Dermokosmetika und mikrobiomorientierte Formulierungen werden zunehmend als Baustein einer ganzheitlichen Betrachtung von Haut, Immunsystem und Psyche verstanden. Dermokosmetika haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren von rein ergänzenden Pflegeprodukten zu integralen Instrumenten der dermatologischen Praxis entwickelt, die Barriereintegrität stärken, Entzündungen modulieren und das Hautmikrobiom unterstützen. Dabei wird der Fokus zunehmend auf mikrobiomfreundliche Inhaltsstoffe sowie prä-, pro- und postbiotische Bestandteile gelegt, um Dysbiose zu verhindern und die Hautgesundheit langfristig zu fördern.
Dermokosmetika haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von ergänzenden Hautpflegeprodukten zu integralen Bestandteilen der dermatologischen Praxis entwickelt. Während sie früher vor allem mit Komfort, Feuchtigkeitsversorgung oder Ästhetik in Verbindung gebracht wurden, werden sie heute zunehmend als funktionelle Hilfsmittel positioniert, die die Barriereintegrität der Haut unterstützen, Entzündungen modulieren und das Hautmikrobiom erhalten.1,2 Diese Entwicklung spiegelt Fortschritte in der Hautbiologie, ein wachsendes Bewusstsein für behandlungsbedingte Hauttoxizitäten sowie den Bedarf an langfristigen, gut verträglichen Strategien bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen wider.
Alle topischen Produkte beeinflussen das Mikrobiom.
Funktionen von Hautmikrobiom und Dermokosmetik
Die Haut stellt eine physikalische, chemische und immunologische Barriere dar, die eng mit dem Hautmikrobiom verknüpft ist. Als Mikrobiom werden die Gemeinschaft sowie das Zusammenspiel von Bakterien, Pilzen, Viren und Archaeen bezeichnet. Kommensale Mikroben, die in einem gesunden Zustand nebeneinander auf der Haut existieren, stabilisieren die Barrierefunktion, die Immunantwort und den Schutz vor Pathogenen. Im Fall einer Dysbiose kommt es zu einer gestörten mikrobiellen Balance, die die Entstehung von Akne, atopischer Dermatitis und Psoriasis hervorrufen kann.4–6
Mikrobiombasierte Kosmetikprodukte, die das gesunde und sensible Hautmikrobiom schützen oder unterstützen, können die Barrierefunktion der Haut wiederherstellen und entzündliche Dermatosen lindern.4,7,8 Hierzu gehören prä-, pro- und postbiotische Inhaltsstoffe, die die Diversität und relative Häufigkeit wichtiger kommensaler Mikroorganismen fördern und somit die Homöostase der Haut unterstützen.3
Alle topischen Produkte beeinflussen das Mikrobiom. Dazu gehören Tenside, Lipide, Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Vitamine und UV-Filter. Wie stark das Mikrobiom beeinflusst wird, hängt jedoch von der Konzentration, der Kombination und dem pH-Wert der Formulierung ab. Es kommt darauf an, ob die mikrobielle Balance erhalten bleibt oder gestört wird. Das Konzept der „mikrobiomfreundlichen“ Kosmetik zielt daher darauf ab, nachteilige Inhaltsstoffe zu reduzieren oder zu ersetzen und positive Komponenten gezielt einzusetzen.3
Dermokosmetika: Definition, Regulierung, klinische Rolle
Dermokosmetika (auch Kosmezeutika oder funktionelle Kosmetika genannt) sind topische Präparate, die dermatologisch wirksame Inhaltsstoffe enthalten. Sie wirken über die Wirkung des Applikators hinaus, werden jedoch rechtlich weiterhin als Kosmetika eingestuft. Sie beeinflussen die Talgproduktion, die Keratinisierung, den oxidativen Stress, die Barrierereparatur und das mikrobielle Gleichgewicht. Explizite therapeutische Angaben und arzneimittelähnliche Zulassungsverfahren sind jedoch nicht vorgesehen.9–12
In den wichtigsten Marktsegmenten konzentriert sich die Regulierung auf die Sicherheit und nicht auf die nachgewiesene Wirksamkeit. Dabei stützt man sich auf Inhaltsstofflisten, Konzentrationsgrenzwerte, toxikologische Bewertungen sowie den zunehmenden Einsatz tierversuchsfreier In-vitro- und Ex-vivo-Modelle.10, 12 Die Wirksamkeitsdaten sind heterogen und reichen von randomisierten Studien bis hin zu kleinen offenen Studien. Sie stützen jedoch durchweg die Verwendung von dermokosmetischen Produkten als Begleittherapie. Diese verbessern die Verträglichkeit, die Therapietreue und die langfristige Hautgesundheit bei Erkrankungen wie Akne und atopischer Dermatitis.10, 11, 13, 14
Studien belegen, dass Dermokosmetika mit talgregulierenden, antimikrobiellen, entzündungshemmenden, antioxidativen und keratolytischen Inhaltsstoffen die Anzahl der Akne-Läsionen reduzieren können. Zudem können sie den transepidermalen Wasserverlust senken und die Verträglichkeit von verschreibungspflichtigen Behandlungen verbessern.11, 13, 14
Bei gestörten Hautbarrieren, wie sie beispielsweise bei atopischer Dermatitis auftreten, verbessern Feuchtigkeitscremes, welche die physikalischen, chemischen, mikrobiologischen und immunologischen Barriereschichten unterstützen, den transepidermalen Wasserverlust und lindern die klinischen Symptome. Dies unterstreicht ihre fundamentale Rolle.10
Darm-Haut-Mikroben-Wirt-Achse
Die Gut-Skin-Axis beschreibt eine bidirektionale Verbindung zwischen Darmmikrobiom, Immunantwort, Hautmikrobiom und Hautgesundheit. Eine Darmdysbiose kann über Entzündungsmediatoren, Barrierestörungen und Metaboliten (zum Beispiel kurzkettige Carbonsäuren) Hauterkrankungen wie Psoriasis, atopische Dermatitis, Akne, Rosacea und Hidradenitis suppurativa beeinflussen.7, 15–17 Hinzu kommt, dass sich systemische Entzündungszustände der Haut in veränderten mikrobiellen Mustern widerspiegeln.
Das Zusammenspiel von Mikrobiom, Gehirn und psychischer Gesundheit
Mehrere Studien zeigen, dass die Verbindung zwischen Mikrobiota und Gehirn über Nervenbahnen, Hormone, Immunwege und Metabolite (kurzkettige Carbonsäuren, Neurotransmitter) die Stimmung, die Stressantwort und neuropsychiatrische Erkrankungen beeinflussen kann.9,18–25 Dysbiose wird mit Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie sowie neurodegenerativen und neuroentwicklungsbedingten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Pro- und Psychobiotika können die Barriere, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse), Entzündungen und depressive Symptome positiv beeinflussen, wenngleich die Ergebnisse nicht konsistent sind.9, 19, 21–23, 25–27
Die Haut und das Darmmikrobiom sind integrale Bestandteile systemischer Immun- und Stressnetzwerke.
Bedeutung für mikrobiomfreundliche Dermokosmetika
Auch wenn direkte Humanstudien zur Gut-Skin-Brain-Achse noch begrenzt sind, zeigen die Daten: Die Haut und das Darmmikrobiom sind integrale Bestandteile systemischer Immun- und Stressnetzwerke.4, 7, 15, 17 Postbiotische und probiotische dermale Anwendungen können die Hautbarriere verbessern, Entzündungen reduzieren und eine lokale Dysbiose verhindern (da Silva Vale et al., 2023; Dziedzic et al., 2024; Gruenbaum et al., 2024; Thye et al., 2022; Wang et al., 2023). Des Weiteren gib es Hinweise darauf, dass solche Strategien indirekt zur Reduktion psychischer Belastung beitragen, indem chronische, sichtbare Hauterkrankungen und deren Entzündung gemindert werden. Dies ist über gemeinsame immunologische und neuroendokrine Achsen plausibel.5, 6, 15, 16, 25
Fazit
Verifizierte Studien belegen: Das Hautmikrobiom spielt eine Schlüsselrolle für Barrierefunktion und Entzündung. Mikrobiomorientierte Dermokosmetika können diese Achsen positiv beeinflussen. Parallel dazu zeigen zahlreiche Arbeiten zur Mikrobiota-Gut-Gehirn-Achse, dass mikrobielle Ökosysteme eng mit der psychischen Gesundheit verknüpft sind.
Eine direkte, kausal belegte Beeinflussung der Emotionen durch topische Neuro- oder Mikrobiomkosmetika ist derzeit jedoch nur indirekt ableitbar und muss in gut kontrollierten klinischen Studien noch gezeigt werden – für eine bessere, mikrobiomfreundliche Welt.
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