau den interzellulären Lipidlamellen der Hornschicht ähnelt, eignen sich besonders gut.
Hydratisierende Wirkstoffe sind ebenso wichtig. Natürliche Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff und Glycerin verbessern die Wasserbindung in der Hornschicht; Hyaluronsäure unterstützt die Hydratation und das subjektive Empfinden von Geschmeidigkeit.
Ergänzend können sanfte Vitamin-A-Derivate (zum Beispiel Retinol, Retinaldehyd) sowie stabil formuliertes Vitamin C die Hautstruktur und Ebenmäßigkeit fördern.
Bei empfindlicher Haut sollten diese Wirkstoffe jedoch vorsichtig dosiert und stets mit konsequenter Barrierepflege kombiniert werden. Medizinische Hormontherapien zur Behandlung östrogenmangelbedingter Hautveränderungen gehören in den ärztlichen Verantwortungsbereich.
Im kosmetischen und dermokosmetischen Bereich liegt der Fokus darauf, die Haut zu beruhigen, die Barriere zu stärken, Feuchtigkeit zu bewahren und durch sanfte Reinigung, verträgliche Grundformulierungen und geeignete Wirkstoffe die Widerstandsfähigkeit zu fördern. Ebenso wichtig ist die Aufklärung über ausreichenden Sonnenschutz.
Beim Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln sollten Qualität, Transparenz der Inhaltsstoffe und Nachweise zur Wirksamkeit entscheidend sein.
All diese Maßnahmen können eine „hautfreundliche Lebensweise“ nicht ersetzen, sondern bilden im Idealfall den Rahmen, in dem gezielte Therapie und Pflegeentscheidungen ihre Wirkung entfalten.
Alle Maßnahmen können eine hautfreundliche Lebensweise nicht ersetzen.
Literatur – pharmazeutische Perspektive
- Bayerl C. Hautpflege ist mehr als nur Lückenfüller. Pharm Ztg. 2026;171(21):16-17.
- Wolf E. Was die Haut im Klimakterium braucht. Pharm.Ztg. Online Ausgabe 12.03.2025, 07.00 h.
- Kendall AC, Pilkington SM, Wray JR, Newton VL, Griffiths CEM, Bell M, Watson REB, Nicolaou A. Menopause induces changes to the stratum corneum ceramide profile, which are prevented by hormone replacement therapy. Sci Rep. 2022 Dec 15;12(1):21715. doi: 10.1038/s41598-022-26095-0. PMID: 36522440.
- Gesellschaft für Dermopharmazie (GD). Leitlinien/Fachgruppenmaterialien zur Dermokosmetik. GD Publikationen.