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Die meisten aktuellen Geräte und Techniken im ästhetischen Bereich wie z.B. das Microneedling können als minimalinvasiv bezeichnet werden. Foto: Vagengeim/Shutterstock.com

Während unspezifische Beschreibungen wie „sanft“ und „schonend“ einen großen Interpretationsspielraum zulassen, liegt der Fall bei Fachtermini etwas anders. Hier scheint es sich um genau genau definierte Begriffe zu handeln. Die Realität des täglichen Sprachgebrauchs lehrt uns jedoch eines Besseren: Definition hin oder her, jeder interpretiert die Begrifflichkeiten ein bisschen anders. Das sorgt für Unsicherheiten bei Anwenderinnen und Kundeninnen. Um die Verwirrungen in Zukunft ein bisschen zu vermeiden und ein wenig Sicherheit im Umgang mit Begrifflichkeiten zu schaffen, werfen wir einen Blick in den Dschungel unseres Fachjargons und versuchen, Licht in das Dunkel zu bringen.

Fragen wir zuerst Wiki & Co.

Wie bei so vielen Fachbegriffen in der Medizin liegt auch bei „invasiv“ ein lateinischer Wortstamm zugrunde. „Invadere“ bedeutet eindringen. Der Begriff „invasiv“ definiert also wie „eindringend“ oder besser wie „gewebeverletzend“ eine ästhetische Behandlung ist. 

Hier offenbart sich schon der erste Stolperstein. Denn viele Behandlungen, die per definitionem invasiv sind, werden so nicht bezeichnet. 

Streng genommen müsste jede Blutentnahme als invasiv bezeichnet werden, da hier eine Nadel in das Gewebe eindringt und Gewebe verletzt wird. Doch lassen wir uns nicht vom Weg abbringen und versuchen, uns weiter einen Weg durch das Dickicht zu schlagen. Beginnen wir mit der ersten Kategorie: den nicht invasiven Behandlungen.

Nicht invasiv: sehr beliebt

Abb. 1: Aknebehandlung mit LDM-Ultraschall. Ausgangsbefund (links) und Ergebnis nach 10 Behandlungen (wöchentliche Behandlung mit 3/10 MHz). Foto: Dr. med. Frank Rösken

Mit dem Begriff „nicht invasiv“ wird heute gerne geworben. Der Grund liegt auf der Hand: kein Aufwand und Risiko. Und genau das möchten unsere Kunden schließlich hören.

Bei nicht invasiven Behandlungen wird kein Fett- oder Bindegewebe verletzt. Die Behandlungen finden nur an der Oberfläche statt und wirken zellstimulierend. Ausfallzeiten sind quasi nicht vorhanden. Der einzige Nachteil, wenn man das so nennen darf, ist die vergleichsweise geringe Wirkintensität. Doch dem ist leicht Abhilfe zu schaffen.

Daher gilt: Spricht man von nicht invasiven Behandlungen, dann bedeutet dies auch Kontinuität. Wiederholung ist hier der Schlüssel zum Erfolg. 

Denn ohne meist engmaschige wiederkehrende Behandlungen sind bei Prozeduren dieser Art kaum nachhaltige Erfolge zu erzielen. 

Bei regelmäßiger Anwendung sind die Ergebnisse jedoch sehr erfolgreich und für eine nachhaltige Hautverbesserung zu empfehlen. 

Dies trifft auf im Institut häufig angewandte Verfahren wie zum Beispiel Mikrodermabrasion, Lichttherapie oder Ultraschall (siehe Abb.1) zu.

Minimalinvasiv: Ist das so?

Abb. 2: Typische Komplikationen bei Haarentfernung mit IPL-System. Foto: Dr. med. Frank Rösken
Abb. 3: Punktuelle Blutungen bei tiefem Needling (2,5mm, Dermapen). Foto: Dr. med. Frank Rösken

Kommen wir nun zum Bereich der minimalinvasiven Behandlungen. Beginnen wir hierfür zunächst mit einem Blick auf die Kriterien, die minimalinvasives Vorgehen in erster Linie auszeichnen:

  • Sie erzeugen das kleinstmögliche Trauma für Haut und Weichteile.
  • Sie sind schonender als vergleichbare Techniken mit demselben Behandlungsziel. 
  • Sie erzeugen geringe Nebeneffekte (u.a. Schmerz, Schwellung, Hämatom).
  • Sie zeichnen sich durch eine schnelle Erholungszeit aus.

Wenn wir uns diese Definition ansehen, wird die Problematik der Begrifflichkeit deutlich. Denn Begriffe wie kleinstmögliches Trauma, schonendere Techniken und geringe Nebeneffekte sind dehnbare Begriffe, die viel Interpretationsspielraum lassen – sich für den Kunden oder Patienten aber durchaus positiv anhören, vermitteln sie doch den Eindruck, dass mit kleinem Aufwand/Risiko (minimal) der größtmögliche Effekt erzielt wird (invasiv). Was den Aufwand betrifft, ist die Annahme auch mehr oder weniger richtig. Das Risiko wird bei minimalinvasiven Behandlungen jedoch oft falsch eingeschätzt – dazu gleich mehr. Schauen wir uns erst einmal an, was minimalinvasive Behandlungen überhaupt sind. 

Haut- und Gewebeverletzung

Die meisten aktuellen Geräte und Techniken im ästhetischen Bereich können mit gutem Gewissen als minimalinvasiv bezeichnet werden: Die Methoden erzeugen keine Narben und nur ganz geringe Gewebeverletzungen (z.B. Faltenunterfütterung), die zum Teil sogar gewünscht sind (z.B. Microneedling). 

Was sich für viele Laien und Kundeninnen auf den ersten Blick verwirrend anhört, überzeugt bei näherer Betrachtung. Denn durch die gewünschte Gewebeverletzung wird die Neubildung von frischen Gewebestrukturen angeregt. 

Im Fall der Fettentfernung zum Beispiel durch Kryolipolyse wird das störende (Fett)Gewebe sogar dauerhaft entfernt. 

Wir arbeiten also in allen Fällen mit wenn auch kleinen Gewebeverletzungen. Das verlangt vom Behandler genaue Kenntnisse der Anatomie und des zugrunde liegenden Wirkmechanismus sowie den differenzierten, bedächtigen Einsatz der jeweiligen Technologie, um unschöne Überraschungen zu vermeiden –  womit wir beim oben bereits erwähnten Stichwort Risikopotential wären. 

Minimalinvasive Behandlungen auf dem Risikoprüfstand

Sehen wir uns in der Folge also einige aktuell beliebte Verfahren einmal genauer an und prüfen sie im Hinblick auf ihr Risikopotenzial. 

Hiermit ist nicht gemeint, ob und in welchem Maß Gewebe zerstört wird – denn das ist bei minimalinvasiven Behandlungen ja fester, zum Teil sogar gewünschter Bestandteil. 

„Risiko“ bezeichnet vielmehr, inwieweit selbst bei scheinbar kleinen Gewebeverletzungen durch fehlerhafte Anwendung dauerhafte, irreparable Schäden entstehen können.

Abb.4: Typische Rötung nach einem Needling (10 Minuten nach tiefem Needling). Foto: Dr. med. Frank Rösken
Abb.5: Vor und 10 Min. nach lokalem Volumenaufbau am Jochbogen mit Hyaluronsäure. Foto: Dr. med. Frank Rösken

Blitzlichttherapie: IPL-Systeme sind heute fester Bestandteil vieler Kosmetikinstitute. Von Herstellern gerne als „nicht invasiv“ angepriesen, sind sie aber, aufgrund ihrer physikalischen Nähe zum Laser und ihres damit einhergehenden Wirkmechanismus (u.a. Zerstörung der Haarfollikel durch Photothermolyse) keineswegs nicht invasiv.

Basierend auf den oben dargelegten Kriterien fallen sie zwar in die Rubrik der minimalinvasiven Systeme, erfordern aber gut geschulte Therapeuten,  um Verbrennungen und unschöne Pigmentstörungen zu vermeiden (siehe Abb. 2). Ein klassischer Wolf im Schafspelz! Risikopotential: hoch

Microneedling: Keine Behandlung polarisiert derzeit mehr als das Microneedling. Mehr und mehr Kosmetikerinnen führen dieses Verfahren in ihrem Institut aus, viele Ärzte aber warnen vor dem sorglosen Umgang im Kosmetikinstitut und der Gesetzgeber hebt still und leise die Anforderungen an. Grund genug, hier genauer hinzusehen. 

Betrachtet man sich das technische Vorgehen, dann wird beim Microneedling eine mehr oder weniger starke Verletzung der Haut erzeugt. Diese resultiert je nach Eindringtiefe in einer leichten Rötung bis hin zu punktuellen Blutungen (siehe Abb. 3). Das Verfahren lässt sich gut in einem lokalen Betäubungsverfahren durchführen und die Ausfallzeit für die Kundin aufgrund einer Rötung der Haut (siehe Abb. 4) liegt zwischen 1 und 3 Tagen. Schwellungen, Hämatome oder andere störende Nebeneffekte sind die klare Ausnahme. 

Daher erfüllt dieses Verfahren ganz deutlich die Kriterien, um als minimalinvasiv bezeichnet zu werden. Dennoch gehört auch Microneedling nur in die Hände eines gut geschulten Anwenders, um sicher und wirkungsvoll zu sein. Risikopotenzial: niedrig.

Faltenunterspritzung/Volumenaufbau: Die Unterfütterung eingefallener Hautareale, in erster Linie im Gesicht, ist sicher das perfekte Beispiel für eine minimalinvasive, ärztliche Behandlung. In der Regel für den Patienten mit wenig Unannehmlichkeiten und Risiko verbunden, bietet diese Art der Faltenbehandlung, bei sachgerechter Vorgehensweise, gute Ergebnisse ohne Ausfallzeit (siehe Abb. 5). Risikopotenzial: moderat. 

Diese Liste könnte man nun beliebig fortführen. Um ein Gefühl zu vermitteln, was minimalinvasive Behandlungen auszeichnet und welches Risikopotential sie haben, reicht aber selbst diese kleine Auswahl schon aus. Als Quintessenz bleibt: Auch wenn viele Prozeduren sich ungefährlich anhören, verbirgt sich hier, gerade bei schlecht geschulten Anwendern, der Wolf im Schafspelz.

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Invasiv: Gibt‘s das noch?

Abb. 6: Facelift in verschiedenen Stadien. Foto: Dr. med. Frank Rösken

Zu guter Letzt haben wir nun die sogenannten invasiven Behandlungen. Hier sollte die Sache eigentlich glasklar sein: Wir sprechen, vereinfacht gesagt, von Operationen, bei denen Hautschnitte stattfinden und Gewebe verletzt wird. 

Doch, wie sollte es anders sein, ist die Sache auch hier nicht so einfach. Denn wie genau grenzen wir sie von minimalinvasiven Behandlungen ab? Was ist noch minimalinvasiv, was ist klassisch invasiv? Und gibt es das in der Ästhetik überhaupt noch?

Hier liegt die Wahrheit, wenn man ehrlich ist, im Auge des Betrachters. Denn ein kleiner Hautschnitt, eine minimale Narbe und eine leichte Narkose, wie sie zum Beispiel bei einem aufwendigeren Fadenlifting (siehe Abb. 6) üblich sind, scheint für den Einen schon ein invasiver Eingriff zu sein, für den Anderen ist er noch minimalinvasiv, denn die Narbe ist später kaum sichtbar, es kommt ein hochtechnisiertes, ambulantes Verfahren zum Einsatz und die Ausfallzeit ist gering.

Klarer wird die Definition bei aufwendigeren Operationen wie zum Beispiel bei Brustoperationen oder besser noch der Bauchdeckenstraffung: Diese sind für alle klassische, ästhetisch-chirurgische Eingriffe mit Vollnarkose, deutlicher Narbe, stationärem Aufenthalt und einem beruflichen Ausfall von mindestens 10–14 Tagen. Doch selbst in diesem Bereich haben verbesserte Operations- und Narkosetechniken den Operationsaufwand im Vergleich zu noch vor 10 Jahren verringert und die Regenerationszeit verkürzt – man könnte auch sagen: minimiert.

Grenzen verschwimmen

Nichts ist so verwirrend wie der Fachjargon, mit dem sich Experten gerne umgeben, daran hat sich leider nichts geändert. Denn wer anfängt, sich tiefer mit der Thematik zu beschäftigen, stellt fest: Die Grenzen verschwimmen, scheinbar klare Definitionen werden von individuellen Betrachtungsweisen geprägt und minimaler Aufwand bedeutet keinesfalls ein minimales Risiko. 

Was bedeutet das jetzt für die Praxis, für die tägliche Arbeit mit unseren Kundinnen? 

Wir sollten Werbeversprechen kritisch betrachten. Hinterfragen, ob angepriesene Wirkung und Risiko tatsächlich der Realität entsprechen. Wir sollten versuchen, die eigene Erfahrung und das Know-how kontinuierlich zu erweitern. Und vor allem sollten wir die komplexe Thematik in der Gänze betrachten und nicht schwarz-weiß denken. So können wir Kundinnen wirklich kompetent und mit gutem Gewissen beraten und behandeln. Denn nichts ist schlimmer, als mit Halbwissen Behandlungen anzubieten, die unwirksam oder sogar gefährlich sind. Damit würden wir uns selber und unseren Kunden schaden. Und das möchte schließlich niemand von uns. 

Dr. med. Frank Rösken | Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Die Ästheten, München.

www.plastischechirurgie.aestheten.de

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