Organe und Haut Teil 5: Darm

26.08.2026
Aufmacher Haut und Darm

Viele Hautfragen hängen eng mit Organfunktionen zusammen. Diese Serie bietet einen professionellen, kompakten Einstieg in die wichtigsten Organsysteme des Menschen und ihre Relevanz für Hautgesundheit, Hautpflege und ästhetische Anwendungen. Vertiefen Sie Ihr Wissen über den menschlichen Körper und nutzen Sie es in der Kabine.

Organe und Haut Teil 5: Darm

Der Darm ist das zentrale Verdauungsorgan und spielt eine wichtige Rolle für die Hautgesundheit. Ein Verständnis der Darmfunktion und möglicher Erkrankungen ist von Bedeutung, um Hautveränderungen richtig einzuordnen.

Hauptaufgaben des Darms

  • Verdauung und Nährstoffaufnahme: Vor allem im Dünndarm werden Nährstoffe, Vitamine, Mineralien aufgenommen.
  • Immunabwehr: Etwa 70 Prozent der Immunzellen sind im Darm.
  • Mikrobiom: Bakterien regulieren die Verdauung, schützen vor Krankheitserregern, beeinflussen Haut und Psyche.

Die „Darm-Haut-Achse“ ist die Verbindung zwischen Darmgesundheit und Hautzustand. Ein gestörtes Mikrobiom oder durchlässige Darmbarriere („Leaky Gut“) können Hautprobleme auslösen oder verstärken.

Hautveränderungen bei Darmerkrankungen

  • Reizdarm: Er kann Blähungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorrufen. Betroffene leiden oft unter fahler, unreiner oder empfindlicher Haut.
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit): Typisch sind Ekzeme, trockene Haut, Dermatitis herpetiformis Duhring (bläschenartige Ausschläge).
  • Morbus Crohn /Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankungen): Begleitend treten oft Akne, Rötungen, periorale Dermatitis auf.
  • Dysbiose: Ungleichgewicht der Darmflora kann Akne, Rosacea oder Neurodermitis fördern.

Medikamente und ihre Auswirkungen auf die Haut

  • Antibiotika: Die Arzneimittel verursachen Dysbiose. Folge: Akne, periorale Dermatitis, trockene / empfindliche Haut.
  • Kortison: Der Entzündungshemmer kann die Haut ausdünnen, zu Steroidakne und verzögerter Wundheilung führen.
  • Immunsuppressiva: Sie erhöhen das Risiko für Hautinfektionen, Lichtempfindlichkeit, Ausschläge.
  • Protonenpumpenhemmer: Sie beeinflussen das Mikrobiom und können Hautprobleme indirekt verschlechtern.
  • Schmerzmittel: Sie können allergische Reaktionen oder Verschlechterungen bestehender Hauterkrankungen auslösen.

Bei auffälligen Hautveränderungen sollte stets nach Medikamenteneinnahme gefragt und bei Bedarf zur ärztlichen Rücksprache geraten werden.

Was Sie in der Kabine beachten sollten

Ganzheitlich betrachten: Hautprobleme nicht isoliert sehen – gezielt Fragen zu Verdauung, Ernährung, Medikamenten stellen.

Hautzeichen erkennen: Wiederkehrende Entzündungen, Akne, Rosacea, und ungewöhnliche Reaktionen können auf Darmprobleme hinweisen.

Kooperation mit Fachkräften: Bei Verdacht auf eine systemische Ursache zur Abklärung durch Ärztin/Arzt oder Heilpraktikerin /Heilpraktiker raten.

Anpassung der Behandlung: auf den jeweiligen Hautzustand

Ernährungsberatung: Darmfreundliche Ernährung mit Ballaststoffen, probiotischen Lebensmitteln etc. beeinflusst die Haut positiv – Ernährungsberatung empfehlen.

Kosmetikerinnen leisten durch ganzheitliches Denken, gezielte Beobachtung und Beratung einen wertvollen Beitrag zur Haut- und Darmgesundheit ihrer Kundinnen und Kunden.

So geht es weiter:

Diese Teile werden in den kommenden Ausgaben von BEAUTY FORUM erscheinen:

  • Niere
  • Immunsystem
  • Hormonsystem
  • Blut

Quellen

  • www.akdae.de
  • https://dermanostic.com/hautmagazin/die-darm-haut-achse-und-das-mikrobiom
  • www.dge.de
  • www.dccv.de
  • www.dzg-online.de
  • Sonnenburg, J., & Sonnenburg, E. (2016). The Good Gut – Taking Control of Your Weight, Your Mood, and Your Long-term Health.
  • Stokes, J. H., & Pillsbury, D. M. (1930). The effect on the skin of emotional and nervous states. Archives of Dermatology.
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