Die Zeiten sind wirtschaftlich herausfordernd. Und gerade deshalb müssen wir unsere Zahlen kennen wie unsere eigene Westentasche. Preiskalkulation ist kein trockenes Pflichtthema, sondern die Basis dafür, dass Sie Ihr Institut langfristig stabil, selbstbestimmt und erfolgreich führen können. Lassen Sie uns einmal genau hinschauen, wie Sie Ihre Preise professionell, fair und wirtschaftlich gesund kalkulieren – ohne an Qualität zu verlieren.
Alles beginnt mit einem ehrlichen Blick auf Ihre Ausgaben. Ich weiß, es klingt mühsam, aber glauben Sie mir: Jeder Euro, der Ihr Institut verlässt, muss sichtbar sein. Auch das einzelne Wattepad! Es sind oft genau diese „Kleinigkeiten“, die sich über das Jahr hinweg summieren. Wenn Sie die steigenden Kosten Ihrer Verbrauchsmaterialien nicht auf Ihre Behandlungspreise umlegen, verlieren Sie Monat für Monat Geld – leise, aber sicher.
Sie werden überrascht sein, wie viel dadurch schon eingespart werden kann.
Saisonale und sinnvolle Einkaufsentscheidungen
Nicht jede Kosmetikerin oder jeder Kosmetiker braucht zu jeder Jahreszeit das volle Sortiment an Produkten. Überlegen Sie sich genau, welche saisonalen Behandlungen wirklich Sinn machen und welche Produkte Sie dafür brauchen. Ein kleines und durchdachtes Sortiment spart nicht nur Geld, sondern macht Ihr Institut auch klarer positioniert.
Dasselbe gilt für Praxiswaren: Sie brauchen nicht jede Maske, jedes Serum und jede Ampulle griffbereit im Schrank haben. Eine durchdachte, reduzierte Auswahl ist völlig ausreichend. Die Gefahr, dass Produkte ablaufen, bevor sie verbraucht sind, sinkt damit enorm.
Praxisprodukte nicht großzügig „verschenken“
Ich weiß, wie groß Ihr Herz ist – unser Beruf zieht warmherzige Menschen an, und wir dürfen uns keine unbezahlten Zusatzleistungen mehr leisten. Jede Minute, jedes Produkt, jede Anwendung kostet Geld. Deshalb:
Kalkulieren Sie exakt, wie viel Sie pro Behandlung wirklich verbrauchen
Wie viel Milligramm Ampulle, wie viel Maske, wie viel Peeling? Wie hoch sind die Kosten Ihrer Verbrauchsartikel? Und fragen Sie sich auch, würde ein Kosmetiktuch weniger vielleicht auch reichen? Notieren Sie es einmal sauber – und Sie werden wahrhaftig sehen, was jede Behandlung kostet.
Der Verkaufsumsatz ist überlebenswichtig: Viele Kolleginnen und Kollegen glauben, sie können allein von den Behandlungen gut leben – doch das funktioniert heute kaum noch.
Das optimale Verhältnis
Warum liegt das optimale Verhältnis bei 60 Prozent Verkaufsumsatz zu 40 Prozent Dienstleitung? Weil Sie mit der Behandlung allein kaum wirtschaftlich überleben können. Erst durch einen guten Produktverkauf pro Kundin oder Kunde entsteht ein solides Fundament. Außerdem kaufen Kundinnen und Kunden nur das nach, was sie bereits kennen, lieben und anwenden – und das stärkt erneut Ihre Behandlungsqualität.
Regelmäßig fragen
- Wie hoch ist mein durchschnittlicher Verkaufsumsatz pro Kundin oder pro Kunde?
- Wo liegen ungenutzte Chancen?
- Wie kann ich durch Beratung und Expertise den Produktverkauf stärken?
Die Basis der Preiskalkulation: „Die Handwerkerstunde“
Ein einfacher und genialer Denkansatz: Was kostet Sie in Ihrer Region ein Handwerker oder eine Handwerkerin pro Stunde – ohne Material? Dieser Stundensatz ist Ihre Grundlage! Denn auch Sie sind eine Handwerkerin oder ein Handwerker: mit Wissen, Erfahrung, Verantwortung und der Fähigkeit, echte Hautveränderungen zu bewirken.
Ihr Grundpreis setzt sich zusammen aus:
- Stundensatz wie eine Handwerkerin/ein Handwerker
- plus Materialkosten
- plus Expertise (und die ist unbezahlbar, und wir legen sie trotzdem drauf!)
Preisstruktur im Team: sinnvoll und notwendig
Wenn Sie allein arbeiten, ist alles klar: Ihre Zeit ist exklusiv. Wenn Sie ein Team haben, dann ist eine gestaffelte Preisstruktur nicht nur professionell, sondern strategisch wichtig.
Typisches Schema:
Jungkosmetikerin und Jungkosmetiker: günstigster Preis
Erfahrene Kollegin und Kollege: mittleres Preisniveau
Chefpreise: am höchsten
Warum? Damit Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimal ausgelastet sind – und Sie ihnen dennoch Freiräume schaffen. Es ist essenziell, dass Ihr eigener Kalender nicht zu 100 Prozent mit Behandlungen vollgestopft ist. Sie brauchen Zeit für Organisation, Weiterentwicklung, Marketing und Kreativität. Das ist keine Kür – das ist unternehmerische Pflicht.
Fazit: Preise kalkulieren heißt Zukunft sichern
Bitte nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Preise bewusst und regelmäßig zu überprüfen. Preiskalkulation ist kein einmaliges Projekt, sondern ein laufender Prozess. In wirtschaftlich fordernden Zeiten entscheidet sie da-rüber, ob Sie stabil, selbstbestimmt und mit Freude arbeiten können. Sie haben so viel Expertise, so viel Herz und so viel Engagement. Ihre Leistung hat ihren Wert – und dieser Wert ist in die Sichtbarkeit zu bringen und wird dann auch selbstverständlich bezahlt.
Antje Maul-Meyer
Die Autorin ist Beauty Business Mentorin und Autorin.
www.antjemeyer.com; Insta: antjemeyer_
Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin BEAUTY FORUM
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