
Regenerierende Behandlungen
"Regenerationsbedürftige Haut" - was ist eigentlich damit gemeint? Gibt es verschiedene Formen? Welche Wirkstoffe und Behandlungen sind hier sinnvoll? Antworten auf diese Fragen und praktische Tipps für die Behandlung gibt der nachfolgende Beitrag von Marina Seewald.
Beim Durchblättern kosmetischer Lehrbücher sucht man die Beschreibung der "regenerationsbedürftigen Haut" meist vergeblich. Da ist die Rede von "normaler", "trockener", fettiger Haut" oder "Mischhaut". Zusätzlich tauchen noch die Begriffe "reife Haut" und "Altershaut" auf. Medizinisch betrachtet, fasst der Begriff "Regeneration" zellbiologische Prozesse zusammen, die zu einer Zellerneuerung und Heilung führen. Nach der Kosmetikverordnung darf jedoch bei Kosmetikprodukten keine heilende Wirkung ausgelobt werden, obwohl viele Wirkstoffe zweifellos eine solche Wirkung haben. Aus diesem Grund werden in der Kosmetikbranche oft Begriffe wie "Anti-Aging" oder "Revitalisierung" zur Umschreibung eingesetzt. Entsprechende Kosmetikpräparate sollen die Alterung der Haut verzögern und deren Folgen mildern. Auch die Begriffe "Aufbau" und "Repair" werden von den Endverbrauchern im Sinne von Regeneration verstanden.
Wiedergewinnung, Auffrischung, Wiederherstellung und Genesung sind Synonyme für den Begriff Regeneration. Das bringt uns auf dem Weg zur Erklärung des "regenerationsbedürftigen Hautbildes" weiter: Es handelt sich um eine "geschädigte" Haut, die wieder in den Normalzustand zurückgeführt werden soll. Welches Hautbild ist das nun konkret? Geläufig sind zwei verschiedene Formen:
Üblicherweise wird in der Kosmetikbranche sehr oft auch die reife Haut oder Altershaut mit der Eigenschaft "regenerationsbedürftig" umschrieben. Diese Beschreibung klingt in den Ohren der Kundinnen besser als "gealterte" Haut.
Die geeigneten Wirkstoffe
Für die z.B. durch zu viel UV-Bestrahlung, Stress, Rauchen, Alkohol, eine schwere Erkrankung etc. vorzeitig gealterte Haut eignen sich alle Wirkstoffe, die gegen freie Radikale wirken, also insbesondere die Vitamine C und E, das Coenzym Q 10, Extrakte aus grünem und weißem Tee, Passions- und Sonnenblumen, Oliven und Wein. Ferner werden Anti-Aging-Wirkstoffe empfohlen, wie Vitamin A, Phytohormone aus Pflanzen und Algen, Hyaluronsäure und Kollagen, Extrakte aus Kaviar, Plankton, Ginkgo, Centella asiatica, Bambus und Kakao.
Die müde Haut wirkt fahl, schlecht durchblutet und schlaff. Denkbare Gründe sind z.B. Bewegungsarmut und damit verbundener Sauerstoffmangel, starkes Rauchen, lange Krankenhausaufenthalte und Schlafmangel. Bei diesem Hautbild sollten Wirkstoffe eingesetzt werden, die stimulierend wirken, also die Blutzirkulation und damit die Versorgung der Haut von innen mit Sauerstoff und Nährstoffen erhöhen. Dazu gehören z.B. Nicotinsäureamid und Koffein, Pflanzenextrakte aus Angelika, Arnika und Pfefferminze sowie die Gewürze Ingwer, Pfeffer und Zimt.
Zur Behandlung der regenerationsbedürftigen Haut gibt es eine Vielzahl spezieller manueller und apparativer Methoden. Hier ein kleiner Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Mit O² und A, C, E
Die Behandlung mit Sauerstoff - Dabei wird der Haut von außen entweder direkt Sauerstoff in gebundener Form und über Liposomen zugeführt oder sie wird von außen über aktivierende Wirkstoffe zu einer stärkeren eigenen Sauerstoffaufnahme angeregt (indirekte Wirkung). Sauerstoffpräparate wirken anregend auf die Mikrozirkulation; sie aktivieren den Hautstoffwechsel, verstärken die Zellregeneration und steigern die Spannkraft und Vitalität der Haut.
Möglich ist auch die Arbeit mit speziellen Applikationssystemen, die mit Hilfe von Sauerstoff die Cremepartikel in feinste Einzelpartikel zerlegen. Dadurch können ausgewählte Wirkstoffe tiefer eingeschleust werden.
Die Behandlung mit den Vitaminen A und/oder C und E - Die "Schönheitsvitamine" schützen einerseits vor vorzeitiger Hautalterung durch freie Radikale, andererseits haben sie eine vitalisierende Wirkung auf die Hautfunktionen.
Eine Wirkungssteigerung der genannten Vitamine kann durch eine Kombination mit Fruchtsäuren (AHA) erzielt werden. Hier werden alle Inhaltsstoffe so aufeinander abgestimmt, dass ein Synergieeffekt erzielt werden kann. Die Kombination von Fruchtsäure mit Vitaminen bewirkt das Abschuppen der abgestorbenen Hautzellen, aktiviert die Zellerneuerung und die natürlichen Funktionen der Haut.
Fruchtsäuren und Q10
Fruchtsäurebehandlungen - Wenn sie auch zurzeit ein wenig aus der Mode gekommen sind: Mit Fruchtsäurebehandlungen ist eine sichtbare Verjüngung der Haut möglich, Falten und Fältchen werden geglättet und die Haut wird gleichzeitig durchfeuchtet. Beim Einsatz von AHA ist nicht die Art der eingesetzten Säure, sondern ihre Konzentration und der pH-Wert des Präparats von Bedeutung: Je höher die Konzentration und je niedriger der pH-Wert, desto ausgeprägter ist die Wirkung, desto stärker können allerdings auch Hautirritationen auftreten. Dies ist auch der Grund, weshalb höhere Fruchtsäurekonzentrationen zum chemischen Peeling nur von entsprechend ausgebildeten Kosmetikerinnen angewandt werden dürfen. Höchste Konzentrationen sind den Dermatologen vorbehalten.
Die Behandlung mit Coenzym Q10 - Coenzym Q10 ist als lebenswichtige Substanz für die Energiegewinnung aller Körperzellen mitverantwortlich. Es schützt die Zellen vor dem Angriff freier Radikale und trägt so dazu bei, dass Schäden nicht eintreten oder bereits eingetretene verringert werden. Der natürliche Repairmechanismus der Haut wird stimuliert und Fältchen werden geglättet. Sehr sinnvoll sind auch Institutsbehandlungen, bei denen das Coenzym Q10 mit Wirkstoffen kombiniert wird, die den Sauerstoffumsatz in den Zellen erhöhen.
Apparative Methoden
Behandlung mit Ultraschall - Die Wirkungsweise von Ultraschall in der Haut ist vielfältig und besteht aus einer thermischen, einer mechanischen und einer chemischen Komponente. Der Druck im beschallten Gewebe erhöht sich, weil die schwingungsfähigen Materieteilchen in Bewegung versetzt werden. Wärme entwickelt sich und führt zu einer Mikromassage. Die Gefäße weiten sich, es kommt zu einer stärkeren Durchblutung und somit zu einem erhöhten Stoffwechsel. Außerdem soll durch Ultraschallbehandlungen die Bildung von Kollagen und Elastin stimuliert werden. Mit Hilfe von Ultraschall können auch regenerierende Wirkstoffe leichter und tiefer in die Haut eingebracht werden.
Mikrodermabrasion - Bei der Mikrodermabrasion werden die obersten Zelllagen der Haut auf mechanische Weise abgetragen (abradiert). Dabei werden feine Kristalle im Sandstrahlprinzip mit einem Kompressor auf die Haut geschleudert und anschließend zusammen mit den gelösten Zellresten in einen separaten Behälter abgeführt. Die Haut zieht sich zusammen und durch die gesteigerte Kollagensynthese wird sie straffer und sieht jugendlicher aus.
Softlaser - Softlaser gelten als sanfte Faltenkiller. Mit dem gebündelten roten Licht des Laserstrahls wird sowohl flächig wie auch punktuell gearbeitet. Die Durchblutung und die Stoffwechselprozesse werden angeregt; kosmetische Wirkstoffe können danach besonders tief eindringen. Auch die Anwendung von Softlasern sollte erst nach absolvierter Spezialausbildung erfolgen.
Weitere apparative Behandlungsmöglichkeiten - Eine schon seit langer Zeit bekannte Methode zum tieferen Einschleusen von Wirkstoffpräparaten in Form von Ampullen, Seren oder Gelen ist die Iontophorese. Hierbei erhalten oberflächlich auf die Haut aufgetragene Stoffe eine bessere Tiefenwirkung, als dies beim Auftragen und Massieren per Hand möglich ist. Mit Myolift-Geräten wird ? vereinfacht ausgedrückt ? ein Muskeltraining durchgeführt, damit die Haut Straffheit und Glätte zurückgewinnt. Bei der Farblicht- oder Chromotherapie wird die Haut mit einer speziellen Lampe bestrahlt, die die gewählte Farbe extrem stark bündelt. So soll z.B. Orange die Regeneration der Hautzellen fördern und den Lymphfluss aktivieren.
Autorin: Marina Seewald