Füße stillhalten

01.04.2024
Füße still halten

Bieten Sie Ihren Fußpflegekunden als Behandlung alternativ zur Bewegung einfach mal Stillstand an. Zu festen Zeiten für die Kunden laufen die Pflegeprogramme in absoluter Stille ab. Neue Energien werden freigesetzt, und die „stille Stunde“ wird sich ganz schnell größter Beliebtheit erfreuen. Sie denken, das geht nicht? Und ob das geht!

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Ein ständiges Kommen und Gehen, permanente Telefongeräusche, Musik im Hintergrund, Kundengespräche an der Rezeption, im Wartebereich oder während der Behandlung, Reklamationen, Paketboten, die Lieferungen bringen, Motorengeräusche ihrer Arbeitsgeräte, Lieferdienste für die Mittagsmahlzeit, Mitarbeitergespräche. In der Summe sind das alles Geräusche, Lärm, visuelle Reize, Schwingungen, mit denen Sie förmlich bombardiert werden und die den Topf dann ganz schnell auch mal zum Überlaufen bringen können, wenn die Stimmung sich richtig aufgeheizt hat und jeder der Beteiligten das Gefühl hat, seine Emotionen mit anderen teilen zu müssen, egal ob positiv oder negativ behaftet, und das Ganze noch in höchstem Tempo. Puh, das kann ganz schön anstrengend sein.

Entschleunigen Sie

Natürlich können sich nicht von jetzt auf gleich alle Praxisgewohnheiten ändern, und das muss ja auch nicht täglich oder dauerhaft sein, denn sicherlich sind viele Elemente auch gut, wichtig und gewinnbringend und machen Ihren Praxisalltag aus. Aber kleine Änderungen können immer und auch kurzfristig vorgenommen werden, auch wenn sie natürlich vorher gut durchdacht sein müssen. Wenn Sie der Hektik des Alltags in Ihrer Praxis etwas entfliehen wollen, laut gegen leise bis hin zur Stille tauschen möchten, dann sollten Sie auf „Entschleunigen“ setzen und das Ganze in einem gesunden Verhältnis aus Rhythmus und Ruhepause umsetzen. Entdecken Sie die „Langsamkeit“ ganz neu für sich, denn auch in ihr wohnt die Ruhe.

Die Kraft der Stille

Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist: Wie werden wir innerlich ruhiger? Die Antwort ist: „Achtsamkeit“. Die Voraussetzung dafür ist Zeit. Wenn wir uns diese nehmen, mehr auf uns achten, in unseren Körper hineinhören was ihm guttut und gegen was er sich vehement wehrt, kann es in uns ganz ruhig werden. 
Ruhe bringt Entspannung, alles Schwere können wir ablegen, das Leichte behalten oder neu annehmen und uns in diesem Gefühl der neuen Geborgenheit willkommen heißen. Dieses Fundament der Ruhe beinhaltet, dass wir uns etwas von dem Wesen der Stille bewahren, wie auch immer die äußeren Umstände sein mögen. Leichte Achtsamkeitsübungen zeigen uns, wie diese Stille immer mehr Freude und Gelassenheit in unser Leben bringt und dass auch kein Wort mehr nötig ist, um zu beschreiben, wie wir uns fühlen. Die drei Wege, um die Kraft der Stille für unser ganzheitliches Wohlbefinden zu nutzen, sind

  • zuerst unsere Umgebung entzerren und beruhigen, 
  • friedvolle Beziehungen gestalten und behalten, 
  • die neu erworbene innere Stille pflegen und dabei auf die innere Stimme hören.

Reden oder schweigen

Reden ist ein zentraler Teil des Menschseins und grundlegender Bestandteil unserer Kommunikation, doch es gibt viele Menschen, die nicht reden, weil sie nicht können oder nicht wollen. Die Art, wie wir zu denen, die sprachlos sind, eine Beziehung herstellen, kann uns aufzeigen, welches Verhältnis wir zur Stille haben und welchen Wert wir den Worten beimessen. Werfen wir mal einen Blick auf unsere Lebensspanne, könnten wir zu dem Schluss kommen, dass Reden eine vorübergehende Erscheinung ist, gerade weil wir unser Leben schweigend beginnen und beenden, weil Sprache als Mittel der Selbstdefinition im Babyalter erst erlernt werden muss und im Alter immer mehr an Bedeutung verliert.

Die richtigen Vorbereitungen treffen

Die wichtigsten Punkte, dass die stille Stunde auch für beide Teile, Kunde und Dienstleister, wahrlich mit allen Vorzügen genossen werden kann, liegt in der professionellen Vorbereitung. Dies sind dabei die wichtigsten Punkte:

• Für das „Stille-Treatment“ eignen sich vorrangig Fuß- und Handmassagen, Peelings, Packungen, Paraffinbehandlungen, alles, was sich sanft und leise in die Haut einschmeichelt. Sollten Sie eine Fußpflege anbieten wollen, dann nur „handmade“ ohne Motor. 
• In diesem Zeitraum sind alle Geräte ausgeschaltet: Türklingel, Festnetz, Handy, Radio, Musik, Drucker, Fax, Schleifgeräte und alles, was sonst noch Geräusche erzeugt.
• Das Gleiche gilt für Ihr Team – es wird nicht gesprochen –, eine Verständigung über Handzeichen oder Notizzettel ist möglich. Unterbrechungen während des „Stille-Treatments“ seitens des Teams sind untersagt. Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall.
• Sie haben für die stille Stunde einen Raum gewählt, der den höchstmöglichen Ruhefaktor bietet ohne lauten Verkehr von draußen.
• Alle Arbeitsutensilien liegen griffbereit und können für die „stillen Kunden“ sofort und geräuschlos zusammengestellt werden. Wasser für die Fußbäder halten Sie in einem Krug bereit, sodass auch kein Wasserrauschen zu hören ist.
• An der Tür haben Sie gut sichtbar ein Schild befestigt, in dem die „Stille Stunde“ angekündigt ist, zum Beispiel „Bitte nicht stören – unsere Kunden genießen heute die „Stille Stunde“. Deshalb bleiben alle Geräusche für heute draußen. Wir bitten Sie, dies zu respektieren“. 

Fußbad

Die „stille Stunde“ beginnt

So starten Sie das wortlose Treatment:

• Sie holen den Kunden pünktlich an der Tür ab. Sie können ihn ganz persönlich mit einem „Namasté“ (gefalteten Händen über der Brust) begrüßen. Alternativ können Sie sich die Hand reichen, bei Bekannten und Freunden ist auch die Umarmung ein erwärmender Start.
• Um sicherzugehen, dass auch wirklich nicht gesprochen wird, halten Sie einen Finger vor den Mund und begleiten den Kunden mit einem Lächeln, das erinnert ihn noch mal daran, nicht zu sprechen.
• Sie helfen dem Kunden beim Auskleiden und führen ihn mit Handzeichen in den Behandlungsraum, wo er auf dem Stuhl oder auf der Liege Platz nimmt.
• Den Massageraum haben Sie liebevoll dekoriert und mit Lichtmomenten umrandet, der erste Sinn, das Sehen, bekommt Bedeutung.
• Sie zeigen ihm den vorbereiteten Arbeitstisch und benetzen mit den Produkten, die Sie für das Verwöhnpaket ausgesucht haben, seinen Handrücken. Führen Sie diesen dann an seine Nase und bedienen Sie damit den nächsten Geruchssinn, das Riechen.
• Nun beginnen Sie mit der ersten Berührung „gentle touch“ (das Fühlen). Diese wird der Kunde noch intensiver wahrnehmen als sonst, denn alle Geräusche drum herum, die er üblicherweise immer visualisiert, sind ausgeschaltet.
• Denken Sie an die Entdeckung der Langsamkeit, wenn Sie die Massagebewegungen auf der Haut durchführen. So wird jede einzelne Zelle intensiv berührt und sorgt für eine besondere Sinneswahrnehmung. Die Sinne Hören und Schmecken haben Pause.
• Halten Sie immer liebevollen Blickkontakt zu Ihrem Kunden (Lächeln), es ersetzt die Sprache, und schauen Sie, ob er sich gut fühlt. (Bilder sagen mehr als Tausende Worte).
• Nach der Pflege darf der Kunde noch etwas in absoluter Ruhe relaxen. Sie holen ihn danach ab und verabschieden ihn genauso still und herzlich, wie sie ihn empfangen haben.

Wichtig:
• Während der ganzen Zeit, die der Kunde sich bei Ihnen aufhält, wird nicht gesprochen, es sei denn, es tritt ein Notfall auf.
• Fertigen Sie einen Fragebogen an, den Sie dem Kunden nach der Behandlung mitgeben. Erfragen Sie hier seine Emotionen während der „stillen Stunde“ und bitten Sie ihn, diesen ausgefüllt wieder mitzubringen.

Teilen Sie sich die Vorteile

Sie werden sehen, welch heilsamer Moment diese „stille Stunde“ für Sie und Ihre Kunden sein kann und langfristig auch sein wird. Mit Sicherheit tritt dieser nicht direkt und vielleicht auch nicht gleich beim ersten Mal in vollem Maße ein, allerdings sind deutliche Tendenzen dazu zu erkennen, je häufiger man sich darauf einlässt, sich in Stille zu üben. Deshalb liegen die Vorteile auf der Hand:

• Der Fokus in der Stillezeit liegt auf der Achtsamkeit, sich und seinen Körper intensiv wahrzunehmen und in ihn hineinzuspüren. Das kann auch dabei helfen, Beurteilungen und Etikettierungen abzustellen, was dazu führt, dass wir ausgeglichener sind und uns über Ereignisse, die wir nicht kontrollieren, weniger aufregen.
• Der Augenblick wird besonders intensiv wahrgenommen und erhält als ein persönlicher Moment eine zusätzliche Wertschätzung. 
• Der Alltag wird für die gebuchte Zeit erst mal ausgeblendet.
• Die Stille lädt dazu ein, ein „schönes Kopfkino“ zu besuchen. Positive Bilder können entstehen, wenn wir die Augen schließen und uns einfach in Wunschsituationen hineinträumen.
• Stille lädt aber auch dazu ein, das Denken komplett auszuschalten.
• Stille befreit uns von Stress und Anspannung, laute Geräusche lassen unseren Blutdruck steigen, können krank machen und unsere Lebensqualität verschlechtern. Stille ist heilsam.
• Stille lädt den mentalen Akku wieder auf.
• Stille fördert die Kreativität.
• Stille lässt das Gehirn „wachsen“.
• Stille bringt uns „uns selbst“ näher

Ursula Schneider

Ursula Maria Schneider
ist Wellnessberaterin (IHK), Entspannungstrainerin und Inhaberin von „Drehpunkt Fuß“. Sie bietet Ausbildungen für innovative Fußmassagetechniken an und entwickelt Konzepte für gesunde Schritte.

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