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Mechanisch, chemisch, enzymatisch

14.07.2011

Peelings für alle Fälle

Ob mit Salz, Sand oder Säure: Peelings werden eingesetzt, um die Regeneration der Haut anzuregen und sie jünger aussehen zu lassen. Um diese Ziele zu erreichen, stehen der Kosmetikerin heute vielfältige Methoden zur Verfügung

Zu Urgroßmutters Zeiten war es üblich, einmal pro Woche die Körperreinigung mit einer groben Bürste zu unterstützen. Damit wurde die Haut nicht nur von hartnäckigen Verunreinigungen befreit, sondern auch von locker sitzenden Hautschuppen. Gleichzeitig wurden in den oberflächennahe Gefäßen die Mikrozirkulation und die Hautregeneration angeregt. Auf letzteres konzentriert sich das professionelle Peeling, das gar nicht so weit weg von der Wurzelbürste liegt, wenn es mit mechanischen Reibekörpern durchgeführt wird. Zu den mechanischen Peelings haben sich in den letzten Jahrzehnten chemische, enzymatische und apparative, ja sogar Laser-Peelings gesellt.

Mechanische Peelings

Mechanische Peelings regen ähnlich einer Massage die Mikrozirkulation der Haut an. Sie verstärken deren natürliche Abschuppung und lassen sich naturgemäß sehr gut dosieren. Im Vergleich zu chemischen Peelings sind sie in der Anwendung nebenwirkungsfrei und lassen sich hinsichtlich der Reibekörper und des Mediums, in dem sich diese befinden, jeder Haut – auch der Problemhaut – anpassen.

  • Feine Quarzsande, Bims- und Holzmehle sowie gemahlene Olivenkerne gehören zu den ältesten wasserunlöslichen Reibekörpern. Sie werden heute noch in Form abrasiver Waschpasten angeboten, die nach Gebrauch mit Wasser abgespült werden. Da die darin enthaltenen Reinigungsmittel während eines kosmetischen Peeling zu aggressiv sind, wird in der Praxis erst gereinigt und dann in einem zweiten Arbeitsgang gepeelt. In diesem Fall werden die Reibekörper mit pflegenden Ölen, Cremes oder Gelen aufgetragen.

Weitere Reibekörper sind neben gemahlenen Kernen und Schalen von Früchten (Olive, Aprikose, Pfirsich, Walnuss) auch Kaffeemehl und Kunststoffpartikel aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyurethan (PUR). Neben Heilerden (Tonerde, Lehm) sind auch Wachskügelchen im Gebrauch, z.B. Jojoba-Beads. Aufgrund ihrer abgerundeten Struktur sind sie wesentlich milder als scharfkantige mineralische oder holzartige Partikel.

  • Wasserlösliche Reibekörper wie Kochsalz, Meersalz, Totes Meer Salz, gemahlener Kandis oder Zuckerkristalle u.v.m. sind beliebt, da sie sowohl als feuchter Brei als auch in Verbindung mit einem Pflanzenöl oder einem Oleogel angewandt werden können. Sie haben den Vorteil, dass sie sich beim Abspülen auflösen. Überschüssiges Öl oder Gel wird gegebenenfalls mit einem Reinigungs- oder Duschgel entfernt. Letztere sollten, um darauf folgende Behandlungen nicht zu stören, keine rückfettenden Substanzen enthalten. Bei wasserlöslichen Reibekörpern, insbesondere Salzen, ist die individuelle Empfindlichkeit zu berücksichtigen, da es bei kleinen Hautläsionen zu einem vorübergehenden, harmlosen Brennen kommen kann.

Durch Abtragung von Teilen der Hornschicht erhöht sich temporär der transepidermale Wasserverlust (TEWL), d.h., nach dem Peeling muss eine schützende Creme mit Feuchthaltestoffen aufgetragen werden. Zu oft sollten Peelings allerdings nicht durchgeführt werden, da sich die Haut daran gewöhnt und mit einer gesteigerten Verhornung reagiert.

Chemische Peelings

Auch chemische Peelings verstärken in der Regel die Mikrozirkulation, dies wird jedoch durch einen chemischen Reiz ausgelöst. Die Intensität des chemischen Peelings ist je nach Behandlungsart sehr unterschiedlich und erfolgt nach unterschiedlichen Mechanismen. Die Behandlungen erfordern viel Erfahrung und sind zum Teil den dermatologischen Praxen vorbehalten.

  • Vitamin-A-Säure darf heute nur noch in Arztpraxen angewandt werden. Dabei wird die Haut gezielt irritiert, was zu einer Stimulierung der Kollagensynthese führt und ganz allgemein ihre Regenerationstätigkeit ankurbelt. Das führt dazu, dass die obersten Hautschichten abgestoßen werden.
  • Alpha-Hydroxysäuren (AHA's, Fruchtsäuren) waren die Nachfolger der Vitamin-A-Säure, nachdem sie in der Kosmetik verboten wurde. Während bei Vitamin-A-Säure die Säurefunktion als solche nicht ausschlaggebend ist, kommt es bei den Alpha-Hydroxysäuren genau darauf an.

Starke Säuren (niedriger pH-Wert) erzeugen bekanntlich Irritationen bis hin zu Verätzungen auf der Haut. Selbstverständlich darf es bei einem Peeling nicht dazu kommen. Daher sind Fruchtsäuren wie Glykol- und Milchsäure diesbezüglich kontrollierter und gefahrloser anzuwenden als beispielsweise verdünnte Salzsäure, die den gleichen Effekt hätte. Die Irritation, bei der oberflächlich auch Proteine denaturiert werden, bewirkt eine intensive Zellneubildung. Die Haut erscheint rosiger, frischer und kleinste Fältchen verschwinden eine zeitlang. Die häufige Anwendung von Fruchtsäure-Peelings stresst jedoch die Haut und macht sie auf Dauer empfindlich und pergamentartig.

Enzym-Peelings

Die Zellverbände der Hornschicht werden durch Proteine zusammengehalten. Werden diese enzymatisch gespalten können die abgestorbenen Zellen gelockert und nach einer Einwirkungszeit von 10–20 Min. oberflächlich abgetragen werden. Zu diesem Zweck setzt man Masken ein, die Trockenextrakte enzymhaltiger Pflanzensäfte enthalten und mit Wasser angerührt werden.

Bei den Enzymen handelt es sich um Proteasen (= eiweißspaltende Enzyme) wie z.B. das Papain aus dem Saft des tropischen Melonenbaumes und das Bromelain aus dem Saft und den Stengeln der Ananas. Enzymatische Peelings sind äußerst schonend und gleichmäßig; die Wirkung beschränkt sich auf die Hautoberfläche. Daher können sie ohne weiteres einmal im Monat angewandt werden. Die Mikrozirkulation wird dabei nicht angeregt, da ein mechanisches oder in der Tiefe wirkendes chemisches Stimulans fehlt.

Wie „fit“ ist die Haut?

Allen Peeling-Maßnahmen sollte eine eingehende Analyse der Haut vorangehen um sicherzustellen, dass diese tatsächlich in der Lage ist, sich wie gewünscht zu regenerieren. Nach Chemotherapie, Krankheit oder medikamentöser Therapie ist dies nicht selbstverständlich. Daher kann es sinnvoll sein, dem geplanten Peeling eine mehrwöchige, aufbauende Hautpflege vorzuschalten. Andernfalls muss man damit rechnen, dass vorgeschädigte Haut durch Peelings noch weiter gestresst wird. Dies gilt vor allem auch dann, wenn Barrierestörungen vorliegen. In diesem Fall findet in der Regel zunächst eine Verschlechterung des Hautzustandes statt.

Bei der Mikrodermabrasion müssen die Behandlungsintervalle auf das Regenerationspotenzial der Haut eingestellt werden. Nach dem Peeling ist der Schutz der Haut besonders wichtig. Die darauf folgende langfristige Heimpflege muss daher einerseits schützen, andererseits darf sie die Regeneration nicht behindern – eine Gratwanderung, die in jedem Einzelfall einer fundierten Beratung bedarf.
Nach tieferen chemischen Peelings und Laser-Peelings sind ärztlich verordnete Maßnahmen notwendig, um Infektionen sicher zu unterbinden.

 

Autor: Dr. Hans Lautenschläger

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