
Wirksam und vielseitig
Die Anwendung von Ultraschall ist ein Dauerbrenner in der Kosmetik. Das Indikationsspektrum ist ebenso wie die Kombinationsmöglichkeit mit Präparaten und anderen apparativen Methoden äußerst vielfältig. Nachfolgend finden Sie einige wichtige Grundlageninformationen, die Ihnen helfen, diese Technik optimal und effektiv einzusetzen.
Ultraschallerzeugung und Einkopplung ins Gewebe
Ultraschall (US) wird unter Ausnutzung des umgekehrten piezoelektrischen Effektes erzeugt. Dieser beschreibt das Zusammenspiel von mechanischem Druck und elektrischer Spannung in Festkörpern. Er basiert darauf, dass bei der Verformung bestimmter Materialien auf der Oberfläche elektrische Ladungen auftreten. Umgekehrt verformen sich diese Materialien bei Anlegen einer elektrischen Spannung In einem Ultraschallkopf sitzt eine Scheibe aus einem piezoelektrischen Material (z.B. Quarz). Wird eine Wechselspannung angelegt, verformt sich die Scheibe, wird größer und kleiner im Rhythmus des Wechselstromes. Hierbei werden Schallwellen erzeugt, die über den Ultraschallkopf auf das Gewebe übertragen werden. Um den Ultraschall ohne wesentliche Verluste in das Gewebe einkoppeln zu können, ist zwischen Ultraschallkopf und Haut ein den Ultraschall gut leitendes Medium notwendig. Hierfür nimmt man beispielsweise Gelees, wirkstoffhaltige Ultraschallgele oder Vitaminöle. Besonders interessant für kosmetische Anwendungen sind auch spezielle, auf das jeweilige Hautbild abgestimmte Präparate.
Wirkungen des Ultraschalls
Mechanische Wirkung: Bei Ultraschallanwendungen ist zunächst einmal dessen mechanische Wirkung zu beachten. Es kommt zu Druckschwankungen und minimalen Formveränderungen der Körperzellen. Ein wesentliches Phänomen der mechanischen Wirkung ist die Kavitation (Hohlraumbildung; von lat. cavus = hohl). Es bilden sich zeitweilig mikroskopisch kleine Hohlräume (Gasbläschen), die implodieren und intensive mechanische Prozesse verursachen können. Die mechanische Wirkung des Ultraschalls beeinflusst u.a. die Durchlässigkeit von Zellmembranen, Diffusionsvorgänge können gefördert werden und die Elastizität der Haut lässt sich verbessern.
Thermische Wirkung: Eine wesentliche Wirkung des Ultraschalls ist auch die Entwicklung von Wärme, die insbesondere eine beträchtliche Steigerung der Durchblutung in den beschallten Arealen und eine Förderung des Stoffwechsels und des Lymphflusses mit sich bringt.
Chemische Wirkung: Durch den Ultraschall werden außerdem verschiedene chemische Vorgänge in der Zelle optimiert. Wichtig für die Praxis sind vor allem reaktionsbeschleunigende und oxidierende Wirkungen. Für kosmetische Anwendungen ist eine positive Beeinflussung des Kollagenstoffwechsels höchst interessant, die zu einer Revitalisierung der Haut führt.
Wichtige Ultraschallparameter
Ein wichtiger Parameter des Ultraschalls ist seine Intensität. Diese nimmt beim Durchdringen von Weichgeweben (z.B. Muskel- und Fettgewebe) ständig ab; sie wird also gedämpft. Dies geschieht vor allem durch Umwandlung von Schall- in Wärmeenergie, aber auch durch Reflexion und Streuung. Bei kosmetischen Ultraschallgeräten kommt je nach Indikation meist eine Ultraschallintensität von 0,1–2,0 W/cm2 zur Anwendung. Der applizierte Ultraschall hat unterschiedliche Frequenzen – 880 kHz, 1 MHz, 3 MHz oder auch 10 MHz. Um die richtige Entscheidung zu fällen, welche Frequenz bei welcher Behandlung eingesetzt werden sollte, ist folgende Faustregel zu beachten: Je höher die Frequenz, desto geringer ist die Eindringtiefe des Ultraschalls. Daher werden für oberflächliche Anwendungen (z.B. für Behandlungen der Epidermis) meist 3 MHz, bei manchen Geräten auch 10 MHz eingesetzt. Um jedoch tiefer ins Gewebe zu kommen, z.B. um eine ausgeprägte Cellulite zu behandeln, setzt man i.d.R. 1 MHz ein.
Ultraschall kann einerseits als Dauerschall (auch kontinuierlicher Schall genannt) appliziert werden, andererseits kommt er als Impulsschall zur Anwendung. Bei Letzterem handelt es sich um eine durch Pausen unterbrochene Folge von Schallimpulsen gleicher Intensität (z.B. 1:2, 1:3, 1:5 oder 1:10). Da bei Behandlungen mit Dauerschall die thermische Wirkung dominiert, setzt man ihn vor allem dann ein, wenn Wärme notwendig ist (z.B. bei vielen Liftinganwendungen im Gesicht). Bei einem Impulsschall von 1:10 z.B. tritt die mechanische Wirkung in den Vordergrund. Somit wird er bevorzugt dann eingesetzt, wenn thermische Komponenten nicht gewünscht sind, z.B. bei der Behandlung von erweiterten Äderchen.
Phonophorese
US-Anwendungen erfolgen gerne in Verbindung mit ausgewählten Präparaten, z.B. mit Anti-Aging-Wirkstoffen, Präparaten gegen unreine Haut, erweiterte Äderchen u.v.m. Unter dem Einfluss des Ultraschalls wird die Permeabilität der Haut verändert, so dass auch Wirkstoffe, die normalerweise nur schlecht in die Haut penetrieren, in ihrer Beweglichkeit gefördert und gezielt in die Haut eingebracht werden können (Phonophorese). Dort bilden sie ein Wirkstoffdepot, das zirka 2–6 Tage erhalten bleibt.
Bei Ultraschallanwendungen kommen die Effekte des US und der eingeschleusten Wirkstoffe zum Tragen. Nachgewiesen werden konnten u.a.:
– eine Steigerung des Zellstoffwechsels,
– eine Steigerung der ATP (Adenosintriphosphat)-Aktivität; (ATP ist der wichtigste Energielieferant der Zelle),
– eine Förderung der Durchblutung,
– eine verbesserte Regeneration der Haut,
– eine Förderung der Aufnahme von Wirkstoffen,
– eine Beschleunigung der Lymphzirkulation und
– eine Verbesserung der Dehnbarkeit kollagener Fasern.
Daher werden US-Anwendungen in der Kosmetik unter anderem bei folgenden Indikationen durchgeführt:
– Falten,
– erschlafftes Gewebe im Gesicht und am Körper,
– erweiterten Äderchen,
– unreiner Haut,
– Narben,
– Pigmentflecken,
– Schwangerschaftsstreifen,
– Cellulite.
Viele Kombinationsmöglichkeiten
Ultraschallbehandlungen erfolgen teilweise separat, teilweise auch in Kombination mit anderen apparativen Methoden. In vielen kosmetischen Konzepten wird beispielsweise für die Behandlung von Schwangerschaftsstreifen die Mikrodermabrasion als vorbereitende Maßnahme eingesetzt. Hierbei werden mittels eines Unterdrucksystems und feinsten Kristallen die oberen Schichten der Epidermis sanft und kontrolliert abgetragen. Die Kristalle werden über ein Handstück gezielt über die Haut geleitet und zusammen mit den abgetragenen Zellen in einen separaten Behälter befördert. Die Ergebnisse einer solchen Behandlung sind u.a eine verstärkte Regenerierung der Haut und eine Verringerung der Hornschichtdicke. So kann die Haut die per anschließender US-Behandlung eingearbeiteten Wirkstoffe besser aufnehmen.
Bei anderen Indikationen, z.B. bei der Behandlung einer ausgeprägten Cellulite, wird der US zum Teil zur selben Zeit mit speziellen (mittelfrequenten) Strömen eingesetzt. Hierbei werden über den Schallkopf US und Strom appliziert. Als Gegenelektrode fungiert i.d.R. eine Klebeelektrode, die man z.B. im oberen Oberschenkelbereich fixiert. Der US-Kopf wird, nachdem ausgesuchte Anti-Cellulite-Produkte aufgetragen wurden, entlang der verschiedenen Muskeln bewegt. Achtung: keine die Haut erwärmenden Produkte einsetzten!
Autor: Dr. Holger Meyer-Waarden
Körperregionen, die nicht mit US behandelt werden dürfen: