Auf Instagram läuft gerade ein Trend heiß, der selbst für Social-Media-Verhältnisse absurd wirkt: Barbie Faces.
Ursprünglich aus Korea herübergeschwappt, zeigen die Vorher-nachher-Bilder rund modellierte Stirnen, pralle Bäckchen und künstlich geformte Kinnpartien – als müsse jede Gesichtskontur an die kleine Plastikpuppe erinnern. Nach „Trapptox“ für einen langen Hals also das nächste Kapitel aus der Barbie-Trickkiste.
Dabei war Barbie früher ein Spielzeug, das kleine Prinzessinnenträume beflügeln sollte. Heute wird aus dem harmlosen Wunsch nach Glamour ein ästhetisches Wettrüsten, das mit Medizin nur noch am Rande zu tun hat. Denn beunruhigend ist nicht nur der Trend selbst, sondern die Bereitschaft mancher Behandlerinnen und Behandler, ihn mitzumachen. Russian Lips, Foxy Eyes, Barbie Faces – wann genau ist die Ästhetische Medizin zum Erfüller jeder filterbasierten Laune verkommen?
Das ärztliche Berufsrecht verpflichtet eigentlich dazu, das Wohl der Patientinnen über wirtschaftliche Interessen zu stellen. In Zeiten von Trend-OPs scheint das jedoch vergessen.
Umso erfreulicher sind die Ergebnisse der DGÄPC-Statistik 2024. Sie zeigen: Patientinnen und Patienten achten wieder stärker auf Qualität, Qualifikation und Seriosität. Die Nachfrage nach Fachärztinnen und Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie steigt vor allem bei größeren Eingriffen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass Social Media das Selbstbild verzerrt: Besonders junge Menschen fordern eine Kennzeichnung digital bearbeiteter Bilder. Und trotz aller Trends liegt das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten nach wie vor bei über 40 Jahren – weit entfernt vom Bild einer Generation, die sich nur wegen Instagram unters Messer legt.
Die Statistik macht Hoffnung: Zwischen Barbie-Fantasie und Realität zeichnet sich eine Rückbesinnung auf professionelle, verantwortungsvolle ästhetische Medizin ab. Trends mögen kommen und gehen – Qualität bleibt.
Dipl. Kauffrau Astrid Tomczak LL. M. (Pharmarecht)
Die studierte Betriebswirtin ist seit 2006 in der Ästhetischen Medizin tätig und berät Unternehmen zu Market-Access-Strategien. Sie verfasst regelmäßig Artikel zu betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Themen der Branche.