Die professionelle Schönheitsbranche befindet sich in einer ihrer größten Transformationsphasen. Was früher allein durch Fachmessen, persönliche Empfehlungen oder Printmedien beeinflusst wurde, geschieht heute größtenteils durch Instagram, TikTok, YouTube und Co. Trends auf Social Media beschleunigen die Nachfrage und prägen das Schönheitsverständnis ganzer Generationen. Für Beauty-Dienstleisterinnen und -Dienstleister bedeutet das: Ohne digitale Präsenz verliert selbst der beste Service an Wirkung.
Trends entstehen heute nicht mehr nur in Laboren oder Fachkreisen, sondern in Sekunden – durch kurze Clips, Live-Berichte oder virale Tutorials. Begriffe wie „Brow Lamination“, „Glass Skin“ oder „Face Sculpting“ verbreiten sich weltweit. Wer diese Entwicklungen erkennt und professionell nutzt, profitiert. Wer sie ignoriert, riskiert, unsichtbar zu werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie jeden Trend oder jede Behandlung anbieten müssen, sondern vielmehr, genau zu wissen, welche Leistungen zur eigenen Positionierung passen.
Denn Sichtbarkeit allein reicht nicht. Die Branche hat eine neue Währung bekommen: Aufmerksamkeit. Und sie ist nicht nur wertvoll – sie ist knapp. Menschen entscheiden heute innerhalb von Sekunden, ob sie bleiben oder weiterklicken, ob sie buchen oder weitersuchen. Wer ihre Aufmerksamkeit gewinnt, erhält die Chance, Vertrauen aufzubauen.
Online einzigartig wirken
Doch genau hier entsteht ein neues Problem: Viele Beauty-Professionals wirken online austauschbar. Ich wage zu sagen, dass sich 90 Prozent aller Webseiten gleichen. Stockfotos ersetzen echte Ergebnisse, und Social-Media-Profile imitieren, statt zu inspirieren. Dabei gilt heute mehr denn je: Wer wie alle aussieht, wird nicht gesehen. Wer authentisch ist, bleibt in Erinnerung. Auch Werbung verliert an Wirkung, wenn sie gleich aussieht. Dann steigen die Werbekosten – und die Nachfrage sinkt.
Visuelles Profil aufbauen
Eine erfolgreiche digitale Präsenz muss deshalb ikonisch sein – nicht kopiert. Ein Institut oder eine Praxis braucht ein visuelles Profil, das sofort erkennbar ist: echte Bilder, echte Menschen, echte Identität. Statt Website-Vorlagen von der Stange oder Agenturfotos, die jeder nutzt, braucht es eine Bildsprache, die Professionalität und Persönlichkeit vereint.
Philip Kotler, einer der bedeutendsten Marketingexperten der Welt, formulierte es sinngemäß so: „Wer seine Kundinnen und Kunden am besten versteht, wird den Markt beherrschen.“
Für die Beauty-Branche heißt das: Erfolg entsteht nicht nur durch handwerkliches Können, sondern auch durch psychologisches Verständnis – für Bedürfnisse, Unsicherheiten und Entscheidungsprozesse. Kundinnen und Kunden kommen heute informierter zu Terminen als je zuvor. Doch genau das kann man nutzen.
Führen, aufklären und Orientierung geben
Schon die Homepage kann durch ihren visuellen Aufbau führen, aufklären und Orientierung geben – und damit wertvolle Beratungszeit sparen, noch bevor der Termin gebucht ist.
Denn Kundinnen und Kunden vergleichen Ergebnisse, prüfen Wirkstoffe und beobachten Trends. Sie sehen täglich, was möglich ist – oder zumindest möglich scheint.
Das bringt Verantwortung mit sich. Social Media zeigen nicht nur reale Ergebnisse: Filter, KI-Retusche und optimierte Hautbilder erzeugen Schönheitsideale, die kaum erreichbar sind. Der Druck, „perfekt“ auszusehen, steigt. Fachlich kompetente Anbieterinnen und Anbieter müssen deshalb mehr tun, als Trends zu bedienen – sie müssen aufklären, beraten und Erwartungen realistisch einordnen.
Gleichzeitig eröffnen Social Media Chancen, wie es sie früher nicht gab. Noch nie war es so einfach, Expertise zu zeigen und Kundinnen und Kunden mitzunehmen – in den Behandlungsraum, in den Alltag im Institut , in Haut- oder Haaranalysen, in echte Vorher-Nachher-Ergebnisse, in Live-Fragerunden.
Erzählen und erklären
Beauty-Professionals werden zu Coaches und Marken. Jede Anwendung, jede Behandlung, jeder Erfolg kann heute selbst erzählt werden – nicht durch Werbung, sondern durch Authentizität.
Giedre Rasche
Die Autorin ist Beauty-Business-Coach und Inhaberin von zwei Kosmetikinstituten. Sie ist auf apparative Kosmetik und Medical Beauty spezialisert. www.sanabeauty.de
Dieser Artikel stammt aus dem Fachmagazin BEAUTY FORUM
Lust in Ruhe durchzublättern?
Dann hol dir jetzt die Zeitschrift nach Hause!