Whitening
Pflanzliche Hautaufheller

Nicht nur in Asien sind aufhellende Behandlungen im Bereich der Kosmetik der absolute Renner – dort gilt immer noch der „Porzellanteint“ als Inbegriff klassischer Schönheit – auch in Europa rücken Whitening-Produkte in den Fokus der Anwender, da diese neben Falten auch Altersflecken wirksam bekämpfen sollen.
Der Wunsch nach einem ebenmäßigen Teint ist beinahe so alt wie die Menschheit. Schon im alten Persien verwendete man Substanzen, um die Haut aufzuhellen. Zwischenzeitlich weiß man, dass die Einschätzung des Alters eines Menschen nicht nur aufgrund eventueller Falten erfolgt, sondern nicht zuletzt auch davon abhängt, wie gleichmäßig sein Teint ist.
Die Wirkstoffe kennen
Es gibt eine große Zahl mehr oder weniger aktiver Wirkstoffe zur Aufhellung von Hyperpigmentierungen. In früherer Zeit wurden chemische Bleichmittel eingesetzt, die aber die Haut schädigen. In der Folge wurde auf Hydrochinon gesetzt, das aber zwischenzeitlich für den Einsatz in Kosmetik aufgrund seiner gesundheitsschädigenden Wirkung geächtet ist. Auch Kojisäure wurde häufig eingesetzt. Jedoch bestehen hiergegen häufig Hautreaktionen, sodass auch dieser Stoff praktisch nicht mehr zum Einsatz kommt und in einzelnen Ländern sogar verboten ist. Häufig eingesetzt wird auch Arbutin, ein Glycosid von Hydrochinon. Beta-Arbutin ist ein natürlicher Inhaltsstoff der Bärentraube und wurde bislang als ungefährliche, aber dennoch wirksame Variante des Hydrochinons in der Literatur beschrieben. Da Arbutin jedoch möglicherweise in der Haut zu Hydrochinon umgewandelt werden kann, bestehen seitens der EU-Kommission für kosmetische Rohstoffe Bedenken gegen den Einsatz in der Kosmetik.
Azelainsäure ist eine organische Fettsäure, die in der Natur in Weizen, Reis und Gerste vorkommt. Die hautaufhellende Wirkung wird durch schädigende Effekte auf die Melanozyten erklärt. Da sie als pharmazeutischer Inhaltsstoff zulassungspflichtig ist, ist der Einsatz wirksamer Konzentrationen in Kosmetika in Deutschland nicht erlaubt.
Natürliche Alternativen
Extrakte des Papiermaulbeerbaumes-einer Pflanze, die vor allem in China und Asien heimisch ist, sind ein sehr effektiver Tyrosinasehemmer, der zusätzlich noch entzündungshemmende Wirkung hat. Sein Wirkprinzip beruht auf dem oben beschriebenen Arbutin, das in der Pflanze enthalten ist.
Mit Glabridin kommt ein weiterer effektiver Tyrosinase-Hemmer aus dem Pflanzenreich. Glabridin ist Hauptinhaltsstoff der Süßholzwurzel. Er ist in der Lage, eine deutliche Hautaufhellung zu erzielen, ohne dass ein schädigender Effekt auf die Melanozyten ausgeübt wird. Auch die Süßholzwurzel ist für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt.
Einen neuen Ansatz der Hautaufhellung verfolgt ein Extrakt aus Olivenblättern. Der Hauptinhaltsstoff, der hieraus gewonnen wird, ist Oleuropein. Der bitter schmeckende Stoff hat eine sehr hohe antioxidative sowie entzündungshemmende Wirkung. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Altersflecken. Oleuropein wirkt gegen das Abfallprodukt Lipofuszin in den Zellen, das für die Altersflecken verantwortlich ist. Wenn die Zellen im menschlichen Körper älter werden, häufen sie unterschiedliche Abfallprodukte ihres Stoffwechsels an. Wenn eine gewisse Menge überschritten ist und die „zelluläre Recyclingfabrik“ nicht mehr funktioniert, entsteht das Abfallprodukt Lipofuszin. Altersflecken sind häufig eine Anhäufung von Lipofuszin, die nicht mehr abtransportiert werden kann und in der Haut als lästiger Fleck erkennbar wird. Wissenschaftliche Studien mit Oleuropein haben gezeigt, dass durch diesen Stoff die „zelluläre Recyclingfabrik“ wieder aktiviert und somit die Bildung von Lipofuszin sowie von Altersflecken wirksam reduziert wird.
Vitamin C (Ascorbinsäure) – und seine stabilisierten Verbindungen wie z.B. Ascorbylphosphat – wird in hautaufhellenden Mitteln häufig zur Unterstützung der Wirkung eingesetzt. Das Wirkprinzip beruht ebenfalls auf einer Tyrosinasehemmung. Als radikalfangender Stoff wirkt Vitamin C vorbeugend gegen die schädlichen Effekte der freien Radikale, die durch übermäßige UV-Einstrahlung erzeugt werden.
Eine effektive Wirkung können hautaufhellende Stoffe nur dann erzielen, wenn sie in die Haut penetrieren (eindringen) können. Ziel des Kosmetikentwicklers muss es daher sein, eine kosmetische Basisformulierung zu verwenden, die ein Durchdringen in die Haut ermöglicht. Auf Füllstoffe, wenn möglich auch auf Konservierungsmittel, sollte verzichtet werden, um unangenehme Reaktionen der Haut zu vermeiden.
Whitening richtig anwenden
Für die Kosmetikerin ist es wichtig, dass sie mit ihrer Kundin über die richtige Anwendung der Produkte spricht. Dazu gehört, dass ein hautaufhellendes Produkt nur eine Wirkung erzielen kann, wenn es über einen längeren Zeitraum regelmäßig angewendet wird. Das liegt daran, dass sich die Haut üblicherweise alle 28 Tage erneuert und erst dann die dunkel pigmentierten Zellen abgetragen werden. Die helleren Hautzellen, die dann außen liegen, lassen die Haut heller und gleichmäßiger getönt erscheinen. Daher wird häufig im Rahmen einer Behandlung zur Hautaufhellung ein intensives Peeling durchgeführt, um den Effekt schneller sichtbar zu machen. Damit es nicht zu einer unerwünschten Überpigmentierung kommt, sollte die Anwendung eines tyrosinasehemmenden Produktes mindestens 14 Tage vor dem Intensivpeeling beginnen. Zusätzlich hat das den Vorteil, dass dadurch die Ergebnisse optimiert werden können.
Naturgemäß erhöht sich bei der Verwendung von Hautaufhellern die Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht, da durch die Lightener ja gerade der Eigenschutz der Haut eingeschränkt wird. Diese Empfindlichkeit wird durch das Peelen der Haut nochmals gesteigert. Eine regelmäßige Anwendung entsprechender Lichtschutzfilter ist damit zwingende Voraussetzung für entsprechende Effekte.
Für viele Kunden ernüchternd ist die Tatsache, dass eine einmalige, hohe Dosis von Sonnenlicht ohne entsprechenden Lichtschutz das mühevoll erreichte Ergebnis zunichte machen kann, ganz gleich, welche hautaufhellende Methode angewandt wurde.
Autor: Jürgen Singer
