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Faire Kosmetik

26.07.2011

Darf es etwas mehr Wirkung sein?

Produkte mit fair gehandelten Inhaltsstoffen pflegen nicht nur die Haut. Sie tragen dazu bei, dass weltweit Menschen unter besseren Bedingungen leben und arbeiten können – und schonen die Umwelt

„Bio“ und „Fairtrade“ spielen in unserem Leben eine immer wichtigere Rolle. Die bekanntesten Produkte aus fairem Handel sind nach wie vor Lebensmittel wie Kaffee und Tee. Da ist die Sache klar:

Das Fairtrade-Siegel belegt, dass unser morgendlicher Genuss nicht auf Kosten von Menschen und Umwelt geht. Das Siegel garantiert, dass die lokalen Rohstoffproduzenten fair bezahlt werden und Kaffee und Tee unter partnerschaftlichen Bedingungen angebaut werden.

Aber was hat fairer Handel mit Kosmetik zu tun? Den Aspekt „sozial verträgliche Produktionsbedingungen“ bringen Verbraucher nicht automatisch mit ihrer Gesichtscreme in Verbindung.

 
Die Ressourcen schonen

Die meisten Kosmetikprodukte sind eine Komposition vieler Stoffe, von denen manche eine weite Reise hinter sich haben. Zahlreiche Rohstoffe für die Herstellung von Kosmetikprodukten wie beispielsweise Palmöl, Kokosöl, Teebaumöl, Kakaobutter und Sheabutter kommen aus Ländern der so genannten Dritten Welt. Der Rohstoffexport ist für sie eine wichtige Einnahmequelle. Oft werden deshalb große Monokulturen angelegt oder im großen Stil wilde Pflanzenbestände geerntet – mit zum Teil katastrophalen Folgen für die betroffenen Regionen.

So wird beispielsweise in Indonesien der Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere durch die intensive Palmölgewinnung vernichtet und das Grundwasser verschmutzt. Die schlechten Arbeitsbedingungen für die Landarbeiter und die Dumpinglöhne sind die sozialen Schattenseiten dieser Industrie. Die umweltfreundliche Erzeugung der Rohstoffe und die faire Zusammenarbeit mit den Erzeugern können diese Probleme lösen. Und genau das ist es, worauf viele Hersteller von Naturkosmetik setzen. Heute gibt es ökologisch hergestellte und fair gehandelte Rohstoffe, die zu Kosmetika verarbeitet werden.

Mehr als Partnerschaft

Im iranischen Mehdi Abad fördert die Wala Hilmittel GmbH den biologisch-dynamischen Anbau der Damaszener Rose. Ihr Öl wird in Dr. Hauschka Kosmetik eingesetzt.

Fair hergestellte und gehandelte Kosmetikrohstoffe gewinnen in den Erzeugerländern zunehmend an Bedeutung. Sie sichern die Einnahmen für die meist unterprivilegierten Einzelbauern, Stämme oder Kooperativen und schonen gleichzeitig die Umwelt. Oft sind es Frauen, die in den Projekten die Existenz ihrer Familien sichern.

Einige Naturkosmetikhersteller (siehe unten) betreiben nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ schon seit vielen Jahren ökologische und soziale Projekte. Anbauprojekte in Entwicklungsländern und der Kontakt zu den Menschen vor Ort gehören zu ihrer Philosophie.

Das Engagement geht dabei meist über eine gute Partnerschaft und gerechte Bezahlung hinaus. Viele Hersteller von Naturkosmetik schließen feste Abnahmeverträge ab. So garantieren sie den Lieferanten und Bauern vor Ort, dass sie die Ernte abkaufen und geben ihnen dadurch Planungssicherheit. Außerdem bekommen die Menschen vor Ort Beratung und Tipps rund um den biologischen Anbau.

Soziale Verantwortung

Martina Gebhardt Naturkosmetik unterstützt in Burkina Faso eine Dorfgemeinschaft durch die Abnahme von Sheabutter aus biologischem Anbau

In der Regel sind den etablierten Herstellern von Naturkosmetik fair gehandelte Rohstoffe wichtig und sie engagieren sich seit Jahren dafür. Ob und wie aktiv die einzelnen Naturkosmetikhersteller sind, zeigt oft ein Blick auf die Internetseite des jeweiligen Unternehmens. Hier stellen wir Ihnen beispielhaft einige Fairtrade-Projekte vor:

    Martina Gebhardt Naturkosmetik ermöglicht derzeit durch ihre Unterstützung in Burkina Faso und Marokko die Umstellung der kleinen Betriebe auf Bioanbau, den Bau von Brunnen, die Anpflanzung von Hecken und das Errichten von Zäunen, um den Schutz vor wilden Tieren zu gewährleisten. Außerdem wird die schulische Ausbildung von Kindern gefördert.
    Im Gebiet von Cusco, in den Anden Perus, arbeiten Indiofamilien im biologischen Anbauprojekt IEPLAM zusammen, das von Primavera Life gefördert wird. Durch feste Abnahmeverträge kann hier ein Projekt für traditionelle Medizin unterstützt werden.
    Die Firma Tautropfen bezieht Passionsfruchtsamenöl von einer kolumbianischen Bauernkooperative, in der sich zahlreiche Kleinbauern zusammengeschlossen haben. Sie bietet 450 Familien ein Auskommen unter fairen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, jenseits vom Drogenanbau.
    Weleda hat sich zum Ziel gesetzt, dass langfristig 3.000 Menschen in der Türkei vom Bio-Rosenanbau leben können. Der Aufpreis, den Weleda zahlt, fließt in soziale Projekte vor Ort. In diesem Jahr soll ein Kindergarten errichtet werden, der die Kinder betreut, während die Eltern auf dem Rosenfeld arbeiten.
    Als Mitglied des Labels „FairWild“, das klare Richtlinien für die Wildpflanzensammlung definiert, engagiert sich Farfalla für faire Arbeits- und Preisbedingungen, finanziert Projekte vor und garantiert Abnahmemengen.
    Light of Nature unterstützt das Projekt „Avive“ in Sives, einer kleinen Flussinsel im Amazonas. Dabei geht es um den Erhalt der Rosenholzbäume und die legale Vermarktung von Rosenholzöl.
    Ätherisches Rosenöl ist eine wichtige Komponente der Dr. Hauschka-Kosmetik. Die Wala Heilmittel GmbH unterstützt daher den Aufbau von Rosenplantagen nach biologisch-dynamischen Methoden, gibt Kredite für den Bau einer großen Destille und die Renovierung von Gebäuden und plant, den Aufbau einer medizinischen Erstversorgung in der Rosenregion Georgien zu unterstützen.

Jeder kann mithelfen

Neue Werte, neues Bewusstsein: Die Bedürfnisse der Menschen richten sich nach innen. Bei vielen ändert sich die Lebensweise, ihre Ziele sind Selbstkenntnis, Stressfreiheit und Entschleunigung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Beständigkeit. Dies alles mündet in eine Nachfrage von wirtschaftlich, gesundheitlich und ökonomisch sinnvollen Produkten und Dienstleistungen. Der Beginn von jeglichen Veränderungen liegt in uns selbst.

Die Autorin

Liane Jochum ist Naturkosmetikerin, Ayurveda- und Wellness-Therapeutin. Seit 2001 leitet sie ein Ausbildungs- und Seminarzentrum für Naturkosmetik (www.naturkosmetikschule.de)

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