Klassische Cellulitebehandlungen apparativ unterstützt

25.01.2012Von: Christiane Schulte-Heege

Wie glatt gebügelt

Schon sehr bald ist es wieder soweit – auch wenn der Blick aus dem Fenster es noch kaum vermuten lässt, das „Frühlingserwachen“ steht kurz bevor und zusammen mit dem Frühling erwacht ebenfalls das Körperbewusstsein der Kunden. Das Bekämpfen der lästigen Cellulite wird erneut zum Thema. Setzten Sie sich schon jetzt damit auseinander und erstellen Sie erste Behandlungskonzepte.

Cellulite-Behandlungen sind sicherlich mit eine der größten Herausforderungen in der kosmetischen Praxis. Wie bei kaum einer anderen Anwendung ist der Erfolg so stark von der Mitarbeit des Kunden abhängig, was eine intensive Befragung und Beratung unabdingbar macht. Zu Beginn erfolgt die Analyse und Festlegung des Cellulite-Stadiums. Die Einordnung erfolgt in drei Stadien, wobei jedes Stadium in seiner Art positiv beeinflussbar ist.

1. Die leichte Cellulite ist nur in seitlichem Schattenlicht oder mithilfe der Kneifprobe erkennbar. Behandlungsvorschlag: die Aktivierung und Anregung der Mikrozirkulation.

2. Die Orangenhaut ist bereits sichtbar – leichte Wölbungen und Dellen zeichnen sich ab. Behandlungsvorschlag: die Aktivierung und Anregung der Mikrozirkulation und des Bindegewebes, leichtes Muskeltraining sowie die Aktivierung des Fettstoffwechsels.

3. Das sogenannte Matratzenphänomen, das sich durch eine ausgeprägte Form der Cellulite mit stärkeren Dellen und Wölbungen auszeichnet, ist bereits deutlich sichtbar. Behandlung: die Aktivierung und Anregung der Mikrozirkulation, das Stützen und Stärken des Bindegewebes, die Aktivierung und der Aufbau der Muskulatur sowie des Fettstoffwechsels.

Auf die Festlegung des Cellulite-Stadiums sollte die intensive Anamnese und individuelle Ursachenforschung unter Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten der Kundin folgen. Sie sollten Fragen zum Trinkverhalten, der Ernährung sowie zu den Sportgewohnheiten Ihrer Kundin stellen und ebenfalls nicht versäumen, nach möglichen Belastungen wie Hormonen, Genussgiften, Medikamenten, Sonne oder Stress zu fragen. Das Ziel einer jeden Behandlung besteht darin:

  • Die Grundversorgung zu optimieren und somit sowohl die Zellen als auch das Gewebe zu aktivieren und mit genügend Wasser, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen
  • Die Stoffwechselendprodukte entsprechend abzutransportieren
  • Die Muskulatur zu aktivieren und aufzubauen
  • Den Fettstoffwechsel zu aktivieren
  • Den dadurch erreichten Zustand dauerhaft zu erhalten
  • Den erreichten Zustand dauerhaft zu halten

 Die Festlegung des individuellen Behandlungsablaufs erfolgt nach Abklärung der Kontraindikationen.

Anwendungen ohne Stromfluss

  • Bürstenschleifgeräte
  • Für den Einstieg und zur Vorbereitung der Haut eignen sich Bürstenschleifgeräte, wobei hier die mechanische Reizung mit durchblutungsfördernder und auflockernder Wirkung auf das Gewebe ganz klar im Vordergrund steht. Einsetzbar ist diese Methode mit einer groben Bürste (Teller oder Zylinder) als Trockenbürstenmassage auf der abgereinigten Haut mit leichtem Peeling- und Massageeffekt, als Alternative zum mechanischen Peeling sowie um der Kundin die Notwendigkeit der täglichen Trockenbürstenmassage zu verdeutlichen. Bei der Verwendung eines mechanischen Peelings zur Vorbereitung empfiehlt sich das Arbeiten mit einem Schwamm- beziehungsweise Bimssteinaufsatz. Des Weiteren können Bürstenaufsätze auch zum Einarbeiten von Präparaten angewandt werden (Bürste leicht anfeuchten). So wird die Durchblutung gesteigert, das Spezialpräparat gründlich einmassiert und die Haut für die nachfolgende manuelle Massage vorbereitet. Die Arbeitszeit liegt je nach Anwendung bei 5 bis 10 Minuten.
  • Vakuumgeräte
  • Vakuum-Massagen werden gerne mit Reizstromanwendungen kombiniert, weshalb einige Hersteller entsprechende Kombinationsgeräte zur Arbeitserleichterung und Zeitersparnis anbieten.  Eine ebenfalls mechanische Behandlungsmethode ist das Arbeiten mit Vakuumgeräten, entweder als gleitende Vakuum-Massage oder als Saug-Zupf-Massage. Dazu werden Saugglocken aus Glas oder Vakuumelektroden verwendet. Die „Saug-Zupf-Massage“ wird ohne Produkt durchgeführt. Sie aktiviert die Durchblutung, stärkt das Bindegewebe und fördert den Lymphabfluss. Durch die Massage mit der Saugglocke und das dadurch zusätzlich in die Gewebebezirke gesogene Blut können sich zudem Gewebeverhärtungen und -Verklebungen lösen. In Anwendung mit einem Produkt (beispielsweise Massagemittel wie Öle oder Emulsionen) wird von einer gleitenden Vakuummassage gesprochen. Diese wird in Richtung der Lymphabflussbahnen durchgeführt und unterstützt den gezielten Abtransport von Stoffwechselendprodukten. Die Behandlungsdauer liegt, je nach Größe des Behandlungsgebietes und gewünschter Durchblutungsförderung, bei 10 bis 20 Minuten.
  • Infrarotstrahler
  • Die einzelnen Behandlungsschritte werden gerne durch den Einsatz von Infrarotstrahlern erweitert, die zur Biostimulation dienen. Hierbei stehen die thermische Wirkung und die Förderung der Mikrozirkulation im Vordergrund. Parallel zur manuellen Massage oder während der Einwirkzeit einer Maske oder Packung unterstützt die Wärme nicht nur das Wohlfühlerlebnis, sondern verstärkt zusätzlich die Wirksamkeit der Präparate.
  • Low-Level-Laser
  • Eine weitere Form der Biostimulation ist der Low-Level-Laser. Die sogenannten Softlaser mit einer Ausgangsleistung von 5 bis 100 mW können das Hautbild positiv beeinflussen. Die Behandlung soll den Zellstoffwechsel anregen und die Leistungs- und Synthesefähigkeit der Zellen erhöhen, was sich wiederrum positiv auf das Gewebe auswirkt. Synergistische Effekte erzielt man ebenfalls in Kombination mit anderen apparativen Behandlungen wie Reizstrom oder Ultraschall. Ebenso kann der Softlaser zur Stimulation von Akkupunkturpunkten und Meridianen oder aber zur Streichung entlang der Lymphbahnen eingesetzt werden.
  • Hochfrequenzstab
  • Auch der Hochfrequenzstab wird zur Aktivierung durch Entladung an der Hautoberfläche eingesetzt. Über eine mit Edelgas gefüllte Glaselektrode werden wirksame impulsförmige Hochfrequenzstromstöße erzeugt. Aufgrund der Verbesserung der Hautdurchblutung durch lokale Hyperämie und der Förderung des Zellstoffwechsels dient er der Revitalisierung und Regeneration der Haut. Das Einbringen von Wirkstoffen kann mithilfe des Hochfrequenzstabes ebenfalls verbessert werden. Für großflächige Behandlungen empfiehlt sich der Einsatz einer Rollenelektrode, die sowohl mit als auch ohne Präparat einsetzbar ist. Die Behandlungszeit beträgt ca. fünf bis acht Minuten.

 

Unterstützt durch Stromfluss

  • Gleichstrom
  • Aufgrund seiner Eigenwirkung und der Möglichkeit, eine Iontophorese durchzuführen, ist auch der Gleichstrom für die Behandlung von Cellulite sehr interessant. Es kommt zu einer Gefäßerweiterung mit der Folge einer Hyperämie, welche in Abhängigkeit von der Dauer und der Intensität der Gleichstrombehandlung bis zu einige Stunden bestehen bleibt. Diese vasomotorische Wirkung bewirkt eine bessere Nährstoffversorgung des Gewebes, einen schnelleren Abtransport von Stoffwechselendprodukten sowie eine rasche Resorption von Ablagerungen.
  • Mikromassage
  • Das Prinzip der Mikromassage besteht darin, dass zwischen den Händen der Kosmetikerin und dem Gewebe des Kunden ein pulsierendes elektrisches Feld aufgebaut wird. Dadurch wird gewissermaßen eine Anziehung und Abstoßung aufeinander ausgeübt (niederfrequente elektrostatische Entladung). Das elektrische Feld wird mittels zwei Elektroden aufgebaut, von denen die eine am Arm der Kosmetikerin und die andere am Körper des Kunden platziert wird. Da sowohl die Kosmetikerin als auch der Kunde an das Gerät angeschlossen wird, gelten für beide Kontraindikationen (hier unter anderem Herzschrittmacher oder Schwangerschaft). Durch das elektrische Feld werden Vibrationen erzeugt, sobald die Hände sanft und ohne Druck über die Haut des Kunden gleiten. Je nach ausgewählter Taktung entstehen so verschiedene Massagearten sowie die entsprechenden Wirkungen. Die Anwendung der Mikromassage lässt sich sowohl als Einzelanwendung durchführen als auch in ein Behandlungskonzept einarbeiten. Je nach Indikation kann hierdurch die klassische Massage ersetzt oder ergänzt werden. Die Behandlungsdauer liegt bei 20 bis 45 Minuten.
  • Ultraschall
    • Reizstrom
      Mit größer werdender Frequenz des eingesetzten Reizstromes werden die Hautwiderstände immer geringer (bei nur geringem Energieverlust) und das Empfinden für den Kunden immer angenehmer. Durch die elektrisch ausgelöste Muskelarbeit wird der Stoffwechsel im Muskel erhöht und seine Durchblutung gesteigert. Die rhythmisch abwechselnde Kontraktion und Erschlaffung verbessert den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen und wirkt dadurch entstauend. Das Muskeltraining bewirkt auf lange Sicht eine günstige Umstellung des Fettstoffwechsels. Reizstromanwendungen vereinen sämtliche für die Behandlung von Cellulite wichtigen Aspekte und können gezielt als Einzelanwendungen (zirka 40 bis 60 Minuten) zum Einsatz gebracht werden.
    Zum Bereich Reizstrom zählen die Nieder- und Mittelfrequenzströme, die in der Lage sind, erregbare Zellen (Nerven- und Muskelzellen) zu reizen. Mithilfe dieser Reizung kann die Muskulatur in unterschiedlicher Art und Weise trainiert werden. Der elektrophysiologische Unterschied besteht in unterschiedlichen Reizprinzipien. Auch der Einsatz von Interferenzstrom (Überlagerung von zwei mittelfrequenten Wechselströmen mit gleicher Intensität) zählt dazu.
  • Je nach Gerätetyp und Einstellungsmöglichkeiten der Parameter ist der Ultraschall ein absolutes Multitalent. Von der oberflächlichen bis hin zur Tiefenstimulation kann jede Gewebeschicht angesprochen werden. Das Wirkspektrum beinhaltet mechanische, thermische, chemisch-physiologische und phonophoretische Wirkungen, teilweise auch in Kombination mit einer lokal-dynamischen Mikromassage. Der Einsatz kann je nach Auswahl des Kontaktmediums mit und ohne Wirkstoffe erfolgen. Ebenso komplex wie das Wirkspektrum sind die Einsatzmöglichkeiten des Ultraschalls. Es sind Einzelbehandlungen, Simultanbehandlung in Kombination mit Reizstrom oder die Anwendung zur Phonophorese innerhalb einer anderen Behandlung möglich. Je nach Auswahl liegt die Behandlungsdauer zwischen 20 und 40 Minuten.

 

Die richtige Kombination

All diese Behandlungsmöglichkeiten werden seit Jahren erfolgreich in der Kosmetik angewendet. Doch alleine können sie keine Wunder bewirken. Die Kundin muss die Bemühungen der Kosmetikerin durch eine ausgewogene Ernährung (wenig Fett und Kohlenhydrate, viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – für einen optimalen Stoffwechsel), durch ausreichend Bewegung an der frischen Luft sowie Sport oder Gymnastik und durch eine zusätzliche Heimpflege mit den richtigen Kosmetikprodukten aktiv unterstützen. Letztendlich ist es die Kombination aus der manuellen, präparativen und apparativen Kosmetik, die den Erfolg in enger Zusammenarbeit mit der Kundin ausmacht. Ratsam sind, je nach Schweregrad, Kuranwendungen von 8 bis12 Behandlungen innerhalb von vier bis sechs Wochen – idealerweise zwei Behandlungen pro Woche. Der zeitliche Rahmen sollte pro Behandlung bei zirka 45 bis 60 Minuten liegen, wobei, je nach Möglichkeiten im Institut, Variationen sinnvoll sind. Um die Behandlungsergebnisse im Abschluss zu erhalten, sind „Auffrischungsbehandlungen“ sinnvoll, die im Idealfall ein bis zweimal pro Monat stattfinden sollten.

Autorin: Christiane Schulte-Heege

Zurück