Herpesbläschen

25.01.2012Von: Dr. Michaela Axt-Gadermann

Vorausschauend handeln

Hat man sich einmal damit infiziert, wird man es nicht mehr los ­– das Herpesvirus. Es zieht sich in die Nervenzellen zurück und kommt erst wieder zum Vorschein, wenn die Abwehr geschwächt ist. Doch durch eine abwehrstärkende Ernährung lässt sich die Schwere der Herpesausbrüche günstig beeinflussen.

Eine Erkältung und schon sind die Lippenbläschen da. Neun von zehn Erwachsenen und 75 Prozent der Jugendlichen sind mit Herpes simplex infiziert. Das Herpes-Virus-1 (HSV-1) verursacht die bekannten Lippenbläschen, auch Fieberbläschen oder Gletscherbrand genannt. Die Infektion mit einem anderen Virusstamm (HSV-2) zieht meist eine Genitalinfektion nach sich.

Das Herpesvirus ist hochinfektiös, die Ansteckungsgefahr deshalb auch für Kosmetikerinnen entsprechend groß. Solange sich keine Kruste gebildet hat, sind die nässenden Bläschen ansteckend.

Ist das Virus erst einmal in den Körper gelangt, wird man es nicht mehr los; es zieht sich in Nervenknoten zurück und bricht erst wieder aus, wenn die Abwehr geschwächt ist. Während manche Menschen jeden Monat an die Herpesinfektion erinnert werden, leiden andere nur alle paar Jahre darunter.

Ungünstige Faktoren

Wie stark das Immunsystem mit unserer Psyche in Verbindung steht, sieht man am Lippenherpes besonders deutlich. Oft reicht schon ein kurzes Ekeln oder eine vorübergehende Stresssituation aus, um die Abwehrkräfte so zu schwächen, dass das schlummernde Virus geweckt wird. Daneben gibt es weitere Provokationsfaktoren für das Ausbrechen einer Herpesinfektion wie Sonnenbrand, Menstruation, Fieber, Infekte oder Stress. Auch wenn man den Erreger nicht mehr aus dem Körper hinaus bekommt, so kann man doch verhindern, dass die Infektion allzu häufig ausbricht: Es ist unter anderem hilfreich, Sonnenbrände im Gesicht zu meiden, die Abwehrkräfte zu stärken und bei Stress beispielsweise Entspannungsübungen durchzuführen.

Die Abwehr unterstützen

Mithilfe der Ernährung und bestimmten Mikronährstoffen lassen sich nicht nur die Abwehrkräfte gegen Viren steigern, sondern auch das Wachstum der Herpesviren und so die Häufigkeit und Schwere der Herpesausbrüche günstig beeinflussen.

Auf Arginin und Lysin achten

Besonders wichtig scheinen hier zwei Eiweißbausteine (Aminosäuren) zu sein: Arginin und Lysin. Das Herpesvirus benötigt eine regelmäßige Zufuhr von Arginin für sein Wachstum. Diese Aminosäure fördert demnach die Entwicklung von Herpesbläschen. Der Gegenspieler ist Lysin, denn die Aufnahme größerer Mengen von Lysin hemmt das Viruswachstum, unter anderem dadurch, dass es die Argininmenge verringert, die dem Virus zur Verfügung steht. Durch eine lysinreiche und gleichzeitig argininarme Ernährung lassen sich Häufigkeit und Schweregrad der Herpesrückfälle günstig beeinflussen. Auch eine zeitweilige Nahrungsergänzung mit Lysinpräparaten kann sinnvoll sein.

Die Abwehr stärken

Herpesviren haben immer dann eine Chance, wieder auszubrechen, wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind. Es liegt also nahe, das Immunsystem auch mithilfe der richtigen Mikronährstoffe bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Eine wichtige Rolle hierbei spielt Zink, das die Abwehrkräfte stärkt. Das Spurenelement ist sowohl für die Bildung von Antikörpern als auch für die Funktionsfähigkeit der Lymphozyten (Abwehrzellen) wichtig. Außerdem hemmen Zinkionen die Ausbreitung der Herpesviren im Körper. Sogar äußerlich in Form von Zinkpaste angewandt beschleunigt der Mikronährstoff die Abheilung der Bläschen.

Die Bedeutung von Vitamin C für die Abwehrkräfte ist allgemein bekannt. Auch bei einer Herpeserkrankung wirkt das Vitamin. In einer Untersuchung heilten die Bläschen deutlich schneller ab, wenn bei den ersten Anzeichen 3-mal täglich 600 mg Vitamin C und 600 mg Bioflavonoide eingenommen wurden.

Tipp: Wichtig für die Wirksamkeit aller genannten Maßnahmen ist die rechtzeitige Anwendung, das heißt: spätestens beim ersten Kribbeln anfangen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Leider gibt es kein Medikament, das die Viren in den Nervenknoten unschädlich machen kann oder vor einer Ansteckung schützt. Doch die Krankheitsdauer lässt sich verkürzen, wenn man möglichst früh, am besten beim ersten Kribbeln und Stechen, noch bevor die Bläschen sichtbar werden, mit der Behandlung beginnt. Hier gibt es mehrere Therapieoptionen: Die Anwendung eines Melissenextraktes oder eines Virustatikums. Beide Wirkprinzipien gelten als effektiv.

  • Melissenextrakt kann das Eindringen von Herpesviren schon im Vorfeld unterbinden. Er blockiert die Rezeptoren der Hautzellen. So können die Herpesviren weder eindringen, noch sich vermehren und damit keine Infektion auslösen. Wie wirksam Melissenextrakt ist, hat erneut eine Untersuchung der Universität Heidelberg bestätigt, die vergleichend auch Aciclovir untersuchte. Im Ergebnis zeigt der Melissenextrakt (z.B. Lomaherpan) eine hervorragende antivirale Wirkung. Je frühzeitiger der Wirkstoff angewendet wird, desto effektiver die Abwehr.
  • Die zweite Option sind Nukleosidanaloga (z.B. Aciclovir, Penciclovir). Diese verändern den genetischen Code der Viren, sobald diese in die Hautzelle eingedrungen sind und beschleunigen so die Abheilung. Salben mit virushemmenden Inhaltsstoffen (Virustatika) gibt es frei verkäuflich in der Apotheke. Diese sollte man bei den ersten Anzeichen alle 2 Stunden auftragen. So kann der Schweregrad reduziert und die Abheilung deutlich beschleunigt werden.
  • Wenn man gerade keine Salbe zur Hand hat, kann man bei Lippenherpes durchaus auch mal Zahnpasta anwenden.
  • Sind die Bläschen bereits verkrustet, bringen die Herpessalben nicht mehr viel. Jetzt sind Pflegecremes oder austrocknende Produkte wie Zinkpaste sinnvoll.

Autorin: Dr. Michaela Axt-Gadermann

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