Alles (Haut-)klar?: Phototyp VI nach Fitzpatrick

24.03.2026
Foto: verona studio/Shutterstock.com

In der Serie liegt der Fokus auf dem größten Organ: der Haut. Denn für Sie als Kosmetikerinnen und Kosmetiker ist die Haut auch gleichzeitig Ihr Arbeitsmaterial. In diesem Teil der Serie geht es um Sonnenschutz und Phototypen nach Fitzpatrick – wie die Haut sich schützt. Falls noch Fragen offen sind, hilft Ihnen Kosmetikerin und angehende Ärztin Sarah White.

Mithilfe des Fitzpatrick-Systems lässt sich beurteilen, wie die einzelnen Hauttypen auf UV-Strahlung reagieren und welche Risiken für Sonnenbrand, Pigmentveränderungen und UV-bedingte Hautschäden bestehen. Der Phototyp VI kommt besonders häufig in Subsahara-Afrika, Teilen Südasiens, im karibischen Raum sowie in Populationen afrikanischer Abstammung in Nord- und Südamerika vor. Phototyp VI besitzt mit über 60 Minuten den höchsten natürlichen Eigenschutz aller Hauttypen. 
Er ist jedoch wie jede Haut nicht vollständig vor UV-bedingten Schäden gefeit, also vorsicht.

Merkmale des Phototyps VI

Typisch für Phototyp VI ist eine dunkelbraune bis schwarze Haut in Kombination mit dunklen Haaren und braunen Augen. Die Haut enthält eine sehr hohe Menge an Eumelanin, was mit einer äußerst geringen Sonnenbrandneigung und besonders stabilen Pigmentreaktionen einhergeht. Sommersprossen treten in der Regel nicht auf. Die Bräunungsfähigkeit ist sehr ausgeprägt: Bereits geringe bis moderate UV-Belastungen führen zu einer raschen und intensiven Pigmentierung. 
Dennoch ist, wie bei jedem Hauttyp  der natürliche Eigenschutz begrenzt und schützt nicht vor kumulativen UV-Schäden. Während die zusätzliche UV-induzierte Bräune im Winter abnimmt, bleibt bei Phototyp VI eine ausgeprägte Grundpigmentierung der Haut ganzjährig erhalten.

Reaktion auf Sonnenexposition

Menschen mit Phototyp VI bekommen selten Sonnenbrand. Bei sehr starker oder lang anhaltender UV-Belastung können jedoch Rötungen, Überwärmung oder Reizungen als frühe UV-Reaktion auftreten. Ein Sonnenbrand ist zudem nicht immer ausschließlich durch Rötung gekennzeichnet, sondern kann sich auch durch Spannungsgefühl, Brennen, Juckreiz, Bläschenbildung oder Schwellung äußern.
Die Bräunungsreaktion setzt rasch ein, verstärkt sich schnell und ist meist lang anhaltend. Trotz der sehr robusten Pigmentierung bleibt die Haut nicht vollständig vor UV-A- und UV-B-Strahlung geschützt: Beide Spektren können DNA-Schäden und strukturelle Veränderungen verursachen, die sich über Jahrzehnte hinweg kumulieren.

Risiken und Langzeitfolgen

Da Phototyp VI häufig als „nahezu sonnenresistent“ wahrgenommen wird, kann die Notwendigkeit von Sonnenschutz unterschätzt werden. Auch wenn Sonnenbrände selten auftreten, besteht ein relevantes Risiko für UV-bedingte Hautveränderungen. Dazuzählen insbesondere Hyperpigmentierungen, Melasmen, postinflammatorische Pigmentverschiebungen sowie Zeichen des Photoagings, etwa Elastizitätsverlust oder texturale Veränderungen infolge oxidativen Stresses und chronischer Entzündungsprozesse. Auch bei Phototyp VI können Hautkrebserkrankungen auftreten wie Plattenepithel- und Basalzellkarzinome. Melanome sind seltener, wobei bei diesem Phototyp häufiger das akrolentiginöse Melanom vorkommt. Diese Form manifestiert sich bevorzugt an den Akren (Handinnenflächen, Fußsohlen, Finger- und Zehenzwischenräumen) sowie subungual unter den Fingernägeln (zum Beispiel Hutchinson-Zeichen). Zu beachten ist zudem, dass Hautkrebs bei Menschen mit stark pigmentierter Haut in der klinischen Praxis häufig später erkannt wird, da frühe Veränderungen auf dunkler Haut schwerer wahrgenommen und nicht immer unmittelbar mit Hautkrebs in Verbindung gebracht werden.

Empfehlungen zum Schutz

Auch Phototyp VI benötigt konsequenten Sonnenschutz, insbesondere bei hoher UV-Belastung. Empfohlen wird ein Breitband-Lichtschutzfaktor ab LSF 30, bei intensiver Sonneneinstrahlung LSF 50. Bei stark pigmentierter Haut werden weißelnde Texturen als kosmetisch störend empfunden. Transparente oder getönte Formulierungen fördern daher die regelmäßige Anwendung. Schutzkleidung, breitkrempige Hüte und UV-Schutzbrillen tragen zusätzlich zur Reduktion der Strahlenexposition bei. Regelmäßige Hautkontrollen sind sinnvoll, insbesondere bei neu auftretenden oder sich verändernden Pigmentflecken.

Foto: Sarah White

Sarah White
Die Autorin ist Kosmetikerin,
angehende Ärztin und Trainerin für die Kosmetikbranche sowie Gründerin der Marke iluqua. www.iluqua.com

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